Ich habe einen Schritt getan, von dem ich hoffe, dass er Dir recht ist. Vor einigen Tagen habe ich an den General von Myrbach in Wien geschrieben — von Dir, aber nur als einem ungesehenen Freund. Er ist Chef mehrerer Bureaus und hat einen bedeutenden Einfluss bei den Erzherzogen. Ich weiß mehrere Personen, denen er sehr passende Stellungen verschafft.
Der Zufall könnte es fügen, dass er etwas für Dich tun könnte. Er tut es gern, denn er hebt mich wie ein Vater und hat mich gebeten, seine Familie als die meine zu betrachten.
Ich habe ihm gesagt, dass Du von diesem meinen Schritt nichts wüsstest und ihm Deine Kenntnisse u. s. w. gerühmt, es kann aber sein, dass er keine passende Stelle für Dich offen findet, but then there is no harm; ich baue nicht darauf, aber der glückliche Zufall könnte es doch fügen. Was Myrbach tun kann, tut er. Ich habe dabei nicht an mich, sondern nur an Dich gedacht, denn in Wien oder Mailand bliebst Du nicht treu.
Dass Freiligrath schreibt, es würde nur einen Federstrich kosten, mich nach St. Goar zu zitieren, ärgert mich. Das ist echt männlicher, unausstehlicher Hochmut. Vielleicht ärgert es mich doppelt, weil er, was die Macht gewisser Federzüge über mich betrifft, Recht hat aber nicht um mich nach St. Goar zu rufen, und er darf das nie finden! Es ist ein sonderbarer Kampf, Levin, in dem Herzen einer Frau, zwischen Stolz und Liebe! Ist man verheiratet, so mag das vielleicht anders sein, aber so lange wir noch wir selbst sind, können wir uns wohl vor dem Gegenstand unserer Liebe bis zur Erde neigen, auch die stolzeste, aber niemand anders darf das sehen und wenn ein Fremder (in der Liebe ist jeder Dritte fremd) sich heraus nimmt, um unser Vasallentum zu wissen, so möchten wir verzweifeln.
Faschingsdienstag 1843
Abgesendet am Aschermittwoch.
Als ich fertig war, und schon versiegelt hatte, wollte ich das Siegel bei Licht besehen und verbrannte das Couvert — der Brief ist auch etwas vom Feuer ergriffen worden — ich schicke ihn Dir aber doch, pardon.
Thematisch verwandte Briefe:
- keine


