Mehr über Annette von Droste-Hülshoff (hier auf einem Gemälde von Sprick)

Sie möchten Annette von Droste-Hülshoff kennenlernen? Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin, erfahren Sie mehr über ihren Alltag, ihre Arbeit, ihr Privatleben und den Briefverkehr zu ihrer Zeit. Lernen Sie ihre Wohnorte kennen, verfolgen Sie ihre Korrespondenz mit Zeitgenossen, und gehen Sie mit Annette von Droste-Hülshoff auf Reisen.

300 Briefauszüge der Dichterin sind hier verfügbar, kategorisiert und verschlagwortet. Auch alle Kommentare sind authentisch und stammen von Zeitgenossen.

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!


An: Therese von Droste, aus: Köln
1825 18.Oktober

Wenn ich noch etwas von meinen niedlichen Sachen in dem Koffer (mit den bestellten Kleidern) mitbekommen könnte, um meine Zimmer auszuzieren, z. B. das Kästchen von der Thielemann oder eins von meinen schönen Eau-de Cologne-Gläsern, das wäre recht hübsch, doch wenn es nicht ganz gut geht, so ist es ganz einerlei. Aber vor allem muss ich etwas Noten haben (die zwei neuesten Sachen, nämlich die von Caraffa, die Variationen von Rhode verlange ich nicht, denn ich weiß sie auswendig und bin sonst vielleicht gezwungen, sie an jemand, den ich nicht kenne, auszuleihen) und sonst noch etwas, was ich noch nicht recht einstudiert habe, auch das Generalbassbuch von Onkel Max – und doch ja die Ledwina, woran ich in diesem Winter ein gutes… Weiterlesen »

Hintergrund: Annette Aufenthalt bei ihrem Stiefonkel Werner von Haxthausen, der als preußischer Regierungsrat in Köln lebt, und dessen Frau Betty hat auch gesundheitliche Gründe: Das Klima am Rhein würde ihr Befinden bessern, glauben die Ärzte. In Köln und Umgebung bewegt sich Annette erstmals frei von familiären Zwängen und macht viele Bekanntschaften, darunter auch die von Sibylle Mertens-Schaaffhausen.
An: Elise Rüdiger, aus: Abbenburg
1845 17.Juni

Von hier kann ich Ihnen nichts erzählen. Es passiert eben nichts, und Sie kennen niemanden. So will ich Ihnen, faute de mieux, meine kleinen Reisebegebenheiten vorführen; die erste und unbedeutendste würde dennoch meiner armen Mama die Haare zu Berge getrieben haben. Ich habe nämlich das Malheur gehabt, im allerklatrigsten Aufzuge, altem Mantel, ohne Hut, von der Hartmannschen Familie erwischt zu werden – die Mama Hartmann, der Assessor, Tony, und eine Allwine Zurmühlen – alle mit mir auf der Schnellpost, von Münster bis fast Paderborn, zur Hochzeitsfeier Dinchens Hartmann mit Mallinkrodt. Ganz lieb war’s mir nicht, jedoch mit einiger Philosophie schon zu ertragen, aber Mama darf’s nicht wissen, sonst läßt sie mich mein Lebtage… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Meersburg
1842 25.Mai

Der Buchhändlerbrief ist nämlich angekommen und war wirklich ein solcher, von der Kompanie Velhagen & Klasing, und bereits vom 5ten April datiert. Da er kurz ist, schreibe ich ihn ab, damit Du den Grad ihres guten Willens, in literarischer und pekuniärer Hinsicht, selbst abmessen kannst. Ew. Hochwohlg. vor einigen Jahren erschienene Gedichtsammlung erregte schon damals unsre höchste Aufmerksamkeit, und zwar nicht bloß als Produkt eines vaterländischen, sondern überhaupt sehr bedeutenden dichterischen Talentes; die Absicht, welche beim Lesen des Bändchens in uns aufstieg, der Verfasserin die Gefühle der Freude und des Danks für so viel Genuß auszusprechen, kam im Drange der Geschäfte nicht zur Ausführung, wurde aber jetzt… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
1845 5.März

Hier ist alles wohl, nur ich habe viel Trübsal gehabt: schon vom Dampfboot einen Husten mitgebracht, meine liebe alte Amme sehr kümmerlich gefunden; nach einigen Wochen brach die Brustwassersucht völlig bei ihr aus, und seitdem habe ich ein Leben gehabt, wie ich es keinem Türken gönnen möchte, Tag und Nacht das Jammern gehört, und das Elend vor Augen. Mama wollte mich umquartieren, aber die Köchin, die neben der Alten schlief, hatte einen gar zu festen Schlaf und konnte es auch der Alten nicht recht machen; so setzte ich es durch, unten zu bleiben. Es ist überstanden, aber es war eine harte Zeit, vom Ende Oktobers bis zum 23sten Februar, wo wir meine gute Alte begraben haben. Mama brachte mich gleich nach Hülshoff, denn ich war… Weiterlesen »

Hintergrund: Maria Catharina Plettendorf, die Amme der Droste, stirbt am 21. Februar 1845 im Rüschhaus.
An: Jenny von Laßberg, aus: Bonn
1831 20.März

Ich habe an Mama und Werner geschrieben, und so sollst Du, alter lieber Hans, auch nicht so ganz leer ausgehn. Wenn mir auch nur noch Zeit für ein paar Zeilen bleibt; manches, was eigentlich für Dich gehört, z. B. über Blumen, die ich gern für die Mertens hätte, steht schon in dem langen Briefe an Mama … Übrigens habe ich hier schöne Sachen geschenkt bekommen; habe deshalb auch manches zurückschenken müssen, was meinem Geldbeutel nicht besonders gut bekommen ist. Es geht hier wie in Münster, alle Leute schenken mir etwas. Vorgestern hat mir ein geistlicher Herr eine Vase von Amethyst geschenkt – ist das nicht schön? Aber es ist kein klarer Amethyst, und die Vase ist überhaupt nicht schön von Form, es ist aber doch… Weiterlesen »

