Briefe zum Schlagwort Geld



aus: 1844, Briefe an Elise Rüdiger, Meersburg

Was soll ich Ihnen von Sch[ücking]s eigner Lage sagen? Er nimmt sie von der besten Seite, ist vergnügt wie ein König und baut ein Luftschloß ums andre, wobei er seinen zukünftigen Erwerb durch dramatische Arbeiten hoch anschlägt. Cottan hat er noch nicht mit Augen gesehn, ist auch nicht auf Ostern von ihm engagiert, sondern dies wieder auf Michaelis hinausgeschoben, wo er dann sicher auf eine feste Anstellung mit 1500 Gulden rechnet, und bis dahin seine Arbeiten an der “Allgemeinen” sehr gut bezahlt erhält. Mich macht dies Aufschieben besorgt, und sein Ruhm? es ist kurios damit. Er selbst zitiert mir ein Journal nach dem andern, deutsche und französische, wo ich die brillantesten Sachen über ihn nachlesen soll (eins, im Literaturblatt des “Morgenblatts”, über sein “Schloß am Meere” habe ich wirklich gelesen und zweifle auch nicht am Dasein der andern), kann aber durchaus auf niemanden treffen, der diese Ansichten teilte, weder Hiesige noch Fremde, die Laßberg besuchen. Es hat zwar jeder irgend etwas von ihm gelesen, wenigstens in den “Dombausteinen” und Journalen, viele auch sein “Schloß am Meere”, aber keiner will ihn loben, alle finden ihn oberflächlich, geschraubt, seine Erfindung ärmlich und unnatürlich und seine Charaktere ohne Leben und Konsequenz, kurz, halten ihn für eine in der Literatur ganz unbedeutende Person. Wie soll ich das verstehn? Gibt’s eine Verbrüderung die sich wider die Stimme des Publickums, gegenseitig herausstreicht? Oder bin ich nur zufällig immer an solche geraten, denen er nicht zusagte?

Ich selbst finde seine Schriften zwar keineswegs schön im ganzen, aber doch manche einzelne Szene sehr gelungen. Sein Trauerspiel (”Günther von Schwarzburg”) dagegen, was er mir Unglücklichen zur Durchsicht, bevor er es einem Verleger anbiete, schickt, ist, so fürchte ich, abominable. Laßberg findet es wenigstens, und was ich bis jetzt davon gelesen (der 1ste Akt), widerspricht dem leider nicht. Es scheint ganz im Genre seines früheren Ritterschauspiels, etwas besser, aber blutwenig; ein wahrer Zwillingsbruder. Jetzt wissen Sie genug! Dabei wird es ihn allen Katholiken verhaßt machen, da er in einem Zuge des Schimpfens auf “Papst und Pfaffen” bleibt. Ich scheue mich zu antworten, seine Frau wird spinnengiftig werden!

Sein häusliches Leben ist, wie gesagt, sehr glücklich. Er weiß, wie sehr ich gegen Aufwand in seiner Lage bin, und schreibt deshalb wiederholt, “wie sparsam, ja fast geizig sie beide jetzt seien, nirgends glücklicher als ganz still bei einander in ihren vier Wänden; keine Gesellschaften gebend, außer jeden Abend einige Hausfreunde zum Tee, keine besuchend, außer einigen Assembleen, wo sie zu Tableaux mitwirken müßten, und namentlich seine Frau sich in den Hauptrollen superbe ausnehme”. Nennen Sie das Sparen? Und nun vollends zwei so teure Lustreisen in einem halben Jahre, nach München und nun gar nach Italien! Und so
kurz vorher die Hochzeitsreise! Ich fürchte, der Frau Kapitalien müssen herhalten, obwohl er alles aus der Feder zu saugen hofft mit Beiträgen fürs Beiblatt der “Allgemeinen”, worin er aber bis jetzt nur ein paar kleine Aufsätze geliefert hat (mit S. am Anfange bezeichnet), die höchstens einen Bogen ausmachen. Und dies zwar in der ersten Zeit, und nachher nichts wieder. Gottlob scheint noch kein Ehesegen da zu sein, und ich bringe dies mit den italienischen Seebädern in Verbindung.

Sch[ücking] ist übrigens doch wirklich gutmütig, das sehe ich jetzt aus hundert Dingen, aber aufgeblasen und leider kopfloser als je. Denken Sie nur! Um mir die Lesung seines “Günthers” zu erleichtern und auch Laßberg diesen Genuß vorläufig zu verschaffen, läßt er extra zwei Abdrücke machen (hoffentlich auf der Schnellpresse), unterstreicht dann die alleranstößigsten Stellen in meinem Exemplar (es blieb doch noch immer ein Greuel von Anstößigkeit für Katholiken) und bittet mich, es Laßbergen selbst vorzulesen, und jene Stellen auszulassen. Dies gethan, siegelt er das zweite Exemplar mit einem zierlichen Briefe an Laßberg ein und schickt’s mit derselben Post ab, so dass dieser schon tief darin zu lesen war, als ich hinauf kam, aber so diskret gewesen ist, sein Mißfallen nur gegen mich zu äußern, bei Mama und Jenny aber das ganze Geschenk durch langwieriges Vorententhalten in Vergessenheit zu bringen.

