Mehr über Annette von Droste-Hülshoff (hier auf einem Gemälde von Sprick)

Sie möchten Annette von Droste-Hülshoff kennenlernen? Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin, erfahren Sie mehr über ihren Alltag, ihre Arbeit, ihr Privatleben und den Briefverkehr zu ihrer Zeit. Lernen Sie ihre Wohnorte kennen, verfolgen Sie ihre Korrespondenz mit Zeitgenossen, und gehen Sie mit Annette von Droste-Hülshoff auf Reisen.

300 Briefauszüge der Dichterin sind hier verfügbar, kategorisiert und verschlagwortet. Auch alle Kommentare sind authentisch und stammen von Zeitgenossen.

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!


An: Levin Schücking, aus: Meersburg
1842 13.Juni

Vorgestern habe ich Deinen Brief erhalten, mein gutes Herz, und heute sitze ich schon wieder hinter der Feder, und zwar auch einmal „in flüchtigster Hingeschmissenheit“, damit mein Brief womöglich noch vor oder mindestens zugleich mit demjenigen anlangt, den Dir Laßberg schreiben wird. Dieser hat nämlich soeben einen Brief vom alten Hug aus Freiburg erhalten des Inhalts, dass ihm eine Anfrage vom Regierungsdirektor von Recke (in Freiburg) geschehn hinsichtlich der moralischen und politischen Richtung des Levin Schücking, dem man, im Falle man hierüber gleich sichre und günstige Zeugnisse zu erhalten vermöge, als man bereits über andre erwünschte Eigenschaften eingeholt, die Redaktion der „Freiburger Zeitung“ anzubieten gedenke…. Weiterlesen »

Hintergrund: Die Freiburger Zeitung erscheint seit 1784. Mit dem Verleger wechseln Titel und redaktionelle Ausrichtung mehrfach im Laufe ihrer 150jährigen Geschichte. 1943 muss sie ihr Erscheinen einstellen. Die Universitätsbibliothek Freiburg hat alle Jahrgänge des Blattes digitalisiert. Die Freiburger Zeitung vom Entstehungstag des vorliegenden Droste-Briefes als pdf gibt es hier.
An: Elise Rüdiger, aus: Abbenburg
1845 17.Juni

So eben erhalte ich Ihren Brief, da nicht früher Gelegenheit von hier nach Brakel war, und nun bin ich ganz desperat. Mein Gott, was soll ich anfangen, wenn Sie fortgehn! Sie sind mir nun so lange alles in einer gewesen, und ich kann mir gar keinen möglichen Ersatz denken, mag mir auch keinen denken, und will nur in Gottes Namen unter die Eremiten gehn, wenn Sie wirklich fort müssen. Es ist um allen Mut zu nehmen! Aber sollte es nicht noch einmal ein Schreckschuß sein, wie so manche frühern? Ist Bodelschwings Ernennung denn schon gewiss? Sie schreiben mir so dunkel darüber, dass es mir mehr lautet wie eine schlimme Prophezeiung, die denn doch noch wohl falsch sein könnte. Ich bin so niedergeschlagen, dass ich Ihnen nicht mal sagen… Weiterlesen »

Hintergrund: Nach dem Amtsantritt von Ludwig Karl von Bodelschwingh als Regierungspräsident von Münster am 27. Mai 1845 lässt sich Elise Rüdigers Mann nach Minden versetzen.
An: Elise Rüdiger, aus: Meersburg
1844 4.Januar

Im Ganzen hat Laßberg mich heute belobt, aber schon einige Abänderungen vorgeschlagen, die sehr sehr nach der alten Schule schmecken, und mir nebenbei Gellert als den vollkommensten deutschen Stilisten empfohlen – Sie sehn, wo das hinaus will! Meersburg, 4. Januar… Weiterlesen »

An: Elise Rüdiger, aus: Abbenburg
1845 29.Juli

Ich hatte dies schon von mehreren Seiten gehört und konnte eigentlich nicht mehr daran zweifeln, aber Ihre Bestätigung war mir doch wie ein Donnerschlag. Ich will gar nicht von mir reden, Sie wissen selbst, was ich verliere und wie mir dabei zumute sein muss, also will ich Ihnen das Herz nicht noch schwerer damit machen, auch aus Luischens und Nannys Leben nehmen Sie den besten (fast den einzigen) Sonnenstrahl mit fort, und auch Rüdigers gerechter Kummer geht mir sehr zu Herzen. Ich weiß, mein Lies, Sie sind jetzt doppelt freundlich mit ihm, jetzt, wo er einer vollen Teilnahme und auch der Nachsicht mit sehr natürlichen Verstimmungen so sehr bedarf. Werner schreibt mir übrigens, dass man seine Versetzung allgemein bedaure und die… Weiterlesen »

Hintergrund: Im Oktober 1845 ziehen die Rüdigers von Münster nach Minden um. Ein Besuch der Droste bei ihrer Freundin in Minden findet nicht statt.
An: Therese von Droste, aus: Bökendorf
1820 11.März

Was Du mir in Betreff der Moneten schreibst, liebste Mama, ist mir sehr erfreulich gewesen, ich habe noch etwas und hoffe damit auszukommen, aber ich dachte, ich müsste noch viel wieder mitbringen, von wegen des vielen Geldes, was Ihr mir geschickt habt, was aber großenteils die gelbgelockte Nymphe zu Driburg unters Wasser gezogen hat. Was meinst Du, Mama, da kriegt man mal wenig fürs Geld und muss noch obendrein für Sachen bezahlen, die man nicht kriegt, und für Dienste, die einem nicht geleistet werden, z.B. den Tafeldecker, wenn man, wie ich, auf seinem Zimmer isst, den Brunnenmeister, wenn man, wie ich, keinen Brunnen trinkt, die Badefrau, wenn man, wie ich, eine eigne Bedienung bei sich hat. Ich wollte auch erst nicht… Weiterlesen »

