Guten Morgen, meine Sehnsucht, mia donna — ich wollt’, wir trieben Spanisch zusammen; ich kann gar nicht mehr auf das Wort kommen, das „Sehnsucht” heißt und womit spanische Dichter ihre Geliebte anreden, eine Verkörperung, die mir außerordentlich gefällt. Ich muss jetzt nur schnell zur Feder greifen, um nicht die tausenderlei Dinge zu vergessen, die ich Dir sagen muss.
Zuerst, um auf gestern besprochenes, Deine Novelle, zurück zu kommen, so hätte ich auch kürzer mich fassend sagen können, ich möchte, dass Deine Arbeiten das Talent, welches Du hast, durch mehr als gewöhnliches Auftreten verrieten und jedem den Mund stopften, der etwa behauptete, es sind Produkte großer Bildung, nicht des echten Talents. Ich befürchte doch, dass die Hahn Dir zu gut gefällt. Hast Du viel von Balzac gelesen? Er kann in seinen Anfängen fürchterlich langweilig sein: aber für junge Novellisten ist er ein prächtiges Studium (…)
Ich will Dir sagen, wie man sich das leicht machen kann: man muss nie so große Geschichten in einem Atem erzählen: immer Kapitel machen und so lange man sich selbst noch nicht ganz beherrscht und nicht vollendeter Meister des Stoffes ist, kleine Kapitel. (…)
Über Heines Witz habe ich lachen müssen; weißt Du, nicht über den Witz, denn er ist wohlfeil — aber über den unverbesserlichen Heine, diesen Halunken der Literatur, der ein so komischer Kerl ist — deshalb eine einzig dastehende Erscheinung, weil er Verachtung und Lachen zugleich erweckt — denn lachen muss ich immer über seine Witze, obwohl ich ihn für einen Schuft halte, der zu allem fähig ist. Sein Angriff kann Freiligrath nicht schaden. Wie Dr. Faust seine Seele dem Teufel, hat Heine seine Gesinnung, Ehrlichkeit und alles Bessere im Menschen seinem Stil verkauft.
8. März 1843
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