Briefe zum Schlagwort August-von-Haxthausen



aus: 1845, Abbenburg, Briefe an Levin Schücking

Im Frühling gehn wir wieder nach Meersburg; ich freue mich recht darauf, dort bin ich immer viel gesünder und kann auch viel mehr und leichter arbeiten; Ruhe, poetische Umgebung und besseres Befinden wirken dann zusammen. Auch in Ihrer Nähe bin ich dann, höre oft von Ihnen und kann es vielleicht möglich machen, Sie zu besuchen und mein lieb Patenjüngelchen zu sehn – lauter Dinge, wonach ich mich herzlich sehne, aber in diesem Augenblicke lange nicht Kraft und Mut genug habe, es recht lebendig zu hoffen. Sie glauben nicht, wie konfus mich diese Lebensweise macht; ich bin so schwindlig wie eine Eule – nicht metaphorisch, sondern wirklich, körperlich; es klingelt mir seit lange fortwährend in den Ohren, und ich sehe alles doppelt. Wie würde es mich interessieren, die mir von Ihnen bezeichneten Aufsätze zu lesen; aber, lieb Kind, hierhin kommen keine Journale und auch keine Zeitungen außer der Kölner und dem Merkur; ich muss schon noch vier Wochen warten und dann in Münster jemanden aufzutreiben suchen, der mir ab und an etwas zukommen läßt.

Aber, lieber Levin, soll ich fortan alle Briefe an Sie nach Köln schicken? Sie schreiben mir: “Bis zum 20sten ist meine Adresse Ostende et cet, Ihre späteren Briefe bitte ich nach Köln, Adresse et cet zu schicken.” Dazu Ihre lange Abwesenheit von Augsburg – der Plan, den Winter in Paris zuzubringen: Sind Sie vielleicht aus der Verbindung mit Cotta getreten? Bitte, antworten Sie mir doch hierauf; Sie können denken, wie es mich interessiert.

Nun habe ich noch einen Auftrag von meinem Onkel August, d. h. einen Auftrag für mich, für Sie nur eine Anfrage. Er hat mir die Hauptpunkte notiert, und ich lege den Zeddel bei, da er mir hinlänglich ausführlich scheint, um Ihnen, mit einigen Erläuterungen von mir, klar zu machen, was er zu wissen wünscht. Er hat nämlich erstens ein bereits sehr vorgeschrittenes Werk über russische Zustände unter der Feder, das Ergebnis seiner auf Kosten der Regierung gemachten Reisen in Rußland; er will es auf eigene Kosten herausgeben, in deutscher und französischer Sprache, und wünscht nun den Betrag dieser Kosten und dann ferner zu wissen, ob vielleicht Cotta oder sonst eine Ihnen bekannte bedeutende Buchhandlung geneigt sein dürfte, beide Auflagen in Kommission zu nehmen, und wie die Verhältnisse des Herausgebers zu dem Kommissionär (Prozente und sonstige Verbindlichkeiten) zu sein pflegen, oder noch besser – wenn Sie sich entschließen könnten, direkt anzufragen – grade in diesem Falle sein würden. Das Buch beschäftigt sich mit den verschiedensten Interessen, bald politisch, bald wissenschaftlich, mitunter hochpoetisch, wenn es auf die Sitten, Gebräuche, Volksglauben, Volkspoesie kömmt. Ich habe hier und dort darin gelesen; es ist gut geschrieben, nicht sehr fließend, aber lebendig und mit vielem Geist. Die Illustrationen sind unbedeutend, meistens Häuser, Geräte et cet. der verschiedenen Stämme, vielleicht ein paar Trachten, alles in sehr kleinem Format, um so an der Seite oder zwischen den Zeilen angebracht zu werden.

Dann hat August zweitens einen einzelnen Aufsatz ähnlichen Inhalts: “Über die freien Kosaken-Gemeinden” – möglicherweise nur als Probe aus dem größeren Werke entlehnt, was ich nicht weiß und ihn jetzt nicht fragen kann –, den er irgendwo einzurücken und zu diesem Behufe die Honorare der verschiedenen bei Cotta erscheinenden Zeitschriften zu erfahren wünscht. Diesen Aufsatz habe ich ganz gelesen und daraus alles anwendbar gefunden, was ich über das größere Werk – so weit ich es kenne – gesagt.

Mit dem Beiblatt zur Allgemeinen ist’s nichts; der Aufsatz läßt sich nicht in kleine Absätze teilen, er muss in einem Stück durchgelesen werden. Desto passender scheint er mir aber für irgend eine politisch-wissenschaftlich-belletristische Vierteljahrsschrift oder Jahrbuch, nur nicht für das Rheinische, dessen Tendenz zu ausschließlich belletristisch ist. Bitte, helfen Sie ihm doch mit einiger Auskunft aus, damit er weiß, wo er sich am Passendsten hinwenden kann; Sie können mir die Antworten schreiben, oder wenn lieber ihm selbst, so ist seine Adresse in den nächsten Monaten “Bökendorf bei Brakel” (liegt sieben Stunden von Paderborn).

