Mehr über Annette von Droste-Hülshoff (hier auf einem Gemälde von Sprick)

Sie möchten Annette von Droste-Hülshoff kennenlernen? Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin, erfahren Sie mehr über ihren Alltag, ihre Arbeit, ihr Privatleben und den Briefverkehr zu ihrer Zeit. Lernen Sie ihre Wohnorte kennen, verfolgen Sie ihre Korrespondenz mit Zeitgenossen, und gehen Sie mit Annette von Droste-Hülshoff auf Reisen.

300 Briefauszüge der Dichterin sind hier verfügbar, kategorisiert und verschlagwortet. Auch alle Kommentare sind authentisch und stammen von Zeitgenossen.

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!


An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
1843 16.Februar

Nun zu der Gall; ob sie zu meiner Schwiegertochter paßt? Das könnte ganz wohl sein; schön und geistreich scheint sie wenigstens unwidersprechlich, und ich wäre sehr begierig, sie zu sehn; wo steckt sie denn jetzt? Nach Darmstadt denkt sie schwerlich so bald zurück zu kommen, da sie ihren Flügel verkauft hat. Es ist mir äußerst erfreulich, Levin, dass Sie in Ihrer jetzigen Verlassenheit einen geistigen Anhalt und Trost in ihr gefunden haben, und wenn es Gottes Wille ist, kann sie Ihnen allerdings dereinst vielleicht noch mehr werden. Dennoch muss ich Dich bitten, liebstes Kind, sei vorsichtig mit der Feder und hüte Dich vor jedem Worte, was Dich binden könnte; die Liebe wird weder durch Schönheit noch Talent noch selbst… Weiterlesen »

An: Therese von Droste, aus: Rüschhaus
1838 9.Februar

Du fragst wegen dem Erzbischof? Da Ihr den Merkur haltet, weißt du das Hauptsächlichste; es ist eine traurige Lage für uns. Die Erbitterung ist schrecklich. Ich war am Tage des Aufstandes in Münster, und die Preußen haben sich schändlich betragen, vorzüglich der General Wrangel, ein Gegenstück zum Obristen Natzmer. Ich war diesen Abend zum Tee bei einer Oberregierungsrätin Rüdiger, Tochter der Elise Hohenhausen, die sich mir durch Nettchen Kettler hatte vorstellen lassen, worauf man es schicklich fand, dass ich ihr einen Besuch abstatte. Ich beredete die Bornstedt, mit der ich zuweilen bei Schlüters zusammentreffe, mit mir hinzugehen, und wir drei Frauenzimmer waren allein hinter dem Teetisch; es war schon spät, und die… Weiterlesen »

Hintergrund: Der aus Münster stammende Kölner Erzbischof Clemens August Droste zu Vischering war im November 1837, wenige Wochen vor dem hier beschriebenen Aufstand in Münster, zusammen mit seinem Sekretär Michelis verhaftet worden. Grund war seine provokante Haltung gegenüber dem preußischen Staat, der - als protestantisch geprägt - im katholischen Münster ohnehin einen schweren Stand hatte: Im Mischehenstreit bestand der Erzbischof entgegen einer Order König Friedrich Wilhelms III. darauf, dass die Kinder gemischtkonfessioneller Paare katholisch getauft werden. Auch im Hermesianerstreit legte er sich mit Preußen an: Der Erzbischof lehnte die Lehren des aufgeklärten Katholiken Georg Hermes ab und mischte sich in den Lehrbetrieb der Bonner Universität ein.
Mehr zum Kölner Kirchenstreit und zu den Tumulten im Münster-Wiki.
An: Elise Rüdiger, aus: Rüschhaus
1844 12.Dezember

Aber, lieb Herz, was schreiben Sie mir von der Möglichkeit einer Trennung! Glaubte ich es, so würde mir todangst; indessen haben Sie dies so oft, gottlob umsonst, gefürchtet, dass der Gedanke gar nicht bei mir haften will. Warum sollte R vom neuen Oberpräsidenten (den wir noch nicht mal erraten können) zurückgesetzt werden? Von einer Spannung zwischen R und Devigneau haben Sie mir freilich schon früher gesagt, aber übrigens ist die allgemeine Stimme so für R. Ich habe seiner, sowohl was Charakter als Kenntnisse und Fleiß anbelangt, nie anders als mit ausgezeichneter Achtung erwähnen hören (und ich bin oft in diese Gelegenheit gekommen), so dass ich meine, Devigneau kann es nicht wagen, einen so allgemein geschätzten und… Weiterlesen »