Den Cotta glaubt er (Sch.) total in der Tasche zu haben, antwortet auf meine Mahnungen zur Vorsicht, er frage den Henker nach Cotta! Er brauche Cotta nicht, aber Cotta ihn, und werde sich wohl hüten ihn fortzuschicke, und erzählt mir dann allerlei anstößige Witze, die er über Cotta gemacht, und worüber Kolb und einige andre Literaten (die er nennt) tüchtig gelacht hätten. Ich muss mich am Ende noch freuen, dass Kolb seiner Frau die Cour macht und ihn hoffentlich deshalb schonen und halten wird, er allein würde sich sicher zu Grunde richten.

Eine mögliche Untreue befürchte ich nicht, da sie L[evin] wirklich leidenschaftlich zu lieben scheint, und ihn offenbar für den ersten Mann seiner Zeit hält, ich denke mir ihr Betragen als bloße Bornstedtische Gefallsucht, und hier wahrscheinlich sehr angefeuert durch das Bewußtsein, dass dies der einzige Weg ist, ihres Mannes Liebe und Bewunderung wach zu erhalten. Ihre Schriften machen mehr Glück wie die seinigen, und er hat mir selbst triumphierend geschrieben, dass sie ihm in einer Rrezension (die ihm Kolb vorgelesen) als Muster vorgestellt sei, auch mache sie jetzt sehr schöne Gedichte, und überhaupt müsse er staunen über die Menge von Gaben, die nach und nach an ihr zum Vorschein kämen et cet. Dennoch scheint seine alte Anlage zur Blasiertheit zuweilen durchzukommen, und sie klagte mir mal recht schmerzlich, wie schwer er es ihr zuweilen mache, an seine Liebe zu glauben.

Genug hiervon, und natürlich alles nur allein für Ihr Auge. …

NB. ich habe jetzt Sch[ückings] (sehr kurzes) Trauerspiel zu Ende gelesen, es ist doch bedeutend besser wie das frühere und nähert sich an Werth mehr seinen Erzählungen, steht aber doch unter ihnen und ist ein wunderliches Gemisch von Gutem und Schlechten. Dann eine zu Herzen gehende Phrase, dann eine miserabel schwülstige; zuweilen wahre Menschenkenntnis und Zartheit, und dann gänzliches taktloses Vergreifen, sowohl in Handlung wie Charakteren; einzelne Momente sehr glücklich für die Bühne berechnet, andre Szenen zum Sterben langweilig. Ich würde es eine sehr fehlerhafte Schülerarbeit, die aber gute Anlagen verrät, nennen, wenn Schücking nicht zum Schüler zu alt, zu routiniert und namentlich in diesem Fache schon zu versucht wäre; jetzt bleibt’s dabei, er hat kein Talent zum Drama. Doch könnten sehr gute Schauspieler das Stück bedeutend heben, wenn sie über die schlechten Stellen schnell wegrutschten und die guten mit all ihrem Feuer und Aplomb höben. …

(Am Rande:) Aber, Lies, antworten Sie doch bald! Das muss ich nochmals wiederholen; Sie glauben nicht, welches Labsal mir Ihre Briefe sind - mein Bestes hier - jeder mir beinahe so lieb wie Cottas Brief mit dem 100-Louisdor-Kontrakt!

Meersburg, 3. April 1844

aus: 1843, Briefe an Therese von Droste, Hülshoff

1. Daß Ihr mich nicht haben wollt, ist freilich schimpferlich, aber nicht zu ändern. Ich bleibe also bis Sonntag …
2. Werner ist mit Markus’ Herüberkunft ganz zufrieden und ladet ihn hiermit herzlich ein.
3. Ich selbst aber bin etwas zweifelhaft, und kömmt es darauf an, ob Markus noch Ferien hat und sein Hiersein als einen Besuch rechnet oder ob ich ihn Tag für Tag bezahlen muss. Mein Kranksein hat mich nämlich gehindert, die Korrektur der Gedichte zu vollenden, und jetzt habe ich seit zwei Tagen etwas Husten und ziemliches Halsweh, so dass ich nicht sehr lange in einem Stück diktieren darf; kömmt Markus nur zum Besuch, so werden wir wahrscheinlich doch noch vieles zustande bringen, was mir nachher von großer Erleichterung ist, und ich bezahle ihn dann nach Maßgabe der Arbeit. Sonst wäre es mir doch etwas empfindlich, wenn z. B. das Halsweh so zunähm, dass ich wenig oder gar nicht diktieren könnte und doch wie für das Ganze bezahlen müßte.

