Kategorie: 1843
Lachen Sie nicht über die wahrscheinlich ungehörige Aufschrift dieses Briefes, mein guter Levin; Sie haben vergessen, mir Ihre Augsburger Adresse zu geben, und da ich nicht denken kann, dass nach so kurzem Aufenthalte der “Levin Schücking” allein ausreichen sollte, muss ich versuchen, ob der “Redakteur” mir durchhilft.
Warum ich Ihnen so lange nicht geschrieben? Liebes Kind, zwischen Ihren zwei ersten und dem letzten Briefe liegen zwei Reisen, zwei Krankheiten und Geschäfte so ernster und anhaltender Art, wie ich nie daran gewöhnt und deshalb doppelt ungeschickt und von ihnen beschwert war. Nehmen Sie dazu, dass ich schweren Herzens Sie an der Katastrophe Ihres Schicksals sah, mit dem Gefühl, bei meiner durchaus oberflächlichen Kenntnis aller äußern und innern Verhältnisse, kein Wort – weder pro noch contra – sagen zu können, was mich nicht vielleicht nachher bitter gereut hätte, d. h. falls es berücksichtigt worden wäre, was freilich unter diesen Umständen kaum zu erwarten war. So schwieg ich lieber und überließ alles der Fügung des Himmels und dem Urteile derer, die die Sache in der Nähe sahen – Ihnen, Ihrer lieben Braut und den vielen Freunden und Verwandten, deren Rat Ihnen so nahe zur Hand wie ihre Teilnahme unbezweifelt war. …
Von Ihrer lieben Frau habe ich die “Reisebilder”, die “Maske” und die “Primadonna” gelesen und mich an allen sehr gefreut. Ich sollte es vielleicht nicht sagen, dass ich der “Maske” den Vorzug gebe, da die letzte Arbeit, als noch im Gemüte nachklingend, uns vorläufig die liebste zu sein pflegt; aber die Fabel dieser Geschichte ist einfacher, anspruchloser als die der andern, so auch der ganze Gang, deshalb spricht sie mich vorzugsweise an.
Sie sehn, mein Privatgeschmack macht sich wieder laut, man kann nicht aus seiner Haut hinaus; doch habe ich mich durch diese dreifache Lektüre überzeugt, dass aus der Feder Ihrer Frau nur Ausgezeichnetes kommen kann. Gott erhalte Sie so glücklich, wie Sie es jetzt sind, und ich habe gottlob allen Grund, dies zu hoffen.
Sie können vermuten, dass ich mir alle Mühe gegeben, über Ihre Lage klar zu werden, und der Erfolg hat meinen wärmsten Wünschen entsprochen; ich bin über Luisens Fähigkeiten, mein liebstes Kind glücklich zu machen, durch unparteiische Zeugnisse völlig beruhigt, und dazu gehört nicht wenig für das Herz einer Mutter.
Sagen Sie der lieben Frau, dass ich ihr für jede frohe Stunde, die sie Ihnen macht, tief dankbar bin und unsrer persönlichen Bekanntschaft mit freudiger Spannung entgegensehe. Sie können mir nichts Lieberes erzählen als von ihr und überhaupt Ihrem häuslichen Leben, was, wie Sie wissen, mir unendlich höher steht als alle äußern Verhältnisse, so ruhmvoll und glänzend sie sich je gestalten möchten. Für Ehleute gibt’s nur einen Himmel und eine Hölle im eignen Hause, alles andre ist fortan nur Zugabe – selbst die bestgemeinte Liebe anderer. Das ist die Ehe in ihrer vollen Heiligkeit, und wer nur um ein Haar davon ändern möchte, kennt sie nicht oder hat nicht nachgedacht.
Meersburg, 15. Dezember 1843
Ich habe mich durch die Billigkeit des Preises verleiten lassen, das am Wege “zum Frieden” liegende Fürstenhäuschen mit allen dazu gehörigen Reben zu kaufen – allerdings wohlfeil, aber doch um weit mehr als einen jährlichen Betrag meiner Leibrente, weshalb ich eine Anleihe bei meinem Bruder machen musste. Dafür habe ich nun freilich bei allen denkbaren Wechselfällen ein niedliches Asyl von fünf Zimmern, einer Küche, Keller, Bodenraum, und zwar in der Luft, die mir allein zusagt und endlich wohl meine heimische werden muss, – dabei in guten Jahren einen Weinertrag von etwa vierzig Ohm.
