1842 17.November

Brentanos Totenamt von Freiligrath habe ich gelesen und jetzt auch das Gedicht im Immermanns Album; das erstere finde ich wohl hübsch, das zweite kaum; hier ist wirklich mitunter nur „gereimte Prosa“, und wenn ich das finde, die selbst so sehr nach dieser Seite neigt, so muss es wohl auffallend sein. Ich fürchte, Freiligraths Ader fängt an sich zu erschöpfen; auch das erste Gedicht hat mich mehr durch seine Pietät gerührt, als durch eigentliche Kraft oder Lieblichkeit erfreut; doch ist es noch immer besser, als was man so gewöhnlich sieht.

Ihr Aufsatz über den Merlin ist desto schöner, und Adele meint „Meersburg mit all seiner feenhaften Romantik“ herauszufühlen; andre Urteile habe ich noch nicht gehört. Auch das überschickte Lied ist recht schön und mein junger Adler Gottlob wieder im frischesten Fluge. Einzelne Worte möchte ich wegwünschen, z. B. knirscht eine Saite nicht, wobei wir unwillkürlich an Zähne denken müssen; „schwirrend“, „klirrend“ wäre besser; auch das „höh’r“ statt „höher“ macht sich etwas ungeschickt; ich glaube: „er reckt sich hoch empor“, „stolz empor“, „wild empor &c.“ würde nichts verderben und viel besser ins Ohr fallen.

Rüschhaus, 17. November 1842

Mehr zum Adressaten: Levin Schücking