Kategorie: Bonn



aus: 1837, Bonn, Briefe an Therese von Droste

Es ist also jetzt beschlossen, dass man mich bis Düsseldorf bringen will, d. h. zu Wagen bis Köln und dann gleich mit dem Dampfboot weiter. Dann müßten nun entweder die Pferde in Düsseldorf sein, oder, was vielleicht noch besser wäre, in Ruhrort, wo ich dann schon einige Stunden weiter wäre, auch in einer kleineren Stadt und einem kleineren Gasthofe, was wohlfeiler und angenehmer ist. Oder am allerbesten wäre es wohl, ich führ’ bis Wesel; denn ich glaube nicht, dass die Pferde, wenn sie in zwei Tagesreisen von Münster bis Düsseldorf gingen, um 10 Uhr in Düsseldorf sein könnten, sie würden vielmehr den zweiten Tag erst nachmittags ankommen und müßten also einen ganzen halben Tag und eine Nacht im Wirtshause liegen. Zu Ruhrort würde es noch plus minus derselbe Fall sein, hingegen nach Wesel könnten die Pferde schon von Schermbeck gefahren sein und sich auch schon etwas ausgeruht haben, so dass ich gleich weiterfahren könnte. Was meinst Du dazu, liebe Mama?

Die paar Stunden, die ich von Düsseldorf bis Wesel vielleicht auf dem Dampfboote allein fahren müßte (ich sage vielleicht, denn im Grunde glaube ich nicht, dass man mich allein wird gehn lassen; ich habe nur noch von dem Plane bis Wesel zu fahren nichts gesagt), aber diese paar Stunden würden mir gar nichts machen, da ich ja auf demselben Dampfboote blieb, was ich in Köln bestiegen, und also, bis sich in Düsseldorf meine Begleitung von mir trennte, schon wieder irgendwelche ordentlich Damen gefunden haben, neben denen ich die paar Stunden still sitzen könnte. Nur wünschte ich dann sehr, dass der Kutscher sich bei Ankunft des Dampfboots am Landungsplatze vorfinden, mich zum Gasthof führen und auf meine Sachen ein wachsames Auge haben möchte. …

Aber notabene: Geld muss ich noch haben. Ich glaube, dass ich, so für mich allein, die Reise nicht unter 20 Taler machen kann, und der Weihnachten hat mich sehr geplündert, denn ich habe nicht weniger als 12 Personen müssen Geschenke machen …

Bonn, 12. Januar 1837

aus: 1831, Bonn, Briefe an Jenny von Laßberg

Ich habe an Mama und Werner geschrieben, und so sollst Du, alter lieber Hans, auch nicht so ganz leer ausgehn. Wenn mir auch nur noch Zeit für ein paar Zeilen bleibt; manches, was eigentlich für Dich gehört, z. B. über Blumen, die ich gern für die Mertens hätte, steht schon in dem langen Briefe an Mama …

Übrigens habe ich hier schöne Sachen geschenkt bekommen; habe deshalb auch manches zurückschenken müssen, was meinem Geldbeutel nicht besonders gut bekommen ist. Es geht hier wie in Münster, alle Leute schenken mir etwas. Vorgestern hat mir ein geistlicher Herr eine Vase von Amethyst geschenkt - ist das nicht schön? Aber es ist kein klarer Amethyst, und die Vase ist überhaupt nicht schön von Form, es ist aber doch immer was Merkwürdiges. Auch Muscheln habe ich, aber keine ganz besonderen, und manche hübschen Mineralien und viel schöne Münzen; und die Mertens hat mir zu Weihnachten einen schönen Kasten mit Einsätzen geschenkt, voll geschliffner Steine!

Du kriegst auch was von mir! Ich habe in eine Gemäldelotterie gesetzt - entweder gewinne ich ein Gemälde oder, wenn ich eine Niete ziehe, so bekomme ich, in Steindruck, die Umrisse von allen den Gemälden, die verlost sind - also auf jeden Fall etwas, und das ist vor Dir. Ich hoffe, auch noch irgendwas für Mama zu erwischen, und für Werner und Line.

Du kannst nicht denken, wie mich oft nach Euch verlangt, und doch kann ich jetzt nicht fort, bis die Mertens einigermaßen hergestellt ist. Du kannst nicht denken, wie verlassen die arme Frau in ihrer Krankheit ist. Ich will nichts Übles von Herrn Mertens sagen - “ich sage man nix, als en Ochs und en Esel in eine Person, und en Elefant dazu”.

Bonn, 20. März 1831

aus: 1831, Bonn, Briefe an Therese von Droste, Plittersdorf

Was Du von mir denkst, meine liebe alte Mama, das weiß der liebe Gott, aber das weiß ich wohl, dass ich ganz unschuldig bin und in den letzten vier Wochen oft nicht wußte, wo mir der Kopf stand. Ich bin jetzt schon in der 5. Woche bei der Mertens, die sehr gefährlich krank gewesen ist. Ich habe viel Last gehabt, so viel wie in meinem Leben noch nicht. Ich habe die arme Mertens Tag und Nacht verpflegt, fast ganz allein; denn ihrer Kammerjungfer hatte sie grade zuvor aufgesagt, weil sie trinkt, und konnte sie nun gar nicht mehr um sich leiden, … ihre beiden ältesten Mädchen sind in der Pension. Adele Schopenhauer immer krank. So war ich die Nächte zu der Sache.