Nun noch ein Wort von meinen Gedichten. Die Abschrift ist fast fertig, aber Sie, mein armes gutes Kind, sollen sich damit nicht plagen; Sie haben jetzt eine immer wachsende Haushaltung in Aussicht, müssen zu diesem Zweck Ihre eignen und Ihrer lieben Frau Schriften zu poussieren suchen, ohne sich Ihrem Verleger durch Protektion Fremder, deren Erfolg noch sehr zweifelhaft ist, unangenehm zu machen. Ich habe dies längst gedacht und muss mich schämen, dass Laßberg es mir zuerst hat deutlich aussprechen müssen, der sich dann auch erboten hat, sobald alles fix und fertig, meinetwegen mit Cotta zu unterhandeln. So ist’s am besten, und ich bitte Sie nur, mir zu sagen, was ich nach Hauffs Äußerungen etwa von Cotta zu erwarten hätte. Sie haben damals in Stuttgart mit ihm von mir geredet, wenigstens von meiner Judenbuche, und müssen so mindestens Ahnungen darüber geschöpft haben; einer abschlägigen Antwort mag ich mich nicht aussetzen, ebenso wenig mein Buch umsonst geben; soll ich mich nicht einem der andern zuwenden, die mir nachgehn, statt ich ihnen? Vergessen Sie die Antwort hierauf nicht und senden Sie Ihrem Mütterchen recht bald einen lieben, freundlichen Levinsbrief. Gott segne mein gutes Kind und die, welche ihm am Nächsten und Teuersten ist.
Meersburg, 14. Dezember 1843
Ich bin recht gern hier, obwohl außer Laßberg und Jenny, der alten Burg und dem See eben alles anders ist wie vor’m Jahre, als läge ein Decennium dazwischen: lauter neue Domestiken, außer Augusten und dem alten Fasser, der noch immer seinen Kopf aus dem Guckloche unter der blutigen Hand hervorstreckt; die Kinder sehr langbeinig und verändert, Hildel auch moralisch sehr zu ihrem Vorteile, äußerlich beide durch Zähne und eine hübsche Haartracht; das Kesselsche Institut fort, nach Karlsruhe verlegt, am neuen Schlosse alle Läden zu, nichts als Gefangene und Ratten darin; der unermüdliche maître de plaisir, Stiele, in Konstanz verheuratet, nur einmal, mit dem Dampfboote, als sehr dicker, ernster Hausvater sichtbar geworden; Doktor Luschka und der Physikus beide fort; das Liebhabertheater aufgelöst; Mama hier, und im untern Stock drei Zimmer für sie eingerichtet, die mir wie ein ganz neues Stück Welt vorkommen; Figel fast bankrott, will sein Häuschen verkaufen; niemand besucht ihn mehr, wir sind nur einmal aus alten Erinnerungen hingegangen, fanden niemand dort und konnten kaum etwas erhalten; sein Zöpfchen steht vor Melancholie ganz schief, während seine gezwungenen Späße in der traurigen Lage einen unheimlichen Eindruck machen und ich nicht wieder habe hingehn mögen; meine alte Trödlerin Bankrott gemacht; ich in das neue Turmzimmer logiert, das damals für Sie ausgebaut wurde, und das jetzt, möbliert, gar nicht mehr an die leeren Wände erinnert, die wir anguckten; mein früheres Zimmer sowie das Ihrige jetzt als Fremdenzimmer immer verschlossen, also für mich so gut wie gar nicht mehr da, ebenso die Gewölbe, in denen wir herumkletterten, und Ihr Turmzimmer, in dem Sie den “Lafleur” und das “Stiftsfräulein” schrieben. In beide letztere habe ich bei einer allgemeinen Hausschau mal einen Blick getan, und es war mir wie “eine Geschichte vergangener Zeiten.”
