Mehr über Annette von Droste-Hülshoff (hier auf einem Gemälde von Sprick)

Sie möchten Annette von Droste-Hülshoff kennenlernen? Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin, erfahren Sie mehr über ihren Alltag, ihre Arbeit, ihr Privatleben und den Briefverkehr zu ihrer Zeit. Lernen Sie ihre Wohnorte kennen, verfolgen Sie ihre Korrespondenz mit Zeitgenossen, und gehen Sie mit Annette von Droste-Hülshoff auf Reisen.

300 Briefauszüge der Dichterin sind hier verfügbar, kategorisiert und verschlagwortet. Auch alle Kommentare sind authentisch und stammen von Zeitgenossen.

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!


An: Therese von Droste, aus: Rüschhaus
1828 10.September

Mit der Haushaltung geht hier übrigens alles recht gut. Ich habe noch wenig darin ausgelegt. Fleisch ist gar nicht gekauft, wir hatten noch junge Tauben, Hüerländers brachten junge Enten, und vor allem ist uns Ferdinand mit seiner Jagdbeute sehr hilfreich gewesen. Er besucht uns fast immer um den andern Tag und steht in hohem Kredit bei den Lotten. … Mit dem Bau geht es hier nicht so voran, wie ich wünschte. Selkmann ist, seit du weg bist, fast nie selbst hier gewesen, sondern hat nur die Gesellen geschickt, und mir ist es vorgekommen, als gehe seitdem alles viel langsamer. Am nächsten Samstag sind es nun schon vierzehn Tage, dass die Maurer, ohne mir das geringste vorher zu sagen, gänzlich fortgegangen sind und hinterlassen… Weiterlesen »

Hintergrund: Seit Sommer 1828 arbeitet die Droste an einem Entwurf zum zweiten Gesang des "Hospiz auf dem Großen St. Bernhard". Im Herbst gerät die Weiterabeit ins Stocken - wegen gesundheitlicher Probleme (Augenleiden), aber auch, weil sie während der Abwesenheit von Mutter und Schwester, die sich - wieder ohne Annette - bei den Verwandten in Bökendorf aufhalten, Rüschhaus eine Zeitlang alleine verwalten muss.
An: Wilhelm Junkmann, aus: Rüschhaus
1839 17.November

Ein Schriftsteller ums liebe Brot ist nicht nur Sklave der öffentlichen Meinung, sondern sogar der Mode, die ihn nach Belieben reich macht oder hungern läßt, und wer nicht gelegentlich sein Bestes und am tiefsten Gefühltes, Überzeugung, Erkenntnis, Geschmack, verleugnen kann, der mag sich nur hinlegen und sterben, und der Lorbeer über seinem Grabe wird ihn nicht wieder lebendig machen. … Ich bin in diesem Sommer sehr fleißig gewesen und habe an dem “Geistlichen Jahr” dermaßen nachgearbeitet, dass ich bei meiner Abreise mit der laufenden Zeit gleich war und dem Jahresschluß bedeutend vorzueilen hoffte. Seitdem bin ich in Rückstand gekommen, teils war ich krank, teils anderweitig verhindert, hatte allmählich auch einen… Weiterlesen »

An: Jenny von Laßberg, aus: Rüschhaus
1845 14.November

Heute muss ich diesen Brief schließen, wenn er noch zur rechten Zeit kommen soll. Ich trenne mich ordentlich schwer von ihm, denn Sie sind mir fast wie gegenwärtig wenn ich so zu Ihnen rede. Ich las neulich von einer Erfindung, die man noch zu vervollkommnen und zum Besten der Politik auszubeuten hofft; nämlich durch eine wenig kostbare Vorrichtung von drahtdünnen Röhrchen unter der Erde den Schall auf große Wegstrecken so fortzupflanzen, dass man z.B. in Minden nur sprechen und ein anderer in Münster das Ohr anlegen darf. Ich denke mir, diese Einrichtungen würden dann Regale, und man förmlich auf Billets nach vorläufiger Bestellung zu Unterredungen zugelassen. Ach Gott, Lies, was würden wir da manchen halben Gulden… Weiterlesen »

