Mehr über Annette von Droste-Hülshoff (hier auf einem Gemälde von Sprick)

Sie möchten Annette von Droste-Hülshoff kennenlernen? Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin, erfahren Sie mehr über ihren Alltag, ihre Arbeit, ihr Privatleben und den Briefverkehr zu ihrer Zeit. Lernen Sie ihre Wohnorte kennen, verfolgen Sie ihre Korrespondenz mit Zeitgenossen, und gehen Sie mit Annette von Droste-Hülshoff auf Reisen.

300 Briefauszüge der Dichterin sind hier verfügbar, kategorisiert und verschlagwortet. Auch alle Kommentare sind authentisch und stammen von Zeitgenossen.

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!


An: Dorothea von Wolff-Metternich, aus: Hülshoff
1821 22.September

Ich habe jetzt sehr wenig Zeit, denn der Onkel Max hat mir ein selbstverfasstes Werk über den Generalbass geschenkt. (Eine Abschrift, denn es ist nicht im Druck.) Was folgt daraus? Dass ich aus Dankbarkeit das ganze Werk von Anfang bis zu Ende durchstudiere und auswendig lerne! Ich kann nicht sagen, daß ich es ungern tät, oder dass es mir schwer würde, da ich schon manche andere Werke über den Generalbass kenne, aber ich muss fast meine ganze Zeit daran setzen. Außerdem wird jetzt fleißig hier im Hause gearbeitet, Jenny spielt und singt mit großem Eifer, da sie glaubt, in ihrer Abwesenheit Manches verlernt zu haben. Tony und Elise malen den ganzen Tag auf Sammet, Tony weiße und gelbe Narzissen und Elise ein Rosenbouquett,… Weiterlesen »

Hintergrund: Annette bekommt das Werk "Eine Erklärung über den Generalbass und die Tonsetzkunst überhaupt" von ihrem Onkel Maximilian Friedrich von Droste-Hülshoff zum Geschenk.
Das andere Nettchen Droste ist vermutlich die Cousine Antoinette von Droste-Stapel.
An: Therese von Droste, aus: Meersburg
1848 27.Februar

Wie froh bin ich, Dir mal wieder selbst schreiben zu können, mein lieb Mütterchen, und zwar nur Gutes. Wir sind zwar alle krank gewesen, aber auch alle glücklich entwischt. Mit Laßberg hielt es etwas lange an, sein Winterhusten hatte sich ungewöhnlich stark eingestellt, weil er im vorigen Sommer die Badekur versäumt, und nun kam die Grippe dazu und zog sich so in die Länge, dass er am Ende recht schwach dabei wurde. Seit 14 Tagen ist aber alles vorüber, und seine Kräfte nehmen noch rascher zu als sie abgenommen, so dass ich ihn jeden Tag wenigstens um ein halbes Jahr jünger geworden finde. Jenny, die Kinder, Tony, Hohbach, Obsers Annchen, alle die Grippe! Von den Kindern Gundel am stärksten, doch haben sich beide nachher… Weiterlesen »

Hintergrund: Der genannte Bernhard Zeerleder konvertiert 1846 zum Katholiken und kämpft 1847 für den Sonderbund der konservativen Schweizer Kantone. Am 11. Februar 1848 wird der Major auf der Meersburg verhaftet.
Sequestention: Amtliche Beschlagnahme
An: Elise Rüdiger, aus: Meersburg
1844 4.Januar

Was kommen Sie mir denn mit meiner steinalten, seit 25 Jahren begrabenen Koketterie? Ich habe Ihnen ja schon früher erzählt, wie wir sämtlichen Cousinen haxthausischer Branche durch die bittere Not gezwungen wurden, uns um den Beifall der Löwen zu bemühn, die die Onkels von Zeit zu Zeit mitbrachten, um ihr Urteil danach zu regulieren, wo wir dann nachher einen Himmel oder eine Hölle im Hause hatten, nachdem diese uns hoch oder niedrig gestellt. Glauben Sie mir, wir waren arme Tiere, die ums liebe Leben kämpften, und namentlich Wilhelm Grimm hat mir durch sein Mißfallen jahrelang den bittersten Hohn und jede Art von Zurücksetzung bereitet, so dass ich mir tausendmal den Tod gewünscht habe. Ich war damals sehr jung, sehr… Weiterlesen »

