Mehr über Annette von Droste-Hülshoff (hier auf einem Gemälde von Sprick)

Sie möchten Annette von Droste-Hülshoff kennenlernen? Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin, erfahren Sie mehr über ihren Alltag, ihre Arbeit, ihr Privatleben und den Briefverkehr zu ihrer Zeit. Lernen Sie ihre Wohnorte kennen, verfolgen Sie ihre Korrespondenz mit Zeitgenossen, und gehen Sie mit Annette von Droste-Hülshoff auf Reisen.

300 Briefauszüge der Dichterin sind hier verfügbar, kategorisiert und verschlagwortet. Auch alle Kommentare sind authentisch und stammen von Zeitgenossen.

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!


An: Elise Rüdiger, aus: Meersburg
1847 4.Februar

Mein lieb lieb Lies! Ich wage es, einen Brief an Sie anzufangen — jeden Tag einige Zeilen, da muss es doch endlich etwas geben. Mein Gott! wie ist doch in Münster die Trennung der Gesellschaften so groß! Dass auch nicht einer Ihrer Bekannten erfahren hat, wie elend krank ich gleich nach meiner Mutter Abreise geworden bin, und dass nur die äußerste Not, die allerseitige Überzeugung, dass ich in diesem Zustande keinem westfälischen Winter entgegengehn dürfe, meine nachträgliche Reise wie alles Notwendige auch möglich gemacht hat — denn Sie müssen wissen, dass ich Hülshoff in einem Zustande verlassen habe, wo ich keine halbe Stunde außer dem Bette sein konnte, ohne ohnmächtig zu werden. Doch ging die Reise leidlich; hier… Weiterlesen »

Hintergrund: Cholerina: Ein Krankheitszustand, der als Vorstufe zur Cholera betrachtet wird, begleitet von Erbrechen und Schweißausbrüchen.
Schückings Kurzbiografie der Droste, die „Charakteristik“, erscheint 1847 in Gottfried Kinkels Jahrbuch „Vom Rhein“. Annette hat mehrfach versucht, die Veröffentlichung zu verhindern.
An: Werner von Droste, aus: Meersburg
1846 24.Oktober

Wie hast Du, lieber Bruder, nur einen Augenblick denken können, ich sähe dein Bestreben, mich über meine Apprehensionen wegzubringen und dadurch meine Genesung zu beschleunigen, für einen Mangel an Teilnahme an! Nein, alter Junge, so verkehrt kann ich mein Lebtage nicht werden; ich sah deine Absicht recht gut ein, fand auch wohl, dass Du Mitleid mit meinen wirklichen Leiden hattest, obwohl Du sie für ungefährlicher hieltest als ich. Ich bin denn nun hier in den Händen desselben geschickten Arztes, der Jenny so gut hergestellt und von dessen Arznei Mama bei ihrem letzten Herzklopfen große Linderung verspürt hat – zwei Dinge, die mir allerdings Zutrauen einflößen. Ich habe auch schon zwei Flaschen Medizindreck herunter, und… Weiterlesen »

Hintergrund: Franz Ludwig Grasso war der Arzt von Annettes Stiefonkel Friedrich von Haxthausen.
Spiegelei: Annette nennt die Räume, die sie auf der Meersburg bewohnt, nach deren ehemaligem Bewohner, einem Gefangenenwärter namens Spiegel.
Die "Charakteristik", eine Abhandlung von Levin Schücking über Annette von Droste, erscheint 1847 im Jahrbuch "Vom Rhein. Leben, Kunst und Dichtung". Die Droste hatte mehrfach versucht, die Veröffentlichung zu verhindern.
Sulpiz Boisseree ist ein Kunstsammler, den Annette 1825/26 in Köln kennengelernt hat.
Werners ältester Sohn Heinrich, zu dieser Zeit 19 Jahre alt, hat seine Tante Annette von Hülshoff bis Bonn begleitet.
An: Pauline von Droste, aus: Meersburg
1846 14.Oktober

