Kategorie: Köln



aus: 1826, Briefe an Jenny von Laßberg, Köln

Schlegel hat einen schönen Ring vom König bekommen, und ist schrecklich eitel damit, ist überhaupt lächerlich eitel, trotz seines vielen Verstandes, und gibt dadurch seinem Feinde, Clemens Droste, viel gute Gelegenheit an die Hand, ihn zu ärgern. Neulich ist ein Fleischer mit einer schweren Last Fleisch auf dem Rücken gerade vor Schlegel gefallen, so dass man geglaubt hat, es wäre kein Stück von ihm ganz geblieben, er hat indessen, wunderbarer Weise, nichts dabei gelitten, außer dem Verlust seines besten Röckchens, was überher eine andere Farbe bekommen hat …

Köln, 21. Februar 1826

aus: 1826, Briefe an Jenny von Laßberg, Köln

Es geht mir hier übrigens sehr gut. Köln ist im Winter äußerst angenehm. Ich habe einige Bälle besucht, wo ich aber den Leuten den Aberglauben, dass ich von wegen meiner subtilen Figur gut tanzen müßte, gelassen habe, nämlich dadurch, dass ich gar nicht getanzt habe, als allenfalls einmal herumgewalzt.

Die Bälle sind hier äußerst brillant, selbst das gewöhnliche Lokal ist sehr groß, und am Karneval-Montag wurde auf dem Kaufhause, genannt der Gürzenich, getanzt, wo mehrere tausend Menschen auf der Redoute waren. Es war wieder ein großer Aufzug wie in den vorigen Jahren. Der König Karneval hatte sich eine Braut aus dem Monde geholt. Ich werde Dir die ganze Sache einmal mündlich erklären, schriftlich ist es nicht gut möglich. Aber das Ding muss ungeheures Geld gekostet haben, unter anderm hat sich der junge Schaaffhausen fünf verschiedene Anzüge machen lassen, die alle äußerst kostbar waren. Drei hat er aber nur zeigen können, die anderen beiden - der Titelnarr und der Ordensnarr - wurden für anzüglich erklärt und deshalb unterlassen.

Es waren auch noch viele kleine Gesellschaften, die herumgingen, unter anderen der Bannerrat, ein alter ehemaliger Rat von Köln, wo sehr witzige Sache gesagt wurden, und doch ganz ohne Beleidigung. Ebenso ein musikalisches Kränzchen, was allerliebst musizierte und auch nebenbei sehr witzig war. Sie sangen und spielten verschiedene sehr muntere Stücke aus den “Wienern in Berlin”, dann eine höchst lächerliche Kirchenmusik und zuletzt ein Konzert auf einem Nachtigallpfeifchen mit Instrumentalbegleitung, was sich allerliebst ausnahm, was ich aber übrigens auf meine Schuh schmieren konnte. Das macht aber nichts, jeder hat was abgekriegt, und dieses war noch höchst gnädig. …

Ich muss wieder abbrechen, denn eine gute Bekannte von mir, Frau Mertens, die nicht weit von hier wohnt, lässt mich eben bitten, zu ihr herüber zu kommen; sie ist krank.

Köln, Februar 1826

aus: 1825, Briefe an Therese von Droste, Köln

So bin ich gestern recht im Papstmonat hier angekommen, da das neue Dampfschiff “Friedrich Wilhelm”, das größte und schönste Schiff, wie man sagt, was noch den Rhein befahren hat, vom Stapel gelassen, probiert und getauft wurde. Das erste sah ich nicht, denn es war schon auf dem Wasser, als wir uns durch die Volksmenge gearbeitet hatten; dann aber sahen wir es ganz nah - wir standen auf der Schiffsbrücke - mehrere Male eine Strecke des Rheins herauf und herunter mit türkischer Musik und beständigem Kanonenfeuer durch die Schiffsbrücke segeln mit einer Schnelligkeit, die einen schwindeln machte. Endlich legte es an der Schiffsbrücke an, und das sämtliche diplomatische Corps, was die Probe mitgemacht hatte, begab sich ans Land.

Ein so großes Dampfschiff ist etwas höchst Imposantes, man kann wohl sagen, Fürchterliches. Es wird, wie Du wohl weißt, durch Räder fortbewegt, die, verbunden mit dem Geräusch des Schnellsegelns, ein solches Gezisch verursachen, dass es auf dem Schiffe schwer halten muss, sich zu verstehen. Doch dieses ist nicht das eigentliche Ängstliche. Aber im Schiffe steht eine hohe dicke Säule, aus der unaufhörlich der Dampf hinausströmt in einer grauen Rauchsäule mit ungeheurer Gewalt und einem Geräusch wie das der Flamme bei einem brennenden Hause.

Wenn das Schiff stille steht, oder wenn der Dampf so stark wird, dass er die Sicherheitsventile öffnet, so fängt das Ding dermaßen an zu brausen, dass man meint, es wollte sogleich in die Luft fliegen. Kurz, das Ganze gleicht einer Höllenmaschine, doch soll gar keine Gefahr dabei sein, und ich möchte diese schöne Gelegenheit wohl benutzen, um nach Koblenz zu kommen, was in fünf Stunden möglich sein soll. …

Hätte ich noch Zeit, so wollte ich dir, liebste Mutter, noch allerhand schreiben, von allem, was ich in der kurzen Zeit gesehen habe, unter andern von Schlegel, Ennemoser, d’Alton und was dich sonst interessieren könnte. Doch nun will ich es auf den nächsten Brief versparen …

Köln, 18. Oktober 1925

aus: 1825, Briefe an Therese von Droste, Köln

Wenn ich noch etwas von meinen niedlichen Sachen in dem Koffer (mit den bestellten Kleidern) mitbekommen könnte, um meine Zimmer auszuzieren, z. B. das Kästchen von der Thielemann oder eins von meinen schönen Eau-de Cologne-Gläsern, das wäre recht hübsch, doch wenn es nicht ganz gut geht, so ist es ganz einerlei. Aber vor allem muss ich etwas Noten haben (die zwei neuesten Sachen, nämlich die von Caraffa, die Variationen von Rhode verlange ich nicht, denn ich weiß sie auswendig und bin sonst vielleicht gezwungen, sie an jemand, den ich nicht kenne, auszuleihen) und sonst noch etwas, was ich noch nicht recht einstudiert habe, auch das Generalbassbuch von Onkel Max - und doch ja die Ledwina, woran ich in diesem Winter ein gutes Stück zu schreiben gedenke. Jenny weiß, wo alles liegt. Das Generalbassbuch muss auf ihrem eigenen Zimmer sein.

Doch bitte ich um alles dieses nur, insofern es ganz gut angeht, denn ich kann es im Notfall alles entbehren - die erstgenannten Sachen hier einkaufen, was das Letztere angeht, so weiß ich ja so viele Musik auswendig, und kann noch wohl was geliehen bekommen. Und mit der Ledwina weiß ich ja, wie weit ich bin, und und könnte auch wohl so fortfahren.

Köln, 18. Oktober 1825