Mehr über Annette von Droste-Hülshoff (hier auf einem Gemälde von Sprick)

Sie möchten Annette von Droste-Hülshoff kennenlernen? Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin, erfahren Sie mehr über ihren Alltag, ihre Arbeit, ihr Privatleben und den Briefverkehr zu ihrer Zeit. Lernen Sie ihre Wohnorte kennen, verfolgen Sie ihre Korrespondenz mit Zeitgenossen, und gehen Sie mit Annette von Droste-Hülshoff auf Reisen.

300 Briefauszüge der Dichterin sind hier verfügbar, kategorisiert und verschlagwortet. Auch alle Kommentare sind authentisch und stammen von Zeitgenossen.

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!


An: Levin Schücking, aus: Meersburg
1842 25.Mai

Im Museum war ich seit einigen Tagen nicht, bis dahin war meine „Judenbuche“ beendigt, von der ich nur das im vorigen Briefe Gesagte wiederholen kann, nämlich: dass ich den Effekt fand wo ich ihn nicht suchte, und umgekehrt, das Ganze aber sich gut macht. Es ist mir eine Lehre für die Zukunft und mir viel wert, die Wirkung des Drucks kennengelernt zu haben. Gestrichen hat man mir nur einmal ein paar Zeilen, nämlich das zweite Verhör ein wenig abgekürzt; wenn du es nicht etwa schon getan hattest, worüber ich ungewiss bin. Zuerst war ich zürnig, grimmig wie eine wilde Katze, und brauste im Sturmschritt nach Deisendorf; auf dem Rückwege war ich aber schon abgekühlt und gab dem Operateur – Hauff, Dir oder gar mir selbst – Recht;… Weiterlesen »

Hintergrund: Im Meersburger Museum gibt es einen Lesesaal, in dem Zeitungen wie das "Morgenblatt", die "Kölnische" und die Augsburger "Allgemeine Zeitung" ausliegen.
Mit dem Hamburger Unglück ist der Große Brand gemeint, der in der Nacht auf den 5. Mai 1842 in einem Speicher ausbricht. Die Flammen breiten sich schnell aus und geraten außer Kontrolle - mit verheerenden Folgen: Nach vier Tagen Feuersbrunst liegt ein Drittel der Stadt in Schutt und Asche, mehr als 50 Menschen sterben, 4000 Gebäude werden zerstört, fast 20.000 Menschen verlieren das Dach über dem Kopf.
Das Droste-Gedicht "Warnung an die Weltverbesserer" wird erstmals im "Morgenblatt" vom 26. März 1842 abgedruckt, später erscheint es auch in der "Kölnischen Zeitung" (1. April 1842) und im "Westfälischen Merkur" (4. April 1842).
In Schückings Novelle "La fleur", erstmals erscheinen 1842 in "Europa, Chronik der gebildeten Welt", wird die gemeinsame Bekannte Luise von Bornstedt ironisch porträtiert.
An: Elise Rüdiger, aus: Rüschhaus
1845 14.November

Lieb Lies, ich plage mich wie ein armer Hund mit meinen schlechten Stahlfedern und habe schon ein ganzes Kästchen durchprobiert, aber alle wollen entweder die Dinte nicht lassen, oder haben immer von Neuem Haare im Schnabel, als wenn ihnen ein Bart nachwüchse. Glückselig, wer mit Gänsekielen schreiben kann! ich kann’s nicht, denn ich verstehe sie nicht zu schneiden, und Mama ebensowenig. Rüschhaus, 14. November… Weiterlesen »

Hintergrund: Zum Schreiben wurden in der Regel die äußersten fünf Federn eines (Gänse-)Flügels genommen. Will man einen Kiel zuschneiden, so muss man ihn zunächst härten. Dazu wird der Kiel schräg angeschnitten und das Mark entfernt oder zurückgedrückt. Anschließend weicht man die Kiele in einem Glas Wasser solange ein, bis sie gänzlich weiß erscheinen. Den eingeweichten Kiel steckt man nun in ein Behältnis mit heißem Sand, der so heiß sein muss, dass die Kiele zwar zischen, aber nicht reißen. Man belässt sie solange darin bis sie an ihren Spitzen transparent sind. Zum Abschluss wird die auf dem Kiel befindliche Haut mit einem scharfen Messer heruntergekratzt und abgewischt. Anschließend kann der Zuschnitt erfolgen. (Quelle: Wikipedia)
An: Levin Schücking, aus: Meersburg
1842 5.Mai

