Mehr über Annette von Droste-Hülshoff (hier auf einem Gemälde von Sprick)

Sie möchten Annette von Droste-Hülshoff kennenlernen? Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin, erfahren Sie mehr über ihren Alltag, ihre Arbeit, ihr Privatleben und den Briefverkehr zu ihrer Zeit. Lernen Sie ihre Wohnorte kennen, verfolgen Sie ihre Korrespondenz mit Zeitgenossen, und gehen Sie mit Annette von Droste-Hülshoff auf Reisen.

300 Briefauszüge der Dichterin sind hier verfügbar, kategorisiert und verschlagwortet. Auch alle Kommentare sind authentisch und stammen von Zeitgenossen.

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!


An: Therese von Droste, aus: Bonn
1837 12.Januar

Es ist also jetzt beschlossen, dass man mich bis Düsseldorf bringen will, d. h. zu Wagen bis Köln und dann gleich mit dem Dampfboot weiter. Dann müßten nun entweder die Pferde in Düsseldorf sein, oder, was vielleicht noch besser wäre, in Ruhrort, wo ich dann schon einige Stunden weiter wäre, auch in einer kleineren Stadt und einem kleineren Gasthofe, was wohlfeiler und angenehmer ist. Oder am allerbesten wäre es wohl, ich führ’ bis Wesel; denn ich glaube nicht, dass die Pferde, wenn sie in zwei Tagesreisen von Münster bis Düsseldorf gingen, um 10 Uhr in Düsseldorf sein könnten, sie würden vielmehr den zweiten Tag erst nachmittags ankommen und müßten also einen ganzen halben Tag und eine Nacht im Wirtshause liegen. Zu… Weiterlesen »

Hintergrund: Der Aufenthalt in Bonn vom 6. November 1836 bis 5. Februar 1837 ist eine Zwischenstation auf der Heimreise von Eppishausen nach Münster. Annette wohnt in Bonn bei Pauline von Droste-Hülshoff, trifft sich u.a. mit Sibylle Mertens-Schaaffhausen und Adele Schopenhauer. Mit Mertens kommt es zu einem neuerlichen Streit, als diese die Gedichte der Droste für nicht druckreif erklärt.
Die Pläne, ein Buch beim Verlag DuMont Schauberg zu veröffentlichen, stehen in Frage. Über Köln, Wesel und Schermbeck reist die Droste mitsamt ihrem Manuskript zurück nach Münster, wo sie am 10. Februar 1837 ankommt.
An: Elise Rüdiger, aus: Rüschhaus
1844 12.Dezember

Aber, lieb Herz, was schreiben Sie mir von der Möglichkeit einer Trennung! Glaubte ich es, so würde mir todangst; indessen haben Sie dies so oft, gottlob umsonst, gefürchtet, dass der Gedanke gar nicht bei mir haften will. Warum sollte R vom neuen Oberpräsidenten (den wir noch nicht mal erraten können) zurückgesetzt werden? Von einer Spannung zwischen R und Devigneau haben Sie mir freilich schon früher gesagt, aber übrigens ist die allgemeine Stimme so für R. Ich habe seiner, sowohl was Charakter als Kenntnisse und Fleiß anbelangt, nie anders als mit ausgezeichneter Achtung erwähnen hören (und ich bin oft in diese Gelegenheit gekommen), so dass ich meine, Devigneau kann es nicht wagen, einen so allgemein geschätzten und… Weiterlesen »

Hintergrund: Elises Mann, Regierungsrat Karl Ferdinand Rüdiger, wird 1845 nach Minden versetzt.
An: Elise Rüdiger, aus: Rüschhaus
1843 4.September

Der Deutsche legt … (wenigstens die Neueren) gewöhnlich Etwas von ihm nur halb Bezweifeltes zum Grunde – Etwas, das ihm beim Erzählen mit einem Schauer überrieselt hat, und dieser Schauer, dieses Schwanken zwischen – geistigen Einfluß? – unerklärte Naturkraft? – unabsichtlicher Täuschung? – läßt er auch über seine Leser herrieseln. – Hier ist unser Reich, was wir nur mit den Engländern und den Schotten theilen. Rüschhaus, 4. September… Weiterlesen »

