Mehr über Annette von Droste-Hülshoff (hier auf einem Gemälde von Sprick)

Sie möchten Annette von Droste-Hülshoff kennenlernen? Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin, erfahren Sie mehr über ihren Alltag, ihre Arbeit, ihr Privatleben und den Briefverkehr zu ihrer Zeit. Lernen Sie ihre Wohnorte kennen, verfolgen Sie ihre Korrespondenz mit Zeitgenossen, und gehen Sie mit Annette von Droste-Hülshoff auf Reisen.

300 Briefauszüge der Dichterin sind hier verfügbar, kategorisiert und verschlagwortet. Auch alle Kommentare sind authentisch und stammen von Zeitgenossen.

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!


An: Levin Schücking, aus: Hülshoff
1842 27.Dezember

Ich wollte ein paar stille, gemütliche Stunden mit Elisen und Tante Ittchen zubringen, war im ordinärsten Kostüm, dabei noch verregnet und verpluddert – an der Treppe kömmt mir E. hastig entgegen, führt mich durch die Küche ins Kabinettchen, wo mir schon der französische Caquet vom Saale entgegen schallt, und bittet mich vom Himmel zur Erde nicht umzukehren, – Gott behüte! linksum kehrt Euch! – Tante Ittchen und Nanny Scheibler werden zur Hilfe gerufen, und ich fahre endlich in den Saal, grimmig wie eine wilde Katze, unter der Bedingung, mir Niemanden vorstellen zu lassen, und kein Wort französisch zu sprechen. So pflanze ich mich, möglichst weit ab, zwischen Tante Ittchen und Nanny Sch, drehe den ganzen Abend dem Franzosen den… Weiterlesen »

An: Joseph von Laßberg, aus: Rüschhaus
1832 8.Januar

1. Wie ist die Kleidung in den ersten Sardinischen Flecken? der Stoff, die gewönlichste Farbe, der Schnitt jedes Kleidungsstücks? im Hause sowohl als im Puze? Schmuck, Halsband, Armringe. Besonders die Kleidung der Männer. 2. Ist das Klima schon gleichbedeutend anders als diesseits der Alpen, macht die Luft einen andern Eindruck? Was für andre Pflanzen sind da? Mehr oder weniger Gewitter, Regen? Kommen Ende Febr. schon Gras und Blumen hervor? 3. Welchen Charakter hat die Fassnacht dort auf dem Lande? Schon einen italienischen? Maskiert man sich? Erinnert etwas an die italienischen Volksmasken? Feiert man die Fassnacht mit Tanzen, Herumschwärmen, öffentlichen Spielen und Übungen? 4. Gibt es vielleicht ein anderes… Weiterlesen »

Hintergrund: Joseph von Laßberg war ursprünglich ein Freund von Annettes und Jennys Onkel Werner von Haxthausen - die beiden haben sich 1814/15 auf dem Weiner Kongress kennengelernt. Auf dem Rückweg von einer Italienreise machen die Haxthausens 1831 in Konstanz Station; Jenny reist ihnen dorthin entgegen und lernt bei dieser Gelegenheit Joseph von Laßberg kennen, der im nahen Eppishausen lebt. Am 3. Oktober 1831, auf einem gemeinsamen Ausflug zum Rigi, soll der um 25 Jahre ältere Laßberg Jenny seine Liebe erklärt haben.
An: Levin SchückingLuise Schücking, aus: Meersburg
1844 20.Juni

Nun zu Euern Geschenken. Ihr gutes Volk, ich habe mich recht tüchtig darüber gefreut; kindisch, würde Luise vielleicht sagen, aber das schadet nicht, die Freude bleibt mir doch. Luise hat übrigens Recht, die Lorgnette ist mir zu lieb, als dass ich sie nicht immer bei mir haben sollte, wenn auch nicht immer an mir. Beim Schreiben und Zeichnen liegt sie neben mir auf dem Tische, weil ich sie an der Kante zu verbiegen fürchte; aber sowie ich aus meinem Turm tauche, wird sie umgehängt und verläßt mich selbst des Nachts nicht, wo sie wie ein treues Hündchen auf einem Seidenpapier-Kissen neben meinem Bette schläft. Es ist aber auch ein gar niedliches Ding mit seinem Blumenkränzchen wie ein Bräutchen, und ich werde mich eigens ihm zu… Weiterlesen »

