Kategorie: Hülshoff



aus: 1846, Briefe an Christoph B. Schlüter, Hülshoff

Ich bin in Hülshoff und recht krank, an allerlei, am plagendsten an meinem nervösen Kopfweh, das seit sechs Tagen völlig Überhand genommen hat. Ich kann Ihnen deshalb für dieses Mal nur die Hand drücken und weiter nichts. Alles andere, Brief und Gedichte, später gern und vollständig. Betet doch ein wenig für mich, Ihr meine Lieben! Der Schmerz nimmt mir so oft die Gedankenklarheit zum brünstigen Gebete, wenn ich es grade am nötigsten hätte.

Hülshoff, 5. September 1846

aus: 1846, Briefe an Christoph B. Schlüter, Hülshoff

Sie wissen nicht, was ich in den letzten Tagen gelitten habe, und welche durchdringende Erquickung mir ihre treue vertrauensvolle Freundschaft gerade jetzt sein muss. Ich habe Schückings scheußliches Buch gelesen, ich habe es von wahrhaft wohlmeinender Hand erhalten, mit dem Zusatze, ich müsse es leider lesen, da ich in dem allgemeinen Verdachte stehe, ihm das Material zu seinen Giftmischereien geliefert zu haben. Sie haben es nicht gelesen, und hätten Sie es gelesen, so würden Ihnen doch hundert Anspielungen (die leider andernorts nur zu wohl verstanden werden) unverständlich bleiben und Sie nicht halb begreifen, wie mir zumute sein muss.

Schücking hat an mir gehandelt wie mein grausamster Todfeind und, was unglaublich scheint, ist sich dessen ohne Zweifel gar nicht bewußt.

Gottlob darf ich mir keine Indiskretionen vorwerfen, aber mein Adoptivsohn! jahrelanger Hausfreund! O Gott, wer kann sich vor einem Hausdiebe hüten! Er hat mich über manches, was mir Nahestehende betraf, befragt, über Intentionen, Handlungen, die einen Schatten auf sie zu werfen schienen, und meine warme Verteidigung benutzt, um kleine Umstände daraus zu stehlen, die den von nächster Hand Unterrichteten bezeichnen, und sie dann nicht nur mit alle den Flecken, von denen ich sie mit Recht zu reinigen suchte, sondern auch mit allen Zutaten einer des Juif errant würdigen Phantasie an den Pranger gestellt. Dies ist mein direktester Anteil an seiner Schuld, mein indirekterer, aber noch schädlicherer ist, dass ich ihn in mehrere Familien und bei so manchem einzelnen Freunde, den ich für sein Fortkommen zu Interessieren wünschte, eingeführt, mich für seinen Charakter verbürgt und ihm dadurch Gelegenheit gegeben habe, sich die pikantesten für einen Roman brauchbarsten Persönlichkeiten zu merken und zu diesem Zwecke anderwärts sie betreffende Partikularitäten aufzulesen, natürlich je krasser und unwahrscheinlicher, desto mehr Hoffnung auf literarischen Erfolg! Schlüter! ich bin wie zerschlagen.

O Gott, wieweit kann Schriftstellereitelkeit und die Sucht, Effekt in der Welt zu machen, führen! selbst einen sonst gutmütigen Menschen, denn das bleibt Sch[ücking], die Gerechtigkeit nötigt mich, dies selbst in diesem schweren Moment anzuerkennen. In seinem letzten Briefe konnte er mir Geld für einige Gedichte im Feuilleton schicken. Seine Zeilen strahlten von Freude hierüber, und das war kein Betrug. Er liebt mich, er liebt Sie, er liebt Westfalen überhaupt und hat bei seinem Buche an nichts gedacht, als dem Eugene Sue den Rang abzulaufen; aber er ist verloren, denn er hat die einzige Stütze fahren lassen, an der wir uns von unsern Fehlern und Schwächen aufrichten können.