An: Jenny von Laßberg, aus: Hülshoff
1830 26.März

Ich kann mich unmöglich so schnell entschließen, als von mir verlangt wird. Wenn es nicht so lange Zeit hat, bis ich wieder in Rüschhaus bin und ein wenig mit Euch überlegt habe, so lasst es lieber ganz beruhen, denn auf keinen Fall ist mir viel daran gelegen mitzugehn, aber es könnte mir wohl, bei näherer Überlegung, sehr zuwider sein. Gegen Mannheim habe ich, an und für sich, einen Widerwillen. Die guten Seiten dieses Aufenthalts reizen mich nicht. Von der schönen Gegen kann ich im Winter nicht profitieren. Dass die Stadt schön und regelmäßig gebaut ist, ist mir gleichgültig. Das Theater ist gut, d.h. etwa wie das Kasseler, aber Du weißt selbst, dass ich etwas geizig mit Theatergeld bin, und bloß wenn ich etwas Besonderes… Weiterlesen »

Hintergrund: Die Reise, die über Nizza nach Rom führen soll, ist eine Idee Werner von Haxthausens. Der Onkel würde gerne seine Schwester Therese und deren Töchter, Jenny und Annette, mitnehmen. Die Droste freut sich sehr darauf, doch ihre schlechte Gesundheit macht ihr einen Strich durch die Rechnung; mehrfach werden die Reisepläne geändert. Im September bricht ein Teil der Familie von Haxthausen nach Italien auf; die Droste-Frauen sollen später nachkommen. Politische Unruhen (Revolution in Paris und Belgien, Aufstände in einigen deutschen Städten) machen den Plan schließlich zunichte. Ende September/Anfang Oktober reist die Droste stattdessen nach Bonn.
An: Levin Schücking, aus: Abbenburg
1843 24.Juni

Sie sind also Bräutigam, und zwar einer höchst wahrscheinlich sehr guten und ganz gewiss höchst liebenswürdigen Braut, die nach Ihrer Beschreibung wirklich grade das zu besitzen scheint, was zu Ihrem innern Glück und äußeren Wohle nottut, und wonach mein Auge lange ängstlich für Sie umher gesucht hat. Nun, Gott segne Sie und gebe Ihnen alles Glück, was Ihr Herz so reichlich verdient! Wenn meine Wünsche für Sie nur erfüllt werden, dann will ich auch nicht zanken, dass Sie meinen warmen, angstvollen Rat, wie gewöhnlich, mit aller Hochachtung beiseite geschoben und dem Schicksal den Handschuh gradezu ins Gesicht geworfen haben. Jetzt bittet Dein Mütterchen Dich aber noch einmal, und es ist die letzte Bitte, von deren… Weiterlesen »

An: Karl von Haxthausen, aus: Rüschhaus
1846 26.Juni

… ich gehe nicht mit nach Meersburg, so äußerst fatal es mir auch ist, Mama allein mit Marie reisen zu lassen, aber ich kann nicht, und Mama will es deshalb auch nicht. Ich bin krank, obwohl wenig leidend, weniger als sonst, aber es sind Umstände da, die durchaus beseitigt werden müssen. Ich kann z. B. gar nicht gehn, nicht zweimal unsern kleinen Garten entlang, ohne dass mir das Blut dermaßen zu Kopfe steigt, dass ich zu ersticken meine, und Fahren geht auch nicht viel besser, eine Stunde Weges (z. B. von hier bis Hülshoff) ist hinlänglich, dass ich mich dann gleich zu Bette legen muss und die ganze Nacht wie im Fieber liege. Ich habe wohl schon lange gemerkt, dass ich nicht reisen konnte, mochte es aber nicht sagen, und… Weiterlesen »

Hintergrund: Annettes Bruder Werner und dessen Frau Caroline (Line) haben inzwischen neun Kinder; drei weitere sind bereits tot.
An: Elise Rüdiger, aus: Meersburg
1843 18.November

