Mehr über Annette von Droste-Hülshoff (hier auf einem Gemälde von Sprick)

Sie möchten Annette von Droste-Hülshoff kennenlernen? Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin, erfahren Sie mehr über ihren Alltag, ihre Arbeit, ihr Privatleben und den Briefverkehr zu ihrer Zeit. Lernen Sie ihre Wohnorte kennen, verfolgen Sie ihre Korrespondenz mit Zeitgenossen, und gehen Sie mit Annette von Droste-Hülshoff auf Reisen.

300 Briefauszüge der Dichterin sind hier verfügbar, kategorisiert und verschlagwortet. Auch alle Kommentare sind authentisch und stammen von Zeitgenossen.

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!


An: Maria Anna von Haxthausen, aus: Hülshoff
1821 2.Dezember

Unser lieber Werner, der Ihnen, liebste Großmutter, diesen Brief überbringt, wird Ihnen sagen, wie sehr wohl wir uns gottlob jetzt hier alle befinden; ich kann sagen, dass mir jetzt gottlob körperlich nichts fehlt, und ich habe die Aussicht, noch wohl gar eine recht feste Gesundheit zu bekommen, was ich nie mehr gehofft. Auch Ferdinand hat jetzt schon lange über nichts mehr geklagt; und unsre lieben Eltern, die ich zuerst hätte nennen sollen, wie auch Jenny und überhaupt alles hier im Hause genießt der besten Gesundheit, so dass ich glaube, dass dieses schlechte Wetterjahr vielleicht desto besser für die Gesundheit gewesen ist, selbst der alte Gärtner Franz, von dem wir im vorigen Winter glaubten, er werde den Frühling nicht… Weiterlesen »

Hintergrund: Der jüngere, stets schwächliche Bruder Ferdinand (Fente) ist an einer Lungentuberkulose erkankt. Er wird am 15. Juni 1829 sterben.
Die ältere Freundin in Koblenz, Generalin Thielmann, leidet an Demenz.
An: Levin Schücking, aus: Abbenburg
1845 25.August

Machen Sie damit, was Sie wollen, d. h. drucken Sie es oder nicht; ich mache gar keine Prätensionen mit diesen Gedichten, die in einem Wirrwarr gemacht sind, wie ich desgleichen nie erlebt und nie wieder zu erleben hoffe. Seit zwei Monaten, wo der Onkel so weit hergestellt ist, dass er täglich einige Stunden Besuch ertragen kann, ist’s hier zum Schwindligwerden. Alle Tage 3–4 Besuche und jeder 3–4 Mann stark: neun verwandte Familien, vier benachbarte, nebst diversen Pastoren, die sich alle einbilden, jede Woche wenigstens einmal nachsehn zu müssen, wie die Besserung fortschreitet. Der Onkel hat’s bequem: sobald ihm der Lärm zu arg wird, zieht er sich als Rekonvaleszent in seine Privatzimmer zurück, wohin niemand folgen darf; aber… Weiterlesen »

Unter der Feder: Beiträge für "Das malerische und romantische Westphalen"
An: Jenny von Laßberg, aus: Rüschhaus
1845 14.November

Heute muss ich diesen Brief schließen, wenn er noch zur rechten Zeit kommen soll. Ich trenne mich ordentlich schwer von ihm, denn Sie sind mir fast wie gegenwärtig wenn ich so zu Ihnen rede. Ich las neulich von einer Erfindung, die man noch zu vervollkommnen und zum Besten der Politik auszubeuten hofft; nämlich durch eine wenig kostbare Vorrichtung von drahtdünnen Röhrchen unter der Erde den Schall auf große Wegstrecken so fortzupflanzen, dass man z.B. in Minden nur sprechen und ein anderer in Münster das Ohr anlegen darf. Ich denke mir, diese Einrichtungen würden dann Regale, und man förmlich auf Billets nach vorläufiger Bestellung zu Unterredungen zugelassen. Ach Gott, Lies, was würden wir da manchen halben Gulden… Weiterlesen »