Wie hab ich doch so manche Sommernacht,
Du düstrer Saal, in deinem Raum verwacht!
Und du, Balkon, auf dich bin ich getreten,
Um leise für ein teures Haupt zu beten,
Wenn hinter mir aus den Gemaches Tiefen
Wie Hilfewimmern bange Seufzer riefen,
Die Odemzüge aus geliebtem Mund;
Ja, bitter weint’ ich - o Erinnerung! -
Doch trug ich mutig es, denn ich war jung,
War jung noch und gesund.

Du Bett mit seidnem Franzenhang geziert,
Wie oft hab’ deine Falten ich berührt,
Mit leiser, leiser Hand gehemmt ihr Rauschen,
Wenn ich mich beugte durch den Spalt zu lauschen,
Mein Haupt so müde, dass es schwamm wie trunken,
So matt mein Knie, dass es zum Grund gesunken!
Mechanisch löste ich der Zöpfe Bund
Und sucht’ im frischen Trunk Erleichterung;
Ach, Alles trägt man leicht, ist man nur jung,
Nur jung noch und gesund! …

aus: Nach fünfzehn Jahren

Die arme Billchen hat die ersten vierzehn Tage keine einzige Stunde geschlafen; jetzt ist es viel besser, aber doch stehe ich fast jede Nacht ein oder ein paarmal auf. Dabei habe ich die ganze Haushaltung übernommen und gewiss mehr als 20 Schlüssel täglich zu gebrauchen; zwischendurch muss ich dabei nach den Kindern sehn, da die Madame D. fort ist. Ich tue das alles herzlich gern und befinde mich wohl dabei, aber müde bin ich oft wie ein Postpferd. Ich bin in dieser Zeit nur einmal auf eine Stunde nach Bonn gefahren …

Bonn, den 20. Die Mertens war so elend, so matt, dass ich dachte, sie wäre in den letzten 14 Tagen der Schwindsucht, aber es sind alles nur Krämpfe gewesen. Sie ist jetzt besser. Das Kopfübel ist gehoben, sie nimmt stärkende Bäder, wonach, wie der Arzt meint, ihre Kräfte sich vielleicht sehr bald wiederherstellen werden. Die Adele ist gekommen, mich abzulösen, und nun bin ich wieder hier.

Ach Gott, was habe ich für Angst ausgestanden! Wie dein letzter lieber Brief kam, war alles so, dass ich keine Minute von ihrem Bette gehn und an kein Schreiben denken konnte. Sie war den Tag gerade so, dass sie fast gar nicht mehr sprach und 24 Stunden lang nichts aß, weil sie vor Schwäche nicht schlucken konnte. Und doch ist keine Todesgefahr da, wie der Doktor versichert…

Plittersorf/Bonn, 11./19. März 1831

aus: 1831, Bonn, Briefe an Therese von Droste, Plittersdorf

Du siehst aus diesem langen Bogen, liebste, beste, alte Mama, dass ich wenigstens den Willen habe, recht viel zu schreiben. Ob ich dazu komme, das weiß Gott; obgleich ich nichts, gar nichts zu tun habe und auch nirgends hingehe. Aber ich habe mein Nichtstun so künstlich eingeteilt, dass mir keine Minute übrigbleibt und ich den ganzen Tag wie auf der Flucht bin. Du kannst meine höchst einfache und pünktliche Lebensordnung schon aus meinen früheren Briefen beurteilen. Eben in derselben Form besteht sie noch immer. Ich lebe so sehr nach der Uhr, dass ich mich ganz desorientiert fühle, sobald ich mal etwas anderes vorgenommen habe. …

Plittersdorf, 7. Mein Brief ist schon fast acht Tage alt geworden. Ich bin hier, um die Mertens zu pflegen, die sich, grade an dem Tage, wo ich angefangen zu schreiben, durch einen Stoß am Kopfe verletzt hatte. Ich habe viel Angst um sie ausgestanden, aber jetzt wird, hoffentlich, alle Gefahr überstanden sein. Doch ist sie noch sehr schwach und schläft des Nachts äußerst wenig. Doch gottlob, dass die Schmerzen im Kopf nicht zur eigentlichen Entzündung gekommen sind; sie hat diese Nacht einige Stunden geschlafen und hat guten Appetit.

Bonn/Plittersdorf, 31. Januar - 7. Februar 1831

aus: 1830, Bonn, Briefe an Therese von Droste

Mit Arno habe ich nicht geschrieben, weil ich gerade nach Plittersdorf geholt wurde, wo ich die Mertens sehr leidend antraf, es waren aber nur Krämpfe, und so konnte ich nach drei Tagen wieder hieher gehen. Sie brachte mich sogar selbst zurück, obgleich sie in den Tagen, die ich bei ihr war, mehrere Male vor Schmerzen ohnmächtig wurde; sie ist übrigens im ganzen ziemlich gesund jetzt; dies war nur so ein einzelner Anfall, sonst kann sie gewaltig viel vertragen und ist so gut zu Fuße, dass ich mich darüber wundern muss — sie läuft von Plittersdorf nach Bonn und wieder zurück in einem Tage, und dabei den ganzen Tag auf den Straßen umher.

Mit Tony glaubt sie ganz prächtig fertig geworden zu sein, sie hat rechten Nutzen von ihrem Aufenthalt zu Plittersdorf gehabt. Der Herr Mertens hat sich so gut mit ihr unterhalten können, dass er diese Zeit über nicht halb so viel an Langweile und folglich übler Laune gelitten hat als sonst. Dieses ist auch wohl der Grund, warum sie so wenig empressiert gewesen ist, Tony weiter zu schaffen, obgleich sie das nicht gerade eingestehen will.

Bonn, 14. Oktober 1830