Annette von Droste-Hülshoff in Briefen

Stöbern Sie in den Briefen der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff, erfahren Sie mehr über ihr Leben, ihren Alltag, ihre Arbeit und ihr Privatleben. Lernen Sie ihre Wohnorte kennen, verfolgen Sie ihre Korrespondenz mit Zeitgenossen, gehen Sie mit ihr auf Reisen.

aus: Biografien, Geschichte

Folgende Briefauszüge sind online verfügbar:
Adressaten | Entstehungsjahr | Entstehungsort | alle


Adressaten

Briefe an Amalie Hassenpflug

Briefe an Anna von Haxthausen

Briefe an Anton M. Sprickmann

Briefe an August von Haxthausen

Briefe an Betty von Haxthausen

Briefe an Charlotte Grimm

Briefe an Christoph B. Schlüter

Briefe an Clemens-August von Droste

Briefe an Clemens von Bönninghausen

Briefe an Dorothea von Wolff-Metternich

Briefe an Elise Rüdiger

Briefe an Fürstin Salm-Reifferscheidt

Briefe an Guido von Haxthausen

Briefe an Henriette von Hohenhausen

Briefe an Hildegund von Laßberg

Briefe an Jenny von Laßberg

Briefe an Johann Friedrich Cotta

Briefe an Johanna Hassenpflug

Briefe an Joseph von Laßberg

Briefe an Karl von Haxthausen

Briefe an Levin Schücking

Briefe an Ludowine von Haxthausen

Briefe an Ludwig von Madroux

Briefe an Luise Schücking

Briefe an Luise von Bornstedt

Briefe an Maria Anna von Haxthausen

Briefe an Marie Antoinette Sprickmann

Briefe an Moritz von Haxthausen

Briefe an Pauline von Droste

Briefe an Philippa Pearsall

Briefe an Regierungsrat Rüdiger

Briefe an Sibylle Mertens

Briefe an Sophie von Haxthausen

Briefe an Therese von Droste

Briefe an Therese von Wolff-Metternich

Briefe an Werner von Droste

Briefe an Wilhelm Junkmann

Briefe an Wilhelmine von Thielmann


Entstehungsjahre

1805

1813

1814

1815

1816

1818

1819

1820

1821

1824

1825

1826

1827

1828

1829

1830

1831

1833

1834

1835

1836

1837

1838

1839

1840

1841

1842

1843

1844

1845

1846

1847

1848


Entstehungsorte

Abbenburg

Bad Driburg

Bökendorf

Bonn

Eppishausen

Havixbeck

Hülshoff

Köln

Münster

Meersburg

Paderborn

Plittersdorf

Rüschhaus

Wehrden


Alle Briefauszüge

aus: 1847, Briefe an Elise Rüdiger, Meersburg

Es ist Ihnen beim Anblicke dieser Zeilen wohl zumute, als hörten Sie eine Stimme aus der andern Welt. So schlimm ist es indessen nicht; ich bin lebendig und leide wenig, aber schwach, schwach!

Jetzt ist es fast ein Jahr, dass ich meine Spiegelei nicht anders verlasse, als um bis zur grünen Bank auf dem Hofe zu schleichen. Mein Gehen ist so gut wie gar nichts mehr. Schreiben bringt mich nach wenigen Zeilen einer Ohnmacht nahe. Lesen darf ich nur mit großer Vorsicht ab und zu ein kleines Gedichtchen, oder einen kurzen Zeitungsartikel. Im übrigen ist mein Schlaf, wenn nicht gut, doch zur Notdurft hinreichend, Appetit dito; fieberhafte oder schmerzliche Zustände nicht vorhanden; Stimmung heiter; Aussehen ganz erträglich; und endlich der langen Rede kurzer Sinn, dass nach der Aussage aller meiner Ärzte (ich bin jetzt schon in den Händen des dritten) durchaus nicht krank sein soll, nicht mal nervenleidend, sondern nur grenzenlos nervenschwach. Und dieser miserable Zustand (sein Anfang liegt in meiner zu frühen Geburt, seine gegenwärtige Steigerung in meinen fünfzig Jahren) soll mehrere Jahre, in denen ich nur vegetieren darf, anhalten, und dann? Nun, dann soll hintennach alles charmant und mir Gesundheit (soweit die Altersschwäche), Denkfreiheit (so weit die Altersstumpfheit) und sogar die Erlaubnis zu schreiben (soweit die Großmamas Brille es erlaubt) zuteil werden. Sind das nicht glänzende Aussichten?

