1828 10.September

Mit der Haushaltung geht hier übrigens alles recht gut. Ich habe noch wenig darin ausgelegt. Fleisch ist gar nicht gekauft, wir hatten noch junge Tauben, Hüerländers brachten junge Enten, und vor allem ist uns Ferdinand mit seiner Jagdbeute sehr hilfreich gewesen. Er besucht uns fast immer um den andern Tag und steht in hohem Kredit bei den Lotten. …

Mit dem Bau geht es hier nicht so voran, wie ich wünschte. Selkmann ist, seit du weg bist, fast nie selbst hier gewesen, sondern hat nur die Gesellen geschickt, und mir ist es vorgekommen, als gehe seitdem alles viel langsamer. Am nächsten Samstag sind es nun schon vierzehn Tage, dass die Maurer, ohne mir das geringste vorher zu sagen, gänzlich fortgegangen sind und hinterlassen haben, dass sie die nächste Woche nicht wiederkommen könnten. Ich war sehr verdießlich, konnte aber nichts machen, und jetzt ist die Woche zu Ende und die folgende schon halb, und noch höre und sehe ich nichts von ihnen. Ich werde hinschicken müssen, sonderlich, da das Wetter anhaltend regnicht zu werden droht und somit der Kalk soviel langsamer trocknet. …

Ich habe leider aus Jennys Briefen an Lotte gesehen, dass Ihr vielleicht noch vier Wochen auszubleiben gedenkt. Das ist doch ein bißchen sehr lange. Es geht mit zwar hier übrigens recht gut, aber es ist mir doch wunderlich, dass Ihr fort seid. Zuweilen, wenn ich des Morgens so aus einem recht festen Schlaf komme, gehört noch immer ordentlich Zeit dazu, bis ich mich darauf besonnen habe, da Du nicht hier bist und Jenny ebensowenig.

Rüschhaus, 10. September 1828

Mehr zum Adressaten: Therese von Droste
Hintergrund: Seit Sommer 1828 arbeitet die Droste an einem Entwurf zum zweiten Gesang des "Hospiz auf dem Großen St. Bernhard". Im Herbst gerät die Weiterabeit ins Stocken - wegen gesundheitlicher Probleme (Augenleiden), aber auch, weil sie während der Abwesenheit von Mutter und Schwester, die sich - wieder ohne Annette - bei den Verwandten in Bökendorf aufhalten, Rüschhaus eine Zeitlang alleine verwalten muss.