An: Christoph B. Schlüter, aus: Abbenburg
1839 24.August

Ich lebe hier wie in Rüschhaus und habe sogar auch mein altes schwarzes Kanapee, auf dem ich sitze oder liege (man kann es nennen wie man will) und schreibe, meine alten Lateiner, in denen ich vor dem Aufstehn lese, und mein Frühstück auf der Stube, wie ich es gewohnt bin. … Wären Sie hier oder schrieben fleißig, oder hörte ich auch nur oft von Ihnen wie in Rüschhaus, so würde ich dieses Mal weniger vom Heimweh leiden als gewöhnlich, aber wie es jetzt ist, bin ich doch sehr froh, ein paar Monate hinter mir zu haben. … Nächstens gibt es aber einen Feiertag im Kalender, Malchen Hassenpflug kömmt – wann weiß ich nicht genau, doch darf ich schon in den nächsten Tagen anfangen sie zu erwarten, das ist doch wohl ein Fest! -… Weiterlesen »

Hintergrund: Seit 10 Juli 1839 halten sich die Droste und ihre Mutter bei den mütterlichen Verwandten in Abbenburg auf. Sie kommt in dieser Zeit aus gesundheitlichen Gründen wenig zum Schreiben, arbeitet aber u.a. an der Kriminalgeschichte, die auf einer wahren Begebenheit beruht und später unter dem Titel "Die Judenbuche" publiziert wird und in deren Mittelpunkt die Figur Friedrich Mergel steht.
An: Christoph B. Schlüter, aus: Rüschhaus
1837 23.März

Wegen meines St. Bernhards wird J mit Ihnen geredet haben, ich wünsche noch immer das Gedicht anderswo herauszugeben, denn ich möchte, dass sei Renommee, gut oder schlimm, bereits gemacht wäre, eh es in den Kreis meiner Bekannten käme, da ich nicht darauf rechne, dass es hier sehr gefallen wird; für auswärts mache ich mir bessere Erwartungen und möchte meiner lieben Mutter, die im Grunde jedes öffentliche Auftreten scheut wie den Tod und nur zu empfindlich ist für die Stimme des Publikums, gern zuerst die möglichst angenehmsten Eindrücke gönnen; dann schmerzen nachher einzelne Stimmen weniger; für mich selbst wäre es mir nur schon gleich, womit ich es zuerst aufnehmen müßte. Wegen der geistlichen Lieder kann ich Ihnen… Weiterlesen »

An: Dorothea von Wolff-Metternich, aus: Hülshoff
1821 22.September

Ich habe jetzt sehr wenig Zeit, denn der Onkel Max hat mir ein selbstverfasstes Werk über den Generalbass geschenkt. (Eine Abschrift, denn es ist nicht im Druck.) Was folgt daraus? Dass ich aus Dankbarkeit das ganze Werk von Anfang bis zu Ende durchstudiere und auswendig lerne! Ich kann nicht sagen, daß ich es ungern tät, oder dass es mir schwer würde, da ich schon manche andere Werke über den Generalbass kenne, aber ich muss fast meine ganze Zeit daran setzen. Außerdem wird jetzt fleißig hier im Hause gearbeitet, Jenny spielt und singt mit großem Eifer, da sie glaubt, in ihrer Abwesenheit Manches verlernt zu haben. Tony und Elise malen den ganzen Tag auf Sammet, Tony weiße und gelbe Narzissen und Elise ein Rosenbouquett,… Weiterlesen »

Hintergrund: Annette bekommt das Werk "Eine Erklärung über den Generalbass und die Tonsetzkunst überhaupt" von ihrem Onkel Maximilian Friedrich von Droste-Hülshoff zum Geschenk.
Das andere Nettchen Droste ist vermutlich die Cousine Antoinette von Droste-Stapel.
An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
1845 5.März