Zudem glaube ich nicht mal daran, nicht mehr als an den Juden-Messias. Aber das glaube ich selbst, dass unter günstigen Umständen (d. h. wenn ich mich behandle wie eine Seifenblase oder ein weiches Ei und kein Unglück von außen auf mich einstürmt) die Geschichte sich noch lange, lange hinspinnen kann. Doch wie Gott will! Ich bin jede Stunde bereit und meinem Schöpfer sehr dankbar, dass er mir durch das beständige Gefühl der Gefahr einer vollkommene Befreundung mit dem Tode, sowie, durch eben dieses Gefühl, eine doppelt innige und bewusste Freude an allen, auch den kleinsten Lebensfreuden, die mir noch zuteil werden, gegeben hat.

Sie dürfen deshalb nicht meinen, mein liebes liebstes Herz, als ob Ihr Brief und Ihre lieben Geschenke mir weniger Freude gemacht hätten als sonst. Sie haben mich mehr als gefreut, tief gerührt, aber antworten konnte ich nicht und hatte auch niemanden, der es statt meiner getan hätte. Jenny litt wieder wochenlang, und mein Mütterchen war durch Sorge um uns beide so angegriffen und nervenschwach, dass ich nicht weiß, wen von den beiden armen Seelen ich am unliebsten hätte anstrengen mögen, und von den Kindern ist, in dieser Art, noch gar nichts zu haben.

Es sieht mit ihrem Schreiben noch erbärmlich aus; langsam wie Schnecken, und dann Krähenfüße und vier Wörter auf die Zeile; Jenny lässt sie alle ihre Zeit auf jene Unterrichtsstunden verwenden, zu denen die Gelegenheit vorübergehend, oder auch wegen zu großer Kosten vielleicht in späteren Jahren nicht durchhaltend zu benutzen wäre. So sind sie schon recht hübsch voran im Zeichnen, Klavier, Französischen et cet. und recht schmählich zurück in allem Notwendigerem, aber allerdings unter Jennys eigner Leitung leicht Nachzuholendem.

Ach, Lies, es ist recht betrübt, dass wir wirklich bereits genötigt sind, in allen Dingen Vorbereitungen auf eine Zeit zu treffen, an die wir so ungern denken mögen, aber der gute Laßberg nimmt gar zu sichtlich ab, und alles Körperliche an ihm, Gesicht, Gehör, Gedächtnis, Muskelkraft, alles geht jetzt mit seinen 77 Jahren gleichen Schritt, wo nicht noch etwas vor; nur sein Geist und seine Heiterkeit haben keine Abnahme erlitten oder erleiden höchstens nur momentane, wenn er sich, wie man zu sagen pflegt, mal so recht selbst fühlt.

Meersburg, 20. Juli 1847

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Hintergrund: Annette nennt ihre Wohnräume auf der Meersburg Spiegelei - nach dem früheren Bewohner, dem Gefangenenwärter Spiegel.
aus: 1842, Briefe an Levin Schücking, Rüschhaus

Brentanos Totenamt von Freiligrath habe ich gelesen und jetzt auch das Gedicht im Immermanns Album; das erstere finde ich wohl hübsch, das zweite kaum; hier ist wirklich mitunter nur “gereimte Prosa”, und wenn ich das finde, die selbst so sehr nach dieser Seite neigt, so muss es wohl auffallend sein. Ich fürchte, Freiligraths Ader fängt an sich zu erschöpfen; auch das erste Gedicht hat mich mehr durch seine Pietät gerührt, als durch eigentliche Kraft oder Lieblichkeit erfreut; doch ist es noch immer besser, als was man so gewöhnlich sieht.

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aus: Biografien, Geschichte

Annette von Droste Therese von Droste Jenny von Droste Elise Rüdiger Levin Schücking Luise von Gall

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