Mehr über Annette von Droste-Hülshoff (hier auf einem Gemälde von Sprick)

Sie möchten Annette von Droste-Hülshoff kennenlernen? Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin, erfahren Sie mehr über ihren Alltag, ihre Arbeit, ihr Privatleben und den Briefverkehr zu ihrer Zeit. Lernen Sie ihre Wohnorte kennen, verfolgen Sie ihre Korrespondenz mit Zeitgenossen, und gehen Sie mit Annette von Droste-Hülshoff auf Reisen.

300 Briefauszüge der Dichterin sind hier verfügbar, kategorisiert und verschlagwortet. Auch alle Kommentare sind authentisch und stammen von Zeitgenossen.

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!


An: Jenny von Laßberg, aus: Rüschhaus
1844 26.Dezember

… bekam gleich darauf einen triumphierenden, strahlenden Brief von Schücking, datiert vom 20. Am vorigen Abend um 7 Uhr hatte er einen jungen Sohn bekommen und ist außer sich vor Freude und Hoffart. Er findet das Kind jetzt schon wunderschön, schreibt, es gleiche Luisen, habe schwarze Löckchen mitgebracht, und sie hätte ihm gleich nach dem Bade einen Scheitel gemacht. Es sei groß, dick und fett, habe lange Hände, Füße und Ohren, werde somit in die baumlangen Galls schlagen, und er sei der einzige von allen seinen schriftstellernden Freunden, der einen Jungen habe, und noch dazu so einen Staatskerl! Was ihm gewiss schrecklich viel Neid zuziehn werde. Er verlangt auch, ich solle sogleich ein Gedicht an das Kind machen. Kurz, er… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Hülshoff
1842 29.Dezember

Von der armen Adele habe ich einen recht trüben Brief; sie ist noch in Bonn; Wolff, der ihr Übel immer am günstigsten beurteilte und in einer Kur zu heben hoffte, hat jetzt leider diese Ansicht aufgegeben und schiebt sie von sich ab, wie die übrigen, dem Karlsbade zu. Ich fürchte mit ihr, dass an Heilung nicht zu denken ist, nur an Hinhalten, vielleicht Lindern, auf längere oder kürzere Zeit; es geht mir sehr nahe. Vielleicht kömmt sie auf einige Zeit nach Rüschhaus; Mama hat sie wenigstens dringend einladen lassen, und der Umweg ist unbedeutend; ich wünsche es natürlich sehr. Sie hat mir von eigner Hand ein wunderschön gemaltes Blatt geschickt, Randgemälde: ein Blumenkranz mit den zierlichsten Insekten durchsprenkelt,… Weiterlesen »

Hintergrund: Adele Schopenhauer ist an Unterleibskrebs erkrankt. Sie sucht über viele Jahre hinweg immer wieder Linderung bei Kuren in Karlsbad.
An: Christoph B. Schlüter, aus: Abbenburg
1839 24.August

Ich lebe hier wie in Rüschhaus und habe sogar auch mein altes schwarzes Kanapee, auf dem ich sitze oder liege (man kann es nennen wie man will) und schreibe, meine alten Lateiner, in denen ich vor dem Aufstehn lese, und mein Frühstück auf der Stube, wie ich es gewohnt bin. … Wären Sie hier oder schrieben fleißig, oder hörte ich auch nur oft von Ihnen wie in Rüschhaus, so würde ich dieses Mal weniger vom Heimweh leiden als gewöhnlich, aber wie es jetzt ist, bin ich doch sehr froh, ein paar Monate hinter mir zu haben. … Nächstens gibt es aber einen Feiertag im Kalender, Malchen Hassenpflug kömmt – wann weiß ich nicht genau, doch darf ich schon in den nächsten Tagen anfangen sie zu erwarten, das ist doch wohl ein Fest! -… Weiterlesen »

Hintergrund: Seit 10 Juli 1839 halten sich die Droste und ihre Mutter bei den mütterlichen Verwandten in Abbenburg auf. Sie kommt in dieser Zeit aus gesundheitlichen Gründen wenig zum Schreiben, arbeitet aber u.a. an der Kriminalgeschichte, die auf einer wahren Begebenheit beruht und später unter dem Titel "Die Judenbuche" publiziert wird und in deren Mittelpunkt die Figur Friedrich Mergel steht.
An: Jenny von Laßberg, aus: Rüschhaus
1844 20.September

Unsere Reise ist sehr gut und schnell vonstatten gegangen, obwohl sie etwas fatal anfing. Von Mamas Medizingläschen hatte sich nämlich der Pfropfen losgerüttelt, und wir merkten erst an dem Gestank von Assa foetida, dass es zum Teil in Mamas Körbchen und noch mehr in Settchens Mantel ausgelaufen war. Das Fläschelchen wurde zum Wagen hinausgeworfen, das Körbchen war weit von unseren Nasen untergebracht, dennoch wurde Settchen nach einiger Zeit ganz übel, und sie musste sich mehrere Stunden lang von Zeit zu Zeit zum Wagen hinaus übergeben, bis sie den Mantel abnahm, unter ihr Sitzpolster legte und sich in meinem roten Pelzmantel auf den Bock setzte, wo ihr dann bald besser wurde, und es ist dies das einzige uns auf der Reise… Weiterlesen »

Hintergrund: Rund eine halbe Million Gläubige waren 1844 nach Trier gepilgert, wo das angebliche Kreuzigungsgewand Christi im Dom ausgestellt war; unter ihnen war auch die junge Gräfin Johanna von Droste-Vischering. Die 19-Jährige, eine Großnichte des Erzbischofs Clemens August von Köln, war seit einigen Jahren durch eine Erkrankung lahm. In Trier berührte sie den Saum des heiligen Rockes - und war, so erzählte man sich, fortan geheilt.
An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
1842 10.Oktober

