Briefe zum Schlagwort Bönninghausen



aus: 1843, Briefe an Therese von Droste, Hülshoff

1. Daß Ihr mich nicht haben wollt, ist freilich schimpferlich, aber nicht zu ändern. Ich bleibe also bis Sonntag …
2. Werner ist mit Markus’ Herüberkunft ganz zufrieden und ladet ihn hiermit herzlich ein.
3. Ich selbst aber bin etwas zweifelhaft, und kömmt es darauf an, ob Markus noch Ferien hat und sein Hiersein als einen Besuch rechnet oder ob ich ihn Tag für Tag bezahlen muss. Mein Kranksein hat mich nämlich gehindert, die Korrektur der Gedichte zu vollenden, und jetzt habe ich seit zwei Tagen etwas Husten und ziemliches Halsweh, so dass ich nicht sehr lange in einem Stück diktieren darf; kömmt Markus nur zum Besuch, so werden wir wahrscheinlich doch noch vieles zustande bringen, was mir nachher von großer Erleichterung ist, und ich bezahle ihn dann nach Maßgabe der Arbeit. Sonst wäre es mir doch etwas empfindlich, wenn z. B. das Halsweh so zunähm, dass ich wenig oder gar nicht diktieren könnte und doch wie für das Ganze bezahlen müßte.

Ich hoffe indessen, es ist auf die erste Manier, denn außer den Ferien könnte Markus ja wohl gar nicht kommen, und er sitzt dann doch jedenfalls angenehmer und wohlfeiler hier wie in Münster, und vieles werden wir doch auf jeden Fall abschreiben können.

Mein Husten war am Tage, nachdem wir uns bei Wittower gesehn, furchtbar stark; ich schrieb gleich an Bönninghausen und nahm vorgestern abend das erste Pulver, wonach der Husten gleich bedeutend abnahm; gestern abend das zweite, und nun ist’s mit dem Halsweh auch viel besser.

Der Brief von Schücking, den ich gestern erhalten habe, ist sehr kurz und nur eine besorgte Anfrage wegen meines Stillschweigens, bestätigt aber, dass er gegen das Ende Mais von Mondsee abgeht und – was mich sehr freut – Hoffnung hat, die Stelle eines Redakteurs der “Augsburger Allgemeinen” zu bekommen. Ich würde Dir den Brief schicken, wenn er nicht bereits fort wäre nach Münster für die dortigen Freunde.

Hülshoff, 10. Mai 1843

aus: 1843, Briefe an Pauline von Droste, Rüschhaus

Stoß dich nicht an dem etwas schäbigten Aussehn des Töpfchens, die Salbe war nun einmal darin, und ich fürchtete, sie möchte eher verderben, wenn ich sie in ein anderes Gefäß strich, weil sie dieses nie so luftdicht ausfüllt wie dasjenige, worin sie gleich noch flüssig gegossen ist. Die scheinbar schmutzige Farbe derselben kömmt von den durchgepreßten Kräutern, und den ranzigen Geruch hat sie immer, da die Hauptingredienz ungesalzene Butter ist – dieses schadet aber ihrer Güte nicht, und selbst wenn Schimmel darauf kömmt (was sehr leicht geschieht), so streicht man ihn nur herunter, und das übrige ist so wirksam wie zuvor.

Hier das Rezept: Man nimmt erstens unreife Wacholderbeeren, zweitens Moos, was an einem Schlehenstrauch gewachsen ist, drittens die sehr kleinen Würzelchen der wilden lilafarbigen Scabiosa, die überall wächst und auch Teufels-Abbiß genannt wird. Diese drei Teile macht man, jedes einzeln, klein (das Moos und die Wurzeln und zerschneidet man und zerstampft die Wacholderbeeren); dann nimmt man ein Pfund frischer Butter, ungewaschen, so dass noch etwas von der sauren Milch darin ist, zerläßt sie in einem eisernen Geschirr, doch nicht allzunah beim Feuer, da sie nicht sieden darf, sondern nur zergehn muss, wirft dann von jeder der oben benannten Ingredienzien so viel hinein, wie man von jeder dreimal mit drei Fingern fassen kann, rührt die Butter einmal um, dass überall von jedem Teile etwas hinkömmt, und setzt das Ganze in demselben eisernen Geschirr in den Keller, wo man es dreimal 24 Stunden stehn läßt; dann wird es wieder am Feuer flüssig gemacht und durch ein loses Gewebe (Mull oder Gaze) gleich in die Gefäße geseiht, worin es bleiben soll, die man mit einer Blase zubindet und im Keller aufhebt.

