Mehr über Annette von Droste-Hülshoff (hier auf einem Gemälde von Sprick)

Sie möchten Annette von Droste-Hülshoff kennenlernen? Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin, erfahren Sie mehr über ihren Alltag, ihre Arbeit, ihr Privatleben und den Briefverkehr zu ihrer Zeit. Lernen Sie ihre Wohnorte kennen, verfolgen Sie ihre Korrespondenz mit Zeitgenossen, und gehen Sie mit Annette von Droste-Hülshoff auf Reisen.

300 Briefauszüge der Dichterin sind hier verfügbar, kategorisiert und verschlagwortet. Auch alle Kommentare sind authentisch und stammen von Zeitgenossen.

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!


An: Anna von Haxthausen, aus: Hülshoff
1815 5.Dezember

… von Werner (dem Onkel nämlich) habt? Hier hören und sehen wir nichts von ihm, der junge Brenken, heißt es, würde bald zurückkommen, ich glaube sogar, er hat geschrieben, aber Onkel Werner meldet nichts davon, ob er gleich, wie mir erst in diesem Augenblick einfällt, nach Bökendorf geschrieben hat, wir haben schon gedacht, er würde den jungen B allein zurückkehren lassen, und, Gott weiß wie lange noch in Wien bleiben, das wäre doch ein rechter Strich durch unsre Rechnung, wir hatten uns so auf seine Ankunft gefreut, denn man muss froh sein, wenn man ihn hat, weil man nie weiß, ob man ihn so bald wieder zu sehen bekömmt, oder ob er sich nicht gar in ein Schiff setzt und nach Konstantinopel fährt. Ich muss schließen, es… Weiterlesen »

Hintergrund: Annettes Onkel Werner hält sich zur Zeit des Wiener Kongresses in der österreichischen Hauptstadt auf. Auf dem Kongress kommen die europäischen Machthaber zusammen, um nach dem Sieg über Napoleon Europa politisch neu zu ordnen. Werner von Haxthausen kann vor Ort eine Stelle im preußischen Staatsdienst ergattern, er ist für die Neugestaltung der preußischen Rheinprovinzen zuständig. Er lebt ab März 1816 als Regierungsrat in Köln.
An: Christoph B. Schlüter, aus: Rüschhaus
1834 5.Dezember

… ich habe die Stunden zum Lesen wirklich stehlen müssen, mein Lebensweg ist sonst so ruhig und einfach, aber in den letzten zwei Monaten ist mir allerlei quer drüber gelaufen – zwei Verlobungen, eine Hochzeit, der Besuch eines Onkels, welcher erst vor einigen Stunden abreiste, und, was in den letzten Wochen vor allem meine Zeit beschränkte, die schwere Krankheit meiner guten Amme. Jetzt ist alles so ziemlich wieder im Gange, d.h. so weit es der früheren Zeit ähnlich werden kann, meine Schwester ist freilich 200 Stunden von hier, und wann und wo wir uns auch wieder treffen, das Verhältnis wird eine andre Form haben. Ich weiß nicht, ob der Gedanke an etwas unwiderbringlich Vergangenes auf Sie dieselber Gewalt übt wie auf mich;… Weiterlesen »

Hintergrund: Annettes Schwester Jenny hat am 18. Oktober 1834 den Freiherrn Joseph von Laßberg geheiratet. Das Ehepaar lebt zunächst auf Schloss Eppishausen in der Schweiz.
An: August von Haxthausen, aus: Meersburg
1844 2.August

Mit meinem literarischen Treiben geht es gut, Cotta hat mir, da ich seit einem Jahre nichts mehr an „Morgenblatt“ geschickt hatte, einen überhöflichen bittenden Brief geschrieben und ein Prachtexemplar der „Nibelungen“, Folio mit Holzschnitten, geschenkt. Hierauf habe ich ihm den Verlag eines Bandes neuer Gedichte, dem auch die ältern zum Teil einverleibt sind, angeboten. Als Antwort hat er mir erst weitläufig auseinandergesetzt, wie wenig oder nichts er andern, selbst Uhlanden oder Lenaun, für erste Auflagen gegeben habe und sich dann zu 500 Tlr. für die erste Auflage verstanden und für jede der späteren 1000 Tlr. in Aussicht gestellt, obwohl der Kontrakt nur auf eine Auflage von 1200 Exemplaren lautet, und zwar auf… Weiterlesen »

An: Briefe an Luise Schücking, aus: Meersburg
1844 28.Februar

Zum ersten Male, meine liebe junge Freundin, setze ich mich mal recht fest hin, um Ihnen in Ruhe zu schreiben; dieser Brief gilt natürlich für Levin mit, aber Sie sind es doch, an die ich meine Gedanken eigentlich richte, und Ihre Augen, groß, klar und freundlich, wie ich sie mir denke, sehen mich an, während ich zu Ihnen rede. Es ist etwas Seltsames um einen vertrauten Briefwechsel, ohne sich persönlich zu kennen, etwas höchst Reizendes und doch wieder Beklemmendes, da selbst die glücklichste Phantasie uns grade über die feinsten und reizbarsten Seiten des andern nichts sagen kann. Sie haben’s darin besser wie ich: Levin kennt mich sehr genau, weiß immer im voraus, was ich denken werde, und errät vielleicht aus einem halben… Weiterlesen »