Sie haben doch wohl bei Beendigung des Halbjahrs nicht versäumt, sich bündig fest zu stellen? Ich bitte, antworten Sie mir hierauf, denn ich bin in großer Unruhe deshalb; ohne dieses könnten Sie um alles kommen, und selbst ein schriftlicher Kontrakt kann unter Umständen trügen, wie ich Ihnen früher ein Beispiel vom alten Steinmann angeführt. Sind Sie aber noch nicht gebunden und fürchten Veränderungen, die Ihre ohnedies delikate Lage bis zum Bedenklichen, ich wage es zu sagen: bis zum fast Unehrenhaften steigern könnten, so bitte ich Sie, um alle der treuen Sorge und Liebe willen, die ich Ihnen immer bewiesen, sprechen Sie es ehrlich gegen mich aus, und ich will dann mein möglichstes tun, Ihnen durch August, der ja jetzt alle… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Abbenburg
1843 24.Juni

Sie sind also Bräutigam, und zwar einer höchst wahrscheinlich sehr guten und ganz gewiss höchst liebenswürdigen Braut, die nach Ihrer Beschreibung wirklich grade das zu besitzen scheint, was zu Ihrem innern Glück und äußeren Wohle nottut, und wonach mein Auge lange ängstlich für Sie umher gesucht hat. Nun, Gott segne Sie und gebe Ihnen alles Glück, was Ihr Herz so reichlich verdient! Wenn meine Wünsche für Sie nur erfüllt werden, dann will ich auch nicht zanken, dass Sie meinen warmen, angstvollen Rat, wie gewöhnlich, mit aller Hochachtung beiseite geschoben und dem Schicksal den Handschuh gradezu ins Gesicht geworfen haben. Jetzt bittet Dein Mütterchen Dich aber noch einmal, und es ist die letzte Bitte, von deren… Weiterlesen »

An: Therese von Droste, aus: Köln
1825 18.Oktober

So bin ich gestern recht im Papstmonat hier angekommen, da das neue Dampfschiff „Friedrich Wilhelm“, das größte und schönste Schiff, wie man sagt, was noch den Rhein befahren hat, vom Stapel gelassen, probiert und getauft wurde. Das erste sah ich nicht, denn es war schon auf dem Wasser, als wir uns durch die Volksmenge gearbeitet hatten; dann aber sahen wir es ganz nah – wir standen auf der Schiffsbrücke – mehrere Male eine Strecke des Rheins herauf und herunter mit türkischer Musik und beständigem Kanonenfeuer durch die Schiffsbrücke segeln mit einer Schnelligkeit, die einen schwindeln machte. Endlich legte es an der Schiffsbrücke an, und das sämtliche diplomatische Corps, was die Probe mitgemacht hatte, begab sich ans… Weiterlesen »

Hintergrund: Annette Aufenthalt bei ihrem Stiefonkel Werner von Haxthausen, der als preußischer Regierungsrat in Köln lebt, und dessen Frau Betty hat auch gesundheitliche Gründe: Das Klima am Rhein würde ihr Befinden bessern, glauben die Ärzte. In Köln und Umgebung bewegt sich Annette erstmals frei von familiären Zwängen und macht viele Bekanntschaften, darunter auch die von Sibylle Mertens-Schaaffhausen.
An: Anna von Haxthausen, aus: Hülshoff
1821 7.Oktober

O Gott, ich kann nicht bergen Wie angst mir vor den Schergen Die du vielleicht gesandt In Krankheit oder Grämen Die Sinne mir zu nehmen Zu töten den Verstand. Es ist mir oft zu Sinnen Als wolle schon beginnen Dein schweres Strafgericht Als dämmre eine Wolke Doch unbewusst dem Volke Um meines Geistes Licht. Aus: „Am Gründonnerstage“ Teil des Gedichtzyklus „Das Geistliche Jahr“ Ich schreibe jetzt zuweilen an der Ledwina, die gut werden wird, aber so düster, dass mich zuweilen das Abschreiben daran jedesmal sehr angreift; starkes Arbeiten ist mir überhaupt sonst sehr erleichternd. Nach der Stimmung der geistlichen Lieder darfst Du meine jetzige nicht beurteilen, die gottlob viel anders und heller ist; vorzüglich… Weiterlesen »

Hintergrund: Die Erzählung "Ledwina" ist Fragment geblieben.
An: Elise Rüdiger, aus: Meersburg
1847 7.August

Sie sehn, Lies, wie schlecht es mit meinem Schreiben geht, 2-3 Zeilen im Tage, aber heute muss etwas gewagt und geleistet werden, denn unser Heinrich, von München abgehend und über Meersburg reisend, um Mama auf ihrer Heimreise zu begleiten, ist schon vor drei Tagen angekommen, und wieder nach drei Tagen (am 10.) steht mir die harte Stunde der Trennung bevor. Von meiner Mitreise kann keine Rede sein; habe ich wirklich noch Jahre zu leben, so müssen wenigstens die nächsten und gefährlichsten in diesem Klima durchvegetiert werden. So sagen wenigstens die Ärzte und andere auch, selbst Mama. Es ist sehr hart, von einer 74jährigen Mutter zu scheiden, vor allem, wenn man selbst krank ist. Das Wiedersehn ist eine Durchfahrt… Weiterlesen »

Hintergrund: Neffe Heinrich, der älteste Sohn von Annettes Bruder, studiert in München. Er holt seine Großmutter, Annettes Mutter Therese, im Sommer in Meersburg ab, die beiden verlassen den Bodensee am 10. August 1847 Richtung Westfalen.
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