Ich hoffe indessen, es ist auf die erste Manier, denn außer den Ferien könnte Markus ja wohl gar nicht kommen, und er sitzt dann doch jedenfalls angenehmer und wohlfeiler hier wie in Münster, und vieles werden wir doch auf jeden Fall abschreiben können.

Mein Husten war am Tage, nachdem wir uns bei Wittower gesehn, furchtbar stark; ich schrieb gleich an Bönninghausen und nahm vorgestern abend das erste Pulver, wonach der Husten gleich bedeutend abnahm; gestern abend das zweite, und nun ist’s mit dem Halsweh auch viel besser.

Der Brief von Schücking, den ich gestern erhalten habe, ist sehr kurz und nur eine besorgte Anfrage wegen meines Stillschweigens, bestätigt aber, dass er gegen das Ende Mais von Mondsee abgeht und - was mich sehr freut - Hoffnung hat, die Stelle eines Redakteurs der “Augsburger Allgemeinen” zu bekommen. Ich würde Dir den Brief schicken, wenn er nicht bereits fort wäre nach Münster für die dortigen Freunde.

Hülshoff, 10. Mai 1843

aus: 1843, Briefe an Jenny von Laßberg, Rüschhaus

Mit Werner habe ich wegen der Zinsen gesprochen, und er will dir das Geld schicken, sobald er nur irgend kann, es liegt ihm selbst schwer auf dem Herzen, und du kannst nur sicher auf den ersten Holzverkauf oder dergleichen rechnen. Ich will ihn dann auch sicher noch daran erinnern. …

Was die Familienpräbende anbelangt, die Mama stiften wollte, so hat sie diesen Plan völlig aufgegeben, da sie sich nicht entschließen kann, künftigen Nachkommen, die sie nicht kennt, zuliebe einen von denen auszuschließen, die sie kennt und besorgt dafür ist, sie hat von selbst mit mir darüber gesprochen, und so wird wohl alles werden, wie ich Dir im vorletzten Brief schrieb, obwohl sie nicht Lust hat, etwas Schriftliches darüber zu machen, sondern es uns nur als ihren Willen auflegt. Gott gebe, dass die Sache noch lange lange nicht zur Sprache kömmt, was wir auch wohl hoffen dürfen, da sie gottlob eine so starke Konstitution hat, und das Schwächliche in ihren Geschwistern von den Wendten kommt. Sie ist so gut, und ihre Liebe zu uns allen kömmt jetzt oft so rührend hervor, mich dünkt oft, ich könnte es nicht überleben, sie zu verlieren.

Rüschhaus, 17. Februar 1843

aus: 1839, Briefe an Sophie von Haxthausen, Rüschhaus

Die Bornstedt überschüttet mich fortwährend mit Briefen und Gefälligkeiten, und ich sehe sie, wenn ich mal (sehr selten) nach Münster komme, obgleich sie mir, unter uns gesagt, immer weniger gefällt. Ich fürchte, ihre Frömmigkeit ist großenteils Poesie und Phantasie, obgleich sie wirklich den besten Willen hat, aber sie steckt voll halb berlinischer, halb französischer Schwächen und erinnert mich unzähligemal an die Gauthier.

Schücking möchte ich gern wohlwollen, da ich weiß, dass er mich seiner seligen Mutter so ähnlich findet, was ihm in seiner Verlassenheit ein großer Trost ist und mich rührt, und da er zudem ein so rein moralischer, gescheuter und gelehrter Mensch ist, aber es wird mir schwer, er ist mir gar zu lapsig, weibisch, eitel, erinnert mich zu oft an August Wilhelm Schlegel, dessen Karriere er auch wohl machen wird, wenigstens im kleinen, da er bereits ein gesuchter Mitarbeiter an allen kritischen Blättern ist und seine Rezensionen in andern …

