Kategorie: Briefe an Jenny von Laßberg
Von Schücking habe ich kürzlich Briefe, er wohnt jetzt in Köln, redigiert das Feuilleton der Kölner Zeitung und das Rheinische Jahrbuch und bekömmt für ersteres vom DuMont Schauberg 1000 Reichstaler, für letzteres auch einige hundert Taler Gehalt. Seine Aufsätze werden ihm extra sehr gut bezahlt, so dass er sich (ausgenommen, dass der Name Cotta brillanter klingt als DuMont) eigentlich jetzt reichlich so gut steht als in Augsburg; doch ist seine Frau sehr ungern von dort, wo ein sehr angenehmer Kreis von Literaten bestand, der in Köln gänzlich fehlt, fort gegangen.
Es scheint, Schücking habe das Heimweh bekommen, er selbst spricht sich nicht klar darüber aus, aber aus einem Briefe Luisens scheint es hervor zu gehn. Er ist den ganzen Sommer leidend gewesen und hat Seebäder in Ostende genommen, Jungmann und mehrere andre aus Münster haben ihn in Köln gesehn, sehr mager und blaß, aber von der besten Laune und noch immer entzückt von seiner Luise und seinem kleinen Lothar gefunden; er soll sich kindisch freuen, Westfälinger zu sehn, und überhaupt in seinem Wesen ganz unverändert sen.
Rüschhaus, 6. Dezember 1845
Diesmal nur einige Zeilen in fliegender Eil, denn Dein Geld, was soeben angekommen ist, muss sogleich wieder fort, um in Tresorscheine umgesetzt zu werden und dann das ganze Paket gleich in Münster zur Post, weil Euer einfältiger Bürgermeister auf beiden Scheinen den Stempel (oder Siegel) vergessen hat, so dass sie bei der Kasse in dieser Gestalt gar nicht können als gültig angesehn und den Quittungen beigelegt werden. Nur aus besonderer Gefälligkeit hat man das Geld darauf ausgezahlt, dringt aber nun auf augenblickliche Besserung des Fehlers. Schick also die beiden Papiere möglichst bald zurück! …
Daß ich soviel Glück mit meinem Rebberg habe, ist prächtig, und die Akquisition des Gartens gefällt mir ebenfalls sehr; ich fange jetzt an, eine ordentliche und potente Grundbesitzerin zu werden! Es ist mir nur ärgerlich, dass Werner mir die kleine Donation noch immer nicht in Ordnung gebracht hat, er hat so viel anderes zu tun, immer den Kopf so voll Geschäfte und ist dadurch oft so vergesslich und zerstreut, dass man ihm die Nase aus dem Gesichte stehlen könnte, ohne dass er es merkt. Sobald ich aber wieder in Hülshoff bin, soll er mir das Ding fertigmachen, solange ich da bin, sonst kömmt er nicht dazu. Geld bringe ich im Frühjahr mit, soviel ich zusammenkratzen kann, um womöglich die Gartenschuld zu tilgen. Schreib mir nur, wieviel Du zugelegt hast. …
(Am oberen Rand der ersten Seite:)
Hast Du auch meinem Rebmann im Herbste eine kleine Zulage gegeben? Er hat es wohl verdient; denn seinem Fleiße habe ich doch gewiss zumeist den guten Ertrag zu verdanken.
Rüschhaus, 6. Dezember 1845
Heute muss ich diesen Brief schließen, wenn er noch zur rechten Zeit kommen soll. Ich trenne mich ordentlich schwer von ihm, denn Sie sind mir fast wie gegenwärtig wenn ich so zu Ihnen rede. Ich las neulich von einer Erfindung, die man noch zu vervollkommnen und zum Besten der Politik auszubeuten hofft; nämlich durch eine wenig kostbare Vorrichtung von drahtdünnen Röhrchen unter der Erde den Schall auf große Wegstrecken so fortzupflanzen, dass man z.B. in Minden nur sprechen und ein anderer in Münster das Ohr anlegen darf. Ich denke mir, diese Einrichtungen würden dann Regale, und man förmlich auf Billets nach vorläufiger Bestellung zu Unterredungen zugelassen. Ach Gott, Lies, was würden wir da manchen halben Gulden totschlagen! …
Es ist aber auch was Betrübtes! Die Zeit vermag zwar viel, aber was sie nicht hat, kann sie doch nicht geben! Ich fühle, dass mit Ihnen mein halbes Herz und alle meine liebsten Stunden dahin sind. Adieu, Lies, bleiben Sie mir nur recht treu, ich denke täglich an Sie, oft ganze Stunden in einem Stücke, wenn ich abends auf meinem Kanapee dusele, dann möchte ich Ihnen dieses, dann jenes erzählen und endlich bitterlich weinen, dass Sie nicht da sind.
Rüschhaus, 14. November 1845
… bekam gleich darauf einen triumphierenden, strahlenden Brief von Schücking, datiert vom 20. Am vorigen Abend um 7 Uhr hatte er einen jungen Sohn bekommen und ist außer sich vor Freude und Hoffart. Er findet das Kind jetzt schon wunderschön, schreibt, es gleiche Luisen, habe schwarze Löckchen mitgebracht, und sie hätte ihm gleich nach dem Bade einen Scheitel gemacht. Es sei groß, dick und fett, habe lange Hände, Füße und Ohren, werde somit in die baumlangen Galls schlagen, und er sei der einzige von allen seinen schriftstellernden Freunden, der einen Jungen habe, und noch dazu so einen Staatskerl! Was ihm gewiss schrecklich viel Neid zuziehn werde. Er verlangt auch, ich solle sogleich ein Gedicht an das Kind machen. Kurz, er steht beinah auf dem Kopfe vor Freude.
Rüschhaus, 26. Dezember 1844
Meine Alte ist sehr schwach, denkt aber täglich mit großer Liebe an Euch. Sie sagt:
Ik kann minen Brill nich abwisken, sunder an de Kinner to denken, watt hebt de mi dat alltit so demödig dohn.
Gottlob leidet sie nicht, nimmt aber sehr ab.
Rüschhaus, 26. Dezember 1844





Gästebuch: