Kategorie: Bökendorf



An: Therese von Droste, aus: Bökendorf
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1838 11.November

Johannes Stapel war auch hier … übrigens verbauert er immer mehr, und nahm sich, aufrichtig gesagt, mitunter etwas kläglich aus, einmahl war in Abbenburg ein Disput über Goethe, zwischen Onkel Fritz, unserm Werner, Galen, und Hassenpflug, Johannes hatte immer schweigend zugehört, auf einmal sagt er ganz laut „Mit Erlaubnis! ist der Goethe nicht ein Schweinickel?“ Alle sperrten Nase und Mund auf, und ich sagte „er hat freilich Manches geschrieben, was für ganz junge Leute nicht passt“. Er stand auf, sagte „nun weiß ich genug, wenn er ein Schweinickel ist!“, und ging triumphierend den Laubgang hinauf. Keiner machte Bemerkung hierüber, aber es wurde Allen schwer das Lachen zu lassen. Bökendorf, 1. August… Weiterlesen »

An: Therese von Droste, aus: Bökendorf
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1838 1.August

Ich habe schon gesagt, dass mir Schlüter zuweilen schreibt. Er schickt mir dann die Druckbogen, wie sie nach und nach herauskommen, aber leider doch zu spät, um die Druckfehler zu verbessern, deren einige recht schlimme eingeschlichen sind. Einer der schlimmsten ist im ersten Gesange des St. Bernhard, wo es heißt: „Der Bruder nun in seiner Not – beginnt aufs neu das Kreuz zu reiben – als solle nicht ein Stäubchen bleiben.“ Es muss nämlich heißen „das Kleid zu reiben“. Nun lautet es stattdessen, als ob der Bruder sich den Buckel jucke. So etwas ist sehr fatal; man muss es aber jetzt mit Geduld tragen bis zur etwaigen zweiten Auflage. Jedermann sagt, es sei so schwer, Druckfehler aufzufinden, daher komme es, dass in allen Büchern… Weiterlesen »

An: Therese von Droste, aus: Bökendorf
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1820 11.März

Was Du mir in Betreff der Moneten schreibst, liebste Mama, ist mir sehr erfreulich gewesen, ich habe noch etwas und hoffe damit auszukommen, aber ich dachte, ich müsste noch viel wieder mitbringen, von wegen des vielen Geldes, was Ihr mir geschickt habt, was aber großenteils die gelbgelockte Nymphe zu Driburg unters Wasser gezogen hat. Was meinst Du, Mama, da kriegt man mal wenig fürs Geld und muss noch obendrein für Sachen bezahlen, die man nicht kriegt, und für Dienste, die einem nicht geleistet werden, z.B. den Tafeldecker, wenn man, wie ich, auf seinem Zimmer isst, den Brunnenmeister, wenn man, wie ich, keinen Brunnen trinkt, die Badefrau, wenn man, wie ich, eine eigne Bedienung bei sich hat. Ich wollte auch erst nicht… Weiterlesen »

An: Therese von Droste, aus: Bökendorf
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1820 11.März

Dass Werner krank gewesen ist, wusste ich schon ziemlich lange durch Briefe von Köln, habe es jedoch nicht eher erfahren, bis er schon ganz wieder hergestellt war, es freut mich aber außerordentlich zu erfahren, dass der junge Thielemann so freund mit ihm ist. Wir haben doch wirklich überhaupt getreue und aufrichtige Freunde an Thielemanns, und ich will nicht leugnen, dass mir ihre Entfernung wahrhaft hart fällt, sie hat mir vor etwa vier Wochen geschrieben, und ich hätte ihr längst geantwortet, wenn sich nicht gleich nachher die fatale Äquinoktials-Krankheit eingestellt hätte, wo ich in starken drei Wochen durchaus nicht schreiben und lesen sollte. Bökendorf, 11. März… Weiterlesen »

An: Therese von Droste, aus: Bökendorf
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1820 11.März