Hintergrund: Mit den Löwen sind die Brüder Jakob und Wilhelm Grimm sowie die Studenten Heinrich Straube und August von Arnswaldt gemeint – sie gehörten zu den Sommergästen, die von den Onkeln ins großelterliche Gut Bökendorf eingeladen wurden. Das getrübte Verhältnis zu Wilhelm Grimm hat seine Ursache wohl in einem Vorfall im Jahr 1813 in Bökendorf, als die Droste dessen Namen verballhornt hatte.
An: Jenny von Laßberg, aus: Rüschhaus
1839 29.Januar

In Münster hat sich bei der Rätin Rüdiger (einer sehr netten und anspruchslosen Frau und Tochter der bekannten Elise von Hohenhausen) ein kleiner Klub von angehenden Schriftstellern gebildet, die jeden Sonntag abends dort zusammenkommen, um zu deliberieren und einander zu kritisieren. Er besteht aus einer Tante der Rüdiger, Henriette von Hohenhausen (die ein Bändchen sehr hübscher Erzählungen geschrieben hat), der Bornstedt, Levin Schücking, Junkmann und meiner Wenigkeit, wenn ich mal grade in Münster bin. Der Bornstedt ihre Schreiberei bedeutet nicht viel, doch verdirbt sie keinen Stoff ganz, ist in alle Sättel gerecht, und liefert, wie die Verleger es verlangen, bald eine Erzählung, bald einen Operntext, Gedichte,… Weiterlesen »

Hintergrund: Rezensionen der "Gedichte 1838" erschienen u.a. im Oktober 1838 im "Telegraphen für Deutschland" (Levin Schücking), im Mindener "Sonntagsblatt" vom 16.9.1838 (Elise von Hohenhausen),in Cottas "Morgenblatt für gebildete Leser" vom 22., 24.-27. 12. 1838 (vermutlich Levin Schücking), in der Beilage "Literarische Blätter" zu "Der Gesellschafter" am 19.8.1840 (Gustav Kühne) und im "Telegraphen" vom Juli und August 1840 (Friedrich Engels). Eine Rezension durch den Jenaer Literaturprofessor O.L.B. Wolff ist nicht nachgewiesen.
An: Christoph B. Schlüter, aus: Hülshoff
1838 13.Dezember

Die vielfachen, ich möchte fast sagen ungestümen Bitten Malchen Hassenpflugs haben mich bestimmt, den Zustand unseres Vaterlandes, wie ich ihn noch in frühester Jugend gekannt, und die Sitten und Eigentümlichkeiten seiner Bewohner zum Stoff meiner nächsten Arbeit zu wählen. Ich gestehe, dass ich mich aus freien Stücken nicht dahin entschlossen hätte, denn für erst ist es immer schwer, Leuten vom Fach zu genügen, und in dieser Sache ist jeder Münsterländer Mann vom Fach. Ich erinnere mich, dass einst ein sehr natürlich geschriebenes Buch in einer Gesellschaft vorgelesen wurde, die einen Soldaten, einen Forstmann, einen Gelehrten und einen Diplomaten in sich schloß; jeder war entzückt über alles, mit Ausnahme der Stellen, die… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Meersburg
1842 4.Mai

