Briefe zum Schlagwort Levin-Schücking
Nun hören Sie: Schücking und Frau kommen zu uns, und zwar auf drei Wochen. Sie kennen nun Laßbergen und seine Abneigung vor aller Unruhe und Getreibe zu gut, als dass ich weitläufiger zu erörtern brauchte, wie fatal und jeden einzelnen beengend das Zusammentreffen beider Besuche sein würde. Ich schrieb deshalb sogleich an Schücking, dass er seinen Urlaub danach einrichten oder, wenn dies nicht in seiner Macht stehe, den Anfang und die Dauer desselben mir genau angeben müßte, damit Sie und die Tante danach Ihre Abreise bestimmen könnten. Sie denken wohl, dies sei eine etwas epineuse Aufgabe gewesen? (für mich nämlich). Keineswegs. Schücking kennt Laßbergen, seine trotz aller Herzlichkeit förmliche Höflichkeit und seine innerliche Beängstigung, wenn er vielen genugtun soll, wo er sich jedem einzelnen widmen möchte, zu gut. Mama und Jenny waren ganz meiner Meinung, ich schrieb in ihrem Namen mit; so machte sich die Sache so unanstößig und harmlos wie möglich. Ich drang auf Antwort mit umgehender Post, um auch Ihnen Zeit zu lassen, Ihre Einrichtungen zu treffen, zeigte zugleich Unruhe wegen meines Geschäfts mit Cotta, da die Ostermesse herannahe und weder Annoncen noch Probegedichte erschienen. Trotz aller dieser Reizmittel keine Antwort! (und Augsburg ist nur 35 Stunden von hier!)
Nach zehn Tagen schrieb ich wieder, diesmal dringender: alles stumm! Nach zehn Tagen nochmals, und jetzt wirklich höchst beängstigt, da ich mir Sch[ücking] völlig mit Cotta zerfallen, vielleicht gar nicht mehr in Augsburg, sondern in irgendeinem dunklen Winkel am Hungertuche nagend und zu stolz, mir dies zu schreiben, dachte. Jetzt kam wirklich Antwort mit umgehender Post (gestern abend): Schücking und Frau sind verreist gewesen, nach München, waren erst vor einigen Stunden zurückgekehrt, und hatten mein Regiment Briefe nebeneinander aufmarschiert gefunden.
Er schreibt allerlei; über ihren Besuch diese Worte: “Wir werden pünktlich am ersten Mai in Meersburg eintreffen und ebenso pünktlich am 23. abreisen, und zwar nach Venedig, um dort Seebäder zu gebrauchen, Ihre Damen müßten also vorher oder nachher kommen.” …
Ich habe seit drei Monaten viele Briefe von Sch[ücking] erhalten - oder von seiner Frau, wenn Sie wollen; denn sie schreibt immer die Hälfte davon und diktiert noch einen Teil des übrigen, wo es immer um die dritte Zeile heißt, “meine Frau sagt” oder “meine Luise will, dass ich Ihnen schreibe et cet.” Es ist auch offenbar, dass sie alle an ihn kommenden Briefe liest, wahrscheinlich sogar auf seinen Wunsch in seiner Abwesenheit erbricht. So richte ich denn die meinigen für beide ein, rede sogar abwechselnd beide an, um ihr nicht extra schreiben zu müssen. Indessen traue ich ihr nicht recht, ihre Worte gegen mich sind lauter Liebe, sogar Demut, aber dennoch fühle ich etas Gezwungenes und versteckt Pikiertes zuweilen heraus, namentlich, wenn ich etwas von Sch[ücking] nicht übermäßig gelobt habe. Neulich z.B. schrieb Sch[ücking] mir, er werde sich fortan aufs Drama legen, und habe ein Trauerspiel “Günther von Schwarzburg” unter der Feder. Ich riet ihm davon ab, da ich nach den früheren Proben sein Talent fürs Drama für weit weniger ausgemacht halte, als zur Poesie und erzählendem Stile. Darauf schreibt sie ziemlich spitz: “Levins ‘Günther’ ist fertig und trotz Ihrer traurigen Prophezeiungen doch ein gutes Stück.” Und ein andres Mal, was mich wirklich arg enttäuscht hat, zuerst eine ganze Seite voll Weihrauchqualm: sie sei ganz berauscht von Entzücken! So habe noch niemand geschrieben! Ich sei bestimmt, der Stolz meines ganzen Geschlechts zu werden! et cet. - und nun auf der andern Seite, von Levins Hand, eine Menge Stellen meiner Gedichte, die ihm schon früher bekannt und sehr lieb waren, und die er nun mit einer Ängstlichkeit verändert wünscht, dass man sieht, wie sie ihm jemand fatal und lächerlich gemacht hat, und dann als Nachsatz: “Mein Luischen kömmt eben herein und will sich wohl totlachen, dass ich Sie noch erst um Erlaubnis frage; sie meint, ‘alles das, was ich abgeändert wünsche, seien ja lauter Unmöglichkeiten!, und ich hätte zu Ihrem eigenen Besten frisch draufloskorrigieren sollen, ohne Sie lange zu fragen; sie wolle mir noh eine Menge anderer Unmöglichkeiten zeigen et cet.” Was sagen Sie dazu? Ist das nicht echt Bornstedtisch?