Hintergrund: Alexander Graham Bell ist der erste, der das Telefon 1876 praktisch zum Einsatz bringt - doch die Entwicklungsgeschichte beginnt sehr viel früher, mit der Konstruktion des Morsetelegrafen 1837 durch Samual Finley Morse. Die Idee des Fernsprechens ist bereits im 17. Jahrhundert aufgekommen.
An: Karl von Haxthausen, aus: Rüschhaus
1846 26.Juni

… ich gehe nicht mit nach Meersburg, so äußerst fatal es mir auch ist, Mama allein mit Marie reisen zu lassen, aber ich kann nicht, und Mama will es deshalb auch nicht. Ich bin krank, obwohl wenig leidend, weniger als sonst, aber es sind Umstände da, die durchaus beseitigt werden müssen. Ich kann z. B. gar nicht gehn, nicht zweimal unsern kleinen Garten entlang, ohne dass mir das Blut dermaßen zu Kopfe steigt, dass ich zu ersticken meine, und Fahren geht auch nicht viel besser, eine Stunde Weges (z. B. von hier bis Hülshoff) ist hinlänglich, dass ich mich dann gleich zu Bette legen muss und die ganze Nacht wie im Fieber liege. Ich habe wohl schon lange gemerkt, dass ich nicht reisen konnte, mochte es aber nicht sagen, und… Weiterlesen »

Hintergrund: Annettes Bruder Werner und dessen Frau Caroline (Line) haben inzwischen neun Kinder; drei weitere sind bereits tot.
An: Elise Rüdiger, aus: Meersburg
1844 3.April

Was soll ich Ihnen von Schs eigner Lage sagen? Er nimmt sie von der besten Seite, ist vergnügt wie ein König und baut ein Luftschloß ums andre, wobei er seinen zukünftigen Erwerb durch dramatische Arbeiten hoch anschlägt. Cottan hat er noch nicht mit Augen gesehn, ist auch nicht auf Ostern von ihm engagiert, sondern dies wieder auf Michaelis hinausgeschoben, wo er dann sicher auf eine feste Anstellung mit 1500 Gulden rechnet, und bis dahin seine Arbeiten an der „Allgemeinen“ sehr gut bezahlt erhält. Mich macht dies Aufschieben besorgt, und sein Ruhm? es ist kurios damit. Er selbst zitiert mir ein Journal nach dem andern, deutsche und französische, wo ich die brillantesten Sachen über ihn nachlesen soll (eins, im Literaturblatt… Weiterlesen »

Hintergrund: Abominable = abscheulich. Schücking hat auf Anraten der Droste einige anti-kirchliche Stellen aus dem Manuskript seines Schauspiels "Günther von Schwarzburg" gestrichen.
Die nach der München-Reise des Ehepaars Schücking geplante Fahrt nach Venedig kommt nicht zustande; somit müssen die beiden auch auf die angebliche förderliche Wirkung der Seebäder auf die Fruchtbarkeit verzichten. Nach der Hochzeit hatte das Paar eine einwöchige Reise von Darmstadt über Weinsberg nach Augsburg unternommen.
Noch immer hat Schücking keine Festanstellung bei der von Johann Georg Cotta verlegten "Allgemeinen Zeitung" als Redakteur, sondern arbeitet weiterhin lediglich auf Honorarbasis.
An: Jenny von Laßberg, aus: Rüschhaus
1844 20.September

Unsere Reise ist sehr gut und schnell vonstatten gegangen, obwohl sie etwas fatal anfing. Von Mamas Medizingläschen hatte sich nämlich der Pfropfen losgerüttelt, und wir merkten erst an dem Gestank von Assa foetida, dass es zum Teil in Mamas Körbchen und noch mehr in Settchens Mantel ausgelaufen war. Das Fläschelchen wurde zum Wagen hinausgeworfen, das Körbchen war weit von unseren Nasen untergebracht, dennoch wurde Settchen nach einiger Zeit ganz übel, und sie musste sich mehrere Stunden lang von Zeit zu Zeit zum Wagen hinaus übergeben, bis sie den Mantel abnahm, unter ihr Sitzpolster legte und sich in meinem roten Pelzmantel auf den Bock setzte, wo ihr dann bald besser wurde, und es ist dies das einzige uns auf der Reise… Weiterlesen »

