Mehr über Annette von Droste-Hülshoff (hier auf einem Gemälde von Sprick)

Sie möchten Annette von Droste-Hülshoff kennenlernen? Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin, erfahren Sie mehr über ihren Alltag, ihre Arbeit, ihr Privatleben und den Briefverkehr zu ihrer Zeit. Lernen Sie ihre Wohnorte kennen, verfolgen Sie ihre Korrespondenz mit Zeitgenossen, und gehen Sie mit Annette von Droste-Hülshoff auf Reisen.

300 Briefauszüge der Dichterin sind hier verfügbar, kategorisiert und verschlagwortet. Auch alle Kommentare sind authentisch und stammen von Zeitgenossen.

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!


An: Christoph B. Schlüter, aus: Rüschhaus
1840 26.April

Warum ist man wohl so ungeneigt zu poetischen Arbeiten in so höchst poetischen Momenten? Ich denke wohl, weil der Genuß den regelrechten Gedanken nicht aufkommen läßt. Ich tue gar nichts; seit Beendigung des geistlichen Jahres, also seit drei Monaten, sind zwei Balladen das einzige, was ich geschrieben; doch liegt dies wohl zum Teil daran, dass ich, des seit zwanzig Jahren bis zum Ekel widerholten Redens über Mißkennung des eignen Talents müde, mich zu etwas entschlossen habe, was mir im Grunde widersteht, nämlich einen Versuch im Komischen zu unternehmen. So dränge ich dann jeden Trieb zu anderm gewaltsam zurück und scheue mich doch vor jener gleichsam bestellten Arbeit wie das Kind vor der Rute. Nicht dass ich meine, sie… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
1844 29.September

Erst gestern abend hier angekommen, und mit einem Kopfweh, von dem mir die Augen überlaufen, schreibe ich Ihnen doch schon heute, um die Realisierung des Wechsels nicht aufzuhalten, da die Bestätigung meines Meersburger Kaufs noch immer sich verzögert, und es deshalb möglich wäre, dass das Geld noch grade recht zum Zahlungstermine käme, was mir sehr angenehm wäre, weil sonst Laßberg für mich eintreten muss. Beeilen Sie deshalb, ich bitte, die Auszahlung und Absendung möglichst; Jenny wünscht dieses auch. Leider sehe ich eben, dass ich bei Endossierung des Wechsels statt „Rüschhaus bei Münster“ bloß „Rüschhaus“ geschrieben habe; ich hoffe, das bringt doch keine Schwierigkeiten? Jedenfalls ist’s nicht mehr zu… Weiterlesen »

Hintergrund: Indossieren = gegenzeichnen.
An: Anton M. Sprickmann, aus: Hülshoff
1819 8.Februar

O mein Sprickmann, ich weiß nicht, wo ich anfangen soll, um Ihnen nicht lächerlich zu erscheinen, denn lächerlich ist das, was ich Ihnen sagen will, wirklich, darüber kann ich mich selber nicht täuschen. Ich muss mich einer dummen und seltsamen Schwäche vor Ihnen anklagen, die mir wirklich manche Stunde verbittert; aber lachen Sie nicht, ich bitte Sie noch einmal, mein Plagedämon hat einen romantischen und geckenhaften Namen, er heißt „Sehnsucht in die Ferne“; nein, nein, Sprickmann, es ist wahrhaftig kein Spaß. Sie wissen, dass ich eigentlich keine Törin bin; ich habe mein wunderliches, verrücktes Unglück nicht aus Büchern und Romanen geholt, wie ein jeder glauben würde. Aber niemand weiß es, Sie wissen es ganz allein,… Weiterlesen »

Hintergrund: Otaheite lautet der ursprüngliche Name von Tahiti.
An: Jenny von Laßberg, aus: Rüschhaus
1844 26.Dezember

Meine Alte ist sehr schwach, denkt aber täglich mit großer Liebe an Euch. Sie sagt: Ik kann minen Brill nich abwisken, sunder an de Kinner to denken, watt hebt de mi dat alltit so demödig dohn. Gottlob leidet sie nicht, nimmt aber sehr ab. Rüschhaus, 26. Dezember… Weiterlesen »

Hintergrund: Maria Catharina Plettendorf war die Amme der Droste. Die Webersfrau aus Altenberge übernahm nach der Geburt des Siebenmonatskindes deren Pflege, was diese ihr zeitlebens nicht vergessen wird. In späteren Jahren wird Maria Catharina Plettendorf im Rüschhaus aufgenommen und verbringt dort ihre letzten Lebensjahre - diesmal gepflegt von Annette. 1845 stirbt sie im Rüschhaus.
An: Elise Rüdiger, aus: Rüschhaus
1846 30.Juli

Jetzt müssen Sie doch wohl wieder zu Hause sein. Ich bin richtig hier geblieben, im strengsten Inkognito, was auch höchst nötig war, denn ich bin schändlich krank geworden. Vorher hatte ich nicht Zeit dazu, aber jetzt habe ich ein ganzes Jahr voll Kummer, Sorge und Ärger nachzahlen müssen. Zudem war mein Homöopath verreist, ist erst vor einigen Tagen rückgekehrt, und ich habe mich solange allein durchgebissen – ganz heimlich, besonders vor den Hülshoffern, um den Klövekorns, Wörlitzens et cet. zu entgehn. Schade, dass der Bönninghausen eine Frau hat, er würde mich sonst gewiss nehmen, wenn nur ein Funken Dankbarkeit und Edelmut in ihm ist. Jetzt aber wird niemand nehmen und hat genommen als ich – nämlich vorgestern das erste… Weiterlesen »

