Sie möchten Annette von Droste-Hülshoff kennenlernen? Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin, erfahren Sie mehr über ihr Leben, ihren Alltag, ihre Arbeit und ihr Privatleben. Lernen Sie ihre Wohnorte kennen, verfolgen Sie ihre Korrespondenz mit Zeitgenossen, gehen Sie mit ihr auf Reisen.

1825, Briefe an Therese von Droste, Köln

Wenn ich noch etwas von meinen niedlichen Sachen in dem Koffer (mit den bestellten Kleidern) mitbekommen könnte, um meine Zimmer auszuzieren, z. B. das Kästchen von der Thielemann oder eins von meinen schönen Eau-de Cologne-Gläsern, das wäre recht hübsch, doch wenn es nicht ganz gut geht, so ist es ganz einerlei. Aber vor allem muss ich etwas Noten haben (die zwei neuesten Sachen, nämlich die von Caraffa, die Variationen von Rhode verlange ich nicht, denn ich weiß sie auswendig und bin sonst vielleicht gezwungen, sie an jemand, den ich nicht kenne, auszuleihen) und sonst noch etwas, was ich noch nicht recht einstudiert habe, auch das Generalbassbuch von Onkel Max – und doch ja die Ledwina, woran ich in diesem Winter ein gutes… Weiterlesen »

Hintergrund: Annette Aufenthalt bei ihrem Stiefonkel Werner von Haxthausen, der als preußischer Regierungsrat in Köln lebt, und dessen Frau Betty hat auch gesundheitliche Gründe: Das Klima am Rhein würde ihr Befinden bessern, glauben die Ärzte. In Köln und Umgebung bewegt sich Annette erstmals frei von familiären Zwängen und macht viele Bekanntschaften, darunter auch die von Sibylle Mertens-Schaaffhausen.
1816, Briefe an August von Haxthausen, Hülshoff

Ausnehmend gut ist bei der Auswahl der Bücher unser Geschmack getroffen, denn wir lassen uns beiderseits darauf totschlagen, dass wir das Schönste bekommen haben (nämlich jede von uns will das Schönere bekommen haben), und wirklich finde ich “Die Schuld” so vortrefflich, habe sie so oft gelesen und daran gedacht, dass ich sie zur Not wieder aufschreiben könnte, wenn alle Exemplare sollten verloren gehen. Unbegreiflich ist mir, wie ein so großes Talent wie das des Herrn Müllner, vierzig Jahre ruhen konnte, (wie er in seiner Vorrede selbst sagt) bei allen äußeren Anlässen zum Erwachen, die sich im Leben einem so häufig darbieten. … Lebe wohl! Jenny steht am Fenster und ruft wie ein Zahnbrecher, dass ich kommen und mich… Weiterlesen »

1842, Briefe an Therese von Droste, Meersburg

Scheppe und ich sind auch dicke Freunde und haben uns wertvolle Geschenke an Versteinerungen und Schneckenhäusern gemacht, denn er kriecht ebenso wie ich am See und in den Weinbergen umher und ist lange vor mir gekrochen, so dass die Meersburger an diese neue Art von Vierfüßlern gewohnt sind, was mir jetzt gut zustatten kömmt, denn es fällt keinem ein, was Besonderes darin zu finden, die Höflichsten bleiben sogar stehn und geben mir die Stellen an, wo seltene Sorten zu finden sind und wo der Physikus und Herr Jung auch gesucht hätten. … Ich gehe zuweilen zu Kessels oder den guten Klosterfrauen, deren freundliche und verständige Unterhaltung mich sehr anspricht, sonst zu niemandem, denn ich habe keine Zeit, da der Nachmittag… Weiterlesen »

Hintergrund: Dass Levin Schücking sich zeitgleich auf der Meersburg aufhalten wird, kommt für die Droste keineswegs so überraschend, wie sie gegenüber ihrer Mutter und später auch gegenüber der Freundin Elise Rüdiger vorgibt. Den Plan, Schücking die umfangreiche Bibliothek des Schwagers Laßberg sortieren zu lassen, haben Annette und ihre Schwester noch im Rüschhaus zusammen ausgeheckt. In Münster sorgt vor allem Luise von Bornstedt wegen dieses Zusammentreffens in der Ferne für "fatalen Klatsch".
Die Bornstedt hat sich inzwischen nicht nur bei der Droste, sondern allgemein in Münster unbeliebt gemacht, was schließlich, während Annette in Meersburg weilt, auch die literarische "Heckenschriftsteller-Gesellschaft" im Hause Elise Rüdigers sprengt.
1848, Briefe an Ludwig von Madroux, Meersburg