Die Salbe wird nicht eingerieben, sondern nur ganz sanft und recht dick auf die leidende Wange gestrichen, nur recht breit und auch unter die Kinnlade bis ans Kinn, wo die Hauptmuskeln laufen. Manchen tut es gut, wenn sie sich damit etwas an den Ofen setzen, aber nicht zu nah, dass die Wange nicht übermäßig erhitzt wird; andre binden, wenn die Salbe eingezogen ist, ein Tuch ums Gesicht. Mir tut grade die Kälte wohl, da das Gesicht doch von dem Schmerz brennt.

Das Mittel hilft nur für nervöse Leiden und ist dann auch im Nacken, Arm et cet. anwendbar, wo man oft schon Linderung fühlt, während die Salbe aufgestrichen wird, und hilft dann jedesmal für geraume Zeit, bis man sich ganz von neuem verdirbt. Hier hat es außer mir meine Mutter, Malchen Stapel und Tony Galieris auf der Stelle von nervösen Gesichts- und Zahnschmerzen befreit, von denen sie sonst nie unter mehreren Wochen loskamen, wenn sie einmal im Gange waren. Andern dagegen, z. B. meiner Schwägerin, deren Leiden rheumatischer Natur sind, hat es gar keine Wirkung getan, und wenn es in den zwei oder drei ersten Malen nicht hilft, ist ist nichts mehr davon zu hoffen. Schnelles Einziehn der Salbe ist gewöhnlich ein Zeichen, dass sie wirken wird.

Die wilde Scabiosa fängt ungefähr um die Mitte Sommers an zu blühen und blüht bis tief in den Herbst; man findet sie auf nicht zu feuchten Grasangern, an Bergen, in Heiden, kurz fast überall, nur nicht in feuchten Wiesen.

Rüschhaus, 23. Januar 1843

aus: 1830, Briefe an Sophie von Haxthausen, Rüschhaus

Wenn Du mich für einen schändlichen Windbeutel und Faulenzer hältst, meine alte Sophie, so tust Du mir aber dieses Mal denn doch Unrecht, obgleich ich durch meine frühren Schreibsünden allen möglichen Argwohn verdient habe und also über nichts klagen darf. Aber dieses Mal müssen doch die Wäscherin und Bönninghausen die Schuld tragen — die Erstere hat den Schal erst gestern geschickt, und Doktor Büninghusen ist fortwährend verreist gewesen, und ich habe ihn erst vorgestern auf einige Minuten, durch die Bückersche, können arrettieren, und zur Durchlesung des dritten Briefs, den ich seitdem geschrieben, zwingen lassen.

Er war erst seit zwei Tagen zurück, hatte diese Zeit über gar nicht zu Bette gehn können, so waren die Patienten über ihn hergefallen, und schon stand er wieder mit einem Fuße im Wagen, um abermals auf zwei Wochen zu verreisen. Aus alter Freundschaft hat er aber doch besagtes Bein noch einmal aus dem verhängnissvollen Portier zurückgezogen und mir in größter Eil geschrieben “dein Pulver sowohl wie das von Ludowine wirkten 8 Wochen lang, das Deinige vielleicht um einige Tage kürzer”, das Krankheitsbild könne er jetzt unmöglich aufsuchen, sobald er zurück komme, wolle er es schicken. Da ihr nun gewiss noch nicht über vier Wochen eingenommen habt, so bleibt Euch noch immer Zeit, aus den letzten vierzehn Tagen das neue Krankheitsbild zusammenzusetzen, wenn ich das alte nun ohne Aufschub schicke, sobald ich es habe.

Ich hatte auch grade nach einigen Speisen fragen lassen und bekam zur Antwort, Gesseln sind verboten, sowie rohe Milch — hingegen sind erlaubt Stengelrüben und Spinat sowie alle gekochte Milch und auch Stipmilch, Buttermilch, dicke Milch, Käse ohne Gewürz, weil durch das Kochen sowohl wie durch die Säurung alle medezinische Kraft aus der Milch hinaus geht.

