Mehr über Annette von Droste-Hülshoff (hier auf einem Gemälde von Sprick)

Sie möchten Annette von Droste-Hülshoff kennenlernen? Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin, erfahren Sie mehr über ihren Alltag, ihre Arbeit, ihr Privatleben und den Briefverkehr zu ihrer Zeit. Lernen Sie ihre Wohnorte kennen, verfolgen Sie ihre Korrespondenz mit Zeitgenossen, und gehen Sie mit Annette von Droste-Hülshoff auf Reisen.

300 Briefauszüge der Dichterin sind hier verfügbar, kategorisiert und verschlagwortet. Auch alle Kommentare sind authentisch und stammen von Zeitgenossen.

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!


An: Sophie von Haxthausen, aus: Rüschhaus
1837 5.September

Ich sitze hier seit vierzehn Tagen ganz, ganz still, dass man es ja in Münster nicht merkt; denn nur unter dieser Bedingung hat Mama mir erlaubt, hierzubleiben. Sie fürchtete sonst Unkosten und Klatscherei; ich weiß nicht, was am meisten. So meint jedermann, ich sei wenigstens für gewöhnlich in Hülshoff, wo ich es aber, die Wahrheit zu sagen, nur wenige Tage aushalten konnte. Der Lärm, nein, ich sage zu wenig: das Geheul, das Gebrüll der Kinder könnte den stärksten Menschen verrückt machen, wieviel mehr mich mit meinem armseligen Ohrweh: denn du musst wissen, dass ich erst seit zwei Tagen frei davon bin. Du kannst denken, wie meine Nerven herunter sind. … Denn – denk dir meinen Kummer – Werner fängt Ökonomie an und läßt… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
1842 11.September

Ich gäbe viel darum, liebes Herz, wenn Sie grade dieses Mal echt offen und ausführlich geschrieben hätten, ganz wie zu Ihrem Mütterchen; denn ich sitze hier seit sechs Wochen mutterseelen allein, und weder Hahn noch Huhn kräht nach den Briefen, die ich bekomme, und mich verlanget so nach einem recht langen, warmen, lieben; aber das konnten Sie freilich nicht wissen, das erste nämlich. . … Daß Briefe an mich erbrochen würden, ist fortan gar keine Gefahr mehr vorhanden, selbst wenn ich grade abwesend sein sollte; aber ich wünsche dennoch dringend sie allein zu bekommen, um nicht genötigt zu sein sie vorzulesen, wo man dann, noch unvertraut mit dem Inhalte, beim Übergehen so leicht ungeschickt stockt, was allerlei Fatalitäten… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
1846 7.Februar

Wir haben binnen wenigen Monaten viel Angst ausgestanden, doch ist gottlob nur ein Schlag niedergefallen: wir haben den guten Onkel Fritz Haxthausen verloren, ein recht betrübender Verlust, jedoch einer, wie viele im Leben vorkommen und womit man sich abfinden muss. Aber dass Mama und ich, seine einzigen Pfleger – denn er war zuletzt hier in Münster – zwei Monate voraus wussten, er sterbe an Magenkrebs und werde wahrscheinlich zuletzt verhungern, das war sehr hart und überstieg zuweilen, wenn er so geduldig und voll Hoffnung war, wirklich unsre Kräfte. Der Himmel ließ es nicht zum Äußersten kommen, ein Schlagfluss trat früher hinzu. Wohl ein Glück, aber doch ein mit vielem Schrecken verbundenes. Seitdem – auch schon… Weiterlesen »

Hintergrund: Schlagfluss: Schlaganfall
An: Elise Rüdiger, aus: Meersburg
1847 16.Februar

Kinkel war (Ende September) wieder gesund und in voller Tätigkeit, seine Johanna aber hätte man steinigen mögen, weil sie den nagelneuen Streit zweier Frauen aus geachteten und mit halb Bonn verwandten Familien auf die skandalöseste Weise als Novellenstoff verarbeitet hatte. Die Indiskretion des Federviehs ist doch heutzutage wahrhaft scheußlich! Meine Charakteristik im „Jahrbuche“ mag auch ein rares Stückchen sein, da sich der gute Kühnast so daran geärgert hat! Sie können wohl denken, dass ich es nicht gelesen, und wahrlich keine Lust dazu habe. Bädeker hat mir das Buch geschickt, d. h. nach Hülshoff. Werner schickte mir den Brief, behielt aber das versiegelte Paket bis auf weitere Ordre zurück; dort mag es ruhn bis zum… Weiterlesen »

Hintergrund: Mit der gewissen ist wohl die „Kölnische Zeitung“ gemeint, mit den zwei Menschen Luise und Levin Schücking.
Antediluvianisch: vorsintflutlich
In Schückings Kurzbiografie der Droste, die „Charakteristik“, erschienen im Jahrbuch „Vom Rhein“, hat Annette offenbar keinen Blick geworfen.
An: Henriette von Hohenhausen, aus: Rüschhaus
1840 14.Januar

Schücking ist auch noch unversorgt und strengt sich übermäßig an, um zugleich seinen Erwerbszweigen (Sprachunterricht und literarische Arbeiten) und den nötigen Studien für sein ferneres Fortkommen genugzutun. Er sieht elend aus, klagt aber nicht. Sein Verhältnis zur Bornstedt hat übrigens nicht die von Ihnen befürchtete Richtung genommen, vielmehr ist die Rosenfarbe daran immer mehr verblichen und jetzt ein so trocknes freundschaftliches Verhältnis daraus geworden, als man es zu beider Besten nur wünschen kann. … Von meinem hiesigen Leben kann ich Ihnen wenig sagen, Sie sehen einen Tag, damit haben Sie alle gesehn. Ich schreibe, lese, was mir die Güte meiner Freunde zukommen läßt, stricke ein klein, klein wenig (abends)… Weiterlesen »