Nun zur Beantwortung deines Briefes, liebe Mama, den eingeschlossenen Zeddel von der Amme habe ich nicht gelesen, und es freut mich, jetzt zu erfahren, dass nichts Wichtigeres darin gestanden hat, oder vielmehr nichts Geheimeres, denn sonst ist mir der Amme ihr Briefchen gewiss lieb und wert. Ich bekam den ganzen Brief von Tony eben wie ich in den Schlitten stieg, um nach Apenburg zu fahren, konnte aber nicht gut bis zu meiner Ankunft dort warten, und öffnete ihn deshalb unterwegs und ein Windstoß wirft mir in dem Augenblick, wie ich die Blätter aus dem Couvert ziehe, die kleine Einlage weit weg in den Schnee, ich ließ sogleich und späterhin suchen, und war, als sie sich gar nicht wieder fand, recht besorgt und verdrießlich wegen… Weiterlesen »

An: Therese von Droste, aus: Bökendorf
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1820 11.März

Ich bin erst gestern Abend von Hindenburg zurück gekommen, liebe Mama, und habe dir deshalb deinen lieben guten langen Brief nicht eher beantworten können, und gewissermaßen ist es mir jetzt lieb, da ich dir heute auf allen Fall schreiben müsste, und sonst, wenn ich erst eben geschrieben hätte, wohl nichts andres zu erzählen wüsste als die eine langweilige Prozess-Sache, die diesen Brief gradezu notwendig macht, ich will diesen unangenehmen Punkt gleich abmachen, damit ich nachher in Ruhe von was Anderen reden kann. Ich möchte sehr wünschen, liebe Mutter, dass Du mit Mimy über die bewusste Sache gesprochen hättest, sie ist diejenige, von der sie hauptsächlich und mit großem Starrsinn betrieben wird, und ich muss jetzt alles… Weiterlesen »

An: Therese von Droste, aus: Bökendorf
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1819 20.Dezember

Du musst nur nicht denken, liebste Mama, als ob ich besonders krank wäre. Die Leute wollen behaupten, ich sähe besser aus, als da ich hieher kam, und es kömmt mir bisweilen selbst so vor. Auf jeden Fall befinde ich mich seit dem Driburger Bade viel besser; was Leib- und Magenschmerzen und Übelkeiten, womit ich sonst so oft geplagt war, anbelangt, so weiß ich fast nicht mehr, wie sie tun. Auch das Kopfweh hat sich sehr gelegt, nur habe ich schon, solange der Winter dauert, immer eine Trockne in den Augen, doch ganz ohne Verdunklung. Wahrscheinlich ist die ewige Schnee- oder Regenluft schuld daran, wir haben hier noch nicht einen klaren Tag gehabt. Ich brauche jetzt meine alten Pillen, und es bessert sich merklich. Die Pulver will… Weiterlesen »

An: Clemens-August von Droste, aus: Bökendorf
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1819 18.September

Du schreibst mir, ich soll im Oktober herüberkommen; da ich mich aber so durchaus wohl befinde und die hiesigen Ärzte behaupten, dass gerade die Bergluft dasjenige wäre, wovon ich auf Dauer meine völlige Genesung erwarten müsste, so wollen die Großeltern noch nichts von Abreisen hören. Was mich anbelangt, so tue ich das, was Ihr über mich beschließt, auf jeden Fall mit Freuden. Ich will nicht leugnen, dass ich sehr gern mal wieder bei Euch wäre, aber doch kann ich versichern, dass ich, sooft ich an Euch denke, doch nicht eigentlich das Heimweh habe, wie die Frau von Korff meinte; freilich bleibt einem das väterliche Haus natürlich immer das liebste, und es ist eine außerordentliche Freude, wenn man in einer fremden Gegend… Weiterlesen »

An: Charlotte Grimm, aus: Bökendorf
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1818 30.August

Was denken Sie, liebe Lotte, dass ich mich wie ein Dieb in der Nacht aus Kassel gemacht habe, ohne Ihnen zuvor Ihr Eigentum wieder zuzustellen? Es war mir bei dem Tumult der Abreise ganz aus dem Gedächtnis gekommen, und erst wie ich schon weit vor dem Tore hinaus war und mich noch einmal zum Abschiede nach dem schönen Kassel umsah, worüber aber jetzt die Morgennebel wie ein Witwenschleier lagen, vermutlich zur Trauer über unsere Abreise, fielen mir meine Sünden aufs Herz; und hätte ich nicht ein festes Vertrauen auf Ihre Güte, so hätte ich mich wohl leicht vor den nachsetzenden Häschern fürchten können. Zum Glück entsann ich mich, dass Sie ja noch ein ähnliches Kleinod von mir in Unterpfand haben. Da wir aber morgen in… Weiterlesen »