Der Zulauf zu Böninghausen wächst gewaltig an, er sieht schon ganz heruntergekommen davon aus, wie ich höre — der arme Schelm! Von Untersagen hört man übrigens jetzt nichts mehr, man muss es nicht können, sonst wär es gewiss geschehn, denn die Apotheken sollen, seit er seine Kuren macht, nur etwas weniges über ein Drittel von dem absetzen, was sie früher an Waren los wurden — und die Ärzte haben eine Menge ihrer einträglichsten Patienten verloren, da Böninghusen, wie sie spöttisch sagen, ein Doktor für die vornehmen Leute und sonderlich
für Damen ist, die sich zugleich gern über Literatur und schöne Kunst unterhalten, et cet.

Rüschhaus, 7. Juli 1830

aus: 1829, Briefe an Clemens von Bönninghausen, Rüschhaus

(Schilderung der seit dem 7. November neu aufgetretenen Krankheitssymptome)

1. Kopfweh, vorzüglich im Hinterkopf, morgens gelind, nachmittags stärker, abends oft sehr heftig.
2. Knacken mitten im Kopfe, so oft ich ihn umdrehe.
3. Knacken der Kinnlade.
4. Etwas Neigung zu leerem Aufstoßen.
5. Einmal schmerzhaftes Stechen auf der Herzgrube.
6. Zuweilen ein kurzer Stiche in der Seite über der Hüfte, meistens links, selten rechts.
7. Kollern im Leibe.
8. Etwas Beschwerde beim Atmen.
9. Ein beständiger dumpfer Schmerz in der linken Brust, zuweilen in Stiche ausartend, wonach es besser zu werden pflegt.
10. Einmal ein Stich mitten in der Brust, wo der Brustknochen am höchsten ist, aber unter demselben.
11. Zuweilen etwas rascher Puls mit einigem Herzklopfen, etwas außer Atem sein, und innerem Zittern.
12. Häufiger Schmerz im Rücken sowie unter und im linken Schulterblatte.
13. kalter Schweiß der Füße.

Rüschhaus, 22. November 1829

aus: 1829, Briefe an Clemens von Bönninghausen, Rüschhaus

5a. Zuweilen Stiche im Kopfe.
7. öftere Röte und Hitze einer Wange, gewöhnlich der Rechten.
8. Schielen.
13. Knacken der Kinnladen beim Essen.
14. Empfindlichkeit der Zähne gegen Wärme.
16. Wundheit des Gaumens.
17. Zuweilen Kitzel in der Kehle, wobei sich die Beklemmung und der Reiz zum Aufstoßen vermindert.
21. Ein unaufhörlicher Drang zum leeren Aufstoßen, welches aber, wenn ich ihm nachgebe, das Übel verschlimmert, so dass es nun unaufhörlich vor dem Halse liegt und den Atem benimmt.
21. Zuweilen Aufschwulken der genossenen Speisen, bald sauer, bald süßlich, bald geschmacklos.
23. Etwas Druck auf der Herzgrube, und überall das unangenehme überladene Gefühl, wie von verdorbenem Magen.
23. Wiederum einen Tag lang Jucken auf der Herzgrube.
24. Seitenstiche, nur selten und einzeln, aber dann heftiger als sonst; zuweilen ein dumpfer geringer Druck in der Seite.
28. Zuweilen Neigung zur Diarrhöe.
28. Abgang kleiner Madenwürmer.
37. Beklemmendes Zusitzen der Brust.
37. (49) beim Liegen auf dem Rücken ein schweres Gewicht auf der Brust, welches den Atem sehr erschwert, so dass ich nur ganz leise und wenig atme.
50. Neigung zum Strecken und Dehnen, wonach die Beklemmungen stets schlimmer werden.
51. Ein innerliches Zittern, wie wenn alle Eingeweide und auch etwas in der Brust, beständig rüttelte, mit gewaltigem Froste.
52. Große Beängstigung, immerwährend.
53. Große Schwermut, mit Furcht vor einer Gemütskrankheit, Todesgedanken, Verzweiflung an der Genesung, und den Kopf voll Sterbescenen u.d.gl.

Rüschhaus, etwa 6. November 1829