Meine Sehnsucht und meine Hoffnung, das ist einmal prächtig von Dir! Schon heute eine Antwort, und meine kühnsten Hoffnungen hatten erst auf den nächsten Donnerstag gerechnet. Schon heute — und so recht zu rechter Zeit kommt Dein Brief, um auch einen unausstehlich trüben und melancholischen Tag mit dem rosigsten Schlüsse enden zu sehen, mit einem Regenbogen nach Gewitterwolken.

Luise, Du bist meine Lebensfreude, und eigentlich sollte ich mir harte Vorwürfe machen, tu es auch wirklich, dass ich so unbesonnen und leichtsinnig gewesen, Dir in meinem letzten Briefe Dinge vorzuplaudern, die, so unwichtig wie sie auch waren, doch wie ich voraussehen musste (hätte ich nur besser nachgedacht), Dir zum Lohn für Deine Liebe Ärger machen mussten. Gnade, meine Königin! — Aber ich selbst war eigentlich zu böse auf den Freiligrath, dass ich’s Dir nicht hätte mitteilen müssen, und das hast Du doch auch aus meinem Briefe gesehen, mein süßes, teures Herz, dass ich böse war und, gelt, Du glaubst nicht, dass sie Dich bei mir verleumden können — mein Gott, das war ja eine schöne umgekehrte Welt — Dich bei mir! Nein, mich bei Dir, das hätte mehr Sinn, aber Herz, siehe, ich bin so fest in meinem glückbringenden, Glauben an Deine Liebe, dass ich mir das auch nicht möglich mehr denke. Wer könnte einem von uns etwas erzählen, der mehr und Besseres von uns wüsste, als wir selber von uns wissen?

Luise, wenn ich an Dich denke, wird mir ganz glücklich zu Mute, so glücklich, dass ich’s Dir nicht sagen kann. Du bist so gut, so edel, so schön, so geistreich, Luise, dass Du eigentlich einen größeren Dichter (ich bin nur ein nicht recht entwickelter, es steckt schon in mir, aber in diesem Leben kommt es nicht mehr ganz heraus) und reicheren Genius, eine höher stehende Gestalt, die Dir zugleich für das Leben eine Deiner mehr würdige glänzendere Stellung gebe, als ich kann—dass Du einen Byron, einen Tasso verdientest; denn eine Dichterfrau musst Du werden, weil nur einer der auf den Höhen des Lebens steht, Deiner wert ist, und da stehen nur die Dichter, nicht mehr die Fürsten unserer Zeit. Aber ich zweifle, ob Du bei irgend einem anderen so vollständig die Befriedigung haben würdest, den schönsten Beruf des “Weibes auszufüllen, nämlich mit dem Leben auszusöhnen, wie Du bei mir jetzt schon tust.

Eigentlich sollte ich schon jetzt gar jener Verwöhnung nicht mehr bedürfen — habe ich nicht Dich und etwas Ruhm (einen winzigen freilich), und was kann man mehr vom Leben verlangen, als eine Liebe wie die Deine und Ruhm? But there ’s the rub: von meinem Ruhm, der daheim auf der roten Erde des guten Westfalens wuchert, merke ich hier nicht mehr, als wenn ich bei den Botokuden wäre und von Dir habe ich nichts, als die unendliche Sehnsucht, Dich an meine Brust zu drücken, und Deinen Kopf auf meine Schulter, und meine Lippen auf Deine dunklen Locken.

6. März 1843


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