Ob ich mich freue nach Haus zu kommen? Nein, Levin, nein. Was mir diese Umgebungen vor sechs Wochen noch so traurig machte, macht sie mir jetzt so lieb, dass ich mich nur mit schwerem Herzen von ihnen trennen kann. Hör, Kind! Ich gehe jeden Tag den Weg nach Haltenau, setze mich auf die erste Treppe, wo ich Dich zu erwarten pflegte, und sehe, ohne Lorgnette, nach dem Wege bei Vogels Garten hinüber. Kömmt dann jemand, was jeden Tag ein paarmal passiert, so kann ich mir bei meiner Blindheit lange einbilden, Du wärst es, und Du glaubst nicht, wieviel mir das ist. Ist’s nicht ein heitrer Ort, mein junger Freund, Das kleine Haus, das schier vom Hange gleitet, Wo so possierlich uns der Wirt erscheint, So übermächtig sich die… Weiterlesen »

Hintergrund: Levin Schücking und Annette von Droste unternehmen in Meersburg täglich lange gemeinsame Spaziergänge. Aus Sorge vor Gerüchten verlassen sie die Burg getrennt, um sich dann in Haltenau zu treffen. Auf dem Rückweg machen sie häufig noch einmal Halt im "Glaserhäuschen". Mit dem Gedichte "Die Schenke am See" setzt die Droste dem Lokal und seinem Wirt ein literarisches Denkmal.

Am 2. April 1842 reist Schücking von Meersburg nach Stuttgart, um dort mit dem Verleger Cotta und dem "Morgenblatt"-Redakteur Hermann Hauff unter anderem über eine Veröffentlichung der "Judenbuche" zu sprechen. Anschließend tritt Schücking eine neue Stelle an: Er wird als Erzieher der Söhne des Fürsten von Wrede in Ellingen und Mondsee arbeiten.
An: Maria Anna von Haxthausen, aus: Hülshoff
1821 2.Dezember

Unser lieber Werner, der Ihnen, liebste Großmutter, diesen Brief überbringt, wird Ihnen sagen, wie sehr wohl wir uns gottlob jetzt hier alle befinden; ich kann sagen, dass mir jetzt gottlob körperlich nichts fehlt, und ich habe die Aussicht, noch wohl gar eine recht feste Gesundheit zu bekommen, was ich nie mehr gehofft. Auch Ferdinand hat jetzt schon lange über nichts mehr geklagt; und unsre lieben Eltern, die ich zuerst hätte nennen sollen, wie auch Jenny und überhaupt alles hier im Hause genießt der besten Gesundheit, so dass ich glaube, dass dieses schlechte Wetterjahr vielleicht desto besser für die Gesundheit gewesen ist, selbst der alte Gärtner Franz, von dem wir im vorigen Winter glaubten, er werde den Frühling nicht… Weiterlesen »

Hintergrund: Der jüngere, stets schwächliche Bruder Ferdinand (Fente) ist an einer Lungentuberkulose erkankt. Er wird am 15. Juni 1829 sterben.
Die ältere Freundin in Koblenz, Generalin Thielmann, leidet an Demenz.
An: Werner von Droste, aus: Meersburg
1846 24.Oktober

Wie hast Du, lieber Bruder, nur einen Augenblick denken können, ich sähe dein Bestreben, mich über meine Apprehensionen wegzubringen und dadurch meine Genesung zu beschleunigen, für einen Mangel an Teilnahme an! Nein, alter Junge, so verkehrt kann ich mein Lebtage nicht werden; ich sah deine Absicht recht gut ein, fand auch wohl, dass Du Mitleid mit meinen wirklichen Leiden hattest, obwohl Du sie für ungefährlicher hieltest als ich. Ich bin denn nun hier in den Händen desselben geschickten Arztes, der Jenny so gut hergestellt und von dessen Arznei Mama bei ihrem letzten Herzklopfen große Linderung verspürt hat – zwei Dinge, die mir allerdings Zutrauen einflößen. Ich habe auch schon zwei Flaschen Medizindreck herunter, und… Weiterlesen »

