Mehr über Annette von Droste-Hülshoff (hier auf einem Gemälde von Sprick)

Sie möchten Annette von Droste-Hülshoff kennenlernen? Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin, erfahren Sie mehr über ihren Alltag, ihre Arbeit, ihr Privatleben und den Briefverkehr zu ihrer Zeit. Lernen Sie ihre Wohnorte kennen, verfolgen Sie ihre Korrespondenz mit Zeitgenossen, und gehen Sie mit Annette von Droste-Hülshoff auf Reisen.

300 Briefauszüge der Dichterin sind hier verfügbar, kategorisiert und verschlagwortet. Auch alle Kommentare sind authentisch und stammen von Zeitgenossen.

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!


An: Jenny von Laßberg, aus: Rüschhaus
1833 2.Oktober

Niemals ist es einem Menschen so kläglich gegangen als mir, seit Ihr fort seid. Ich begreife in der Tat nicht, wie ich noch dabei auf den Beinen bleiben kann — keine vergnügte Stunde habe ich gehabt, außer den ersten 4 Tagen, wo ich schöne Versteinerungen fand. Deshalb wundere dich nur nicht, dass ich erst jetzt schreibe, aber nun will ich Dir auch alle meine Unglücker der Reihe nach klagen. Nachdem also die guten Steine gefunden worden waren, am 5ten Tage nach eurer Abreise, fand ich des Morgens meine Amme sehr krank, sie bekam die Grippe in sehr hohem Grade, und da sie sich ihr auf den Kopf warf, sie deshalb zuweilen wie besinnungslos war, nicht antwortete, wenn man sie fragte, auch ihr der Hals ganz zuging, so dachte ich… Weiterlesen »

Hintergrund: Schwester Jenny und Mutter Therese halten sich bei den Verwandten in Bökendorf auf.
bongré malgré = wohl oder übel
antediluvianisch = vorsintflutlich
item = ebenfalls
echappieren = entkommen
Ick sog ihr do jüst gohn, da wull ick ehr doch guden Dag seggen = Ich sah Sie just da gehen, da will ich Ihnen doch guten Tag sagen
An: August von Haxthausen, aus: Rüschhaus
1840 29.August

Daß Du Dir so viele, obgleich leider vergebliche, Mühe für Schücking gegeben, dafür danke ich Dir herzlich. Der arme Schelm dauert mich sehr und fängt jetzt an auch körperlich sichtlich unter seiner Lage zu erliegen. Mit den Stunden hat es keine Art, da niemand Englisch lernen will und für das Französische mehrere geborene Franzosen da sind, die man natürlich vorzieht. So muss er, gesund oder krank, auf Leben und Tod schriftstellern. Er kommt jede Woche hier, so in Schweiß gebadet und abgehetzt, als ob er zehn Stunden gemacht hätte. Es ist traurig, ein gutes Talent und gute Gesundheit so unter seinen Augen verkümmern zu sehn. Denk doch an ihn, wenn Dir etwas Passendes in den Weg läuft, ich bitte Dich darum. Rüschhaus, 29…. Weiterlesen »

Hintergrund: Zwischen November 1839 und September 1841 besucht Schücking die Droste regelmäßig im Rüschhaus.
An: Elise Rüdiger, aus: Rüschhaus
1845 14.November

… ich habe doch einen Brief vom 2ten Oktober zu beantworten, wo mir Schücking die „neue Wendung seines Schicksals“ ankündigt, und sich so hin und her dreht, dass ich denken soll, er habe erst jetzt, auf Dumonts Antrag, Cottas Dienst verlassen, während dies doch ganz gewiss schon im Frühling der Fall, und sein ganzer Aufenthalt in Bonn bloß auf die Bewerbung um Püttmanns Stelle berechnet war. Ob gegenseitige Unzufriedenheit im Spiele war, weiß ich nicht, Schücking ist seiner Stellung aber offenbar völlig überdrüssig gewesen – er ist wieder so eilig und läßt Luisen seinen Brief beenden, und sie schreibt mit einiger Bitterkeit: „Der Abschied von Augsburg und unsern dortigen Freunden tut uns beiden schwer leid! einen so… Weiterlesen »

Hintergrund: Am 1. November 1845 tritt Levin Schücking seine Tätigkeit für das Feuilleton der "Kölnischen Zeitung" an, er folgt dort dem Redakteur Hermann Püttmann.
Schückings Vater Paulus Modestus hatte 1837 seine Ämter als Richter und Amtmann verloren - wohl aufgrund seiner selbstherrlichen Art.
An: Dorothea von Wolff-Metternich, aus: Hülshoff
1821 22.September

