Kategorie: 1845



aus: 1845, Briefe an Jenny von Laßberg, Rüschhaus

Von Schücking habe ich kürzlich Briefe, er wohnt jetzt in Köln, redigiert das Feuilleton der Kölner Zeitung und das Rheinische Jahrbuch und bekömmt für ersteres vom DuMont Schauberg 1000 Reichstaler, für letzteres auch einige hundert Taler Gehalt. Seine Aufsätze werden ihm extra sehr gut bezahlt, so dass er sich (ausgenommen, dass der Name Cotta brillanter klingt als DuMont) eigentlich jetzt reichlich so gut steht als in Augsburg; doch ist seine Frau sehr ungern von dort, wo ein sehr angenehmer Kreis von Literaten bestand, der in Köln gänzlich fehlt, fort gegangen.

Es scheint, Schücking habe das Heimweh bekommen, er selbst spricht sich nicht klar darüber aus, aber aus einem Briefe Luisens scheint es hervor zu gehn. Er ist den ganzen Sommer leidend gewesen und hat Seebäder in Ostende genommen, Jungmann und mehrere andre aus Münster haben ihn in Köln gesehn, sehr mager und blaß, aber von der besten Laune und noch immer entzückt von seiner Luise und seinem kleinen Lothar gefunden; er soll sich kindisch freuen, Westfälinger zu sehn, und überhaupt in seinem Wesen ganz unverändert sen.

Rüschhaus, 6. Dezember 1845

aus: 1845, Briefe an Jenny von Laßberg, Rüschhaus

Diesmal nur einige Zeilen in fliegender Eil, denn Dein Geld, was soeben angekommen ist, muss sogleich wieder fort, um in Tresorscheine umgesetzt zu werden und dann das ganze Paket gleich in Münster zur Post, weil Euer einfältiger Bürgermeister auf beiden Scheinen den Stempel (oder Siegel) vergessen hat, so dass sie bei der Kasse in dieser Gestalt gar nicht können als gültig angesehn und den Quittungen beigelegt werden. Nur aus besonderer Gefälligkeit hat man das Geld darauf ausgezahlt, dringt aber nun auf augenblickliche Besserung des Fehlers. Schick also die beiden Papiere möglichst bald zurück! …

Daß ich soviel Glück mit meinem Rebberg habe, ist prächtig, und die Akquisition des Gartens gefällt mir ebenfalls sehr; ich fange jetzt an, eine ordentliche und potente Grundbesitzerin zu werden! Es ist mir nur ärgerlich, dass Werner mir die kleine Donation noch immer nicht in Ordnung gebracht hat, er hat so viel anderes zu tun, immer den Kopf so voll Geschäfte und ist dadurch oft so vergesslich und zerstreut, dass man ihm die Nase aus dem Gesichte stehlen könnte, ohne dass er es merkt. Sobald ich aber wieder in Hülshoff bin, soll er mir das Ding fertigmachen, solange ich da bin, sonst kömmt er nicht dazu. Geld bringe ich im Frühjahr mit, soviel ich zusammenkratzen kann, um womöglich die Gartenschuld zu tilgen. Schreib mir nur, wieviel Du zugelegt hast. …

(Am oberen Rand der ersten Seite:)
Hast Du auch meinem Rebmann im Herbste eine kleine Zulage gegeben? Er hat es wohl verdient; denn seinem Fleiße habe ich doch gewiss zumeist den guten Ertrag zu verdanken.

Rüschhaus, 6. Dezember 1845

aus: 1845, Briefe an Werner von Droste, Rüschhaus

Meinen herzlichsten Dank, liebster Bruder, für das hübsche Siegel, es war mir sehr erwünscht, eigentlich gradezu notwendig, und macht mir deshalb viel Freude. Ebenso herzlich danke ich Dir für deine Warnung hinsichtlich des Feuilletons. Ich bin ganz deiner Ansicht und werde gewiss nichts mehr einsenden, doch möchte ich gern ein eklatanten Bruch vermeiden, sowohl, um mir nicht mutwillig Feinde zu machen und ein paar Dutzend sehr scharfer satirischer Federn auf den Hals zu ziehen, die gewiss schlau genug sein würden, mich nicht von der katholischen, sondern von der rein poetischen Seite anzugreifen, und meinen literarischen Ruf möglichst zugrunde zu richten, als auch Schückings wegen, der doch ganz unschuldig an der Sache ist, dessen Lebensunterhalt vorläufig vom guten Bestehn des Feuilletons abhängt, der mir in den letzten Jahren eine Unzahl Gefälligkeiten erwiesen (namentlich alle meine literarischen Angelegenheiten, sowohl mit Cotta als anderwärts besorgt) hat, und dem ich leider vor noch nicht acht Tagen, auf seine dringende Bitte, meine fernere Mitwirkung am Feuilleton zugesagt habe.

