Von Adelen habe ich Antwort, eine höchst unerwartete: mein buchhändlerischer Verehrer ist – ein Schlagschatten, ein Doppelgänger, kurz, Velhagen & Klasing, der sich vor drei Jahren hinter Adelen steckte, wie jetzt hinter Nanny Scheibler. … Ich glaube, Adele hat Recht; Cotta würde denken, dass entweder das eine oder das andre der Bücher bestimmt reüssieren werde, und deshalb vielleicht beide gut honorieren. Aber in diesem Falle kann ich kaum unter Jahresfrist auftreten, und dann doch nur mit dem ersten Bande des Prosaischen; wenigstens fürchte ich nicht weiterzukommen, da es im Frühling wieder nach Abbenburg geht, und ein Buch, in einem fremden Hause geschrieben, schon alles mögliche ist.

Adele schreibt auch von Ihnen mit vieler Liebe, und meint, unser Zusammenleben und Dichten in der alten Burg müsse etwas fabelhaft Schönes gewesen sein. Sie ist übrigens leider noch immer nicht geheilt, obwohl besser, und eben jetzt einer ärztlichen Konsultation wegen in Bonn.

Rüschhaus, 16. November 1842

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1 Anmerkung

  • # Adele Schopenhauer:
    Adele Schopenhauer

    Der Buchhändler, der vor ein paar Jahren O. L. B. Wolff in Leipzig traf und sprach, der so entschieden den Wunsch aussprach, Ihr Verleger zu werden, durch mich und Wolff sich Ihnen anbot, ist – eben Ihr Bielefelder. Der Mann hat wenigstens eine seltne Ausdauer. O. L. B. Wolff trägt mir auf, Ihnen zu sagen, der Mann sei redlich, die Firma solid und nicht unbedeutend; indessen seien sowohl Ihre Gedichte wie Ihre Novelle „Die Judenbuche“ mit so großem Beifalle aufgenommen worden, dass er Ihnen ganz entschieden rate, Cotta den Verlag zu geben. Er bemerkt Ihnen als Sachkundiger, dass eine etwa abschlägige Antwort in einer rein kaufmännischen Angelegenheit Sie weder verletzen noch ärgern könne, da der Vorteil ja auf Seiten beider Kontrahenten sei; also möchten Sie doch vor allem bei Cotta anfragen lassen; Sie seien jetzt schon ganz bekannt, höchst vorteilhaft erwähnt und rezensiert; Honorar für Gedichte bekomme man schwer, doch möchten die Ihrigen wohl eine Ausnahme machen. Also, liebe Nette, frisch voran!
    Einzelne Ihrer Gedichte im Morgenblatt habe ich mit großer Freude gelesen, nicht alle, da ich viermal in Karlsbad war. Ihre Judenbuche ist überaus schön, Sie haben eine himmlische Wahrheit in Ihrer Darstellung; bloß etwas massenhafter gearbeitet wünschte ich die Geschichte, die Hauptmomente treten, dünkt mich, nicht scharf genug vor; die Details sind wunderbar wahr und schön gegeben. Ich in Ihrer Stelle, liebe Nette, würde vielleicht beide Bücher – die Gedichte und das prosaische „Bei uns zu Lande“ et cet. – zugleich herausgeben.
    Jena, Ende Oktober/Anfang November 1842


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