Briefe zum Schlagwort Aschendorffsche-Buchhandlung



aus: 1842, Briefe an Sibylle Mertens, Rüschhaus

Geschrieben hast Du nun zwar nicht, jedoch denke ich mir Dich wieder zu Hause und in einer Stimmung, wo das Andenken Deiner Freunde anfängt in Dir wieder aufzuleben; Du hast jetzt allerdings eine schwere Stellung, die alle Deine Zeit und Kräfte in Anspruch nimmt, aber doch mindestens eine unbehinderte, was weniger für Dich als für diejenigen, denen jetzt alle Deine Pflichten gehören, so viel wert ist, dass man kaum wagen darf über das Schicksal zu murren, auf welchem ergreifenden und traurigen Wege es dieses auch herbeigeführt hat. Dennoch traust Du mir wohl zu, dass mein erstes Gefühl aufrichtiger Kummer um einen Mann war, den ich so voll Lebenshoffnung verlassen hatte, und der sich mir immer geneigt und nach seiner Weise freundlich gezeigt hat, mein zweites aber war der erleichternde Gedanke, welche Leiden auf ihn gewartet hätten, wenn sein Übel den gewöhnlichen langsamen Gang verfolgte. Für den Brustwassersüchtigen gibt’s nur noch eine Hoffnung, die, welche an Mertens erfüllt worden ist. Liebes Herz, du hältst mich wohl für gefühllos, aber ich habe am selben Übel Leidende auf eine andre Weise sterben gesehn und kann mich seitdem nur erleichtert fühlen, wenn jemand, dem ich wohl will, diesem entgeht.

Ich selbst bin mich leider einer ähnlichen, wohl nicht mehr zu unterdrückenden Anlage bewußt, und nur die Hoffnung, dass meine Vollblütigkeit mich vor der völligen Ausbildung ebenfalls einem raschen schmerzlosen Ende zuführen wird, erhält mich bei dieser Aussicht einigermaßen aufrecht. …

Ich denke mir, Du wirst jetzt das ganze Geschäft wohl Rudolphen übergeben und Gustaven zurückkommen lassen. Schreib mir doch ausführlich über alles! Du weißt, wie es mir am Herzen liegt, Dich möglichst ruhig und kummerlos zu wissen. Ich habe es lange verlernt schöne Worte zu machen, aber ich denke sehr viel an Dich und folge dem Gange Deines Schicksals mit Sorge und Liebe. Wirst Du nach wie vor sommers in Plittersdorf, winters in Bonn bleiben? Wie macht sich die Teilung des Vermögens, da ihr Gütergemeinschaft hattet? Kömmt nicht Adele jetzt vielleicht auf einige Zeit zu Dir, da dem, wenigstens von einer Seite, nichts mehr im Wege steht und Wolf ja ihr ganzes Zutrauen hat? Ich bin nicht ruhig, bis ich, wenn auch nur durch einige Zeilen, erfahren habe, wie Dir jetzt ist und wie Deine Zukunft sich gestaltet. …