Du wirst begreifen, dass es nicht nur mutwillig unvorsichtig sein, sondern auch lieblos aussehn würde, ihm, da mir seine Lage doch bekannt ist, auf eine eklatante Weise die Beträge aufzusagen. Es ist aber auch ganz hinlänglich, wenn ich nichts mehr einsende, was um so weniger auffallen wird, da ich mich doch fortan mit einer größeren Arbeit zu beschäftigen und aus allen Zeitschriften herauszuziehen gedenke, da die meisten eine so schlimme Richtung entweder schon genommen haben oder bereits Miene machen sie zu nehmen, dass in Zukunft die Verbindung mit ihnen wenig ehrenvoll bleiben dürfte, und die übrigen, noch guten, sowohl eine Gelehrsamkeit und Rednergabe verlangen, die weit über meinen Horizont hinaus liegt, als auch größeren Anfeindungen und oft plumpen Sticheleien aussetzen, als ein Frauenzimmer sich deren zuziehn darf.

Was mich verlegen macht, sind drei (sehr moralische) Gedichte, die Schücking vielleicht noch für das Feuilleton in Händen hat; ich sage vielleicht, denn es ist bei weitem wahrscheinlicher, dass sie entweder schon längst erschienen sind (was ich nicht weiß, da mir die Kölner Zeitung nie zu Händen kömmt) oder dass sie, wenn noch ungedruckt, nicht mehr erscheinen werden. Ich habe sie schon im Sommer von Abbenburg aus eingeschickt, nämlich sechs (alle unlang, und sehr moralischen, zwei sogar religiösen Inhalts) an Schücking für das Rheinische Jahrbuch, und zur Antwort erhalten, “dass er drei davon dem Jahrbuche einverleibt, die drei andern bitte er mich ihm für das Feuilleton zu lassen, dessen Redaktion er übernehmen werde.” Nachher habe ich mi[ch nicht] weiter darum bekümmert, in meinem letzten Briefe (vor acht Tagen) aber geschrieben: “Wenn jene drei Gedichte vielleicht noch nicht gedruckt seien, so halte ich es für besser sie zu unterdrücken, sie seien in zu großer Eil und bei körperlichem Übelbefinden gemacht, seien völlig mißraten, und er wisse selbst, dass ein schwaches Gedicht dem Rufe mehr schade als zwanzig vortreffliche wieder gutmachen könnten; doch stelle ich ihm die Sache anheim, glaube aber, er werde meinen Gründen beipflichten müssen, da es ihm doch nicht entgehn könne, dass diese Gedichte an poetischem Wert unter den meisten meiner frühern ständen”. Hiernach darf ich nun wohl erwarten, dass diese Gedichte (falls sie nicht, was das wahrscheinlichste ist, längst gedruckt sind) nicht im Feuilleton erscheinen werden, und ich möchte mich nicht, um der Möglichkeit willen dass noch ein paar (für mich jedenfalls durchaus ehrenvolle) Gedichte im Feuilleton erscheinen könnten, alle den oben benannten Folgen einer bestimmten Erklärung aussetzen. Mama, die die Gedichte kennt, meint dies auch. Wenn Du es aber wünschest, will ich dennoch schreiben, obwohl ungern.

Die Sache mit dem bewußten Aufsatze in dem Görresschen Blatte liegt mir auch schwer auf dem Herzen. Wie oft erscheint das Blatt? vielleicht nur vierteljährig? oder monatlich? Wenn dann noch nicht der ganze Aufsatz erschienen ist, wäre es vielleicht noch Zeit, die Fortsetzung zu unterdrücken! was mir sehr erwünscht wäre. Wolltest Du in diesem Falle dann wohl einige Zeilen an Guido Görres schreiben und ihn darum bitten? Ich würde es selbst tun, verstehe aber nicht, mich so kurz und diplomatisch zu fassen wie du, und zudem wäre es dann wohl die höchste Zeit und vielleicht zu spät, wenn ich erst deine Antwort abwarten wollte - Du müßtest dann des Aufsatzes und der durch ihn erregten fatalen Sensation, die mich zu diesem Schritte bewegt, zwar Görres verständlich, aber sonst nicht zu bezeichnend erwähnen, tätest auch am besten den Brief nicht mit unserm Wappen zu siegeln, die Unterschrift geflissentlich undeutlich zu machen, nicht von Hülshoff zu datieren, vielleicht auch den Brief an Heinrich, zur sofortigen Bestellung, einzuschließen, kurz, alles zu tun, dass ein fremdes Auge sich nicht daraus zurecht finden könnte, denn Görres kömmt mir ganz danach vor, dass er seine Briefe umher liegen läßt.

