Die Mertens war allerdings vier Wochen lang in Münster; hören Sie die Veranlassung, und Sie haben ihren Charakter von der besten und schlimmsten Seite. Ich hatte ihr in Bonn griechische Münzen versprochen, die ich nicht alle für echt halte, aber doch einige darunter, hatte sie ihr auch geschickt und den dankbarsten Brief erhalten, worin sie zugleich mein Urteil über Ächtheit und Nichtechtheit bestätigte. Hierauf verhinderte mich meine Krankheit, zu antworten, und nun erhielt ich den allerimpertinentesten Brief; sie schickte mir die Münzen zurück: “sie seien alle unecht und nichts wert, würden auch, wenn sie echt wären, von so großer Seltenheit sein, dass sie dann kein Sammler, selbst als Doubletten, verschenkt hätte.” In diesem Tone ging’s fort, schließlich: “da ich ihr, wie es scheine, sonst nicht mehr zu schreiben denke, bitte sie sich wenigstens der Ordnung halber einen Empfangschein über die Münzen aus.” Ich ärgerte mich so schmählich, dass ich Fieber bekam wie ein Pferd, und antwortete ihr, so krank ich war, mit ein paar Zeilen, wie elend ich sei, dass ich deshalb nicht geschrieben et cet.

Am fünften Tage war sie in Rüschhaus, in Tränen zerfließend, mit Geschenken bepackt, hatte sich gleich nach Empfang meines Briefs aufs Dampfboot gesetzt, Tag und Nacht durchgefahren, noch keine Stunde geschlafen; bei Nölken hatte sie Quartier bestellt und fuhr von dort jeden Tag zu mir heraus, mit dem besten Willen, wenn auch nicht sonderlichem Geschick, mich zu pflegen.

Sie ist eine sonderbare Frau; es sind grandiose Elemente in ihr, aber wunderlich durcheinander gewürfelt und mit Widersprechendem versetzt; sie erläutert mehr als sonst jemand, wie sich die Extreme berühren. Sie hat mich dringend nach Bonn eingeladen und erwartet mich jetzt wohl stündlich; es ist aber nicht daran zu denken, ich bin noch zu sehr an ein Regime gebunden und muss auch gleich nach Pfingsten nach Abbenburg.

11. Mai 1843

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