Bei der Rüdiger habe ich noch eine Person kennenlernen, die mir sehr gefällt und zum Besuch dort ist, ein altes Täntchen, Schriftstellerin aus früherer Zeit, verwachsen und so schwächlich, dass, wenn sie mit in der Gesellschaft sein will, sie sich erst mehrere Stunden vorher hinlegen muss, sehr klug, sehr blöde und demütig, die Freundlichkeit und Güte selbst, hält sich für nichts, nimmt überall den geringsten Platz ein und ist doch die Verständigste von allen. Die Rüdiger hat sie überaus lieb und geht sehr nett und kindlich mit ihr um. Die Bornstedt aber verachtet sie als ein altes Hutzelchen und eine Person von veraltetem, schlechtem Geschmack, was sie in ihrem Übermut und Duselei auch gegen die Rüdiger geäußert und sich dadurch, wie ganz billig, eine schlechte Note gemacht hat. Die Bornstedt bat mich, eigentlich aus reiner Mokerie, die alte Dame doch zu bitten, mir ihr Bändchen Erzählungen (das einzige, was sie geschrieben) zu leihen, das mache ihr solche Freude. Ich tat es, weil ich sie wirklich zu lesen wünschte, und fand sie so gut, wie die Bornstedt nie schreiben wird.

Jenny hat kürzlich geschrieben. Sie ist wohl mit den Ihrigen und freut sich sehr auf unsern Besuch, den Mama ihr angekündigt hat, aber, liebe Sophie, da liegen noch große Steine im Wege. Vorerst habe ich dieses Jahr gar kein Geld. Ich stand doch schon schlecht mit meinen Finanzen, und nun ist das Porträt ein Kniestück geworden und hat mir acht Louisdor gekostet, was mir arg im Beutel klappern würde, wenn nur etwa darin wär’, was klappern könnte. So aber klappert es in dem Gelde, was ich in Zukunft erst bekommen werde, und ich kann im nächsten Quartal nicht mal meine Rechnungen bezahlen, viel weniger das Kostgeld an Mama. Gegen den Mai bin ich noch nicht aus meinen Schulden, wovon soll ich denn reisen?

Rüschhaus, 27. Januar 1839

aus: 1837, Briefe an Sophie von Haxthausen, Rüschhaus

Ich sitze hier seit vierzehn Tagen ganz, ganz still, dass man es ja in Münster nicht merkt; denn nur unter dieser Bedingung hat Mama mir erlaubt, hierzubleiben. Sie fürchtete sonst Unkosten und Klatscherei; ich weiß nicht, was am meisten. So meint jedermann, ich sei wenigstens für gewöhnlich in Hülshoff, wo ich es aber, die Wahrheit zu sagen, nur wenige Tage aushalten konnte. Der Lärm, nein, ich sage zu wenig: das Geheul, das Gebrüll der Kinder könnte den stärksten Menschen verrückt machen, wieviel mehr mich mit meinem armseligen Ohrweh: denn du musst wissen, dass ich erst seit zwei Tagen frei davon bin. Du kannst denken, wie meine Nerven herunter sind.

… Denn - denk dir meinen Kummer - Werner fängt Ökonomie an und läßt sich dazu lauter neue Leute aus dem Lippischen kommen - Werner, der dazu taugt wie der Esel zum Lautenschlagen! Und, ich sehe es schon voraus, das wird alles ins Große gehn: Schafzucht, Brennerei, wenigstens späterhin. Denn ich kenne Werner: je mehr Schaden, je weiter wird er spekulieren, um ihn zu ersetzen, ich kenne ja seine alten Redensarten: “Man darf es auf einige tausend Taler nicht ansehn!” “Kleine Unternehmungen rentieren sich niemals!” und was mir sonst alles schon vor Jahren ellenlang zum Halse heraushing … Dieses ist mir ein harter Schlag. So wie Werner bis jetzt lebte, konnte es ihm wohl knapp werden, aber im ganzen war er doch gesichert; jetzt aber wird mir angst und bange, nicht sowohl Mamas und meinetwegen, die wir doch auch jeden Heller von ihm bekommen müssen, sondern hauptsächlich der vielen Kinder wegen, die alle nicht aussehen, als ob sie es weit in der Welt bringen würden … Du wirst wieder sagen: wer will so weit hinaus sorgen! Aber es ist nicht weit; das nächste Jahr kann schon trübselig genug sein. Denk dir nur die ersten Ausgaben. Da ist weder Gerät noch Vieh im Stalle, das muss er alles mit geliehenem Gelde anfangen, denn die Holzungen sind bei den letzten Ankäufen so angegriffen, dass aus denen vorerst kein Trost zu holen ist.

Doch freilich, sorgen allein, wenn man sonst nichts daran tun kann, ist auch ein überflüssiges Ding. So will ich hiervon abbrechen. Könnte ich das nur ebenso leicht in meinem Kopfe wie auf dem Papiere! - N B. Es kommt mir fast vor, als sollte dieses Projekt noch ein Geheimnis sein, obgleich die Ausführung vor der Türe ist, da Michaelis das neue Dienstpersonal mit dem Verwalter eintritt. Sprich also bitte nicht davon.

Rüschhaus, 5. September 1837