Rüschhaus, 25. November 1845

aus: 1845, Briefe an Karl von Haxthausen, Rüschhaus

Welch große Freude hast du mir gemacht, Du guter lieber Onkel! Was für Biester! Kreaturen darunter, die mir mein Lebtage noch nicht vor Augen gekommen sind! Und alle so wohl erhalten! Ich habe ein paar Tage nichts getan, als begucken; dann kriegte ich die Angst, dass sie mir staubig werden möchten und habe sie in meinen neuen Glasschrank gelegt und meinen Tisch daran gerückt, damit ich doch zwischendurch immer am Besehen bleiben kann.

Und wo hast du die kleine Pharaonsmuschel hergekriegt? Das ist ein äußerst rares Stück, ich habe sie ein paarmal in ganz großen Sammlungen, aber immer zuletzt, als das Beste von der ganzen Geschichte, gesehen. Die beiden Muscheln mit den langen Beinen find ich auch sehr schön, und den prächtigen braunen Muschelriesen habe ich noch nie gesehen; auch von den kleinen waren mir ein paar noch unbekannt. Kurz, es ist alles wunderschön!

Könnte ich dir nur wieder eine Freude machen! Vorerst schicke ich dir meine Chodowieckis; es sind nicht sehr viele, ich will aber sehen, dass ich noch was anwerbe. Ich weiß eine ganze Masse; sie sind aber in Händen, die schwer loslassen; alle die in Blei und Glas gefaßten Bildchen, womit die Tante Schmiesing von Freckenhorst seltsamen Andenkens ihr Stübchen von oben bis unten behängt hatte, jetzt in Händen der Frau W[intgen], einer Holländerin, die sehr gut weiß, wieviel Groschen einen Taler machen und leider auch weiß, dass die Chodowieckis jetzt gesucht werden, wie sie selbst gegen mich geäußert. So fürchte ich, dass dort nicht viel zu machen ist, will aber doch, wenn ich sie diesen Winter in Münster sehe, mein Heil versuchen, ob sie sie mir gegen saubere Stahlstiche vertauschen will, deren ich eine gute Menge habe; auch noch andere weiß ich, die du wahrscheinlich leicht bekommen könntest.
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aus: 1845, Briefe an Jenny von Laßberg, Rüschhaus

Heute muss ich diesen Brief schließen, wenn er noch zur rechten Zeit kommen soll. Ich trenne mich ordentlich schwer von ihm, denn Sie sind mir fast wie gegenwärtig wenn ich so zu Ihnen rede. Ich las neulich von einer Erfindung, die man noch zu vervollkommnen und zum Besten der Politik auszubeuten hofft; nämlich durch eine wenig kostbare Vorrichtung von drahtdünnen Röhrchen unter der Erde den Schall auf große Wegstrecken so fortzupflanzen, dass man z.B. in Minden nur sprechen und ein anderer in Münster das Ohr anlegen darf. Ich denke mir, diese Einrichtungen würden dann Regale, und man förmlich auf Billets nach vorläufiger Bestellung zu Unterredungen zugelassen. Ach Gott, Lies, was würden wir da manchen halben Gulden totschlagen! …

Es ist aber auch was Betrübtes! Die Zeit vermag zwar viel, aber was sie nicht hat, kann sie doch nicht geben! Ich fühle, dass mit Ihnen mein halbes Herz und alle meine liebsten Stunden dahin sind. Adieu, Lies, bleiben Sie mir nur recht treu, ich denke täglich an Sie, oft ganze Stunden in einem Stücke, wenn ich abends auf meinem Kanapee dusele, dann möchte ich Ihnen dieses, dann jenes erzählen und endlich bitterlich weinen, dass Sie nicht da sind.

Rüschhaus, 14. November 1845