Ich habe eine lange recht schwere Zeit verlebt, krank, sehr betrübt und gänzlich unfähig zum Schreiben, was mir auf der Stelle Erbrechen zu Wege brachte. Wie oft habe ich an Euch Lieben gedacht und mich abgesorgt um Luise und das Kindchen, von denen mir auch niemand etwas sagen konnte. Ihr Brief an Hutterus gab mir die erste und einzige indirekte Beruhigung, da doch wohl alles gut stehn musste, wenn Sie an die Herausgabe Ihrer Gedichte denken konnten. Gott segne Mutter und Kind und lasse was Gutes wachsen aus dem kleinen dicken Fresser! Levin, schreiben Sie mir doch, wie der Junge jetzt aussieht. Ich muss den Schlingel sehen, wenn ich nach Meersburg komme, auf die eine oder andre Weise – Sie zu uns oder ich zu Ihnen. Mein Patenjunge!… Weiterlesen »

Hintergrund: Carl Lothar Levin Schücking, der Sohn von Levin Schücking und Luise von Gall, wurde am 19. Dezember 1844 geboren. Ein Gedicht auf ihn von der Droste ist nicht bekannt.
An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
1844 30.November

Nun in Eil zwei Zeilen Antwort auf Ihren Brief, der mich natürlich aufs unangenehmste überraschen musste. Ich habe ihn gestern abend erhalten, heute früh meinen Bruder herüber bitten lassen und schicke Ihnen jetzt statt aller Auseinandersetzung die Kopie des Briefs, den derselbe soeben beendet und an Herrn Hüffer geschickt hat; wollen Sie dieselbe gefälligst vorläufig der Cottaischen Buchhandlung mitteilen, so wird die Sache dadurch ohne weitere Weitläufigkeiten erklärt und zugleich die Buchhandlung aller Sorge enthoben werden. Ich bitte, dass Sie derselben mein Bedauern über einen Vorfall ausdrücken wollen, der durch meinen Mangel an Geschäftskenntnis herbei geführt worden ist. Übrigens muss ich auch so anständiges Lehrgeld… Weiterlesen »

Hintergrund: In der zweiten Gedichtausgabe, die 1844 bei Cotta erscheint, sind viele Gedichte erneut abgedruckt, die bereits im ersten Band von 1838 veröffentlicht waren. Weil die Auflage von 1838 noch nicht annähernd verkauft ist, stellt deren Verleger Johann Hermann Hüffer Forderungen an den Cotta-Verlag. Er beruft sich dabei auf das Preußische Landrecht, nach dem einem Verleger bei einer Zweitauflage der volle Preis für jedes nicht verkaufte Exemplar der Erstauflage zusteht. Von den 400 gedruckten Exemplaren des ersten Gedichtbandes sollen, entgegen früherer anderer Angaben von Hüffers Verlag, nur 74 verkauft worden sein. In die Auseinandersetzung schaltet sich Annettes Bruder Werner ein und erzielt mit Hüffer eine Einigung: Die Familie Droste kauft vermutlich 172 Buchexemplare der ersten Gedichtausgabe für 64 Reichstaler auf.
Die erwähnte unentgeltliche Mitarbeit bei der Kölner Zeitung soll der Schriftstellerin Elise von Hohenhausen zugute kommen, deren Erzählung „Die Gattin“ im Gegenzug im April 1845 in dem Blatt veröffentlicht wird.
An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
1844 30.November

Schreiben Sie mir doch in Ihrem nächsten Briefe, den ich hoffentlich bald erwarten darf, recht viel von Luisen, – was sie treibt, was sie schreibt, sonst arbeitet – kurz, führen Sie mir Ihre Häuslichkeit mal wieder recht vor Augen, dass ich mich daran erquicken kann. Mein Leben ist immer das gleiche, abgeschlossen, heimlich, ganz wie ich es mag; zög nur der Husten fort und statt dessen zuweilen etwas Neues aus der Literatur ein, oder ein freundlicher Besuch, der mich ein bißchen au courant mit dem Weltlaufe hielt, ich wollte es mir nicht besser wünschen. So werde ich freilich am Ende so eckicht werden wie meine Kristalldrusen. „Wollte Gott, auch so klar!“, denkt der Levin – Spiegelberg, ich kenne Dir! Nun Adieu, mein lieb Kind,… Weiterlesen »

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