Sie sind jetzt wohl ganz gewiss wieder in Münster, lieb Herzchen, und so gehe ich denn an meine liebste Beschäftigung, die, Ihnen zu schreiben. Ich bin indessen noch keinen Tag von Ihnen getrennt gewesen, alle Nachmittage um drei (außer vorgestern, wo es hart regnete) habe ich an unserem Strande gesessen, der mir durch Sie so lieb geworden ist, dass keine andere Erinnerung neben Ihrem lieben Gesichtchen dort ein Haarbreit Raum findet. Es hat mich ein paarmal selbst überrascht, wenn beim zufälligen Zurückblicken mir einer meiner alten Lieblingsplätze ins Auge fiel, wie ich so alle Tage dran hertrotte, als wären’s Laternenpfähle oder Rebstöcke. O vanitas vanitatum! Ich habe auf unserm Kiesgrund noch schöne schöne Dinge… Weiterlesen »

Hintergrund: Elise Rüdiger, mit der die Droste viele Spaziergänge am Bodensee unternommen hat, ist am 14. Oktober 1843 wieder nach Münster abgereist.
An: Therese von Droste, aus: Rüschhaus
1840 2.April

Ja, alte Mama, mir geht es nicht besser, ich mag nur nicht davon sprechen, weil es mir dann zu arg wird. Du weißt selbst, wenn ich auch zuweilen nichtsnützig bin, wenn Du da bist, so kann ich doch gar nicht ohne Dich sein. Ich setze mich drüber weg, so gut es geht, da es nun doch mal nicht anders ist, und denke jeden Sonntag: “Nun bin ich wieder eine Woche näher am Mai, aber es wird mir oft recht schwer. Deine Blumen besorge ich gut und will sie nachher Mariechen auf die Seele binden. Wir haben unser Korn alle glücklich eingekriegt und auch den Weizen noch vor der Regenzeit in die Erde, sonst sind hier viele Leute, die damit sehr verlegen sind; jetzt haben wir die Kartoffeln aufgenommen und ziemlich viele und gute bekommen, im… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Meersburg
1842 4.Mai

Ob ich mich freue nach Haus zu kommen? Nein, Levin, nein. Was mir diese Umgebungen vor sechs Wochen noch so traurig machte, macht sie mir jetzt so lieb, dass ich mich nur mit schwerem Herzen von ihnen trennen kann. Hör, Kind! Ich gehe jeden Tag den Weg nach Haltenau, setze mich auf die erste Treppe, wo ich Dich zu erwarten pflegte, und sehe, ohne Lorgnette, nach dem Wege bei Vogels Garten hinüber. Kömmt dann jemand, was jeden Tag ein paarmal passiert, so kann ich mir bei meiner Blindheit lange einbilden, Du wärst es, und Du glaubst nicht, wieviel mir das ist. Ist’s nicht ein heitrer Ort, mein junger Freund, Das kleine Haus, das schier vom Hange gleitet, Wo so possierlich uns der Wirt erscheint, So übermächtig sich die… Weiterlesen »

Hintergrund: Levin Schücking und Annette von Droste unternehmen in Meersburg täglich lange gemeinsame Spaziergänge. Aus Sorge vor Gerüchten verlassen sie die Burg getrennt, um sich dann in Haltenau zu treffen. Auf dem Rückweg machen sie häufig noch einmal Halt im "Glaserhäuschen". Mit dem Gedichte "Die Schenke am See" setzt die Droste dem Lokal und seinem Wirt ein literarisches Denkmal.

Am 2. April 1842 reist Schücking von Meersburg nach Stuttgart, um dort mit dem Verleger Cotta und dem "Morgenblatt"-Redakteur Hermann Hauff unter anderem über eine Veröffentlichung der "Judenbuche" zu sprechen. Anschließend tritt Schücking eine neue Stelle an: Er wird als Erzieher der Söhne des Fürsten von Wrede in Ellingen und Mondsee arbeiten.
Seite 1 von 3412345...102030...Letzte »