Das sind doch viele Veränderungen für ein kurzes Jahr! Denn grade ein Jahr nach meiner Abreise bin ich wieder hier eingezogen. Freilich ist auch manches geblieben; vor allem heimelte mich das Speisezimmer an, alles als wär’s gestern: das kleine Kanapee am Ofen, unter dem die Lachtauben gurren, das Klavier, ganz mit denselben Notenblättern, die ein Jahr Rast gehalten, Laßbergs Noli me tangere-Winkel, die alte Uhr auf dem Schreibtische, die immer Zwölf schlägt. Dort ist die Zeit eben so unbegreiflich still gestanden, wie sie anderwärts unbegreiflich gerannt ist.
Herr Hufschmid, um keinen Tag älter geworden, kömmt noch jeden Abend im selben braunen Rocke, spielt langen Puff und bittet uns, nicht zu früh aufzustehn. Und jeden Nachmittag geh ich meine alten Wege am Seeufer, zwar mutterseelenallein, aber doch vergnügt, weil mich nichts stört, nicht mal ein neuer Rebpfahl. Ungestörtheit habe ich überhaupt hier, so viel mein Herz verlangt; ich bin in meinem Turm wie begraben und komme nur hervor, wenn ich nach dem Läuten des Dampfboots alte Freunde habe die Steig herauf traben gesehn, was aber selten vorkömmt.
Herr v. Baumbach ist ganz fort, nach Karlsruhe gezogen; Gaugrebens waren einmal hier, Stanz ein paarmal und erkundigte sich sehr eifrig nach Ihnen – er hat Jenny’n eine sehr schöne Scheibe geschenkt, gothische Bogenhallen, darunter eine Frau mit zwei Kindern in blauen und roten Kleidchen. Sonst waren Besuche genug hier, meistens fremde Gesichter und Namen und mir nur sichtbar, wenn sie über Tisch blieben.
Was ich in meiner Einsamkeit treibe? Ich lese, beendige die Abschrift meiner Gedichte und sehe mir in der Dämmerung über den See das Abendrot an, was eigens mir zuliebe in diesem Jahre unvergleichlich schön glüht; ich wollte, Sie könnten’s mit ansehn; auch der See und die Alpen waren im September und Oktober fast täglich mit Tinten überhaucht, von denen ich früher keine Vorstellung gehabt: alle Zacken der Alpenreihe rot wie glühendes Eisen und scheinbar durchsichtig, andre Male der See vollkommen smaragdgrün, auf jeder Welle einen goldnen Saum. Es ist mir unbegreiflich, dass ich habe ein rundes Jahr hier sein können, ohne dass nur ein solcher Moment eintrat, und jetzt war es mindestens ein um den andern Tag, und ich habe mir fast die Augen schwach daran gesehn. Ach, es ist doch eine schöne, schöne Gegend! Sie kennen sie nur noch gar nicht in ihrem beau jour.
Sie sehn, die Natur tut alles, mir an Poesie von außen zu ersetzen, was mir in den Mauern fehlt; denn in dieser Beziehung stehe ich hier allein, wie Sie am besten wissen. Zwar soll’s hier jetzt ein Genie in der Stadt geben, Dichter, Musiker, der meine Bekanntschaft eifrig sucht und unter Herrn Jungs Auspizien schon zweimal an verschlossene Türen – ich war spazieren – gepocht hat; aber ich habe kein Zutrauen zu dem Handel hierzulande, habe mich auch nach gar nichts erkundigt und das zufällig Gehörte vergessen, so dass ich ihn nicht weiter bezeichnen kann, weder nach Namen, Stand, Alter, noch ob er poetischer Dilettant oder bereits unter der Presse gelegen. Doch werde ich ihn wahrscheinlich im Laufe der Zeit sehn, da er Mitglied eines wöchentlichen – neuetablierten – Liebhaber-Konzerts ist, zu dem ich höflichst eingeladen bin und doch wohl einigemal hingehn werde; ich werde dann ja sehn, ob ich mir einige geistige Ressource von ihm versprechen kann; einen Junkmann darf ich hier nicht erwarten, höchstens einen Lutterbeck oder Schnittger, was aber in dieser Dürre schon Gold wert wäre.