Nun Adieu, liebster Levin, ärgern Sie sich nicht über meinen Papiergeiz; ich habe so gar kleine Kuverts und kann selbst keine andern machen. Tausend Liebes an Luisen; zuerst von mir, und dann von Mama. Sie wollen mich rezensieren? Ach, Sie sind gar gut, aber ich bin auch

Ihr treues Mütterchen

Abbenburg, 25. August 1845

aus: 1843, Briefe an Jenny von Laßberg, Rüschhaus

Liebe Jenny, es ist hier ein Wetter, so schön, warm und ungesund wie möglich, Schneeglöckchen und gelber Helleborus blühen schon seit drei Wochen, Nußkätzchen sind verblüht, Erlenkätzchen in vollem Flor, und die sämtliche Menschheit hustet sich durch die ganze Konjugation - ich huste, sie hustet, er hustet, wir husten, sie husten, aber ich hoffe du hustest und ihr hustet nicht. Ich habe greulich daran müssen diesen Winter, was den besagten Husten anbelangt, und laboriere noch daran, bin aber nicht, wie sonst, von Herzen krank dabei gewesen, folglich auch nicht von Kräften gekommen, und somit ganz zufrieden. Mama macht eine Ausnahme im Hause und hustet nicht, ist überhaupt sehr wohl, bis auf das Herzklopfen, was noch immer nicht weichen will, sich jedoch dahin gemildert hat, dass sie es entweder in den gewöhnlichen Zwischenräumen (immer den zehnten Tag) und dann nur sehr gering, oder nach einem langen Termin (14 Tage oder 3 Wochen) und dann ungefähr so stark wie früher bekömmt; ich hoffe sicher, es ist am Ausschleißen, nur Bücken kann sie nicht vertragen, so wenig wie ich jetzt, es ist deshalb was Miserables mit unsern Korrespondenzen, und Du kannst mir nur die Hand küssen, dass ich Dir einen so langen Brief schreibe, wie ich wenigstens Willens bin …

August ist gegenwärtig in Berlin, reist aber noch in diesem Monate auf königliche Kosten nach Persien ab; in welchen Geschäften, weiß er selbst nicht recht, erhält seine Instruktionen versiegelt, zur späteren Eröffnung (ich weiß nicht, ob die ganze Sendung nicht ein politisches Geheimnis ist, sprich also lieber nicht davon) …

… wenn Mama kömmt, wozu sie zwar noch nicht fest entschlossen, aber auch gar nicht abgeneigt ist, komme ich mit, und Du weißt wie ich mich darauf freue, ohne dass ich es weitläufig zu sagen brauch …

[am unteren Rand der ersten Seite] August reist jetzt wahrscheinlich nicht nach Persien, sondern nur nach Rußland. Er reist den ersten März ab.

Rüschhaus, 17. Februar 1843

aus: 1827, Briefe an Jenny von Laßberg, Havixbeck

Was du von Tante Betty schreibst, ist ganz wahr: sie ist die allersanfteste Frau, die ich je gesehn habe; wäre sie es um ein Haar mehr, dann wäre es zuviel, aber so ist es gerade liebenswürdig. Ich bitte, rufe mich doch in ihr Andenken zurück, denn sie ist mir gewiss böse, dass ich nicht geschrieben habe, aber ich wusste nicht, was ich über mein Ausbleiben sagen sollte. Grüß überhaupt alle. Es ist niemand dort, gegen den ich eigentlich wohl etwas hätte, außer August: Du würdest auch übel ankommen, wenn Du den von mir grüßen wolltest: Du kriegtest entweder keine Antwort darauf oder noch wahrscheinlicher eine grobe. …

Ich muss Dir sagen, liebste Jenny, dass Ferdinand vor einigen Tagen ziemlich stark Blut gespieen hat. Goosmann sagt zwar, da er keine Schmerzen in der Brust dabei habe, so habe es nichts zu bedeuten und komme von den Hämorrhoiden. Ich glaube das auch wohl, da er sich sonst nicht sonderlich übel dabei befindet, doch schreibe ich es Dir, damit Du etwas acht auf ihn hast, dass er sich nicht zu sehr erhitzt oder erkältet oder zu forcierte Touren macht, denn ganz ohne Ängstlichkeit bin ich doch nicht dabei, obgleich er selbst, ganz gegen seine sonstige Gewohnheit, nicht den mindestens Wert darauf legt, aber es war doch recht stark und den ganze Morgen hindurch.

Havixbeck, 28. Mai 1827