Ihr Brief, teurer Freund, kömmt in einem der Beantwortung allerungünstigstem Momente, wo ich mich zum Empfange der heiligsten Sakramente vorbereite, und jeden Augenblick den H. Dekan erwarte. Auch Laßberg will heute seinen österlichen Pflichten nachkommen; Hildel liegt noch zu Bette und war vorgestern so unwohl, dass Jenny die Nacht über bei ihr wachte. Jetzt ist sie wohler, jedoch noch bettlägerig, und kann nicht wohl schreiben. Zu großer Ermattung vom übermäßig schnellem Wachsen hat sich ein starker Katharr gesellt, doch ist’s nicht bedeutend jetzt mehr. Das übrige in Ihrem Briefe enthaltene hoffe ich recht bald mündlich mit Ihnen besprechen zu können, da doch jetzt wohl nächstens völlige Ruhe und Sicherheit… Weiterlesen »

Hintergrund: Der Adressat dieses letzten überlieferten Briefes ist nicht sicher - möglicherweise ist es Ludwig von Madroux.
Am 24. Mai 1848, am frühen Nachmittag zwischen 14 und 14.30 Uhr, stirbt Annette von Droste in ihrem Zimmer auf der Meersburg. Über die Todesursache ist sich die Droste-Forschung nicht einig. Zeitgenössische Quellen sprechen von einem Blutsturz, andere von einer Lungenentzündung oder von Herzversagen.
Zwei Tage später wird Annette auf dem Meersburger Friedhof beerdigt. Sie ist 51 Jahre alt geworden.
1848, Briefe an Therese von Droste, Meersburg

Wie froh bin ich, Dir mal wieder selbst schreiben zu können, mein lieb Mütterchen, und zwar nur Gutes. Wir sind zwar alle krank gewesen, aber auch alle glücklich entwischt. Mit Laßberg hielt es etwas lange an, sein Winterhusten hatte sich ungewöhnlich stark eingestellt, weil er im vorigen Sommer die Badekur versäumt, und nun kam die Grippe dazu und zog sich so in die Länge, dass er am Ende recht schwach dabei wurde. Seit 14 Tagen ist aber alles vorüber, und seine Kräfte nehmen noch rascher zu als sie abgenommen, so dass ich ihn jeden Tag wenigstens um ein halbes Jahr jünger geworden finde. Jenny, die Kinder, Tony, Hohbach, Obsers Annchen, alle die Grippe! Von den Kindern Gundel am stärksten, doch haben sich beide nachher… Weiterlesen »

Hintergrund: Der genannte Bernhard Zeerleder konvertiert 1846 zum Katholiken und kämpft 1847 für den Sonderbund der konservativen Schweizer Kantone. Am 11. Februar 1848 wird der Major auf der Meersburg verhaftet.
Sequestention: Amtliche Beschlagnahme
1848, Briefe an Ludwig von Madroux, Meersburg

Lieber wertgeschätzter Freund und Vetter! Ich weiß, dass mein langes Schweigen nach so vielen Beweisen Ihrer Güte und Ihres freundlichen Andenkens bei Ihnen keiner Entschuldigung bedarf. Sie haben gewiss keinen Augenblick an meinem lebhaftesten Wunsche, Ihnen zu schreiben, sowie an der bisherigen Unmöglichkeit, ihn zu realisieren, gezweifelt. Das fatale Herzklopfen! Es ist ein arger, obwohl jetzt fast mein einziger Tyrann, aber wie sich andre, allerdings schlimmere und vor allem schmerzhaftere Übel verlieren, nimmt dieses fast in gleichem Verhältnisse zu und hemmt mich so sehr in allem was ich unternehmen sollte oder möchte, dass ich manches Mal — z.B. eben heute — nicht umhin kann zu wünschen, lieber mehr leidend und weniger… Weiterlesen »