Meersburg, 14. Dezember 1843
Jetzt muss ich Ihnen auch sagen, dass ich seit acht Tagen eine grandiose Grundbesitzerin bin. Ich habe das blanke Fürstenhäuschen, was neben dem Wege zum Frieden liegt - doch dort waren Sie nicht, aber man sieht es gleich am Tore, wenn man zum Figel geht - nun, das habe ich in einer Steigerung, nebst dem dazugehörendem Weinberge, erstanden. Und wofür? Für 400 Reichstaler. Dafür habe ich ein kleines, aber massiv aus gehauenen Steinen und geschmackvoll aufgeführtes Haus, was vier Zimmer, eine Küche, großen Keller und Bodenraum enthält, und 5000 Weinstöcke, die in guten Jahren schon über zwanzig Ohm Wein gebracht haben; es ist unerhört! Aber keiner wollte bieten, dieses unglückliche Jahr bringt nur Verkäufer hervor.
Gottlob ist’s kein armer Schelm, dem ich es abgekauft, sondern der reiche Großherzog von Baden, dem dies vereinzelte Stückchen Domäne lästig war. Früher gehörte es den Bischöfen von Konstanz, und der Letztverstorbene ließ dies artige Gartenhaus bauen, wo er manchen Tag soll gespeist haben; die Aussicht ist fast zu schön, d. h. mir zu belebt, was die Nah- und zu schrankenlos, was die Fernsicht betrifft. Es ist der höchste Punkt dieser Umgebungen, gleich am Fuße des Hügels zwei sich kreuzende Chauseen; tiefer Stadt und Schloß Meersburg, die hier ganz niedrig zu liegen scheinen; als nächste Punkte darin (etwa tausend Schritt entfernt) und sich wunderschön präsentierend, rechts das alte Schloß, links das Seminar, von dem nachmittags der schöne Chorgesang so deutlich aufsteigt, dass keine Note verloren geht; tief unten der See mit seiner ganzen Rundsicht, die Insel Meinau, Konstanz, Münsterlingen, das Thurgau, St. Gallen, auf der einen Seite nur durch die Alpen beschränkt (von denen ich hier noch die ganze Tiroler Kette als Zugabe habe), von der andern durch die höchsten Kegel des Hegaus; es ist eigentlich wunderbar schön, und die Meersburger halten dieses Fürstenhäuschen (auch der Hindelberg genannt) für eine unschätzbare Perle. Mir ists aber fast zu viel und zauberhaft und wie ich so droben die ganze Gegend kontrollieren kann, jeden Bürger der auf die Gasse oder auch nur ans Fenster, jeden Bauern, der in seinen Hofraum tritt, so komme ich mir vor wie der Student von Salamanka, dem der hinkende Teufel die Hausdächer abgehoben hat, und mir ist beinahe sündlich zumute.
Vom Häuschen bis zur Chausee hinunter führt eine Steintreppe mitten durch die Reben, die ich zum Laubengange machen, und auf der Hälfte, mittels zweier Ausbiegungen, mit ein paar niedlichen versteckten Ruhbänken versehen will, unten ist die Treppe schon durch ein hübsches Gatterpförtchen verschlossen, ich habe nichts zu tun, als die nächsten Rebenreihn aufranken zu lassen und die kleine Rotunde in der Mitte zu besorgen, wozu ich nur drei oder vier Weinstöcke wegzunehmen und die dahinter stehenden zu benutzen habe, in zwei Jahren kann alles dicht und schattig sein. Was sagen Sie dazu?
Die Reben hat der alte Bischof mir aufs Beste gewählt, Burgunder, Traminer, Gutedel et cet., und die eine (Sonnen-) Seite des Abhangs bringt solchen Wein als Laßberg Ihnen vorgesetzt, die andere geringeren; so kann ich also in guten Jahren auf zehn Ohm vortrefflichen und ebensoviel mittelmäßigen Wein rechnen. Grad hinter dem Hause, wo der Schatten desselben den Reben sehr schadet, will ich diese ausroden, den Boden gleich machen und eine kleine Blumenterasse, nicht groß genug zum Spazierengehn, aber angenehm fürs Auge, mit lange und reichlich blühenden Blumen, Georginen, Rosen, Levkojen et cet. bepflanzen lassen.
Oh, Sie sollen sehn, ich mache ein kleines Paradies aus dem Nestchen! Schade, dass ich meine meiste Lebenszeit 200 Stunden davon zubringen werde! Oder vielmehr gottlob, dass der heimische Boden und ich uns immer einander treu und sicher bleiben, und mir doch, falls mir von Zeit zu Zeit die hiesige Luft wieder nötig würde, bei allen denkbaren Wechselfällen ein niedliches chez moi nicht fehlt.
