Mehr über Annette von Droste-Hülshoff (hier auf einem Gemälde von Sprick)

Sie möchten Annette von Droste-Hülshoff kennenlernen? Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin, erfahren Sie mehr über ihren Alltag, ihre Arbeit, ihr Privatleben und den Briefverkehr zu ihrer Zeit. Lernen Sie ihre Wohnorte kennen, verfolgen Sie ihre Korrespondenz mit Zeitgenossen, und gehen Sie mit Annette von Droste-Hülshoff auf Reisen.

300 Briefauszüge der Dichterin sind hier verfügbar, kategorisiert und verschlagwortet. Auch alle Kommentare sind authentisch und stammen von Zeitgenossen.

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!


An: Moritz von Haxthausen, aus: Rüschhaus
1832 21.Oktober

Du hast gewiss schon diverse Male recht tüchtig auf mich geschimpft, mein Herzens-Onkelchen, d.h. innerlich raisonniert nun mal ganz sicher fortwährend, und ohne Zweifel ist auch mitunter etwas davon an den Tag gekommen – dennoch bin ich auch jetzt wieder, wie Herr Wilmsen sagt, schiere Unschuld und noch obendrein eine leidende Unschuld gewesen, d.h. leidend gewesen, verstehen mich Ew Gnaden nicht unrecht. Meine Augen, die ohnedem weder jung noch schön sind, hatten vor etwa 14 Tagen den Einfall, sich durch Nervenschwäche interessant zu machen, es ging ihnen aber wie allen alten Schachteln, die zu diesem desparaten Mittel greifen, sie gefielen womöglich noch weniger als vorher, obgleich sie blühten wie die Rosen, und immer in… Weiterlesen »

An: Jenny von Laßberg, aus: Rüschhaus
1846 30.Juni

Liebste Jenny, ich bin krank, kann gar nicht schreiben und muss doch, seit 14 Tagen, über meine Kräfte. Zwei Briefe an Dich, wovon ich an dem einen zwei, an dem andern vier Tage mich geplagt hatte, habe ich zerreißen müssen, weil unterdessen alles änderst eingerichtet worden war, nun kann ich aber nichts mehr! und da Mama selbst kömmt, kann sie dir auch von allen Verwandten und Freunden zehnmal umständlicher selbst erzählen. Ich schicke Dir also für dieses Mal nur dieses wunderliche Blatt, was die inwendig voll geschriebene Adresse eines der Briefe war und allerlei enthält, was ich sonst abschreiben müsste, und mich wirklich in diesem Augenblicke gar nicht capable dazu fühle. … Wie leid es mir tut, nicht nach dem lieben… Weiterlesen »

Hintergrund: capable: fähig
Fiduzit: Vertrauen
An: Elise Rüdiger, aus: Meersburg
1844 4.Januar

Im Ganzen hat Laßberg mich heute belobt, aber schon einige Abänderungen vorgeschlagen, die sehr sehr nach der alten Schule schmecken, und mir nebenbei Gellert als den vollkommensten deutschen Stilisten empfohlen – Sie sehn, wo das hinaus will! Meersburg, 4. Januar… Weiterlesen »

An: Christoph B. Schlüter, aus: Rüschhaus
1845 17.Mai

Es ist Abend, Sie sind nicht gekommen, der Wagen ist angespannt, der mich nach Hülshoff bringen soll. Übermorgen geht es von dort weiter, morgen, wenn Sie dieses lesen, habe ich meinem guten, kleinen Rüschhaus Lebewohl gesagt. Alles ist eingepackt und eingeschlossen, meine Zimmer gleichen Ruinen. Leben Sie wohl, leben Sie Alle tausendmal wohl. Sie und die Mutter und Therese. Denken Sie meiner vor allem im Gebet und auch sonst, ich werde Ihrer täglich gedenken und täglich für Sie schreiben in die zwei Bücher, Sie wissen ja wohl, wie ich es gesagt. Adieu, mein Herz ist sehr schwer. Ihre Annette Rüschhaus, 17. Mai… Weiterlesen »

Hintergrund: Von Rüschhaus fährt die Droste über Hülshoff nach Münster (wo sie Schlüter doch noch trifft) und von dort am 19. Mai 1845 weiter nach Abbenburg.
An: Anna von Haxthausen, aus: Hülshoff
1821 30.März

Übrigens bin ich innerlich – (o Anna, ich bitte, verstehe mich diesmal recht) sehr gefasst; man hält meine Zurückgezogenheit wahrscheinlich für Stolz unter meinen Bekannten, denn sie sind fast sämtlich schüchtern und demütig gegen mich geworden, aber mir desto ergebener. Ach Gott, wenn sie einmal in mein gepresstes Herz sehen könnten, sie würden mich nicht mehr lieben. Liebe Anna, ich will Dir eine böse Richtung meines Charakters nicht verderben – sieh, so wie ich strenger gegen mich werde, werde ich es auch gegen andere – ich komme mir unwillkürlich und unabänderlich vor, wie ein strenger, unglücklicher Richter, der die härteste, nagenste Strafe seiner eigenen Fehler in der unerbittlichen Bestrafung ähnlicher an anderen… Weiterlesen »