Ich habe jetzt sehr wenig Zeit, denn der Onkel Max hat mir ein selbstverfasstes Werk über den Generalbass geschenkt. (Eine Abschrift, denn es ist nicht im Druck.) Was folgt daraus? Dass ich aus Dankbarkeit das ganze Werk von Anfang bis zu Ende durchstudiere und auswendig lerne! Ich kann nicht sagen, daß ich es ungern tät, oder dass es mir schwer würde, da ich schon manche andere Werke über den Generalbass kenne, aber ich muss fast meine ganze Zeit daran setzen. Außerdem wird jetzt fleißig hier im Hause gearbeitet, Jenny spielt und singt mit großem Eifer, da sie glaubt, in ihrer Abwesenheit Manches verlernt zu haben. Tony und Elise malen den ganzen Tag auf Sammet, Tony weiße und gelbe Narzissen und Elise ein Rosenbouquett,… Weiterlesen »

Hintergrund: Annette bekommt das Werk "Eine Erklärung über den Generalbass und die Tonsetzkunst überhaupt" von ihrem Onkel Maximilian Friedrich von Droste-Hülshoff zum Geschenk.
Das andere Nettchen Droste ist vermutlich die Cousine Antoinette von Droste-Stapel.
An: Sophie von Haxthausen, aus: Rüschhaus
1846 19.Januar

Ich bin jetzt wieder homöopathisch, der fatale Knoten hat sich fast ganz verloren, aber dafür ist mir seit 14 Tagen das Ohr fast ganz zugeschwollen, es braust mir darin wie ein Mühlenwehr, und ich begreife jetzt wohl, weshalb taube Leute gewöhnlich so einfältig sind, ich bin auch halb simpel. Sonst bin ich diesen Winter ungewöhnlich wohl und habe gar keinen Husten. … Meine gute Rüdiger schreibt fleißig, ist aber mitsamt ihrem Manne sehr mißvergnügt in Minden, und sie arbeiten aus allen Kräften, von dort wegzukommen. Ihr Haus beschreibt sie düster und melancholisch, wie einen Kerker. Es ist dasselbe, was der Erzbischof bewohnt hat, und sie meint, jetzt bedauere sie den armen Mann erst recht und fühle seine Hypochondrie… Weiterlesen »

Hintergrund: Die Schriftstellerin Bettina von Arnim war nach dem Tod ihres Mann Achim Anfang der 40er Jahre wieder zurück nach Berlin gezogen und unterhielt Unter den Linden einen intellektuellen Salon. Die Lichtfreunde waren ein Zusammenschluss evangelischer Christen, die sich von ihrer als reaktionär empfundenen Amtskirche abgrenzen wollten. Adele Schopenhauer lebte seit 1844 aus gesundheitlichen Gründen vorwiegend in Italien, zusammen mit ihrer Freundin Sibylle Mertens-Schaaffhausen.
An: Betty von Haxthausen, aus: Hülshoff
1826 25.April

Ich bin vorgestern Abend glücklich, aber ermüdet hier angekommen, und habe meine lieben Eltern und Geschwister gottlob alle noch viel wohler aussehend gefunden, als ich sie verließ … die Mutter … ist ebenso rasch und rührig, ebenso gute Fußgängerin wie sonst. Auch der Papa sieht sehr gut aus, und die Jenny und der Ferdinand gar, sind beide auffallend stärker geworden. Ich habe überhaupt alle so zufrieden und glücklich wie möglich gefunden; Werner ganz und gar liebenswürdig, aus Freude über seine nahe Heirat; Papa ganz verklärt neben seinen Orchisbeeten, wo einige nagelneue Sorten aus der Schweiz blühen – unter uns gesagt, nichts weniger als schön; die am meisten ins Auge fallenden sind hellgelb und machen ungefähr so… Weiterlesen »

Hintergrund: Nach sechsmonatigem Aufenthalt bei Onkel Werner und Tante Betty von Haxthausen in Köln kehrt Annette im April 1826 nach Hause zurück. Zu der Familienidylle, die sie hier beschreibt, tragen die Vorbereitungen für die Hochzeit ihres Bruders Werner mit Caroline von Wendt-Papenhausen am 11. Mai 1826 bei. Das Paar zieht auf das gepachtete Gut Wilkinghege, wenige Kilometer von Münster entfernt.
Annette weiß nicht, dass ihr zwei Schicksalschläge bevorstehen. Am 25. Juli 1826 - drei Monate nach dem Verfassen des vorliegenden Briefes - stirbt ihr Vater Clemens August plötzlich und unerwartet. Auch die Lebenszeit ihres lange Jahre kränkelnden Bruders Ferdinand (Fente) läuft ab - er erliegt am 15. Juni 1829 einer Lungentuberkulose.
An: Joseph von Laßberg, aus: Rüschhaus
1832 8.Januar