An: Ludowine von Haxthausen, aus: Wehrden
1820 3.Januar

Ich habe Mittwoch in Höxter im Konzert gesungen mit der Fennewitz. Du kannst nicht glauben, wie mir die Sache erschwert wurde. Zuerst bekomme ich den Brief mit der Bitte und den Noten zugleich am Sonntag davor. Die Zeit von drei Tagen war kurz genug zum Einstudieren, doch nahm ich es an. Den folgenden Abend spät (Montag) kömmt ein zweiter Bote, man hätte sich versehen, Madame Fennewitz hätte die andere Stimme einstudiert. Ich musste also wechseln, obschon ich zum Einstudieren dieser anderen Stimme jetzt nur einen Tag mehr hatte; ich nahm es jedoch an und wurde auch ziemlich fertig. Mittwoch gegen Mittag kommen wir zu Höxter an. Madame Fennewitz ist schon da, und wir wollen anfangen zu probieren; da kömmt es heraus, dass die… Weiterlesen »

An: Jenny von Laßberg, aus: Rüschhaus
1844 20.September

Unsere Reise ist sehr gut und schnell vonstatten gegangen, obwohl sie etwas fatal anfing. Von Mamas Medizingläschen hatte sich nämlich der Pfropfen losgerüttelt, und wir merkten erst an dem Gestank von Assa foetida, dass es zum Teil in Mamas Körbchen und noch mehr in Settchens Mantel ausgelaufen war. Das Fläschelchen wurde zum Wagen hinausgeworfen, das Körbchen war weit von unseren Nasen untergebracht, dennoch wurde Settchen nach einiger Zeit ganz übel, und sie musste sich mehrere Stunden lang von Zeit zu Zeit zum Wagen hinaus übergeben, bis sie den Mantel abnahm, unter ihr Sitzpolster legte und sich in meinem roten Pelzmantel auf den Bock setzte, wo ihr dann bald besser wurde, und es ist dies das einzige uns auf der Reise… Weiterlesen »

Hintergrund: Rund eine halbe Million Gläubige waren 1844 nach Trier gepilgert, wo das angebliche Kreuzigungsgewand Christi im Dom ausgestellt war; unter ihnen war auch die junge Gräfin Johanna von Droste-Vischering. Die 19-Jährige, eine Großnichte des Erzbischofs Clemens August von Köln, war seit einigen Jahren durch eine Erkrankung lahm. In Trier berührte sie den Saum des heiligen Rockes - und war, so erzählte man sich, fortan geheilt.
An: Jenny von Laßberg, aus: Rüschhaus
1845 6.Dezember

Diesmal nur einige Zeilen in fliegender Eil, denn Dein Geld, was soeben angekommen ist, muss sogleich wieder fort, um in Tresorscheine umgesetzt zu werden und dann das ganze Paket gleich in Münster zur Post, weil Euer einfältiger Bürgermeister auf beiden Scheinen den Stempel (oder Siegel) vergessen hat, so dass sie bei der Kasse in dieser Gestalt gar nicht können als gültig angesehn und den Quittungen beigelegt werden. Nur aus besonderer Gefälligkeit hat man das Geld darauf ausgezahlt, dringt aber nun auf augenblickliche Besserung des Fehlers. Schick also die beiden Papiere möglichst bald zurück! … Daß ich soviel Glück mit meinem Rebberg habe, ist prächtig, und die Akquisition des Gartens gefällt mir ebenfalls sehr; ich… Weiterlesen »

Hintergrund: Den beiden Scheinen (Schecks?), mittels derer Jenny ihrer Schwester den Erlös aus dem Verkauf ihres Weines schickt, fehlt der vorgeschriebene Stempel des Bürgermeisters von Meersburg. Ein Tresorschein ist eine Banknote.
An: Sophie von Haxthausen, aus: Münster
1837 7.Dezember

An Vergnügungen ist diesen Winter schwerlich zu denken, wenigstens für den Adel, von dem ein Teil bereits sich gegen alles dergleichen erklärt hat. Freilich gibt es noch junges Volk, was sich die Haare darüber aus dem Kopfe reißen möchte; indessen die Papas werden wohl dieses mal die Oberhand behalten. Deshalb bleib nur zu Hause, meine liebste Sophie, Du kömmst doch nicht zum Tanzen, zudem da hier jedermann mit dem Erz verwandt oder sehr bekannt ist, unsre Herrenwelt selten zusammen, sondern bald der eine, bald der andere dort, und die noch nicht da waren, haben es größtenteils noch vor … Es ist eine wahre Adelswanderung und wird wohl ganz die Runde gehn. Du glaubst nicht, welchen Eindruck die neuesten Begebenheiten… Weiterlesen »

Hintergrund: Der aus Münster stammende Kölner Erzbischof Clemens August Droste zu Vischering war im November 1837 zusammen mit seinem Sekretär Michelis verhaftet worden. Grund war seine provokante Haltung gegenüber dem preußischen Staat, der - als protestantisch geprägt - im katholischen Münster ohnehin einen schweren Stand hatte: Im Mischehenstreit bestand der Erzbischof entgegen einer Order König Friedrich Wilhelms III. darauf, dass die Kinder gemischtkonfessioneller Paare katholisch getauft werden. Auch im Hermesianerstreit legte er sich mit Preußen an: Der Erzbischof lehnte die Lehren des aufgeklärten Katholiken Georg Hermes ab und mischte sich in den Lehrbetrieb der Bonner Universität ein. Mehr zum Kölner Kirchenstreit und zu den Tumulten im Münster-Wiki.
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