Mehr über Annette von Droste-Hülshoff (hier auf einem Gemälde von Sprick)

Sie möchten Annette von Droste-Hülshoff kennenlernen? Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin, erfahren Sie mehr über ihren Alltag, ihre Arbeit, ihr Privatleben und den Briefverkehr zu ihrer Zeit. Lernen Sie ihre Wohnorte kennen, verfolgen Sie ihre Korrespondenz mit Zeitgenossen, und gehen Sie mit Annette von Droste-Hülshoff auf Reisen.

300 Briefauszüge der Dichterin sind hier verfügbar, kategorisiert und verschlagwortet. Auch alle Kommentare sind authentisch und stammen von Zeitgenossen.

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!


An: Moritz von Haxthausen, aus: Rüschhaus
1832 21.Oktober

Du hast gewiss schon diverse Male recht tüchtig auf mich geschimpft, mein Herzens-Onkelchen, d.h. innerlich raisonniert nun mal ganz sicher fortwährend, und ohne Zweifel ist auch mitunter etwas davon an den Tag gekommen – dennoch bin ich auch jetzt wieder, wie Herr Wilmsen sagt, schiere Unschuld und noch obendrein eine leidende Unschuld gewesen, d.h. leidend gewesen, verstehen mich Ew Gnaden nicht unrecht. Meine Augen, die ohnedem weder jung noch schön sind, hatten vor etwa 14 Tagen den Einfall, sich durch Nervenschwäche interessant zu machen, es ging ihnen aber wie allen alten Schachteln, die zu diesem desparaten Mittel greifen, sie gefielen womöglich noch weniger als vorher, obgleich sie blühten wie die Rosen, und immer in… Weiterlesen »

An: Elise Rüdiger, aus: Rüschhaus
1845 14.November

Lieb Lies, ich plage mich wie ein armer Hund mit meinen schlechten Stahlfedern und habe schon ein ganzes Kästchen durchprobiert, aber alle wollen entweder die Dinte nicht lassen, oder haben immer von Neuem Haare im Schnabel, als wenn ihnen ein Bart nachwüchse. Glückselig, wer mit Gänsekielen schreiben kann! ich kann’s nicht, denn ich verstehe sie nicht zu schneiden, und Mama ebensowenig. Rüschhaus, 14. November… Weiterlesen »

Hintergrund: Zum Schreiben wurden in der Regel die äußersten fünf Federn eines (Gänse-)Flügels genommen. Will man einen Kiel zuschneiden, so muss man ihn zunächst härten. Dazu wird der Kiel schräg angeschnitten und das Mark entfernt oder zurückgedrückt. Anschließend weicht man die Kiele in einem Glas Wasser solange ein, bis sie gänzlich weiß erscheinen. Den eingeweichten Kiel steckt man nun in ein Behältnis mit heißem Sand, der so heiß sein muss, dass die Kiele zwar zischen, aber nicht reißen. Man belässt sie solange darin bis sie an ihren Spitzen transparent sind. Zum Abschluss wird die auf dem Kiel befindliche Haut mit einem scharfen Messer heruntergekratzt und abgewischt. Anschließend kann der Zuschnitt erfolgen. (Quelle: Wikipedia)
An: Pauline von Droste, aus: Rüschhaus
1843 23.Januar

Stoß dich nicht an dem etwas schäbigten Aussehn des Töpfchens, die Salbe war nun einmal darin, und ich fürchtete, sie möchte eher verderben, wenn ich sie in ein anderes Gefäß strich, weil sie dieses nie so luftdicht ausfüllt wie dasjenige, worin sie gleich noch flüssig gegossen ist. Die scheinbar schmutzige Farbe derselben kömmt von den durchgepreßten Kräutern, und den ranzigen Geruch hat sie immer, da die Hauptingredienz ungesalzene Butter ist – dieses schadet aber ihrer Güte nicht, und selbst wenn Schimmel darauf kömmt (was sehr leicht geschieht), so streicht man ihn nur herunter, und das übrige ist so wirksam wie zuvor. Hier das Rezept: Man nimmt erstens unreife Wacholderbeeren, zweitens Moos, was an einem… Weiterlesen »

Hintergrund: Annette von Droste sucht seit dem Winter 1829/30 in der Homöopathie Hilfe gegen ihre vielfältigen Krankheiten. Sie ist eine der ersten, die sich von dem Homöopathen Clemens Maria Franz von Bönninghausen behandeln lässt, einem Cousin von ihr.
An: Elise Rüdiger, aus: Rüschhaus
1845 9.April

Streichen Sie, z.B. bei Erwähnung des Hegel, nur das einzige Wort „studiert“ und setzen dafür „gelesen“, – Eine Dame, die auftritt als „Hegelstudirende“, macht auf der Stelle den Eindruck von Pretention – und dies liegt weit weniger im Hegel als im Studieren … Derselbe Fall ist mit der „Emanzipation der Frauen“, ihre Mutter legt zwar dem Worte einen ganz anderen Sinn unter, aber es wäre besser sie hätte sich zur Deutlichmachung ihrer Wünsche eines anderen Ausdrucks bedient, als des einmal verhaßten, der dem Bilde der Tante Traut gleich einen unangenehm männlichen Zug gibt (besonders mit dem Hegelstudieren vereint), den ihre vortrefflichen Eigenschaften späterhin kaum verwischen. Rüschhaus, 9. April… Weiterlesen »

Hintergrund: Die Droste kritisiert hier eine Erzählung von Elise von Hohenhausen, der Mutter Elise Rüdigers: Die Gattin. Eine Alltagsgeschichte. Durch Vermittlung der Droste erschien der Text in der "Kölnischen Zeitung"; Annette stellte dem Blatt im Gegenzug eigene Gedichte zur Veröffentlichung zur Verfügung.
An: Levin Schücking, aus: Hülshoff
1842 29.Dezember

