Sibylle Mertens-Schaafhausen auf dem Bild eines unbekannten Urhebers; Quelle: Wikipdia

Sibylle Mertens-Schaafhausen auf dem Bild eines unbekannten Urhebers; Quelle: Wikipdia

Während eines Aufenthaltes bei Verwandten am Rhein 1825/26 lernte Annette von Droste die gleichaltrige Sibylle Mertens-Schaaffhausen (1797–1857) kennen. Mertens wird als urwüchsige, humorvolle und gebildete Frau beschrieben, die ein starkes Interesse für Altertumskunde sowie eine ausgeprägte Sammelleidenschaft (Antikes, Bilder, Kleinkunst) hatte. Die Freundinnen hatten ähnliche Interessen und führten ausgiebige Gespräche über Literatur und Philosophie.

Von Freunden und Bewunderern wurde Sibylle Mertens-Schaaffhausen die „Rheingräfin“ genannt. Über die Bankiersgattin (die Ehe bestand bald nur noch auf dem Papier; Sibylle Mertens liebte Frauen und hatte eine langjährige Beziehung mit Adele Schopenhauer) knüpfte Annette von Droste Kontakte vor allem zu Bonner Professoren, darunter der Literaturhistoriker und Dichter August Wilhelm Schlegel, der Philosoph Ennemoser, der Naturforscher Eduard d’Alton und der katholische Theologe Georg Hermes. In diesem Kreis stellte die Dichterin einige ihrer Werke vor, die allgemeine Zustimmung fanden.

Ein weiterer Aufenthalt in Bonn 1830 brachte sie in eine vereinnahmende Situation, da Sibylle Mertens, inzwischen schwer erkrankt, eine Pflegerin benötigte. Die Dichterin kümmerte sich wochenlang um die kranke Freundin, versorgte deren Kinder und den Haushalt. Sie tat dies sowohl aus Zuneigung als auch aus Pflichtgefühl – als unverheiratete Tante wurde die Droste auch von der eigenen Familie wie selbstverständlich in Anspruch genommen, wenn es galt, einen kranken Angehörigen zu betreuen. In dem Gedicht „Nach fünfzehn Jahren“ gedachte sie dieser schwierigen Zeit:

Wie hab‘ ich doch so manche Sommernacht,
Du düstrer Saal, in deinem Raum verwacht!
Und du, Balkon, auf dich bin ich getreten,
Um leise für ein teures Haupt zu beten […]
Mein Haupt so müde dass es schwamm wie trunken,
So matt mein Knie dass es zum Grund gesunken!

In der letzten Strophe betrauert die Dichterin die inzwischen abgekühlte Freundschaft zwischen zwei alt gewordenen Frauen:

Sie schaun sich an, du nennst es vielleicht kalt,
Zwei starre Stämme, aber sonder Wank
Und sonder Tränenquell, denn sie sind krank,
Ach, beide krank und alt!

Als Sibylle Mertens eine Abschrift der zum Druck bestimmten Gedichte der Droste samt beigelegten Kritiken Adele Schopenhauers und Eduard d’Altons unauffindbar verlegt hatte, zeigte sich die Dichterin sehr verstimmt. Als sie sich 1837 in Bonn wiedersahen, war die alte Freundschaft merklich abgekühlt. Nach ihrem letzten Zusammentreffen 1843 in Rüschhaus, bei dem die Freundschaft nicht in alter Form erneuert werden konnte, zog Sibylle Mertens nach Italien.

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