Ich hätte Dir so gern unmittelbar nach meiner Ankunft geschrieben, aber die Nachwehen der Reise ließen sich doch spüren, wo dann eine Unfähigkeit, in gebückter Stellung zu verweilen, immer das erste ist, was sich bei mir einstellt. Jetzt bin ich jedoch ziemlich wieder auf dem Strumpf und kann Euch Lieben, von denen ich gewiss weiß, dass Ihr meinen Weg in Gedanken mitgemacht und mit Euern guten Wünschen begleitet habt, nunmehr Rechenschaft von meinem honetten Betragen in der wilden fremden Welt ablegen, sowie Kunde geben von den “ungeheuerlichen und abenteuerlichen Gefahren”, denen ich um so sicherer entgangen bin, da sie gar nicht den Mut gehabt haben sich zu zeigen. Es ist kein Dampfkessel zersprungen, weder Land- noch… Weiterlesen »

Hintergrund: Mirabile dictu - Es ist erstaunlich zu sagen.
Kondukteur: Schaffner
Omnibus: Langgezogene Kutsche, in der bis zu 16 Reisende sich gegenübersitzen können; den Namen erhält dieses um 1825 entstandene Transportmittel, weil es "allen" bestimmt ist.
Effekten: Gepäck mit Kleidung und Wertgegenständen
Ankunft in Meersburg: Im Gegensatz zu den Angaben Annettes notiert ihre Schwester Jenny in ihrem Tagebuch als Ankunftszeit 14 Uhr. Die hier beschriebene Fahrt ist in Bild und Ton hier nachzuerleben: Annettes letzte Reise
An: Sophie von Haxthausen, aus: Rüschhaus
1845 24.April

Du wirst selbst wohl denken, liebe alte Sophie, weshalb ich erst jetzt antworte. Wir haben euch täglich, seit das Wetter so schön ist, stündlich erwartet, und je länger es währte, je sicherer dachten wir euch schon auf den Rädern. Nun ist vorgestern Dein Brief gekommen, und unsre schönen Luftschlösser sind kaputt. Es ist recht betrübt, dass ihr nicht kommt, aber uns doch lange nicht so betrübt, als wenn wir es vor sechs Wochen erfahren hätten, denn jetzt liegt unsre eigene Reise schon näher, und Ende Mai sind wir, so Gott will, alle zusammen. Wir würden schon eher kommen, wenn der lange Winter nicht alles so weit hinausgeschoben hätte. Wäsche, Arbeit in Feld und Garten, und nun findet sich zum Überfluß, dass in meinem… Weiterlesen »

Hintergrund: Plafond = Zimmerdecke.
An: Pauline von Droste, aus: Abbenburg
1843 17.Juli

Denke nicht miserabel von mir, bestes Herz, weil ich deinen lieben freundlichen Brief mit dem mir überaus wertem Geschenke so lange unbeantwortet gelassen habe. Es ist seitdem allerlei über mich gekommen, Krankheit, Reisen, und (worüber du lachen wirst) ein wahrer babylonischer Turmbau von Geschäften. Ich sitze hier — oder vielmehr ich sitze nirgends, sondern bin in einem Rennen und Fahren, da wir genötigt sind ,unter nicht weniger als neun Orte unsern hiesigen Aufenthalt zu verteilen. Hier wohnt der Onkel Fritz, in Bökendorf Sophie und Karl, in Vörden Guido, in Hinnenburg die alten Asseburgs, in Haynhausen die jungen, in Brede Ludowine, in Herstelle Zuidtwicks, in Wehren Tante Metternich, und in Erpernburg Brenkens. Du kannst… Weiterlesen »