Hintergrund: Alexander Graham Bell ist der erste, der das Telefon 1876 praktisch zum Einsatz bringt - doch die Entwicklungsgeschichte beginnt sehr viel früher, mit der Konstruktion des Morsetelegrafen 1837 durch Samual Finley Morse. Die Idee des Fernsprechens ist bereits im 17. Jahrhundert aufgekommen.
An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
1843 16.Februar

Nun zu der Gall; ob sie zu meiner Schwiegertochter paßt? Das könnte ganz wohl sein; schön und geistreich scheint sie wenigstens unwidersprechlich, und ich wäre sehr begierig, sie zu sehn; wo steckt sie denn jetzt? Nach Darmstadt denkt sie schwerlich so bald zurück zu kommen, da sie ihren Flügel verkauft hat. Es ist mir äußerst erfreulich, Levin, dass Sie in Ihrer jetzigen Verlassenheit einen geistigen Anhalt und Trost in ihr gefunden haben, und wenn es Gottes Wille ist, kann sie Ihnen allerdings dereinst vielleicht noch mehr werden. Dennoch muss ich Dich bitten, liebstes Kind, sei vorsichtig mit der Feder und hüte Dich vor jedem Worte, was Dich binden könnte; die Liebe wird weder durch Schönheit noch Talent noch selbst… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Meersburg
1843 15.Dezember

Lachen Sie nicht über die wahrscheinlich ungehörige Aufschrift dieses Briefes, mein guter Levin; Sie haben vergessen, mir Ihre Augsburger Adresse zu geben, und da ich nicht denken kann, dass nach so kurzem Aufenthalte der “Levin Schücking” allein ausreichen sollte, muss ich versuchen, ob der “Redakteur” mir durchhilft. Warum ich Ihnen so lange nicht geschrieben? Liebes Kind, zwischen Ihren zwei ersten und dem letzten Briefe liegen zwei Reisen, zwei Krankheiten und Geschäfte so ernster und anhaltender Art, wie ich nie daran gewöhnt und deshalb doppelt ungeschickt und von ihnen beschwert war. Nehmen Sie dazu, dass ich schweren Herzens Sie an der Katastrophe Ihres Schicksals sah, mit dem Gefühl, bei meiner durchaus oberflächlichen… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
1846 7.Februar

Wir haben binnen wenigen Monaten viel Angst ausgestanden, doch ist gottlob nur ein Schlag niedergefallen: wir haben den guten Onkel Fritz Haxthausen verloren, ein recht betrübender Verlust, jedoch einer, wie viele im Leben vorkommen und womit man sich abfinden muss. Aber dass Mama und ich, seine einzigen Pfleger – denn er war zuletzt hier in Münster – zwei Monate voraus wussten, er sterbe an Magenkrebs und werde wahrscheinlich zuletzt verhungern, das war sehr hart und überstieg zuweilen, wenn er so geduldig und voll Hoffnung war, wirklich unsre Kräfte. Der Himmel ließ es nicht zum Äußersten kommen, ein Schlagfluss trat früher hinzu. Wohl ein Glück, aber doch ein mit vielem Schrecken verbundenes. Seitdem – auch schon… Weiterlesen »

Hintergrund: Schlagfluss: Schlaganfall
An: Levin Schücking, aus: Meersburg
1842 4.Mai

Ob ich mich freue nach Haus zu kommen? Nein, Levin, nein. Was mir diese Umgebungen vor sechs Wochen noch so traurig machte, macht sie mir jetzt so lieb, dass ich mich nur mit schwerem Herzen von ihnen trennen kann. Hör, Kind! Ich gehe jeden Tag den Weg nach Haltenau, setze mich auf die erste Treppe, wo ich Dich zu erwarten pflegte, und sehe, ohne Lorgnette, nach dem Wege bei Vogels Garten hinüber. Kömmt dann jemand, was jeden Tag ein paarmal passiert, so kann ich mir bei meiner Blindheit lange einbilden, Du wärst es, und Du glaubst nicht, wieviel mir das ist. Ist’s nicht ein heitrer Ort, mein junger Freund, Das kleine Haus, das schier vom Hange gleitet, Wo so possierlich uns der Wirt erscheint, So übermächtig sich die… Weiterlesen »

