Mehr über Annette von Droste-Hülshoff (hier auf einem Gemälde von Sprick)

Sie möchten Annette von Droste-Hülshoff kennenlernen? Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin, erfahren Sie mehr über ihren Alltag, ihre Arbeit, ihr Privatleben und den Briefverkehr zu ihrer Zeit. Lernen Sie ihre Wohnorte kennen, verfolgen Sie ihre Korrespondenz mit Zeitgenossen, und gehen Sie mit Annette von Droste-Hülshoff auf Reisen.

300 Briefauszüge der Dichterin sind hier verfügbar, kategorisiert und verschlagwortet. Auch alle Kommentare sind authentisch und stammen von Zeitgenossen.

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!


An: Elise Rüdiger, aus: Abbenburg
1845 2.August

Von Schücking habe ich vor etwa acht Wochen einen Brief, wie immer sehr freundlich, aber ungeheuer flüchtig – keine Nachfrage nach irgend jemanden, keine meiner Fragen (die meistens meine schriftstellerischen Interessen betrafen) beantwortet, überhaupt gar keine Teilnahme an meiner Laufbahn mehr, nur einmal flüchtig hingeworfen: „Ihre Pyrenäengedichte sind schön – was machen Sie? sind fleißig?“, um dann gleich weitläufig auf seine eignen Ruhmes- und Erwerbplane zu kommen. Dreierlei soll in diesem Jahre heraus, ein Roman und zwei Sammlungen seiner zerstreuten Gedichte und Novellen; auch dreierlei Plaisiers hatten sie vor: erstlich eine Rheinreise (muss schon vorüber sein, der Brief war vom 16ten Juni), dann einen Monat Badekur… Weiterlesen »

An: Elise Rüdiger, aus: Meersburg
1844 3.April

Was soll ich Ihnen von Schs eigner Lage sagen? Er nimmt sie von der besten Seite, ist vergnügt wie ein König und baut ein Luftschloß ums andre, wobei er seinen zukünftigen Erwerb durch dramatische Arbeiten hoch anschlägt. Cottan hat er noch nicht mit Augen gesehn, ist auch nicht auf Ostern von ihm engagiert, sondern dies wieder auf Michaelis hinausgeschoben, wo er dann sicher auf eine feste Anstellung mit 1500 Gulden rechnet, und bis dahin seine Arbeiten an der „Allgemeinen“ sehr gut bezahlt erhält. Mich macht dies Aufschieben besorgt, und sein Ruhm? es ist kurios damit. Er selbst zitiert mir ein Journal nach dem andern, deutsche und französische, wo ich die brillantesten Sachen über ihn nachlesen soll (eins, im Literaturblatt… Weiterlesen »

Hintergrund: Abominable = abscheulich. Schücking hat auf Anraten der Droste einige anti-kirchliche Stellen aus dem Manuskript seines Schauspiels "Günther von Schwarzburg" gestrichen.
Die nach der München-Reise des Ehepaars Schücking geplante Fahrt nach Venedig kommt nicht zustande; somit müssen die beiden auch auf die angebliche förderliche Wirkung der Seebäder auf die Fruchtbarkeit verzichten. Nach der Hochzeit hatte das Paar eine einwöchige Reise von Darmstadt über Weinsberg nach Augsburg unternommen.
Noch immer hat Schücking keine Festanstellung bei der von Johann Georg Cotta verlegten "Allgemeinen Zeitung" als Redakteur, sondern arbeitet weiterhin lediglich auf Honorarbasis.
An: Elise Rüdiger, aus: Abbenburg
1845 17.Juni