An: Sophie von Haxthausen, aus: Rüschhaus
1845 24.April

Du wirst selbst wohl denken, liebe alte Sophie, weshalb ich erst jetzt antworte. Wir haben euch täglich, seit das Wetter so schön ist, stündlich erwartet, und je länger es währte, je sicherer dachten wir euch schon auf den Rädern. Nun ist vorgestern Dein Brief gekommen, und unsre schönen Luftschlösser sind kaputt. Es ist recht betrübt, dass ihr nicht kommt, aber uns doch lange nicht so betrübt, als wenn wir es vor sechs Wochen erfahren hätten, denn jetzt liegt unsre eigene Reise schon näher, und Ende Mai sind wir, so Gott will, alle zusammen. Wir würden schon eher kommen, wenn der lange Winter nicht alles so weit hinausgeschoben hätte. Wäsche, Arbeit in Feld und Garten, und nun findet sich zum Überfluß, dass in meinem… Weiterlesen »

Hintergrund: Plafond = Zimmerdecke.
An: Elise Rüdiger, aus: Rüschhaus
1843 4.September

Der Deutsche legt … (wenigstens die Neueren) gewöhnlich Etwas von ihm nur halb Bezweifeltes zum Grunde – Etwas, das ihm beim Erzählen mit einem Schauer überrieselt hat, und dieser Schauer, dieses Schwanken zwischen – geistigen Einfluß? – unerklärte Naturkraft? – unabsichtlicher Täuschung? – läßt er auch über seine Leser herrieseln. – Hier ist unser Reich, was wir nur mit den Engländern und den Schotten theilen. Rüschhaus, 4. September… Weiterlesen »

An: Elise Rüdiger, aus: Abbenburg
1845 30.Mai

Auch einen sehr dringenden Antrag von Berlin habe ich bekommen; vom Huber (Verfasser der “Skizzen von Spanien”), um seinem Blatte (den Titel habe ich vergessen), dessen Tendenz allerdings der meinigen gleichlaufend scheint, beizutreten. Onkel August meint, Huber sei geneigt, mir ausnahmsweise acht Louisdor p. Bogen zu geben. Das wäre freilich Geld! Ich glaube aber noch nicht daran und habe August auch nicht gefragt, worauf er seine Meinung eigentlich basiert. Dieser August sagt, Hubern sei sehr an meinem Beitritt gelegen. Die Male auch, mit welchen beiden er darüber geredet hat. So habe ich auch die letztere schreiben lassen, Huber möge mir selbst schreiben und genau seine Bedingungen angeben. Jedenfalls würde ich mir aber drei… Weiterlesen »

An: Elise Rüdiger, aus: Rüschhaus
1845 14.November

… ich habe doch einen Brief vom 2ten Oktober zu beantworten, wo mir Schücking die “neue Wendung seines Schicksals” ankündigt, und sich so hin und her dreht, dass ich denken soll, er habe erst jetzt, auf Dumonts Antrag, Cottas Dienst verlassen, während dies doch ganz gewiss schon im Frühling der Fall, und sein ganzer Aufenthalt in Bonn bloß auf die Bewerbung um Püttmanns Stelle berechnet war. Ob gegenseitige Unzufriedenheit im Spiele war, weiß ich nicht, Schücking ist seiner Stellung aber offenbar völlig überdrüssig gewesen – er ist wieder so eilig und läßt Luisen seinen Brief beenden, und sie schreibt mit einiger Bitterkeit: “Der Abschied von Augsburg und unsern dortigen Freunden tut uns beiden schwer leid! einen so… Weiterlesen »

Hintergrund: Am 1. November 1845 tritt Levin Schücking seine Tätigkeit für das Feuilleton der "Kölnischen Zeitung" an, er folgt dort dem Redakteur Hermann Püttmann.
Schückings Vater Paulus Modestus hatte 1837 seine Ämter als Richter und Amtmann verloren - wohl aufgrund seiner selbstherrlichen Art.
An: Briefe an Ludwig von Madroux, aus: Meersburg
1848 24.März

Ihr Brief, teurer Freund, kömmt in einem der Beantwortung allerungünstigstem Momente, wo ich mich zum Empfange der heiligsten Sakramente vorbereite, und jeden Augenblick den H. Dekan erwarte. Auch Laßberg will heute seinen österlichen Pflichten nachkommen; Hildel liegt noch zu Bette und war vorgestern so unwohl, dass Jenny die Nacht über bei ihr wachte. Jetzt ist sie wohler, jedoch noch bettlägerig, und kann nicht wohl schreiben. Zu großer Ermattung vom übermäßig schnellem Wachsen hat sich ein starker Katharr gesellt, doch ist’s nicht bedeutend jetzt mehr. Der Totenzettel. Das übrige in Ihrem Briefe enthaltene hoffe ich recht bald mündlich mit Ihnen besprechen zu können, da doch jetzt wohl nächstens völlige Ruhe und… Weiterlesen »

Hintergrund: Der Adressat dieses letzten überlieferten Briefes ist nicht sicher - möglicherweise ist es Ludwig von Madroux.
Am 24. Mai 1848, am frühen Nachmittag zwischen 14 und 14.30 Uhr, stirbt Annette von Droste in ihrem Zimmer auf der Meersburg. Über die Todesursache ist sich die Droste-Forschung nicht einig. Zeitgenössische Quellen sprechen von einem Blutsturz, andere von einer Lungenentzündung oder von Herzversagen.
Zwei Tage später wird Annette auf dem Meersburger Friedhof beerdigt. Sie ist 51 Jahre alt geworden.
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