Hintergrund: Franz Ludwig Grasso war der Arzt von Annettes Stiefonkel Friedrich von Haxthausen.
Spiegelei: Annette nennt die Räume, die sie auf der Meersburg bewohnt, nach deren ehemaligem Bewohner, einem Gefangenenwärter namens Spiegel.
Die "Charakteristik", eine Abhandlung von Levin Schücking über Annette von Droste, erscheint 1847 im Jahrbuch "Vom Rhein. Leben, Kunst und Dichtung". Die Droste hatte mehrfach versucht, die Veröffentlichung zu verhindern.
Sulpiz Boisseree ist ein Kunstsammler, den Annette 1825/26 in Köln kennengelernt hat.
Werners ältester Sohn Heinrich, zu dieser Zeit 19 Jahre alt, hat seine Tante Annette von Hülshoff bis Bonn begleitet.
An: Levin Schücking, aus: Meersburg
1844 11.Februar

Sie wundern sich wohl, mein guter Levin, fast zugleich zwei Briefe von mir zu erhalten; aber der von diesem Morgen war mir selbst so unangenehm zu schreiben und muss Ihnen notwendig so unangenehm zu lesen gewesen sein, dass ich es weder mir selbst noch meinem kleinen Jungen zu Leide tun mag, ihn ohne einen verbessernden Appendix zu lassen. Ach, Sie glauben nicht, wie geplagt man ist, sobald man Laßberg einige Einmischung gestattet hat, gleichviel in welcher Sache – was hier schon durch Annahme seines früheren Anerbietens geschehn war; er meint’s gut, nur zu gut, sieht die Sache dann ganz wie seine eigne an und wird zu einem unerschöpflichen Bronnen unbrauchbaren Rats, den er gleich in praxi sehn will und es nicht leicht vergibt,… Weiterlesen »

Hintergrund: Levin Schücking, der nun doch die Verhandlungen mit dem Inhaber der Cottaschen Verlagsbuchhandlung, Johann Georg Cotta von Cottendorf, über die zweite Gedichtausgabe führt (als Verleger des "Morgenblatts" sowie der Augsburger "Allgemeinen Zeitung" ist Cotta auch Schückings Chef), erhöht die Honorarforderungen mehrmals. Seinen ersten Vorschlag (vier Louisdor pro Bogen) ersetzt Schücking durch ein Pauschalhonorar von 700 Gulden, das sind 400 Reichstaler. Dieser Betrag wird vor allem von Annettes Schwager Laßberg als zu gering verworfen; bei einem Umfang von 35 Bogen läge das Honorar bei nur zwei Louisdor pro Bogen, gibt er zu bedenken. Auch hält Laßberg die Auflage für zu hoch, der Abverkauf würde entsprechend lange dauern; üblich seien 750 Exemplare.
Die Autorin selbst wäre mit 700 Gulden, also 400 Talern, zwar durchaus einverstanden, Schücking verhandelt dennoch erneut mit Cotta und führt dabei andere Verlage an, die ebenfalls Interesse an der Herausgabe des Buches angemeldet hätten. Cotta gibt schließlich nach. Das schließlich vereinbarte Honorar beläuft sich auf 500 Reichstaler, das sind 875 Gulden, auf eine Auflage von 1200 Exemplaren sowie zwölf Freiexemplaren für die Droste.
Der Louisdor (eigentlich Louis d'Or) ist eine französische Goldmünze, die damals bereits nicht mehr geprägt wird. Der preußische Reichstaler ist bis 1907 gültig (Wert: 3 Mark). Der in Europa weit verbreitete Gulden (Abkürzung fl) ist vor allem im Süden Deutschlands und im Rheinland im Umlauf, er gilt bis 1876. Zum Vergleich: Das Honorar, das die Droste schließlich für ihren zweiten Gedichtband erhält, liegt deutlich über dem Jahresgehalt eines Oberlehrers - der verdient (im Jahr 1862) 677 Gulden.
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