Ich selbst befinde mich leidlich wohl, anfangs wollte mir das hiesige Klima gar nicht mehr zusagen, und ich bin einige Wochen lang recht herunter gewesen, jetzt macht es sich, und ich nehme mit geringem vorlieb, da ich an wirkliche Gesundheit seit zwanzig Jahren nicht mehr gewöhnt bin. Ich lebe nach der alten Weise still vor mich hin, gehe täglich auf ärztlichen Befehl einige Stunden spazieren, amüsiere mich mit meinen Sammlungen, bekomme nun und dann durch meine münsterischen Freunde etwas neue Literatur zu Augen und schreibe mitunter ein paar Zeilen, entweder zu Verstärkung eines Bands Gedichte, der übrigens schon ziemlich dickleibig ist, oder eines prosaischen Werks, wo allerdings noch die größere Strecke vor mir liegt. Wegen der Wahl eines Verlegers bin ich noch sehr schwankend und möchte, dass jemand mit einem entscheidenden Rate durchgriff. Cotta, bei dem Schücking, wenn nicht ohne mein Vorwissen, doch gegen meinen Wunsch, angefragt hat, hat sich nicht abgeneigt bezeigt, und sein Verlag wäre freilich der glänzendste und zur Verbreitung geeigneteste, doch möchte ich lieber einen Verleger vorziehn, der sich mir selbst angeboten hat, und deren sind drei. Zuerst mein alter Verleger, die Aschendorffsche Buchhandlung in Münster, die mir aber doch zu obskur ist, dann Velhagen und Klasing in Bielefeld, eine noch junge aber großartig auftretende Firma, die bereits in großen Massen verlegt und wohl deshalb den Vorzug verdiente weil ihr mehr an mir gelegen scheint wie den andern und sie, da ich ihren Brief nicht beantwortet habe, sich seitdem schon zweimal an einen meiner Bekannten gewandt hat mit der Bitte, ihren Antrag zu unterstützen, so dass sie sich nie beklagen dürfte, falls der Absatz ihrer Erwartung nicht entspräche, was mir viel wert ist.

Endlich hat mir nun noch Adele vor zwei Jahren von einem dortigen (in Weimar oder Jena) Buchhändler geschrieben, der alles von mir übernehmen wolle, Poesie oder Prosa, wie es sich vorfände, ob auf ihr Zureden oder freiwillig, weiß ich nicht. Damals habe ich wenig darauf geachtet, weil ich nichts zu geben hatte, und seitdem ist mir die Adresse verlorengegangen, doch will ich nochmals darüber an Adelen schreiben und mich dann schnell entschließen, da bis zur Ostermesse doch etwas erscheinen muss und ich bei dem einmal gewählten Verleger gern bleiben möchte.

Verzeih, gutes Herz, diese lange Brühe über Dich so wenig Interessierendes! Es ist eben ein Schriftstellerfehler, der kleinen wie der großen, immer um ihr eignes Lichtstümpfchen zu spazieren.

Rüschhaus, 29. September 1842 (oder 9.10.?)

aus: 1837, Briefe an Therese von Droste, Rüschhaus

Schlüters waren hier, und Junkmann auch. Es geht ihnen wohl. Sie wollen durchaus, ich solle den Barry in Münster bei Hüffer herausgeben. Ich habe wenig Lust dazu. Hast Du jemals gewußt, dass Hüffer, derselbe demagogische Hüffer, seines Zeichens ein Buchhändler [ist]. Ich habe gedacht, er wäre Regierungsrat oder so etwas, aber er hat die Aschendorffsche Buchhandlung. …

Es ist jetzt ein Sohn der Katharine Busch in Münster, Du weißt wohl, derselbe Levin, der früher bei Specht war. Er ist in einer übelen Lage. Sein Vater, der immer ein mauvais sujet war und, wie die Jungblut uns wohl sagte, bloß seiner Frau zuliebe noch nicht abgesetzt war, ist es jetzt wirklich und auf dem Punkte, nach Amerika zu gehn. Levin will ihn nicht begleiten, weil er für das, was er gelernt hat, dort kein Brot finden würde. So sitzt er in Münster, wartet auf Gottes Barmherzigkeit und gibt seine letzten Groschen aus, aber was soll er machen? Er läuft genug um eine Stelle als Hofmeister, ist aber schon zweimal abgefahren, erste bei Erbdrosten (von denen wieder einer fortgeht, mit demselben Streit und Aufsehn wie die vorigen) und dann bei Westphalens. Er ist betrübt, er soll sehr brav sein und ausgezeichnete Kenntnisse besitzen, aber er sieht aus und hat Manieren wie ein Stutzer oder vielmehr wie Theodor Murdfield in seinem Alter, dem er jetzt ungeheuer gleicht. Es freut mich, dass seine Mutter das nicht mehr erlebt.

Rüschhaus, 24. Oktober 1837