Mehr über Annette von Droste-Hülshoff (hier auf einem Gemälde von Sprick)

Sie möchten Annette von Droste-Hülshoff kennenlernen? Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin, erfahren Sie mehr über ihren Alltag, ihre Arbeit, ihr Privatleben und den Briefverkehr zu ihrer Zeit. Lernen Sie ihre Wohnorte kennen, verfolgen Sie ihre Korrespondenz mit Zeitgenossen, und gehen Sie mit Annette von Droste-Hülshoff auf Reisen.

300 Briefauszüge der Dichterin sind hier verfügbar, kategorisiert und verschlagwortet. Auch alle Kommentare sind authentisch und stammen von Zeitgenossen.

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!


An: Elise Rüdiger, aus: Abbenburg
1845 6.Juli

In Bökendorf ist es krimmelvoll bis unters Dach ein halbes Dutzend Tanten und Nichten mit ihren Familien dort – wenn ich, so etwa um den dritten Tag, auf eine Stunde hingehe, um meine Aufwartung zu machen, komme ich halb taub und ganz duselig zurück. Hierhin kommen sie nicht oft, weil es den Onkel angreift, so sehe ich Malchen auch selten, und wir haben gar wenig von unserm Widersehn nach sechs Jahren – das arme Herz ist noch sehr herunter von ihrem Schrecken und Kummer, aber ihr tut das Gewirre gut, und zerstreut sie, während es mich nur rein konfus macht, und doch ist sie von Natur aus viel ernster als ich – freilich, Berlin und Rüschhaus! – da mag ihr noch wohl die ländlich Ruhe vorkommen, was mir ist wie in summender… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Hülshoff
1842 27.Dezember

Jetzt habe ich Ihnen soviel vorgeklatscht, lieber Levin, dass mir kaum Raum zu viel Lieberem und Nötigerem bleibt. Vorerst: Wollen Sie nicht mal einen kleinen offnen Zettel an Elise einlegen? Einen Brief erwartet sie nicht, und wünscht ihn wohl kaum, da die Korrespondenz, wie Sie selbst fühlen, vorläufig noch etwas Peinliches haben würde, und sie durch meine Briefe viel ungenierter au courant ihrer Lage bleibt, aber dieses wäre doch eine Freundlichkeit. Zwingen sollen Sie sich indessen nicht, beengt es Sie, so lassen Sie es. Dann eine Bitte, mein Kind, Du hast Deinen Brief zerissen, um mir das Herz nicht schwer zu machen, meinst Du, dass mir etwas schwerer auf dem Herzen liegen könnte wie die Angst ohne bestimmten Gegenstand,… Weiterlesen »

Hintergrund: Levin Schücking und die Schriftstellerin Luise von Gall lernen sich im Sommer 1842 kennen - zunächst brieflich. Ferdinand Freiligrath hat den Kontakt hergestellt. Schücking und Gall schreiben sich mehrere Monate lang und verloben sich noch vor der ersten persönlichen Begegnung. Zu einem Treffen kommt es erstmals am 30. Mai 1843 in Darmstadt. Gegenüber der Droste erwähnt Schücking seine neue Bekanntschaft im November 1842 zum ersten Mal.
An: Hildegund von Laßberg, aus: Abbenburg
1845 31.August

Mein liebstes Gundelchen, obwohl ich jetzt sehr wenig Zeit habe, muss ich Dir doch sagen, wie mich Deine lieben Briefchen gefreut haben. Du bist mein gutes, altes Gundelweible, was seine Tannette nicht vergißt, wenn sie auch eine Zeitlang von Meersburg fort ist. Aber Hildel vergißt mich auch nicht, das weiß ich wohl. Ich wollte, Ihr wärt jetzt beide bei mir in Abbenburg, da könntet Ihr recht Eure Freude haben an den vielen, vielen jungen Entchen, die hier auf dem Teiche herumschwimmen und so zahm sind, dass sie uns aus der Hand fressen, und an den ungeheuer vielen kleinen Schweinchen, die jetzt noch ganz niedlich sind und gar nicht schmutzig. Einige davon sind schneeweiß mit schwarzen Flecken, was ganz allerliebst aussieht; aber… Weiterlesen »

Hintergrund: Die Nichten der Droste, die zwillingsschwestern Hildegunde (1836 bis 1909) und Hildegard (1836 bis 1914) von Laßberg, nannten ihre Tante gerne Tannette. Sie erben nach dem Tod ihrer Mutter Jenny 1859 das von der Droste in Meersburg ersteigerte Fürstenhäuschen.
An: Jenny von Laßberg, aus: Rüschhaus
1846 7.August

Hier im Hause ist alles wohl. Gestern ist der Weizen eingefahren, sechs kleine Fuder, er scheint sehr vollkörnig. Der Roggen ist schon zu Hause, drei Fuder, die Körner etwas klein, das Stroh sehr lang. Der Flachs steht prächtig, Äpfel bekommen wir ziemlich viele. Sage Mama, die beiden kleinen Kätzchen hätten wir verschenkt, das dreifarbige an Kortenkämpers, aber schon wieder ein neues Trikolörchen, von der jüngsten Trikolor-Madame. Gott! welche Hitze! Heut um 7 schon 21 Grad, und um 12 27. Das wird ein gutes Wein-Jahr geben! Aber wäre es dann nicht schade, den Wein von der Trotte zu verkaufen? Wegen des Geldes brauchst Du es nicht, das will ich wohl besorgen, wenn ich nur weiß, wieviel es sein muss; wenn es nämlich sonst… Weiterlesen »