An: Karl von Haxthausen, aus: Rüschhaus
1845 22.November

Welch große Freude hast du mir gemacht, Du guter lieber Onkel! Was für Biester! Kreaturen darunter, die mir mein Lebtage noch nicht vor Augen gekommen sind! Und alle so wohl erhalten! Ich habe ein paar Tage nichts getan, als begucken; dann kriegte ich die Angst, dass sie mir staubig werden möchten und habe sie in meinen neuen Glasschrank gelegt und meinen Tisch daran gerückt, damit ich doch zwischendurch immer am Besehen bleiben kann. Und wo hast du die kleine Pharaonsmuschel hergekriegt? Das ist ein äußerst rares Stück, ich habe sie ein paarmal in ganz großen Sammlungen, aber immer zuletzt, als das Beste von der ganzen Geschichte, gesehen. Die beiden Muscheln mit den langen Beinen find ich auch sehr schön, und den… Weiterlesen »

Hintergrund: Daniel Nikolaus Chodowiecki war der populärste Kupferstecher, Grafiker und Illustrator des 18. Jahrhunderts in Deutschland; sein Bruder Gottfried Chodowiecki war Miniaturmaler. Eine Petschaft war ein Stempel, mit dem ein Siegel in Siegelmasse gedrückt wurde.
An: Luise von Bornstedt, aus: Rüschhaus
1838 2.Februar

Ich habe die Reisenovellen erst eben zu Ende gebracht, da ich sie erst gestern abends spät erhielt, mag aber doch nicht einschlafen, ohne Ihnen, liebste Freundin, ein herzliches und dankendes Wort gesagt zu haben für die Güte, mit der Sie mir den endlosen Schnee zu verzuckern suchen. Das Buch könnte man eher alles andre, auch schlimmere nennen als unbedeutend, und ich würde es nicht gelesen zu haben für einen Verlust halten. Es regt eine Masse von Gedanken an, wäre es auch mitunter nur als Gegensatz. Rüschhaus, 2. Februar 1838, 12 Uhr… Weiterlesen »

An: Maria Anna von Haxthausen, aus: Bad Driburg
1819 29.August

Ach liebe Großmutter und Tanten, wenn Ihr mir doch wolltet ein bisschen Butter schicken, hierzulande ist sie sehr teuer und schlecht, Frenzchen hat mir von Hinnenburg welche geschickt, aber die ist grade auf, wenn Ihr mir wolltet etwas süßes Brot und einen Käse dazu schicken, dann würde ich Euch sehr dankbar sein, nicht wahr? Ich mache es wie der schlaue Pilgrim in Hebels Schatzkästlein, aber in diesem fatalen Neste ist ist auch nichts zu haben als für ungeheures Geld, und dann oft noch nicht einmal, bitte schickt es mir auf jeden Fall so bald wie möglich, da ich nur noch acht Tage bleibe … Dass die Lotterie für die Schneebergsche so gut ausgefallen ist, wisst Ihr schon wohl, ich wollte, ich wüsste nur jemand, dem ich… Weiterlesen »

Hintergrund: In Bad Driburg, 20 Kilometer von Bökendorf entfernt, weilt Annette im Sommer 1819 zu einer Kur. Dort soll sie das "Bettellied" - offizieller Titel: "Die Ihr kennt des Lebens Freuden" - geschrieben haben, um Spenden für eine Frau Schneeberger einzutreiben.
An: Jenny von Laßberg, aus: Hülshoff
1830 26.März

Ich kann mich unmöglich so schnell entschließen, als von mir verlangt wird. Wenn es nicht so lange Zeit hat, bis ich wieder in Rüschhaus bin und ein wenig mit Euch überlegt habe, so lasst es lieber ganz beruhen, denn auf keinen Fall ist mir viel daran gelegen mitzugehn, aber es könnte mir wohl, bei näherer Überlegung, sehr zuwider sein. Gegen Mannheim habe ich, an und für sich, einen Widerwillen. Die guten Seiten dieses Aufenthalts reizen mich nicht. Von der schönen Gegen kann ich im Winter nicht profitieren. Dass die Stadt schön und regelmäßig gebaut ist, ist mir gleichgültig. Das Theater ist gut, d.h. etwa wie das Kasseler, aber Du weißt selbst, dass ich etwas geizig mit Theatergeld bin, und bloß wenn ich etwas Besonderes… Weiterlesen »

Hintergrund: Die Reise, die über Nizza nach Rom führen soll, ist eine Idee Werner von Haxthausens. Der Onkel würde gerne seine Schwester Therese und deren Töchter, Jenny und Annette, mitnehmen. Die Droste freut sich sehr darauf, doch ihre schlechte Gesundheit macht ihr einen Strich durch die Rechnung; mehrfach werden die Reisepläne geändert. Im September bricht ein Teil der Familie von Haxthausen nach Italien auf; die Droste-Frauen sollen später nachkommen. Politische Unruhen (Revolution in Paris und Belgien, Aufstände in einigen deutschen Städten) machen den Plan schließlich zunichte. Ende September/Anfang Oktober reist die Droste stattdessen nach Bonn.
Seite 1 von 3412345...102030...Letzte »