1845 6.Dezember

Diesmal nur einige Zeilen in fliegender Eil, denn Dein Geld, was soeben angekommen ist, muss sogleich wieder fort, um in Tresorscheine umgesetzt zu werden und dann das ganze Paket gleich in Münster zur Post, weil Euer einfältiger Bürgermeister auf beiden Scheinen den Stempel (oder Siegel) vergessen hat, so dass sie bei der Kasse in dieser Gestalt gar nicht können als gültig angesehn und den Quittungen beigelegt werden. Nur aus besonderer Gefälligkeit hat man das Geld darauf ausgezahlt, dringt aber nun auf augenblickliche Besserung des Fehlers. Schick also die beiden Papiere möglichst bald zurück! …

Daß ich soviel Glück mit meinem Rebberg habe, ist prächtig, und die Akquisition des Gartens gefällt mir ebenfalls sehr; ich fange jetzt an, eine ordentliche und potente Grundbesitzerin zu werden! Es ist mir nur ärgerlich, dass Werner mir die kleine Donation noch immer nicht in Ordnung gebracht hat, er hat so viel anderes zu tun, immer den Kopf so voll Geschäfte und ist dadurch oft so vergesslich und zerstreut, dass man ihm die Nase aus dem Gesichte stehlen könnte, ohne dass er es merkt. Sobald ich aber wieder in Hülshoff bin, soll er mir das Ding fertigmachen, solange ich da bin, sonst kömmt er nicht dazu. Geld bringe ich im Frühjahr mit, soviel ich zusammenkratzen kann, um womöglich die Gartenschuld zu tilgen. Schreib mir nur, wieviel Du zugelegt hast. …

(Am oberen Rand der ersten Seite:)
Hast Du auch meinem Rebmann im Herbste eine kleine Zulage gegeben? Er hat es wohl verdient; denn seinem Fleiße habe ich doch gewiss zumeist den guten Ertrag zu verdanken.

Rüschhaus, 6. Dezember 1845

Mehr zum Adressaten: Jenny von Laßberg
Hintergrund: Den beiden Scheinen (Schecks?), mittels derer Jenny ihrer Schwester den Erlös aus dem Verkauf ihres Weines schickt, fehlt der vorgeschriebene Stempel des Bürgermeisters von Meersburg. Ein Tresorschein ist eine Banknote.