Hintergrund: Elises Mann, Regierungsrat Karl Ferdinand Rüdiger, wird 1845 nach Minden versetzt.
An: Guido von Haxthausen, aus: Abbenburg
1845 10.Juni

Onkel Karl war eben bei mir und erzählte mir von einem Verstoße zwischen Dir und Bökendorf, um sechs Schock Bohnenstangen. Er setzte mir auseinander, dass sechsunddreißig Schock derselben, aus den gemeinschaftlichen Forsten zum gemeinschaftlichen Gebrauche gehauen und, nur damit sie nicht gestohlen würden, sämtlich in Vörden aufbewahrt worden, und jetzt Bökendorf einen kleinen Teil derselben nötig bedurft, Du aber den Wagen leer zurückgeschickt hättest. Ich weiß nicht, was Du, lieber Guido, vielleicht dagegen zu antworten haben magst, ob Du diesen unbedeutenden Artikel vielleicht als geschenkt, gekauft et cet. völlig meinst in Anspruch nehmen zu können. Aber ich bitte Dich, um der Liebe willen, die ich immer zu Dir und… Weiterlesen »

Hintergrund: Der Zwist zwischen Annettes Stiefonkel August, Karl und Friedrich von Haxthausen und ihrem Vetter Guido von Haxthausen dreht sich um eines der Haxthausenschen Güter in Vörden, das Guido zusteht, und währt bereits seit Jahren. Nun haben die Onkel - ohne Guidos Einverständnis einzuholen - einen Teil des Familien-Waldes verkauft, um Augusts Russland-Reise zu bezahlen. Wohl aus Verärgerung behält Guido 360 in diesen Wäldern geschlagenen Bohnenstangen (ein Schock = 60 Stangen), die bei ihm in Vörden eingelagert sind, für sich.
An: Elise Rüdiger, aus: Rüschhaus
1845 13.November

In meinem Weinberge hat es heuer wenige und essigsaure Trauben gegeben. Alles verregnet! Doch elf Ohm Wein gemacht, gleich von der Kelter den Ohm zu 17 Gulden verkauft und somit, nach Abzug aller Kosten des Jahres, doch noch gegen sechzig Taler reinen Überschuß. Immerhin noch ein schöner Zins von 400 RT.! Und zwar in einem völligen Mißjahr. Ein gutes oder nur leidliches habe ich noch nicht gehabt. Das vorige war bekanntlich auch sehr schlecht, aber doch besser und hat mir 95 RT. reinen Ertrag gebracht. Wenn das am dürren Holze geschieht, so sind mir wirklich einige sanguinische Hoffnungen auf das grüne wohl zu verzeihen. Zwar habe ich eigentlich nichts davon, da ich, etwas voreilig generös, mich sogleich aller Vorteile… Weiterlesen »

Hintergrund: Das Fürstenhäuschen fällt nach Annettes Tod zunächst an ihre Schwester Jenny, die es wiederum ihren Töchtern - den im Brief erwähnten Zwillingsmädchen - vererbt. 1918 kauft ein Nachfahr von Annettes Bruder Werner das Häuschen aus dem Nachlass Hildegard von Laßbergs - Carl von Droste-Hülshoff. Er lebt darin bis zu seinem Tode 1922 und gründet das Droste-Museum, das heute in den Räumlichkeiten zuhause ist.
An: Elise Rüdiger, aus:
1840 12.Juni

… so ist mir der Sommer und Herbst, wenn auch einerseits durch das Wiedersehn meiner Nächsten erfreulich, doch in Beziehung auf meiner Freunde sehr gestört, und das ist mir ein arger Kummer, da die Verwandten uns nahe bleiben, und wohnen sie hundert Meilen weit, weil wir sie jederzeit aufsuchen können, – das findet Jeder natürlich und animiert uns dazu, dagegen bedarf es bei Freunden gleichen Geschlechts dringender Gründe und bei Denen eines andern gibt es gar keine, – so kann eine Trennung von zehn Meilen leicht eine lebenslängliche werden, und wird in der Regel eine jahrelange … Juni… Weiterlesen »

An: Jenny von Laßberg, aus: Köln
1826 21.Februar

Schlegel hat einen schönen Ring vom König bekommen, und ist schrecklich eitel damit, ist überhaupt lächerlich eitel, trotz seines vielen Verstandes, und gibt dadurch seinem Feinde, Clemens Droste, viel gute Gelegenheit an die Hand, ihn zu ärgern. Neulich ist ein Fleischer mit einer schweren Last Fleisch auf dem Rücken gerade vor Schlegel gefallen, so dass man geglaubt hat, es wäre kein Stück von ihm ganz geblieben, er hat indessen, wunderbarer Weise, nichts dabei gelitten, außer dem Verlust seines besten Röckchens, was überher eine andere Farbe bekommen hat … Köln, 21. Februar… Weiterlesen »