An: Luise Schücking, aus: Meersburg
1844 20.Juni

Ihre Erzählung im „Morgenblatte“ habe ich gelesen, von so weit an es mir möglich war; die Blätter liegen nämlich nur bis zum Schluß des Monats im Museum vor, wo sie dann geheftet werden und fortan nur im Lesezirkel zu erhalten sind, in dem die schlechte Gewohnheit herrscht, dass man die neuesten Hefte, statt sie wieder einzuliefern, einander leiht, so dass sie oft Monate lang nicht zu haben sind: so stehn Ihre ersten Nummern im Maiheft, und ich habe sie noch nicht erwischen können. Doch enthalten, denke ich mir, die Juniblätter wohl den größeren Teil, und hiernach zu urteilen, muss ich diesem Ihrem neuesten Produkt unbedingt den Vorzug vor allen früheren, auch der „Maske“, geben; es liegt eine tiefe Herzlichkeit, eine einfache… Weiterlesen »

Hintergrund: Bei der Erzählung Luise Schückings handelt es sich um "Die Heimat", erschienen zwischen 20.5. und 6.6.1844 im "Morgenblatt für gebildete Leser". Mit anderen vor allem süddeutschen Zeitungen liegt das Morgenblatt gewöhnlich im Zeitungs- und Lesekabinett in Meersburg aus.
Eugène Sue ist der französische Arzt und Schriftsteller Marie-Joseph Sue. Seine hier erwähnten "Geheimnisse von Paris" werden mit großem Erfolg über zwei Jahre hinweg als täglicher Fortsetzungsroman in einer Zeitung veröffentlicht.
Die Korrekturfahnen zu seinem Schauspiel "Günther von Schwarzburg" hat Levin der Droste zukommen lassen. Gegenüber Elise Rüdiger übt sie deutliche Kritik an dem Werk.
An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
1842 16.November

Sie fragen nach der Bornstedt? Die ist hoffentlich für immer von unserm Horizonte verschwunden; ihr Flügel, Briefe, Bilder sind wohlverpackt fortgerumpelt, alles übrige verkauft, und keine Seele hat darauf geboten, außer der Rüdiger und Schlüters, so dass ihr wohlbekanntes Schmachtkanapee für fünf Taler fortgegangen ist, was mir doch leid tut. … erzählte so viele törichte und boshafte Streiche (mir bis dahin auch noch unbekannt), mit denen die Bornstedt seine und seiner Frauen Freundlichkeit vergolten: wie sie sie bei allen Leuten schlecht gemacht; wie sie auf feine und grobe Weise mich mit ihnen in Unfrieden zu bringen gesucht; wie sie die Gouvernante bei ihnen verschwärzt und anderseits dieser in den Ohren gelegen,… Weiterlesen »

An: Therese von Droste, aus: Bökendorf
1820 11.März

Ich bin erst gestern Abend von Hindenburg zurück gekommen, liebe Mama, und habe dir deshalb deinen lieben guten langen Brief nicht eher beantworten können, und gewissermaßen ist es mir jetzt lieb, da ich dir heute auf allen Fall schreiben müsste, und sonst, wenn ich erst eben geschrieben hätte, wohl nichts andres zu erzählen wüsste als die eine langweilige Prozess-Sache, die diesen Brief gradezu notwendig macht, ich will diesen unangenehmen Punkt gleich abmachen, damit ich nachher in Ruhe von was Anderen reden kann. Ich möchte sehr wünschen, liebe Mutter, dass Du mit Mimy über die bewusste Sache gesprochen hättest, sie ist diejenige, von der sie hauptsächlich und mit großem Starrsinn betrieben wird, und ich muss jetzt alles… Weiterlesen »

Hintergrund: Um welche Prozesssache es sich hier dreht, hat die Droste-Forschung bislang nicht ermitteln können.
An: Elise Rüdiger, aus: Abbenburg
1839 1.September

Was sagen Sie dazu, dass ich Ihrem Manne schreibe? So geht’s, Elise, wenn man zu arglos ist! Sie tun Ihre frommen Augen lange nicht weit genug auf. Warum lassen Sie so gefährliche junge Personen in Ihr Haus? … Aber ernstlich, liebes Herz, geben Sie den einliegenden Brief Ihrem Herren Gemahle, er betrifft unseren guten Schücking. Mit Hassenpflug das ist leider nichts. Er hat mein Schreiben erst ganz vor kurzem vorgefunden, als er, nach einer längeren Abwesenheit, zurückkehrte, und war schon vorher längst mit einem Sekretär versehen. Artigkeiten hat er genug geschrieben, sein Brief schwimmt in Freundschaft und Erinnerungen, doch was nutzt mir das? Ich weiß nun zwar, dass er sich Schückings gelegentlich erinnern wird, aber wann?… Weiterlesen »

An: Therese von Droste, aus: Bökendorf
1820 11.März

Nun zur Beantwortung deines Briefes, liebe Mama, den eingeschlossenen Zeddel von der Amme habe ich nicht gelesen, und es freut mich, jetzt zu erfahren, dass nichts Wichtigeres darin gestanden hat, oder vielmehr nichts Geheimeres, denn sonst ist mir der Amme ihr Briefchen gewiss lieb und wert. Ich bekam den ganzen Brief von Tony eben wie ich in den Schlitten stieg, um nach Apenburg zu fahren, konnte aber nicht gut bis zu meiner Ankunft dort warten, und öffnete ihn deshalb unterwegs und ein Windstoß wirft mir in dem Augenblick, wie ich die Blätter aus dem Couvert ziehe, die kleine Einlage weit weg in den Schnee, ich ließ sogleich und späterhin suchen, und war, als sie sich gar nicht wieder fand, recht besorgt und verdrießlich wegen… Weiterlesen »

Hintergrund: Enkel = Fußknöchel
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