Von hier kann ich Ihnen nichts erzählen. Es passiert eben nichts, und Sie kennen niemanden. So will ich Ihnen, faute de mieux, meine kleinen Reisebegebenheiten vorführen; die erste und unbedeutendste würde dennoch meiner armen Mama die Haare zu Berge getrieben haben. Ich habe nämlich das Malheur gehabt, im allerklatrigsten Aufzuge, altem Mantel, ohne Hut, von der Hartmannschen Familie erwischt zu werden – die Mama Hartmann, der Assessor, Tony, und eine Allwine Zurmühlen – alle mit mir auf der Schnellpost, von Münster bis fast Paderborn, zur Hochzeitsfeier Dinchens Hartmann mit Mallinkrodt. Ganz lieb war’s mir nicht, jedoch mit einiger Philosophie schon zu ertragen, aber Mama darf’s nicht wissen, sonst läßt sie mich mein Lebtage… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Meersburg
1842 13.Juni

Vorgestern habe ich Deinen Brief erhalten, mein gutes Herz, und heute sitze ich schon wieder hinter der Feder, und zwar auch einmal „in flüchtigster Hingeschmissenheit“, damit mein Brief womöglich noch vor oder mindestens zugleich mit demjenigen anlangt, den Dir Laßberg schreiben wird. Dieser hat nämlich soeben einen Brief vom alten Hug aus Freiburg erhalten des Inhalts, dass ihm eine Anfrage vom Regierungsdirektor von Recke (in Freiburg) geschehn hinsichtlich der moralischen und politischen Richtung des Levin Schücking, dem man, im Falle man hierüber gleich sichre und günstige Zeugnisse zu erhalten vermöge, als man bereits über andre erwünschte Eigenschaften eingeholt, die Redaktion der „Freiburger Zeitung“ anzubieten gedenke…. Weiterlesen »

Hintergrund: Die Freiburger Zeitung erscheint seit 1784. Mit dem Verleger wechseln Titel und redaktionelle Ausrichtung mehrfach im Laufe ihrer 150jährigen Geschichte. 1943 muss sie ihr Erscheinen einstellen. Die Universitätsbibliothek Freiburg hat alle Jahrgänge des Blattes digitalisiert. Die Freiburger Zeitung vom Entstehungstag des vorliegenden Droste-Briefes als pdf gibt es hier.
An: Elise Rüdiger, aus: Meersburg
1843 20.November

Den 19ten. Guten Morgen, altes Lies, es ist Sonntag, und ganz heimlich unser beider Namenstag dazu. Ich glaube nicht, dass im Schlosse jemand daran denkt, aber ich habe schon im Bette daran gedacht, d. h. an Sie, mein Lies, und Ihnen, bien ou mal, ein Stück Novembermorgen-Poesie zum Frühstück gebraten. Da haben Sie die Schüssel, wie sie ist! Noch mit unabgewischtem Rande, aber gut gemeint, und jedes Wort wahr darin. Ach, ich habe mich wieder so arg nach Ihnen gesehnt, dass es ganz unausstehlich war und ich mir fast einbildete, ich sei krank und könne nicht in die Kirche gehn, förmlich bei den Ohren habe ich mich dazu nehmen müssen, und merke doch nun, dass mir eigentlich nichts fehlt als Sie. An Elise. Am 19. November… Weiterlesen »

Hintergrund: Annette von Droste heißt eigentlich Anna Elisabeth, genauer: Anna Elisabeth Franzisca Adolphine Wilhelmine Louise Maria von Droste-Hülshoff. Von kleinauf wird sie - man kann es verstehen - Annette gerufen.
An: Maria Anna von Haxthausen, aus: Bad Driburg
1819 29.August

Ach liebe Großmutter und Tanten, wenn Ihr mir doch wolltet ein bisschen Butter schicken, hierzulande ist sie sehr teuer und schlecht, Frenzchen hat mir von Hinnenburg welche geschickt, aber die ist grade auf, wenn Ihr mir wolltet etwas süßes Brot und einen Käse dazu schicken, dann würde ich Euch sehr dankbar sein, nicht wahr? Ich mache es wie der schlaue Pilgrim in Hebels Schatzkästlein, aber in diesem fatalen Neste ist ist auch nichts zu haben als für ungeheures Geld, und dann oft noch nicht einmal, bitte schickt es mir auf jeden Fall so bald wie möglich, da ich nur noch acht Tage bleibe … Dass die Lotterie für die Schneebergsche so gut ausgefallen ist, wisst Ihr schon wohl, ich wollte, ich wüsste nur jemand, dem ich… Weiterlesen »