Hintergrund: Mit der Harfe ist eine der beiden steinernen Bänke gemeint, die in die Treppe zum Garten eingelassen sind.
Moquerie = Spott
Die Bückersche ist die Botenfrau.
An: Elise Rüdiger, aus: Meersburg
1844 4.Januar

Zu Gutzkows Verteidigung spricht keine besondere Stimme in mir; seinen „Werner“ kenne ich nicht, sondern habe nur ein paar hübsche, aber etwas blasierte Sachen von ihm gelesen, dann mich geärgert, dass er auf so scheinbar offne und doch heimlich schlaue Weise Sch den halb bankerotten „Telegraphen“ aufhocken und so seine eigne Pfote aus der Schlinge ziehn wollte, und dann mich vor seinem höchst fatalem Porträt im „Modejournal“ gegraut. Das alles kann gewiss noch kein Urteil veranlassen, aber doch ein Vorurteil, und so hat mich Schs Beschreibung nicht überrascht. Die „Dombausteine“ habe ich jetzt gelesen. Sie sind nicht viel wert, viel Geschrei und wenig Wolle, und mehr unbedeutende Namen darin als Zelebritäten. Ich hatte mir… Weiterlesen »

Hintergrund: Seit 1837 gibt der Schriftsteller Karl Gutzkow (1811 bis 1878) den "Telegrafen für Deutschland" heraus, eine liberale Zeitung, für die auch Friedrich Engels, Georg Herwegh und Franz von Dingelstedt schreiben. Hier hat Levin Schücking seine ersten literarischen Schritte in die Öffentlichkeit getan. Der Kontakt führte zu zwei Rezensionen der Droste-Gedichtausgabe von 1838 im „Telegrafen“, geschrieben von Schücking und Engels. Gutzkow selbst rezensierte die Droste-Ballade „Der Geierpfiff“ positiv – an ihrer offenkundigen Abneigung gegen ihn ändert das nichts.
Als Vertreter des Jungen Deutschland gerät Gutzkow immer wieder in Konflikt mit der preußischen Obrigkeit, ihm werden Unmoral und Blasphemie vorgeworfen. Sein Schauspiel "Werner - oder: Herz und Welt" ist im Februar 1840 in Hamburg uraufgeführt worden. Ein anderes Werk von ihm kommt in der Reinschrift des Droste-Lustspiels „Perdu“ vor, wo es heißt: „,Seraphine’ von Gutzkow – auch ein verschimmeltes Brot!“ Später wird dieser Satz gestrichen.
Zu der von August Lewald herausgegebenen Buchreihe „Die Dombausteine. Von einem Vereine deutscher Dichter und Künstler. Als Beitrag zum Ausbau des Kölner Domes“ hat Schücking einen Roman geliefert, das „Stiftsfräulein“. Auch der erwähnte Joseph Braun (1818 bis 1847) ist mit einem Gedicht an den „Dombausteinen“ beteiligt, ebenso Ida Hahn-Hahn (1805 bis 1880), eine der meistgelesenen Autorinnen ihrer Zeit, der man aber aufgrund ihrer gespreizten Schreibweise und ihres elitären Habitus auch häufig mit Skepsis begegnet.
An: Levin Schücking, aus: Meersburg
1842 25.Mai

Der Buchhändlerbrief ist nämlich angekommen und war wirklich ein solcher, von der Kompanie Velhagen & Klasing, und bereits vom 5ten April datiert. Da er kurz ist, schreibe ich ihn ab, damit Du den Grad ihres guten Willens, in literarischer und pekuniärer Hinsicht, selbst abmessen kannst. Ew. Hochwohlg. vor einigen Jahren erschienene Gedichtsammlung erregte schon damals unsre höchste Aufmerksamkeit, und zwar nicht bloß als Produkt eines vaterländischen, sondern überhaupt sehr bedeutenden dichterischen Talentes; die Absicht, welche beim Lesen des Bändchens in uns aufstieg, der Verfasserin die Gefühle der Freude und des Danks für so viel Genuß auszusprechen, kam im Drange der Geschäfte nicht zur Ausführung, wurde aber jetzt… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
1842 17.November

Im „Morgenblatte“ sind noch zwei meiner Gedichte erschienen: „Die Taxuswand“ und „Junge Liebe“. Die „Judenbuche“ hat endlich auch hier das Eis gebrochen und meine sämtlichen Gegner zum Übertritt bewogen, so dass ich des Andrängens fast keinen Rat weiß und meine Mama anfängt, ganz stolz auf mich zu werden. O tempora, o mores! Bin ich denn wirklich jetzt besser oder klüger wie vorher? Rüschhaus, 17. November… Weiterlesen »

An: Johann Friedrich Cotta, aus: Rüschhaus
1844 30.Oktober

Ew. Hochwohlgeboren haben mich so freundlich beschenkt, dass ich Ihnen längst meinen herzlichen Dank würde ausgedrückt haben, wäre die Ankunft der Büchersendung nicht durch Umstände dermaßen verspätet worden, dass dieselbe erst seit wenigen Tagen in meinen Händen ist. Ihr Geschenk musste mich umso mehr freuen, da meine kleine Bibliothek bis jetzt noch keins der übersandten Werke enthielt und ich mehrere derselben, namentlich Lenaus und Zedlitzens Gedichte, bereits in Münster, wo der Buchhandel sich fast ausschließlich nur mit norddeutschen Produten befaßt, vergebens zu erhalten gesucht hatte. Als ich im Spätsommer vom Bodensee in meine Heimat kehrte, hoffte ich über Stuttgart zu kommen und dort Ew. Hochwohlgeboren… Weiterlesen »

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