Mein Konterfei ist und bleibt Dein eigen, mein lieb Herz, nur hängt die gute Elise so sehr daran, dass sie es nicht unkopiert abgeben will, und kann doch in diesem Augenblicke keinen Maler herbeihexen. Die Wenning verändert sehr unter dem Kopieren und ist teuer dazu; es kann aber nicht fehlen, dass bald irgend ein vazierendes Genie einrückt, und dann, lieber Levin, wissen Sie selbst wohl, dass mich darnach verlangt, mich, wenigstens gemalt, mal wieder recht freundlich von Ihnen ansehn zu lassen; es ist mir ganz betrübt, wenn ich denke, Sie könnten vergessen, wie Ihr Mütterchen aussieht. Neulich traf ich bei der Rüdiger den neuen französischen Lion, M. Cherouit; das Bild wurde umher gezeigt, und Monsieur meinte, „die Züge seien… Weiterlesen »

Hintergrund: Vazierend: dienstfrei sein, Vakanzen haben.
An: Sophie von Haxthausen, aus: Rüschhaus
1834 9.Oktober

Meine Briefe sind jetzt nur lauter Zeddel, liebste Sophie, man kömmt gar nicht zu sich vor Packen, Besuchen machen und annehmen, das ist aber vielleicht gut für uns alle. Ich hatte in meinem letzten Briefe ganz den (wahrscheinlichen) Tag der Heirat zu sagen vergessen – vor dem 18. wird es nicht sein, weiter ist noch nichts gewiss, wenn die nötigen Scheine für Laßberg bis dahin ankommen, wird es wohl auf den Tag bleiben. Aber der Weg ist weit und die Papiere (Totenschein seiner Frau, seiner Eltern – scheint, dass die Proklamation richtig und keine Einsprüche geschehn) müssen von verschiedenen Orten kommen, Laßberg meint aber, bis zum 18. solle alles richtig sein. Kommt doch sobald als möglich, wir alle freuen uns so darauf, und… Weiterlesen »

Hintergrund: Mit einer Verbindung zwischen ihrer Tochter Jenny und dem verwitweten Joseph von Laßberg war Therese von Droste anfangs nicht einverstanden. Knapp drei Jahre hatte Joseph hartnäckig um Jenny geworben, als die 39jährige am 18. Oktober 1834 dem 64jährigen ihr Ja-Wort gibt.
An: Therese von Droste, aus: Rüschhaus
1828 10.September

Mit der Haushaltung geht hier übrigens alles recht gut. Ich habe noch wenig darin ausgelegt. Fleisch ist gar nicht gekauft, wir hatten noch junge Tauben, Hüerländers brachten junge Enten, und vor allem ist uns Ferdinand mit seiner Jagdbeute sehr hilfreich gewesen. Er besucht uns fast immer um den andern Tag und steht in hohem Kredit bei den Lotten. … Mit dem Bau geht es hier nicht so voran, wie ich wünschte. Selkmann ist, seit du weg bist, fast nie selbst hier gewesen, sondern hat nur die Gesellen geschickt, und mir ist es vorgekommen, als gehe seitdem alles viel langsamer. Am nächsten Samstag sind es nun schon vierzehn Tage, dass die Maurer, ohne mir das geringste vorher zu sagen, gänzlich fortgegangen sind und hinterlassen… Weiterlesen »

Hintergrund: Seit Sommer 1828 arbeitet die Droste an einem Entwurf zum zweiten Gesang des "Hospiz auf dem Großen St. Bernhard". Im Herbst gerät die Weiterabeit ins Stocken - wegen gesundheitlicher Probleme (Augenleiden), aber auch, weil sie während der Abwesenheit von Mutter und Schwester, die sich - wieder ohne Annette - bei den Verwandten in Bökendorf aufhalten, Rüschhaus eine Zeitlang alleine verwalten muss.
An: Elise Rüdiger, aus: Abbenburg
1845 17.Juni

Von hier kann ich Ihnen nichts erzählen. Es passiert eben nichts, und Sie kennen niemanden. So will ich Ihnen, faute de mieux, meine kleinen Reisebegebenheiten vorführen; die erste und unbedeutendste würde dennoch meiner armen Mama die Haare zu Berge getrieben haben. Ich habe nämlich das Malheur gehabt, im allerklatrigsten Aufzuge, altem Mantel, ohne Hut, von der Hartmannschen Familie erwischt zu werden – die Mama Hartmann, der Assessor, Tony, und eine Allwine Zurmühlen – alle mit mir auf der Schnellpost, von Münster bis fast Paderborn, zur Hochzeitsfeier Dinchens Hartmann mit Mallinkrodt. Ganz lieb war’s mir nicht, jedoch mit einiger Philosophie schon zu ertragen, aber Mama darf’s nicht wissen, sonst läßt sie mich mein Lebtage… Weiterlesen »

An: Elise Rüdiger, aus:
1840 12.Juni

… so ist mir der Sommer und Herbst, wenn auch einerseits durch das Wiedersehn meiner Nächsten erfreulich, doch in Beziehung auf meiner Freunde sehr gestört, und das ist mir ein arger Kummer, da die Verwandten uns nahe bleiben, und wohnen sie hundert Meilen weit, weil wir sie jederzeit aufsuchen können, – das findet Jeder natürlich und animiert uns dazu, dagegen bedarf es bei Freunden gleichen Geschlechts dringender Gründe und bei Denen eines andern gibt es gar keine, – so kann eine Trennung von zehn Meilen leicht eine lebenslängliche werden, und wird in der Regel eine jahrelange … Juni… Weiterlesen »

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