Hintergrund: Mit einem Ring bedankt sich König Friedrich Wilhelm III. von Preußen bei Professor August Wilhelm von Schlegel An: Levin Schücking, aus: Meersburg
1844 11.Februar

Sie wundern sich wohl, mein guter Levin, fast zugleich zwei Briefe von mir zu erhalten; aber der von diesem Morgen war mir selbst so unangenehm zu schreiben und muss Ihnen notwendig so unangenehm zu lesen gewesen sein, dass ich es weder mir selbst noch meinem kleinen Jungen zu Leide tun mag, ihn ohne einen verbessernden Appendix zu lassen. Ach, Sie glauben nicht, wie geplagt man ist, sobald man Laßberg einige Einmischung gestattet hat, gleichviel in welcher Sache – was hier schon durch Annahme seines früheren Anerbietens geschehn war; er meint’s gut, nur zu gut, sieht die Sache dann ganz wie seine eigne an und wird zu einem unerschöpflichen Bronnen unbrauchbaren Rats, den er gleich in praxi sehn will und es nicht leicht vergibt,… Weiterlesen »

Hintergrund: Levin Schücking, der nun doch die Verhandlungen mit dem Inhaber der Cottaschen Verlagsbuchhandlung, Johann Georg Cotta von Cottendorf, über die zweite Gedichtausgabe führt (als Verleger des "Morgenblatts" sowie der Augsburger "Allgemeinen Zeitung" ist Cotta auch Schückings Chef), erhöht die Honorarforderungen mehrmals. Seinen ersten Vorschlag (vier Louisdor pro Bogen) ersetzt Schücking durch ein Pauschalhonorar von 700 Gulden, das sind 400 Reichstaler. Dieser Betrag wird vor allem von Annettes Schwager Laßberg als zu gering verworfen; bei einem Umfang von 35 Bogen läge das Honorar bei nur zwei Louisdor pro Bogen, gibt er zu bedenken. Auch hält Laßberg die Auflage für zu hoch, der Abverkauf würde entsprechend lange dauern; üblich seien 750 Exemplare.
Die Autorin selbst wäre mit 700 Gulden, also 400 Talern, zwar durchaus einverstanden, Schücking verhandelt dennoch erneut mit Cotta und führt dabei andere Verlage an, die ebenfalls Interesse an der Herausgabe des Buches angemeldet hätten. Cotta gibt schließlich nach. Das schließlich vereinbarte Honorar beläuft sich auf 500 Reichstaler, das sind 875 Gulden, auf eine Auflage von 1200 Exemplaren sowie zwölf Freiexemplaren für die Droste.
Der Louisdor (eigentlich Louis d'Or) ist eine französische Goldmünze, die damals bereits nicht mehr geprägt wird. Der preußische Reichstaler ist bis 1907 gültig (Wert: 3 Mark). Der in Europa weit verbreitete Gulden (Abkürzung fl) ist vor allem im Süden Deutschlands und im Rheinland im Umlauf, er gilt bis 1876. Zum Vergleich: Das Honorar, das die Droste schließlich für ihren zweiten Gedichtband erhält, liegt deutlich über dem Jahresgehalt eines Oberlehrers - der verdient (im Jahr 1862) 677 Gulden.
An: Elise Rüdiger, aus: Rüschhaus
1845 21.März

Sie fragen, mich ob ich noch Gedichte liegen habe? Lieb Herz, wir haben ja den ganzen vorrätigen Plunder zusammen durchgesehn, und kaum der Thabouillot würdiges darunter gefunden. Für diese habe ich nun seitdem einige neue gemacht, und vor einigen Tagen eingeschickt, und was ich für die Thabouillot tue, tue ich gewiss dreimal so gern für Sie, wenn ich nur kann. Mein Kopf ist noch recht schwach und leer, ich will es in Hülshoff versuchen, und die Resultate, wenn sie irgend erträglich sind, zu Ihrer Disposition stellen. Aber ich weiß gar nicht, wie ich mit der „Kölner“ daran bin; der Püttmann ist auf und davon, und die Gesinnungen des neuen Redakteurs sind mir unbekannt. Von den damals eingeschickten Gedichten sind zwei… Weiterlesen »

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