Ich habe Dir schon gesagt, dass Wessenberg hier war. Seine Persönlichkeit ist jetzt weder angenehm noch bedeutend; indessen habe ich ihn zu spät kennen gelernt, da er offenbar schon sehr stumpf ist. Man sagt, er behandle Frauen gewöhnlich mit großer Geringschätzung und fast wie unmündige Kinder; mit mir hat er aber eine ehrenvolle Ausnahme gemacht, und nachdem er mir schon durch Baumbach viel Verbindliches über meine Gedichte und den Wunsch, meine Bekanntschaft zu machen, hatte zukommen lassen, trat er mir jetzt, ziemlich taktlos und geziert, mit den Worten entgegen: „Sie sind also die Dichterin! Wahrlich, Sie haben eine herrliche Ader, von seltner Kraft! et cet.“, und Du glaubst nicht, mit welcher koketten, kleinlichen Ostentation… Weiterlesen »

An: Johanna Hassenpflug, aus: Rüschhaus
1845 27.April

Deine Zeilen, meine liebste Hanne, haben mich sehr gefreut, als Nachricht von Dir, als Zeichen Deines Andenkens und endlich als Beweis der Dir so eignen großen Freundlichkeit, mit der Du jedem gern nur Angenehmes und Liebes mitteilst. Mama und ich haben, nach Empfang derselben, den Abend in Gedanken mit Dir zugebracht, d.h. nicht Deinen wirklichen Kasseler Abend, sondern einen Rüschhausischen, wie wir deren mit Dir so vergnügt durchlebt. Wann sieht mein schwarzer Kanapee Dich mal wieder? Er ist vor Kummer und Sehnsucht so grau geworden, dass wir ihn haben müssen renovieren lassen, aber schwarz ist er wieder geworden, wie denn überhaupt Rüschhaus einer der unveränderlichsten Orte ist, und wo man den Flug der Zeit am wenigsten gewahr… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Abbenburg
1843 24.Juni

Sie schreiben mir, Hauff habe behauptet, die „Judenbuche“ sei von Ihnen; folglich ist die Rede von mir und ohne Zweifel auch von meinen Gedichten und meiner Absicht, sie Cotta anzubieten, gewesen. Warum schreiben Sie mir nichts Näheres darüber? Ich begreife dieses nicht; günstige Äußerungen würden Sie sich gewiss eine Freude gemacht haben mir mitzuteilen, und ungünstige mir eben so wenig vorenthalten haben, da Sie mich doch gewiss nicht der Demütigung einer abschlägigen Antwort oder eben so demütigender schlechter Bedingungen aussetzen wollen, während mir doch jetzt, Gottlob, hoffentlich viele Buchhandlungen Deutschlands offen stehn. Hüffer und Velhagen sind mir gewiss, und ich glaube auch auf die Verleger der Kölner Zeitung… Weiterlesen »

An: Jenny von Laßberg, aus: Rüschhaus
1846 1.Juli

Bitte, liebe Jenny, besorge doch, dass alles an den rechten Mann kömmt, und schicke mir doch die Berechnung, was Du im Weinberge und für den Garten für mich ausgelegt und durch den Verkauf des Weins noch nicht gedeckt ist, damit ich es das nächste Mal deiner Pension beilege, denn leider kann ich Dir mit Mama kein Geld schicken, da ich den armen Werner, dem es schon so schwer wird, die nötige Summe für Mama aufzubringen, mich jetzt unmöglich entschließen kann zu mahnen. Wäre ich mitgereist, dann wär‘ es ein anderes, dann hätte er mir natürlich Geld geben müssen. Sollte Dir übrigens Mama das Geld vorschießen und du es ihr im Herbste aus dem Ertrage des Weines wieder abzahlen können, so wäre mir das für dieses mal wohl lieb…. Weiterlesen »

