Kategorie: 1813
Dem guten August danke ich herzlich für das schöne Gedicht. Grimm sage, es täte mir herzlich leid, dass er seine Namensveränderung oder Verdrehung so übel genommen hätte, und da es ihm so sehr missfiele, so wollte ich ihn in Zukunft nicht mehr Unwill, sondern Unmut nennen. Übrigens werde ich die Märchen mit größter Freude sammeln, um ihn zu versöhnen…
Paderborn, 27. Juli 1813
Meine liebe liebe Rätin,
mit der größten Angst schreibe ich diese Zeilen, und doch ist das arme Herz nicht eher ruhig, bis sie geschrieben sind. Einige Äußerungen, die ihnen gestern unwillkürlich entfuhren, bestärken mich in der Meinung, o Gott, werden Sie doch nicht böse, dass es Ihnen wohl zuweilen an manchen fehlen möchte, und da ward mir so bange, und ich hatte keine Ruh, bis ich mich zu wagen entschloss, Ihnen das wenige, was in meinen Kräften steht, anzubieten, Sie können es mir ja gelegentlich wiedergeben, wenn Sie die Angst sähen, womit ich dies schreibe, so hätten Sie Mitleid mit mir und wären gar nicht böse, Sie werden auch gewiss nicht böse, denn Sie wissen wohl, dass ich es nicht übel meine, und das es alles nur aus einem Herzen kömmt, das Sie so voll inniger Liebe umfasst, Sie sagten gestern, Sie hätten mich auch lieb; aber wenn Sie mich liebhaben, so werden Sie mich so tief, so schmerzlich nicht kränken, dass Sie dies wenige ausschlagen, und wenn Sie böse werden, und mir nicht freundlich sind, wenn ich zu Münster komme, so weiß ich mir vor Angst nicht zu helfen, aber das Geld brauche ich gar nicht, denn meine Eltern versorgen mich mit allem. Leben Sie wohl, meine liebe liebe Mutter Sprickmann. Ihre Annette.
Sagen Sie doch lieber an Sprickmann nichts davon, mir ist bange, der will es nicht behalten, ich tue dies nicht ohne Vorwissen meiner Eltern.
Hülshoff, Frühjahr 1813 (?)





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