Nun will ich Ihnen auch das Innre des Hauses beschreiben. Man geht mit einer hübsch geschweiften, etwa acht Stufen hohen Steintreppe in den untern Stock, der nur das Paradezimmer und die Küche enthält. Ersteres ein Gemach von angenehmer Größe, mit einem Erker, in dem der Kanapee mit Tisch und einigen Stühlen hinlänglich Raum haben und das übrige Zimmer unbeengt lassen, man sitzt dort wie in einem Glaskasten, ein Fenster im Rücken und zwei zu den Seiten, aber Besuchenden wird es himmlisch scheinen, der Aussicht wegen, in dies Zimmer tritt man unmittelbar von der Treppe; die Küche daneben (wo ich einen zweiten Eingang werde brechen lassen,) ist klein, doch nicht bis zur Unbequemlichkeit, und es läßt sich mit wenigen Gulden einrichten, dass das Herdfeuer zugleich den hübschen Kachelofen des Zimmers heizt, was im Winter sehr angenehm und im Sommer durch Öffnung der Fenster nach der jedesmaligen Schattenseite und Ladenschließung der übrigen leicht zu paralysieren ist, da mein Kochherd doch nicht allzu lange und stark brennen würde und bei winterlichen Besuchen notwendig nachgeheizt werden müßte; doch würde das Zimmer immer trocken und eine gelinde Temperatur darin erhalten werden, die die Besuche gleich hinein zu führen erlaubte.
Aus der Küche führt eine Wendelstiege und Falltür in den oberen Stock, meine eigentliche Dachshöhle (oder Schwalbennest); alles mit Zierlichkeit gemacht, die Stiege hübsch gewunden, die Falltür wie Getäfel geschnitzelt und sich in die Wand fugend, so dass sie bei Tage nicht bemerkt, sondern für eine Verzierung gehalten wird; nachts, wenn sie geschlossen ist, paßt sie (mit der andern Seite) sehr genau in den Fußboden und macht die kleine obere Entree zu einem artigen Zimmerchen, wo im Hintergrunde, hinter anständigem weißem Vorhange, das Kammerjungfernbett verborgen sein, und diese auch in Sommertagen ihre Näherei am Fenster beschicken kann. Hieran stößt dann mein eigentliches Quartier, ein heizbares Wohnzimmer, etwa um ein Drittel größer wie Ihr Kabinetten, und ein Schlafzimmerchen, grade groß genug für das Nötige, Bett, Waschtisch, Schrank, und noch einigen Raum zu freier Bewegung.
Sagen Sie Selbst, Elise, was bedarf ich mehr? Auch fällt mir eben ein, dass ich statt des Eisenofens im Wohnzimmer ja einen Kachelofen kann mauern lassen, der das Kammerjungfernzimmer mitheizt, so dass ich diese zu keiner Zeit um mich zu haben brauche; der Keller geht unters ganze Haus her und ist sehr gut, so wie der Bodenraum unterm Dache überflüssig geräumig, und es ließ sich dort leicht ein Verschlag herrichten, wo ich, der Sicherheit wegen, meinen Winzer könnte schlafen lassen, einen Mann, der sonst in der Stadt wohnt, und außer der Besorgung der Reben für ein Gewisses nicht in meinem Dienste steht, aber dann gern für eine Kleinigkeit zu Bestellungen und sonstiger Aushülfe bereit sein würde. Einen Brunnen habe ich nicht, aber ein Bleichplätzchen, und nicht hundert Schritte vom Hause eine Quelle, die Winter und Sommer fließt.
Kurz, ich sage Ihnen, es ist allerliebst, Laßberg sagt: “Je mehr man es untersucht, je besser wird es”; Dach, Gemäuer, Fußböden, Türen, alles im besten Stande, von den Fensterläden nur zwei etwas schadhaft, aber an den Fenstern selbst vieles zu reparieren, und dieses die einzige etwas bedeutende Ausgabe.
Lieb Lies, ich habe Sie gewiss ermüdet mit meiner neuen Freude, wo Sie sich doch nicht recht hinein denken können.
Meersburg, 20. November 1843





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