Hintergrund: Den Oberst Ludwig Joseph von Madroux lernt Annette im Herbst 1847 kennen, als er für mehrere Wochen Laßbergs Gast auf der Meerburg ist. Beide verbindet eine Leidenschaft für das Sammeln von Kunst. Annette nennt Ludwig zwar Vetter, er sie Cousine – verwandt sind sie jedoch nicht.
1847, Briefe an Therese von Droste, Meersburg

Meine liebste Mama! Ich muss Dir doch auch ein klein wenig schreiben, um Dir selbst zu sagen, dass ich mich fast in jeder Beziehung sehr viel besser befinde. Wenn ich ganz still sitze und mich auch sonst nicht anstrenge, könnte ich mich jetzt mitunter, ein wenig Bewegung abgerechnet, für ganz gesund halten. Ich schlafe gut, esse mit Appetit, habe gar keine Schmerzen und komme mir auch, wenn ich still sitze, gar nicht kraftlos vor. Nur mit dem Gehen ist’s noch nicht besser, das wird sich aber hoffentlich mit dem nächsten Frühling geben. Es ist schon viel, dass mir das Äquinoktium dieses Mal nicht geschadet hat, und dass ich jetzt, beim Eingange des Winters, wohler bin als im Sommer. Ängstige Dich deshalb meinetwegen nicht, mein… Weiterlesen »

Hintergrund: Die Schweizer Angelegenheiten - der Sonderbundkrieg: Die konservativen, katholischen Schweizer Kantone – Annette nennt einige davon in ihrem Brief – haben sich 1845 offiziell zum Sonderbund zusammengeschlossen, um den Einfluss der protestantischen, liberalen Kantone abzuwehren. Im November 1847 eskaliert der Konflikt zur militärischen Auseinandersetzung – und endet am 23. November 1847 mit der Niederlage der konservativen Sonderbündler.
Ameisenbäder sollen bei Gicht, Rheuma und Hauterkrankungen helfen.
1847, Briefe an Elise Rüdiger, Meersburg

Sie sehn, Lies, wie schlecht es mit meinem Schreiben geht, 2-3 Zeilen im Tage, aber heute muss etwas gewagt und geleistet werden, denn unser Heinrich, von München abgehend und über Meersburg reisend, um Mama auf ihrer Heimreise zu begleiten, ist schon vor drei Tagen angekommen, und wieder nach drei Tagen (am 10.) steht mir die harte Stunde der Trennung bevor. Von meiner Mitreise kann keine Rede sein; habe ich wirklich noch Jahre zu leben, so müssen wenigstens die nächsten und gefährlichsten in diesem Klima durchvegetiert werden. So sagen wenigstens die Ärzte und andere auch, selbst Mama. Es ist sehr hart, von einer 74jährigen Mutter zu scheiden, vor allem, wenn man selbst krank ist. Das Wiedersehn ist eine Durchfahrt… Weiterlesen »

Hintergrund: Neffe Heinrich, der älteste Sohn von Annettes Bruder, studiert in München. Er holt seine Großmutter, Annettes Mutter Therese, im Sommer in Meersburg ab, die beiden verlassen den Bodensee am 10. August 1847 Richtung Westfalen.
1847, Meersburg

Im Namen der allerheiligsten Dreifaltigkeit! Da niemand die Stunde seines Todes voraus weiß, und mich, Endesunterschriebene, Anna Elisabeth, Freiin von Droste zu Hülshoff, meine Gesundheitsverhältnisse veranlassen, ein vielleicht schleuniges Ende zu befürchten, so verordne ich hiermit, hinsichtlich meiner Nachlassenschaft, dass, falls sich kein späteres Testament vorfindet, meine beiden lieben einzigen Geschwister, nämlich: mein lieber Bruder, Werner Konstantin, Freiherr von Droste zu Hülshoff, und meine liebe Schwester, Maria Anna, Freifrau von Laßberg, geborene Freiin von Droste zu Hülshoff, als meine alleinigen Erben eintreten sollen, jedoch in folgender Weise, dass § I alle Teile meines Vermögens, die sich innerhalb… Weiterlesen »

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