Man hat Ihnen die Wahrheit gesagt, er schlägt vor der Kirche die Zunge aus, und hier findet keine Entschuldigung statt, höchstens eine: “Herr vergib ihm, er weiß nicht was er tut”. Lassen Sie uns für ihn beten. Christi Blut ist auch für ihn geflossen, und Gott hat tausend Wege, die Verirrten zu sich zurück zu führen, oft durch Not und Kummer, und die sehe ich, bei Sch[ückings] Lust am Glänze und der Unhaltbarkeit seines Talents in nicht zu weiter Ferne voraus. Ich bin sehr bewegt und mag für jetzt nicht weiter schreiben.

Dienstag, 14ten. Ich habe mit meinem Bruder gesprochen und bin jetzt viel ruhiger. Er hat eher als ich um Buch und Gerücht gewußt und mich nur nicht damit betrüben wollen, da er sich den Zusammenhang sehr leicht selbst heraus gefunden. Ob er sich anfangs geärgert hat, weiß ich nicht, jetzt ließ er sich nichts merken, meint: eben das überwiegend Krasse und Unwahre darin könne nur allgemeine Indignation erregen und keinem der Angegriffenen schaden, ebensowenig könne, wenn auch einzelne harmlose Umstände als von mir erzählt erkannt würden, ein vernünftiger Mensch diesen Glauben auf die übrigen entstellten und ehrenrührigen ausdehnen, eine Ungerechtigkeit könne leider nur zu lange standhalten, aber eine Albernheit zerfalle in sich selbst, und dieses sei eine Albernheit.

Ich kann die Sache nicht so leicht nehmen, bin aber doch viel ruhiger, nun es von dieser Seite ohne Verdruß abgegangen ist, denn Werner kränkelt seit Monaten, und ich fürchtete sehr den Einfluß des Ärgers. Übrigens warnte er mich vor auffallenden Schritten, selbst vor weitläufigen Erörterungen gegen Freunde. Stillschweigen und den Nebel verrauchen lassen sei das Beste, er, der Nebel, werde schon von selbst sinken, wogegen ein einziges, am unrechten Orte wiederholtes Wort mir eine giftige Feder auf den Hals hetzen könne, eine Lage, der ein Frauenzimmer sich nie aussetzen dürfe. Wo man nicht von dem Buche rede, solle ich auch nicht davon anfangen, wo ich aber darnach gefragt werde, mein Urheil als Christin und Westfälingerin frei und streng aussprechen und im übrigen jedes Verhältnis zu Schücking so schnell und vollständig als möglich, aber nicht gewaltsam auflösen.

Ich werde sonach unsre ohnedies fast entschlafene Korrespondenz völlig liegen lassen, keine Beiträge mehr ins Feuilleton schicken und bei unsrer Reise nach Meersburg ein Dampfboot wählen, was in Köln nicht anhält, so ist die Auflösung von selbst da, und die Verjährung folgt ihr auf der Ferse.

So muss ich Sie auch bitten, liebster Freund, den Inhalt dieses Briefes niemanden mitzuteilen. Selbst Ihre geprüfte, achtungswerte Freundin, die Räthin Lombard, kann ich hiervon nicht ausnehmen, obwohl ich sie sonst für verschwiegen wie das Grab halte, aber sie kömmt oft nach Bonn, und ich halte ihr Rechtlichkeitsgefühl für zu stark, um sie nicht der äußersten Versuchung auszusetzen, wenn es dort über mich herginge, und Bonn ist sehr nahe bei Köln, bei dem jetzigen Verschwinden alles Raumes fast wie derselbe Ort. Selbst Münster ist von Köln jetzt nicht entfernter als früher Telgte. Vergessen Sie das nicht, liebster Freund.

Was ich selbst nötigenfalls, d. h. wenn ich direkt mit Fragen angegriffen werde, über diesen Punkt sagen werde, ist mir selbst noch nicht recht klar, jedenfalls die Wahrheit, aber wahrscheinlich nicht weiter als die Frage gradezu verlangt. Ich habe eine 75jährige Mutter zu schonen und bin deshalb entschlossen, jedem Anlasse zu Klatschereien (und der liegt in jedem Hin- und Herreden) möglichst aus dem Wege zu gehn.