An: Sibylle Mertens, aus: Rüschhaus
1842 29.September

Geschrieben hast Du nun zwar nicht, jedoch denke ich mir Dich wieder zu Hause und in einer Stimmung, wo das Andenken Deiner Freunde anfängt in Dir wieder aufzuleben; Du hast jetzt allerdings eine schwere Stellung, die alle Deine Zeit und Kräfte in Anspruch nimmt, aber doch mindestens eine unbehinderte, was weniger für Dich als für diejenigen, denen jetzt alle Deine Pflichten gehören, so viel wert ist, dass man kaum wagen darf über das Schicksal zu murren, auf welchem ergreifenden und traurigen Wege es dieses auch herbeigeführt hat. Dennoch traust Du mir wohl zu, dass mein erstes Gefühl aufrichtiger Kummer um einen Mann war, den ich so voll Lebenshoffnung verlassen hatte, und der sich mir immer geneigt und nach seiner Weise… Weiterlesen »

Hintergrund: Bei Brustwassersucht sammelt sich als Folge von Herzfehlern oder Kreislaufstörungen Flüssigkeit zwischen Lunge und Brustwand; sie kann zu schwerer Atemnot bis hin zum Tode führen - wie im Falle von Sibylle Mertens' Ehemann Louis.
Nach dessen Tod kommt es zwischen Sibylle und den Kindern zu einer Auseinandersetzung um das Erbe. Die Kinder zwingen ihre Mutter schließlich gerichtlich, ihr Vermögen zu veräußern, damit sie deren Erbteil auszahlen kann. Das Verfahren zieht sich über mehrere Jahre hin und hat zur Folge, dass Sibylle Mertens sich finanziell deutlich einschränken muss.
An: Ludowine von HaxthausenSophie von Haxthausen, aus: Rüschhaus
1839 7.November

Von Jenny hat Mama gestern einen Brief. Sie hat einen Umschlag gehalten und ist sehr traurig darüber, übrigens aber schon fast hergestellt. Das Kind hat noch nicht gelebt und ist erst von vier Monaten gewesen, so sehr hat sie sich in der Zeit verrechnet. Sie schreibt, es ginge ihr näher als wir wohl dächten; ich kann es mir aber wohl denken und wollte, wir wären jetzt bei ihr. Rüschhaus, 7. November… Weiterlesen »

An: Betty von Haxthausen, aus: Hülshoff
1826 25.April

Ich bin vorgestern Abend glücklich, aber ermüdet hier angekommen, und habe meine lieben Eltern und Geschwister gottlob alle noch viel wohler aussehend gefunden, als ich sie verließ … die Mutter … ist ebenso rasch und rührig, ebenso gute Fußgängerin wie sonst. Auch der Papa sieht sehr gut aus, und die Jenny und der Ferdinand gar, sind beide auffallend stärker geworden. Ich habe überhaupt alle so zufrieden und glücklich wie möglich gefunden; Werner ganz und gar liebenswürdig, aus Freude über seine nahe Heirat; Papa ganz verklärt neben seinen Orchisbeeten, wo einige nagelneue Sorten aus der Schweiz blühen – unter uns gesagt, nichts weniger als schön; die am meisten ins Auge fallenden sind hellgelb und machen ungefähr so… Weiterlesen »

Hintergrund: Nach sechsmonatigem Aufenthalt bei Onkel Werner und Tante Betty von Haxthausen in Köln kehrt Annette im April 1826 nach Hause zurück. Zu der Familienidylle, die sie hier beschreibt, tragen die Vorbereitungen für die Hochzeit ihres Bruders Werner mit Caroline von Wendt-Papenhausen am 11. Mai 1826 bei. Das Paar zieht auf das gepachtete Gut Wilkinghege, wenige Kilometer von Münster entfernt.
Annette weiß nicht, dass ihr zwei Schicksalschläge bevorstehen. Am 25. Juli 1826 - drei Monate nach dem Verfassen des vorliegenden Briefes - stirbt ihr Vater Clemens August plötzlich und unerwartet. Auch die Lebenszeit ihres lange Jahre kränkelnden Bruders Ferdinand (Fente) läuft ab - er erliegt am 15. Juni 1829 einer Lungentuberkulose.
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