Hintergrund: In Bad Driburg, 20 Kilometer von Bökendorf entfernt, weilt Annette im Sommer 1819 zu einer Kur. Dort soll sie das "Bettellied" - offizieller Titel: "Die Ihr kennt des Lebens Freuden" - geschrieben haben, um Spenden für eine Frau Schneeberger einzutreiben.
An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
1846 7.Februar

Wir haben binnen wenigen Monaten viel Angst ausgestanden, doch ist gottlob nur ein Schlag niedergefallen: wir haben den guten Onkel Fritz Haxthausen verloren, ein recht betrübender Verlust, jedoch einer, wie viele im Leben vorkommen und womit man sich abfinden muss. Aber dass Mama und ich, seine einzigen Pfleger – denn er war zuletzt hier in Münster – zwei Monate voraus wussten, er sterbe an Magenkrebs und werde wahrscheinlich zuletzt verhungern, das war sehr hart und überstieg zuweilen, wenn er so geduldig und voll Hoffnung war, wirklich unsre Kräfte. Der Himmel ließ es nicht zum Äußersten kommen, ein Schlagfluss trat früher hinzu. Wohl ein Glück, aber doch ein mit vielem Schrecken verbundenes. Seitdem – auch schon… Weiterlesen »

Hintergrund: Schlagfluss: Schlaganfall
An: Sophie von Haxthausen, aus: Rüschhaus
1845 24.April

Du wirst selbst wohl denken, liebe alte Sophie, weshalb ich erst jetzt antworte. Wir haben euch täglich, seit das Wetter so schön ist, stündlich erwartet, und je länger es währte, je sicherer dachten wir euch schon auf den Rädern. Nun ist vorgestern Dein Brief gekommen, und unsre schönen Luftschlösser sind kaputt. Es ist recht betrübt, dass ihr nicht kommt, aber uns doch lange nicht so betrübt, als wenn wir es vor sechs Wochen erfahren hätten, denn jetzt liegt unsre eigene Reise schon näher, und Ende Mai sind wir, so Gott will, alle zusammen. Wir würden schon eher kommen, wenn der lange Winter nicht alles so weit hinausgeschoben hätte. Wäsche, Arbeit in Feld und Garten, und nun findet sich zum Überfluß, dass in meinem… Weiterlesen »

Hintergrund: Plafond = Zimmerdecke.
An: Christoph B. Schlüter, aus: Abbenburg
1839 24.August

Ich lebe hier wie in Rüschhaus und habe sogar auch mein altes schwarzes Kanapee, auf dem ich sitze oder liege (man kann es nennen wie man will) und schreibe, meine alten Lateiner, in denen ich vor dem Aufstehn lese, und mein Frühstück auf der Stube, wie ich es gewohnt bin. … Wären Sie hier oder schrieben fleißig, oder hörte ich auch nur oft von Ihnen wie in Rüschhaus, so würde ich dieses Mal weniger vom Heimweh leiden als gewöhnlich, aber wie es jetzt ist, bin ich doch sehr froh, ein paar Monate hinter mir zu haben. … Nächstens gibt es aber einen Feiertag im Kalender, Malchen Hassenpflug kömmt – wann weiß ich nicht genau, doch darf ich schon in den nächsten Tagen anfangen sie zu erwarten, das ist doch wohl ein Fest! -… Weiterlesen »

Hintergrund: Seit 10 Juli 1839 halten sich die Droste und ihre Mutter bei den mütterlichen Verwandten in Abbenburg auf. Sie kommt in dieser Zeit aus gesundheitlichen Gründen wenig zum Schreiben, arbeitet aber u.a. an der Kriminalgeschichte, die auf einer wahren Begebenheit beruht und später unter dem Titel "Die Judenbuche" publiziert wird und in deren Mittelpunkt die Figur Friedrich Mergel steht.
Seite 1 von 3412345...102030...Letzte »