Nachmittags. Ich komme von einem Spaziergange, die Luft ist so blau, die Vögel so fröhlich, Gottes Segen quillt so reichlich aus den Schollen, wer sollte sich da nicht beruhigt und in seiner Hand wohlgeborgen fühlen! Nichts mehr von Odiosis! Ich würde Sie sehr um Verzeihung bitten, Sie damit belästigt zu haben, wäre dies nicht grade der eigentlichste Kern der Freundschaft, dass sie auch das Leid des Freundes nicht missen will, so wenig wie seine Freuden, oder wenn nicht der Kern, doch die ihm zunächst liegende, ihn umschlingende Faserhülle; der Kern heißt freilich anders, ein Glauben, ein Hoffen, ein gemeinsames Wirken.

Hülshoff, 14. April 1846

aus: 1843, Briefe an Levin Schücking, Hülshoff

Sie sehn wohl schon aus meinen Federzügen, lieb Kind, dass ich wenigstens teilweise hergestellt bin; der Aufenthalt in Münster hat mir sehr wohl getan, was ein halbes Wunder ist, unter den täglichen Erschütterungen, die ich am Sterbelager und Sarge des guten Täntchens mit Elisen teilte. Ich tat mir über Macht Gewalt an und dachte, der hinkende Bote würde nachkommen; statt dessen hat diese Widersetzlichkeit gegen mein Nervenübel es gleichsam in Konfusion gebracht, die so übel behandelten Anfälle sind es müde geworden, wieder zu kommen, und jetzt bin ich wohl noch schwach, schändlich reizbar, aber doch nicht eigentlich krank mehr.

Freut’s meinen Jungen nicht? Es ist mir ordentlich ein Fest, es ihm zu schreiben, da ich weiß, wie mir zumute wäre, wenn ich ihn so elend wüsste. Lieber Levin, ich wollte, Sie hätten mein Krankenlager gesehn und jetzt meine rasche Genesung, um sich über Ihr eignes Befinden aller Apprehensionen zu entschlagen.

Hülshoff, 11. Mai 1843

aus: 1843, Briefe an Levin Schücking, Hülshoff

Die Mertens war allerdings vier Wochen lang in Münster; hören Sie die Veranlassung, und Sie haben ihren Charakter von der besten und schlimmsten Seite. Ich hatte ihr in Bonn griechische Münzen versprochen, die ich nicht alle für echt halte, aber doch einige darunter, hatte sie ihr auch geschickt und den dankbarsten Brief erhalten, worin sie zugleich mein Urteil über Ächtheit und Nichtechtheit bestätigte. Hierauf verhinderte mich meine Krankheit, zu antworten, und nun erhielt ich den allerimpertinentesten Brief; sie schickte mir die Münzen zurück: “sie seien alle unecht und nichts wert, würden auch, wenn sie echt wären, von so großer Seltenheit sein, dass sie dann kein Sammler, selbst als Doubletten, verschenkt hätte.” In diesem Tone ging’s fort, schließlich: “da ich ihr, wie es scheine, sonst nicht mehr zu schreiben denke, bitte sie sich wenigstens der Ordnung halber einen Empfangschein über die Münzen aus.” Ich ärgerte mich so schmählich, dass ich Fieber bekam wie ein Pferd, und antwortete ihr, so krank ich war, mit ein paar Zeilen, wie elend ich sei, dass ich deshalb nicht geschrieben et cet.

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aus: 1843, Briefe an Levin Schücking, Hülshoff

Schreiben Sie mir gleich, wie Ihnen die Gall gefallen hat; bin ich schon in Abbenburg, so wird mir der Brief doch unmittelbar nachgeschickt. Wir (Elise und ich) sind natürlich äußerst gespannt darauf, und unsre Wünsche und Gebete werden Sie an jenem Tage begleiten. Gott gebe, dass die Gall ist, wie wir sie uns ausmalen, namentlich Elise: feurig ohne Exaltation, neben ihrem Geiste voll bon sens, und, obwohl glänzend in Gesellschaft, doch ruhig und wohltuend im häuslichen Leben.