An: Moritz von Haxthausen, aus: Rüschhaus
1832 21.Oktober

Wir erwarten jetzt Jenny bald zurück, Werner, mein Bruder nämlich, ist vorgestern abgereist, um sie selbst von Bökendorf abzuholen — ich fürchte nur, man wird ihn dort aufhalten, was mir eigentlich gar nicht recht war, denn Jenny ist hier höchst nötig, erstlich für ihre Blumen, die in dem kalten feuchten Wetter eher zurück als vorwärts wachsen — Mama würde sich die Haare ausreissen, wenn sie es sähe, aber sie sitzt schon seit drei Wochen in der Stube und laboriert an einer Fußwunde, die zwar nicht sehr böse ist, aber doch auch nicht ganz besser werden will, und das ist eigentlich der Hauptgrund, weshalb ich Jennys Zurückkunft kaum erwarten kann, denn Mama wär längst kuriert, wenn ich nur etwas Succurs hätte, sowohl was… Weiterlesen »

Hintergrund: Succuts = Hilfe
echappieren = entkommen
An: Elise Rüdiger, aus: Abbenburg
1845 30.Mai

Auch einen sehr dringenden Antrag von Berlin habe ich bekommen; vom Huber (Verfasser der “Skizzen von Spanien”), um seinem Blatte (den Titel habe ich vergessen), dessen Tendenz allerdings der meinigen gleichlaufend scheint, beizutreten. Onkel August meint, Huber sei geneigt, mir ausnahmsweise acht Louisdor p. Bogen zu geben. Das wäre freilich Geld! Ich glaube aber noch nicht daran und habe August auch nicht gefragt, worauf er seine Meinung eigentlich basiert. Dieser August sagt, Hubern sei sehr an meinem Beitritt gelegen. Die Male auch, mit welchen beiden er darüber geredet hat. So habe ich auch die letztere schreiben lassen, Huber möge mir selbst schreiben und genau seine Bedingungen angeben. Jedenfalls würde ich mir aber drei… Weiterlesen »

An: Christoph B. Schlüter, aus: Rüschhaus
1846 20.August

Sollte ich Ihnen wirklich eigenmündig Veranlassung gegeben haben zu glauben, ich könne den Leonidas in der Ursprache lesen? Oder trägt die große geistige Elle die Schuld, an der, wie der Fuchs beim Messen den Schwanz, so Sie den glänzenden Schweif Ihr eignen Vielwissenschaft zugeben? Sed non cuivis contingit adire Corinthum! Ich kann elendiglich wenig Griechisch, in meinen besten Glanz- und Übungsjahren kaum über die Fibelschützerei hinaus und jetzt wieder schmählich dahin zurückgesunken. Kurz, ohne den großen Trost der lateinischen Erläuterungen würde ich kaum begriffen haben, wo die Glocken hängen und bin auch jetzt noch bei manchen nicht ganz sicher darüber. Von einem eigentlichem Urheile kann also nicht die Rede sein,… Weiterlesen »

An: Sophie von Haxthausen, aus: Rüschhaus
1839 27.Januar

Die Bornstedt überschüttet mich fortwährend mit Briefen und Gefälligkeiten, und ich sehe sie, wenn ich mal (sehr selten) nach Münster komme, obgleich sie mir, unter uns gesagt, immer weniger gefällt. Ich fürchte, ihre Frömmigkeit ist großenteils Poesie und Phantasie, obgleich sie wirklich den besten Willen hat, aber sie steckt voll halb berlinischer, halb französischer Schwächen und erinnert mich unzähligemal an die Gauthier. Schücking möchte ich gern wohlwollen, da ich weiß, dass er mich seiner seligen Mutter so ähnlich findet, was ihm in seiner Verlassenheit ein großer Trost ist und mich rührt, und da er zudem ein so rein moralischer, gescheuter und gelehrter Mensch ist, aber es wird mir schwer, er ist mir gar zu… Weiterlesen »

Hintergrund: Zur Jahreswende 1838/39 gründet Elise Rüdiger in Münster einen literarischen Zirkel, dem Luise von Bornstedt, Levin Schücking, Carl Carvacchi, Hermann Besser, Wilhelm Junkmann und die Droste angehören.
Ein Kniestück ist die Wiedergabe einer porträtierten Person bis zu den Knien.
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