Hintergrund: Rund eine halbe Million Gläubige waren 1844 nach Trier gepilgert, wo das angebliche Kreuzigungsgewand Christi im Dom ausgestellt war; unter ihnen war auch die junge Gräfin Johanna von Droste-Vischering. Die 19-Jährige, eine Großnichte des Erzbischofs Clemens August von Köln, war seit einigen Jahren durch eine Erkrankung lahm. In Trier berührte sie den Saum des heiligen Rockes - und war, so erzählte man sich, fortan geheilt.
An: Elise Rüdiger, aus: Hülshoff
1843 9.Mai

Jenny schreibt: „Dein Gedicht auf unser Glaserhäuschen, was im ,Morgenblatt‘ steht, macht hier viel Sensation et cet.“ Wie ist das? Ich habe es ja gar nicht eingeschickt? L war anfangs sehr dafür, nachdem er aber seinen Namen in „Eugen“ verändern musste, dagegen. Sie halten ja das „Morgenblatt“, es wird dort wohl „die Schenke am Berge“ heißen. L, der eine Abschrift besaß, muss es jetzt eingeschickt haben – um das Honorar zu vermehren? Das will ich doch nicht glauben! Vielleicht hat er dem „Morgenblatt“ Beiträge versprochen, zu denen ihm Zeit und Lust gefehlt, und faute de mieux ihm vorläufig halt den Mund stopfen wollen. Ich habe übrigens hier, außer dem Ihrigen, noch keinen Brief erhalten. Liebes Herz, wünschen Sie, der… Weiterlesen »

Hintergrund: "Die Schenke am See" erscheint am 25. Februar 1843 im "Morgenblatt" Nr. 48. Der Untertitel lautet "An Eugen M." Ein Jahr zuvor, im Februar 1842, hatte Schücking eine Übersendung des Gedichts an die Redaktion des "Morgenblattes" noch abgelehnt, weil die ursprüngliche Widmung ("An Levin S.") geändert werden sollte.
An: Luise Schücking, aus: Meersburg
1844 17.Januar

Zürnen Sie mir nicht, meine liebe junge Freundin, wenn ich Ihre mir so herzlich lieben Briefe diesmal nur sehr kurz beantworte. Diese Zeilen sollen keinen Brief weder bedeuten noch dafür gelten. Sie sind nur ein flüchtiges Zeichen, dass ich Sie liebe und Ihrer gedenke. Ein Gruß, ohne den ich das Paket, mit dem es, wie Levin behauptet, große Eile hat, dennoch nicht mag abgehen lassen, und vor allem eine Warnung, die Pantoffeln doch ja nicht zu schonen. Ich bin eine Person, die gern zu guten Zwecken beiträgt, und werde mit Vergnügen fortwährend den nötigen Bedarf liefern. Deshalb brauchen Sie sie, liebe Luise, brauchen Sie sie mutig und wachsam! Es werden schon neue heranwachsen. Striegeln und streicheln Sie das kleine Pferd… Weiterlesen »

Hintergrund: Der zunächst für Ostern geplante Besuch des Ehepaars Schücking in Meersburg findet im Mai 1844 statt.
Als Geschenk für Luise schickt die Droste ein Paar selbstgemachte Pantoffeln. Levin greift diesen Wink in einem Brief selbstironisch auf.
An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
1842 16.November

Sie fragen nach der Bornstedt? Die ist hoffentlich für immer von unserm Horizonte verschwunden; ihr Flügel, Briefe, Bilder sind wohlverpackt fortgerumpelt, alles übrige verkauft, und keine Seele hat darauf geboten, außer der Rüdiger und Schlüters, so dass ihr wohlbekanntes Schmachtkanapee für fünf Taler fortgegangen ist, was mir doch leid tut. … erzählte so viele törichte und boshafte Streiche (mir bis dahin auch noch unbekannt), mit denen die Bornstedt seine und seiner Frauen Freundlichkeit vergolten: wie sie sie bei allen Leuten schlecht gemacht; wie sie auf feine und grobe Weise mich mit ihnen in Unfrieden zu bringen gesucht; wie sie die Gouvernante bei ihnen verschwärzt und anderseits dieser in den Ohren gelegen,… Weiterlesen »

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