Lieb Kind, Dein Mütterchen hat carte blanche, zu sagen, was es will, nicht wahr? So bitte ich Dich, wie ich bitten kann, suche die Gall genau zu ergründen, ehe Dein Wort und Urteil unwiederbringlich gefangen sind; es geht hier ums ganze Leben. Ich bin voll der besten Hoffnungen und so herzensfroh, dass Deine Neigung sich so ehrenvoll fixiert hat, und doch ist mir jetzt, wo die Entscheidung bevorsteht, so ängstlich und ernst zu Mute, als sollte ich selbst heurathen.

Sollte die Gall – ich hoffe es nicht, aber möglich wär’ es, und Deine eignen Beschreibungen widersprechen dem wenigstens nicht – zu jenen Menschen gehören, denen das Bedürfnis steter Aufregung – ob sentimental oder leidenschaftlich kömmt zu einem aus – angeboren ist, so bedenk Dich zehnmal, eh’ Du Dich bindest. Du bist ein Westfale, deshalb ein geborner Philister, und das Bedürfnis nach heitrer Ruhe ist bei Dir auf die Dauer das allervorherrschendste. Du bist zart von Nerven, deshalb auch kurzen Aufregungen sehr zugänglich, aber bald überreizt; eine derartige Frau würde Dich im ersten Vierteljahre vielleicht bis zur Vergötterung exaltieren, im zweiten und dritten bedeutend ermüden, und endlich würdest Du lieber in die erste beste Pfahlbürgerkneipe gehn, um nur mal eine ruhige ordinäre Stunde zu verleben.

Auch ihre Anforderungen an die Welt sind bei Deiner vorläufig bescheidenen Lage sehr zu prüfen; sie scheint mir glänzend erzogen und an einen bewundernden Kreis gewöhnt; dergleichen entwöhnt sich nicht leicht. Ihre Unlust an Hofbällen und der großen Welt will nichts beweisen; sehr lebhafte und dabei, wie Du selbst sagst, etwas eitle Personen, die an einen engern Zirkel, wo sie die erste Rolle spielen, gewöhnt sind, fühlen sich nie wohl, wo sie sich schmählich genieren und mit so vielen pari gehn müssen. Aber diese täglichen kleineren Zirkel im eignen Hause sind grade das Geldfressende, und ich weiß kaum, was kläglicher ist: in Schulden geraten oder jeden Mittag Wassersuppe essen, um abends die Leute mit Zuckerbrezeln bewirten zu können.

Mein gutes Herz, Du darfst mir nichts übel nehmen und begreifst die Angst Deines Mütterchens, wo ihr einziges liebes Kind auf dem Punkte steht, über seine ganze Zukunft zu entscheiden.

Beobachte die Gall zwischen Menschen, und wie sie Dir da zuerst erscheint, ehe sie sich noch ausschließlich mit Dir beschäftiget; nachher ist’s zu spät. Völlig Verliebte oder gar Verlobte sind immer einsamer Natur und möchten nur in einer Hütte unter vier Augen leben; aber das hält nicht an, und die alte angeborne Natur kömmt über kurz oder lang immer wieder durch.

Es sind noch zwei Umstände, die ich jetzt, wo Dein Geschick an einem Haare schwebt, nicht übergehn darf, magst Du meine Liebe darin nun erkennen oder verkennen. Die Gall ist protestantisch; das macht zwar mir wenigstens für ihre Person nichts aus; aber sie könnte fordern, dass ihre Kinder in gleicher Religion erzogen würden. Wär’s möglich, Levin, dass Du in einem Augenblicke der Leidenschaft oder des Leichtsinns darauf eingingst? Ich weiß, Du bist kein orthodoxer Katholik, hast es aber doch oft gegen mich und andre ausgesprochen, dass Du Deine angeborne Glaubensform bei weitem für die bessere und der Moralität zuträglichere hältst. Darum bitte ich Dich, wie ich bitten kann, Levin, gib kein solches öffentliches Zeichen einer Schwäche, die Dich in Deinen eignen und andrer Augen herabsetzen müßte. Bedenk, was Du alles für den Besitz eines Herzens aufgäbst: alle Deine hiesigen Lieben, die Du tödlich betrüben und den freien Äußerungen ihrer Zuneigung fast unübersteigliche Hindernisse in den Weg wälzen würdest.