1. Wie ist die Kleidung in den ersten Sardinischen Flecken? der Stoff, die gewönlichste Farbe, der Schnitt jedes Kleidungsstücks? im Hause sowohl als im Puze? Schmuck, Halsband, Armringe. Besonders die Kleidung der Männer. 2. Ist das Klima schon gleichbedeutend anders als diesseits der Alpen, macht die Luft einen andern Eindruck? Was für andre Pflanzen sind da? Mehr oder weniger Gewitter, Regen? Kommen Ende Febr. schon Gras und Blumen hervor? 3. Welchen Charakter hat die Fassnacht dort auf dem Lande? Schon einen italienischen? Maskiert man sich? Erinnert etwas an die italienischen Volksmasken? Feiert man die Fassnacht mit Tanzen, Herumschwärmen, öffentlichen Spielen und Übungen? 4. Gibt es vielleicht ein anderes… Weiterlesen »

Hintergrund: Joseph von Laßberg war ursprünglich ein Freund von Annettes und Jennys Onkel Werner von Haxthausen - die beiden haben sich 1814/15 auf dem Weiner Kongress kennengelernt. Auf dem Rückweg von einer Italienreise machen die Haxthausens 1831 in Konstanz Station; Jenny reist ihnen dorthin entgegen und lernt bei dieser Gelegenheit Joseph von Laßberg kennen, der im nahen Eppishausen lebt. Am 3. Oktober 1831, auf einem gemeinsamen Ausflug zum Rigi, soll der um 25 Jahre ältere Laßberg Jenny seine Liebe erklärt haben.
An: Levin Schücking, aus: Abbenburg
1843 24.Juni

Sie sind also Bräutigam, und zwar einer höchst wahrscheinlich sehr guten und ganz gewiss höchst liebenswürdigen Braut, die nach Ihrer Beschreibung wirklich grade das zu besitzen scheint, was zu Ihrem innern Glück und äußeren Wohle nottut, und wonach mein Auge lange ängstlich für Sie umher gesucht hat. Nun, Gott segne Sie und gebe Ihnen alles Glück, was Ihr Herz so reichlich verdient! Wenn meine Wünsche für Sie nur erfüllt werden, dann will ich auch nicht zanken, dass Sie meinen warmen, angstvollen Rat, wie gewöhnlich, mit aller Hochachtung beiseite geschoben und dem Schicksal den Handschuh gradezu ins Gesicht geworfen haben. Jetzt bittet Dein Mütterchen Dich aber noch einmal, und es ist die letzte Bitte, von deren… Weiterlesen »

An: Sophie von Haxthausen, aus: Rüschhaus
1830 7.Juli

Wenn Du mich für einen schändlichen Windbeutel und Faulenzer hältst, meine alte Sophie, so tust Du mir aber dieses Mal denn doch Unrecht, obgleich ich durch meine frühren Schreibsünden allen möglichen Argwohn verdient habe und also über nichts klagen darf. Aber dieses Mal müssen doch die Wäscherin und Bönninghausen die Schuld tragen — die Erstere hat den Schal erst gestern geschickt, und Doktor Büninghusen ist fortwährend verreist gewesen, und ich habe ihn erst vorgestern auf einige Minuten, durch die Bückersche, können arrettieren, und zur Durchlesung des dritten Briefs, den ich seitdem geschrieben, zwingen lassen. Er war erst seit zwei Tagen zurück, hatte diese Zeit über gar nicht zu Bette gehn können, so waren die… Weiterlesen »

Hintergrund: Die Droste übermittelt hier Dosierungs- und Ernährungsempfehlungen ihres inzwischen sehr gefragten - Homöopathen Bönninghausen an ihre Stieftanten Ludowine und Sophie von Haxthausen.
Die Bückersche ist eine Verwandte von Annettes Amme Katharina Plettendorf und arbeitet im Rüschhaus. Sie ist u.a. für die Botengänge nach Münster zuständig.
Seite 1 von 3412345...102030...Letzte »