An: Elise Rüdiger, aus: Abbenburg
1845 29.Juli

Ich hatte dies schon von mehreren Seiten gehört und konnte eigentlich nicht mehr daran zweifeln, aber Ihre Bestätigung war mir doch wie ein Donnerschlag. Ich will gar nicht von mir reden, Sie wissen selbst, was ich verliere und wie mir dabei zumute sein muss, also will ich Ihnen das Herz nicht noch schwerer damit machen, auch aus Luischens und Nannys Leben nehmen Sie den besten (fast den einzigen) Sonnenstrahl mit fort, und auch Rüdigers gerechter Kummer geht mir sehr zu Herzen. Ich weiß, mein Lies, Sie sind jetzt doppelt freundlich mit ihm, jetzt, wo er einer vollen Teilnahme und auch der Nachsicht mit sehr natürlichen Verstimmungen so sehr bedarf. Werner schreibt mir übrigens, dass man seine Versetzung allgemein bedaure und die… Weiterlesen »

Hintergrund: Im Oktober 1845 ziehen die Rüdigers von Münster nach Minden um. Ein Besuch der Droste bei ihrer Freundin in Minden findet nicht statt.
An: Therese von Droste, aus: BonnPlittersdorf
1831 21.Januar

Du siehst aus diesem langen Bogen, liebste, beste, alte Mama, dass ich wenigstens den Willen habe, recht viel zu schreiben. Ob ich dazu komme, das weiß Gott; obgleich ich nichts, gar nichts zu tun habe und auch nirgends hingehe. Aber ich habe mein Nichtstun so künstlich eingeteilt, dass mir keine Minute übrigbleibt und ich den ganzen Tag wie auf der Flucht bin. Du kannst meine höchst einfache und pünktliche Lebensordnung schon aus meinen früheren Briefen beurteilen. Eben in derselben Form besteht sie noch immer. Ich lebe so sehr nach der Uhr, dass ich mich ganz desorientiert fühle, sobald ich mal etwas anderes vorgenommen habe. … Plittersdorf, 7. Mein Brief ist schon fast acht Tage alt geworden. Ich bin hier, um die Mertens zu… Weiterlesen »

Hintergrund: Adele Schopenhauer beobachtet die Nähe zwischen ihrer Freundin Sibylle Mertens und der Droste mit wachsender Eifersucht. Mitte März 1831 löst sie Annette bei der Krankenpflege ab. Wenige Wochen später bittet Adele die Droste, wiederum die Pflege zu übernehmen - doch diese weigert sich zunächst, weil sie ihre Freundin Wilhelmine von Thielmann in Koblenz besuchen will. Nach einem Streit mit Adele kehrt Annette Ende April wieder ans Krankenbett der Mertens nach Plittersdorf zurück.
An: Jenny von Laßberg, aus: Rüschhaus
1840 23.September

Ich werde in Zukunft in die Briefe an Dich immer ein loses Blatt einlegen, um darauf zu schreiben, was nicht jedermann lesen soll. Denn ich weiß wohl, dass Mama sie der ganzen Welt vorlesen wird, nicht allein die an sie, sondern auch die an Dich, und dass es sie verdrießen würde, wenn Du sie ihr verweigertest. Ich sehe ja, wie es mit Deinen Briefen geht, und Du hast ganz recht, dass Du so vorsichtig schreibst; aber an mich hättest Du immer gleich ein Blatt einlegen können; und jetzt kannst Du mir schreiben was Du willst; ich zeige Deine Briefe niemandem und erzähle nur etwas daraus. … NB. verbrenne diesen Brief doch oder lege ihn gut fort; es steht so vieles darin, was nicht für Mama paßt. Sprich lieber, wenn sie da ist, gar… Weiterlesen »

Hintergrund: Therese von Droste ist Ende September nach Meersburg am Bodensee abgereist, wo ihre Tochter Jenny mit ihrem Mann Joseph von Laßberg und den beiden Zwillingstöchtern jetzt leben. Annette sollte zunächst ebenfalls dabei sein, sagt die Reise dann aber ab und gibt dafür finanzielle Gründe an.
Briefe gelten im 19. Jahrhundert nicht als Privatangelegenheit - dass daraus vorgelesen wird, auch in größerer Runde, ist durchaus üblich.
An: Philippa Pearsall, aus: Meersburg
1844 25.August

Werden Sie meiner auch immer gedenken, Philippa? Auch wenn wir auf längere Zeit getrennt würden? Ich weiß, dass ich Sie nie vergessen, Ihnen immer schreiben und, wenn Sie nur nicht gar zu weit von meinem Wege verschlagen werden (etwa nach Wien, London et cet.), Sie auch immer aufsuchen und ein paar Tagereisen nicht achten werde. Ihre Liebe ist mir ein frischer, wohltätiger Strahl in meinem abnehmenden Leben; bewahren Sie mir dieselbe so getreulich, wie ich Ihnen die meinige bewahren werde, so kann es nicht fehlen, dass ein fester Wille von beiden Seiten uns auch wieder zusammenführt. … Wie ist Ihnen alles so sehr gelungen, Handzeichnungen, Gedicht und Komposition! Ach, Sie wissen selbst noch nicht, welche Grundlage zukünftigen… Weiterlesen »

Hintergrund: Die Pearsalls - Vater Robert und Tochter Philippa - hat Annette von Droste im Februar 1844 kennengelernt. Sie leben auf Schloss Wartensee, auf der Schweizer Seite des Bodensees, nachdem sich der ursprünglich geplante Kauf des Neuen Schlosses in Meersburg zerschlagen hat. Die Pearsalls und das Ehepaar Laßberg haben sich angefreundet und besuchen sich gegenseitig mehrfach. Zwischen Annette und der 27 Jahre jüngeren Philippa entwickelt sich eine enge Beziehung, die auch auf dem gemeinsamen Interesse für Literatur gründet. So liest die Droste ihrer Freundin aus ihren Werken vor und gibt ihr einen Teil des Manuskripts von Bei uns zulande zum Lesen mit nach Wartensee.
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