An: Elise Rüdiger, aus: Rüschhaus
1842 20.November

Wie haben mich die Zeichen Ihrer Liebe gerührt, mein gutes treues Herz. Wahrlich, wenn die Liebe nicht existierte, Sie würden sie erfinden. Dank, Dank für den Frühling, den Sie mir in meine Wintereinsamkeit schicken. Ich meine nicht nur die Blumen, auch Ihre Worte sind immer wie ein Mairegen, der mein schroffes Gemüt erweicht und tausend Keime weckt. Ich wollte, wir wohnten zusammen, mein Elischen, dass Sie mich täglich mit Ihrer Milde und Begeisterung ein wenig anspritzten, es würden gute Gedichte danach wachsen und wohl noch Besseres als Gedichte. … Hierbei fällt mir Adele wieder ein, die so herzlich ihres Besuches in Münster und aller, die sie dort gesehn, gedenkt. Ihnen einen besonderes Gruß, der Bornstedt ganz… Weiterlesen »

Hintergrund: Adele Schopenhauer hält sich zwischen 19. Mai und Anfang Juni 1840 im Rüschhaus auf. Während dieses Besuchs entsteht eine Zeichnung, die die Droste in ihrem Zimmer, dem "Schneckenhäuschen", auf ihrem Kanapee sitzend zeigt.
An: Elise Rüdiger, aus: Rüschhaus
1841 12.Juli

Sie sind mir sehr lieb, Elise, viel lieber, als Sie es wissen, und auch lieber, als ich Ihnen. Ich sage das nicht, um einen zärtlichen Widerspruch aus Ihnen herauszulocken, sondern damit Sie einen Maßstab haben, nach dem sie meine Neigung beurteilen können. Ich bin mir gewiss, dass Ihre Gedanken nicht so oft bei mir sind, als die meinigen bei Ihnen, und dass Sie mein Wohlsein nicht in dem Grade am Herzen tragen. Das soll kein Vorwurf sein, sondern ein unumwundenes Aussprechen meiner Gefühle für Sie. Fragen Sie L, der weiß wohl, wie wert Sie mir sind und wie lebhaft ich wünsche, fortwährend um sie sein zu können. Die Umstände gestatten dies nicht, um so erfreulicher sind mir Ihre Besuche, vor allem wenn ich denken kann, dass sie… Weiterlesen »

Hintergrund: Zwischen November 1839 und September 1841 treffen sich Levin Schücking und Annette von Droste regelmäßig. Der junge Mann wandert etwa einmal wöchentlich (nach seiner Erinnerung nicht mittwochs, sondern dienstags) von Münster zum Rüschhaus, unternimmt mit der Droste Spaziergänge, spricht mit ihr u.a. über Literatur, tauscht Bücher mit ihr aus. In gewissen Münsterschen Kreisen kommen die beiden dadurch offenbar ins Gerede. Schücking ist nicht ganz unschuldig daran, gilt er doch als Frauenheld - er hat während seiner Zeit in Münster eine Affäre mit der verheirateten Elise Rüdiger, und auch über ein angebliches Verhältnis mit Luise von Bornstedt wird heftig getratscht.
An: Christoph B. Schlüter, aus: Rüschhaus
1835 4.Juni

Ihr Brief, mein sehr lieber oder vielmehr mein liebster Freund, ist entweder in nicht angemerkten Zwischenräumen geschrieben, oder er hat, des täglichen Botenverkehrs nicht achtend, auf dem Wege von Ihrem Schreibtische in den meinigen sich noch einige gute und lustige Tage machen wollen, gleich einem streng gehaltenen Schüler, der auch mitunter einen Reisetag aus eigner Machtvollkommenheit zusetzt, wenn ihn die Zuchtrute des Vaters auf den Postwagen geleitet und drüben der Bakel des Magisters winkt. Kurz, in dürrer Prosa, ich habe Ihr vom Sonntage datiertes Schreiben erst heute, am Donnerstage, und zwar soeben, erhalten. Ach, mein Freund, wie traurig ist’s, wenn man sein Pfund vergraben muss! Wie schreiblustig bin ich heut! Welch… Weiterlesen »

Hintergrund: Der Besuch klappt am Ende doch noch: Christoph Bernhard und Therese Schlüter kommen am 8. Juni 1835 ins Rüschhaus. Bei dieser Gelegenheit präsentiert die Dichterin ihnen einige Werke.
An: Elise Rüdiger, aus: Rüschhaus
1846 30.Januar

Schückingen muss ich auch jetzt schreiben, ich bin ihm auf zwei Briefe Antwort schuldig. Der letzte hat mich auch nicht eben gefreut, so freundlich er war, fürs erste schickt er mir seine Gedichte, worin er als entschiedener Demagog auftritt. Völkerfreiheit! Preßfreiheit! Alle die bis zum Ekel gehörten Themas der neueren Schreier. Vorn eine Abteilung „Liebesgedichte“, eingeleitet durch eins an seine Luise, worin er ihr als der echten königlichen Isolde, vor deren Schein alles verbleicht, diesen Abschnitt gleichsam widmet, und dann pele, mele, was er je an Damen geschrieben. Jedes Gedicht bringt ein paar Groschen mehr. Ich suchte aus Neugierde nach einem an die Bornstedt, konnte es aber nicht erraten. Dagegen sind einige mir… Weiterlesen »

Hintergrund: par contrecoup: indirekt
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