Mein liebes, liebes Kind, Du weißt, dass dieses keine Drohung sein soll, nur ein Auffrischen des Dir wohl Bekannten, ein Erinnern an Verhältnisse, die Du vielleicht halb vergessen hast, deren Resultate aber wenigstens einer fast das Herz brechen würden.

Nun zu dem andern Punkte! Lieber Levin, Du bist leichtsinnig, oder vielmehr, wenn Du etwas lebhaft wünschest, so machst Du Dir selbst was weis und siehst, im umgekehrten Sprichwort, ein Kamel für eine Mücke an. Du bist Deiner beiden Eltern echtes Kind; ich will hiermit Deinem armen guten Vater nicht zu nahetreten, den ich vielleicht grade deshalb so lieb habe und begreife, weil ich an Dir sehe, wie man ihm in manchen Stücken ähnlich und doch großer Anhänglichkeit wert sein kann. Deshalb bitte ich, wie nur eine Mutter bitten kann, verlobe Dich, wann Du willst - heute – morgen – aber heurate nicht ohne recht festen Grund unter den Füßen, nicht auf einige hundert Gulden, die bei sparsamer Wirtschaft allenfalls für zweie ausreichen. Gott kann Dir elf Kinder geben wie meinem Bruder, und es ist nichts schrecklicher, wie Frau und Kinder darben zu sehn oder, in Schulden versunken, alle Tage erwarten, ausgepfändet zu werden; und hast Du einmal leichtsinnig angefangen, so musst Du, wohl oder übel, allen bittern Ernst mit durchhalten.

Auf Deine Schriftstellerei darfst Du nicht zuviel rechnen; jede Kränklichkeit kann Dich unfähig dazu machen, und grade Sorge und Niedergeschlagenheit würden diese Quelle gewiss sogleich verstopfen. Auch Dein eigentlicher Broterwerber, Dein Amt, muss sicher sein, von der Regierung oder sonst vermögenden Kräften garantiert; ich weiß nicht, ob die “Augsburger Zeitung” dies ist, aber jedenfalls würde ich, faute de mieux, hier zugreifen, wenn die Bedingungen irgend annehmlich wären; Du hast vorläufig für Dich und die nächste Zukunft zu sorgen, und diese ist jedenfalls eine Stelle, die Dich sehr ans Licht heben und eher wie jede andre den Weg zu einer wirklich genügenden Lage bahnen wird.

Nun genug hiervon, liebstes Kind, ich habe offner zu Dir gesprochen als je und hätte es schon gern im vorigen Briefe getan; aber da war ich noch äußerst matt, hatte mich an andern Dingen todmüde geschrieben und nur noch eben die Kraft, Dir zu einer Verbindung, die mir im Ganzen, aufrichtig, überaus erwünscht ist, meinen Segen zu geben. Denn, lieb Kind, ich glaubte nicht an meine Genesung und dachte, dies wäre der letzte Brief, den Dir Dein Mütterchen schreiben könnte; jetzt bin ich aber wirklich fast hergestellt. …

[Elise] läßt Sie herzlich grüßen und ist äußerst gespannt auf Ihre Zusammenkunft mit der Gall. Diese indirekten Mitteilungen regen sie keineswegs auf, sondern erheitern und beruhigen sie, da die Sprache in Ihren Briefen an mich durchgängig heiter, ruhig und herzlich ist, und die jetzige Wendung Ihres Schicksals sie wahrhaft freut, um so mehr, da es ihr fast vorkömmt, als habe sie die Sache gemacht, da sie schon lange von den Schriften der Gall eingenommen war – “Die Maske” im “Morgenblatt” – und bei Ihrer ersten flüchtigen Erwähnung derselben sich gleich in den Kopf gesetzt hatte, diese müsse Ihre Frau werden und keine andre. Kurz, lieber Levin, der Himmel hat es auch hier sehr gnädig mit Ihnen gemacht, verderben Sie nur selbst nichts!

Hülshoff, 11. Mai 1843