Hintergrund: Levin Schücking und Annette von Droste unternehmen in Meersburg täglich lange gemeinsame Spaziergänge. Aus Sorge vor Gerüchten verlassen sie die Burg getrennt, um sich dann in Haltenau zu treffen. Auf dem Rückweg machen sie häufig noch einmal Halt im "Glaserhäuschen". Mit dem Gedichte "Die Schenke am See" setzt die Droste dem Lokal und seinem Wirt ein literarisches Denkmal.

Am 2. April 1842 reist Schücking von Meersburg nach Stuttgart, um dort mit dem Verleger Cotta und dem "Morgenblatt"-Redakteur Hermann Hauff unter anderem über eine Veröffentlichung der "Judenbuche" zu sprechen. Anschließend tritt Schücking eine neue Stelle an: Er wird als Erzieher der Söhne des Fürsten von Wrede in Ellingen und Mondsee arbeiten.
An: Therese von Droste, aus: Meersburg
1842 26.Januar

Scheppe und ich sind auch dicke Freunde und haben uns wertvolle Geschenke an Versteinerungen und Schneckenhäusern gemacht, denn er kriecht ebenso wie ich am See und in den Weinbergen umher und ist lange vor mir gekrochen, so dass die Meersburger an diese neue Art von Vierfüßlern gewohnt sind, was mir jetzt gut zustatten kömmt, denn es fällt keinem ein, was Besonderes darin zu finden, die Höflichsten bleiben sogar stehn und geben mir die Stellen an, wo seltene Sorten zu finden sind und wo der Physikus und Herr Jung auch gesucht hätten. … Ich gehe zuweilen zu Kessels oder den guten Klosterfrauen, deren freundliche und verständige Unterhaltung mich sehr anspricht, sonst zu niemandem, denn ich habe keine Zeit, da der Nachmittag… Weiterlesen »

Hintergrund: Dass Levin Schücking sich zeitgleich auf der Meersburg aufhalten wird, kommt für die Droste keineswegs so überraschend, wie sie gegenüber ihrer Mutter und später auch gegenüber der Freundin Elise Rüdiger vorgibt. Den Plan, Schücking die umfangreiche Bibliothek des Schwagers Laßberg sortieren zu lassen, haben Annette und ihre Schwester noch im Rüschhaus zusammen ausgeheckt. In Münster sorgt vor allem Luise von Bornstedt wegen dieses Zusammentreffens in der Ferne für "fatalen Klatsch".
Die Bornstedt hat sich inzwischen nicht nur bei der Droste, sondern allgemein in Münster unbeliebt gemacht, was schließlich, während Annette in Meersburg weilt, auch die literarische "Heckenschriftsteller-Gesellschaft" im Hause Elise Rüdigers sprengt.
An: Levin Schücking, aus: Abbenburg
1845 25.August

Machen Sie damit, was Sie wollen, d. h. drucken Sie es oder nicht; ich mache gar keine Prätensionen mit diesen Gedichten, die in einem Wirrwarr gemacht sind, wie ich desgleichen nie erlebt und nie wieder zu erleben hoffe. Seit zwei Monaten, wo der Onkel so weit hergestellt ist, dass er täglich einige Stunden Besuch ertragen kann, ist’s hier zum Schwindligwerden. Alle Tage 3–4 Besuche und jeder 3–4 Mann stark: neun verwandte Familien, vier benachbarte, nebst diversen Pastoren, die sich alle einbilden, jede Woche wenigstens einmal nachsehn zu müssen, wie die Besserung fortschreitet. Der Onkel hat’s bequem: sobald ihm der Lärm zu arg wird, zieht er sich als Rekonvaleszent in seine Privatzimmer zurück, wohin niemand folgen darf; aber… Weiterlesen »

Unter der Feder: Beiträge für "Das malerische und romantische Westphalen"
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