Ich habe nichts hierauf geantwortet (d.h. auf den Nachsatz), fürchte aber, das Stückchen lange nicht zu vergessen, nicht der Beleidigung halber, sondern weil ich besorge, einen tiefen unglücklichen Blick in ihren Charakter getan zu haben. Sch[ücking] liegt übrigens total zu ihren Füßen, man sieht, dass jedermann (wie natürlich) sie ihm anlobt; er hält sie für die glänzendste, die begabteste, die schönste Frau Deutschlands, schwimmt in Glück und tut nicht wenig dick damit, dass sie so mit Bewunderern gesegnet sei, zu denen auch Kolb gehöre.
Mich hat sie indessen noch nicht bei ihm zugrunde richten können. …
Ich wüßte übrigens nicht, wie ich, wenigstens für meine Gedichte, je mehr erwarten könnte, als ich bereits erhalte. Cotta gibt mir für die erste Auflage von 1500 Exemplaren hundert Louisdor und hat sich fast verbindlich gemacht (wenigstens ganz ungefordert die Aussicht gestellt), für jede neue Auflage das Doppelte zu geben - also 1000 Taler. Mehr kann ich doch unmöglich erwarten! … reden Sie in Stuttgart gegen niemanden von meinen Gedichten, am wenigstens von dem Honorar. Die ersten könnten durchfallen, und ich würde dann mit meinen Erwartungen, selbst in Ihrem Munde, lächerlich; das letzte (Honorar) darf aus doppelten Grunde nicht besprochen werden; das bereits zugesagte, weil Cotta andern viel weniger gibt (selbst Lenau und Uhland für die ersten Auflagen kaum über die Hälfte), somit gewiss ein Geheimnis daraus zu machen wünscht, dessen Ausplauderung mit dem größten Schaden auf mich zurückfallen würde. Das künftig zu hoffende, weil Cotta es mir nicht zugesagt hat, sondern nur geschrieben, er pflege in solchen Fällen (bei Schriftstellern, die er mir gleichstelle) bei der zweiten Auflage das Doppelte zu geben. Dies ist keine Zusage, obwohl (da er diese Äußerung ganz unaufgefordert getan hat) eine stark begründete Aussicht, und die gewöhnlichste Diskretion fordert von mir, dass ich darüber schweige, bis sich die Sache realisiert; vor allem in Stuttgart, wo Cotta selbst wohnt und mit ihm eine Masse Dichter, denen er nicht das gleiche zu geben willens ist.
Um von diesem Gegenstande abzukommen, sage ich Ihnen nur noch, dass die Gedichte allerdings zur Ostermesse, die erst am 2ten März ist, herauskommen; dass Sch[ücking] Cotta gebeten hat, sie in Augsburg drucken zu lassen, um die Korrektur besorgen zu können; dass Cotta darauf erwidert, seine Dampfpresse dort drucke nicht schön genug, und er wünsche dem Buche die möglichst beste Ausstattung zu geben, doch sei ihm Sch[ücking]s letzte Revision sehr erwünscht, weshalb alle Probebogen ihm portofrei zukommen würden; dass Sch[ücking] bereits den 14ten Bogen erhalten hatte und mir die fünf ersten schickt, die leider (wie wird sie dies verteuern!) wie Prachtausgabe sind, mit schönen Typen aufs allerfeinste Velinpapier gedruckt; dass ich nur ein paar Freiexemplare erhalte; dass der Kontrakt nur für diese Auflage bindet und bei der zweiten ein neuer gemacht werden muss, Cottas verdoppeltes Honorar also nur ein vorläufiger Wink ist, damit ich mich nicht anderwärts engagiere, während er doch nicht dadurch gebunden wird. - Daß die Anzeige erst erscheint, wenn der Druck vollendet ist (dann auch wohl Probegedichte denke ich mir) - und endlich, dass jene vermeintlich Ginetsische Rezension von Freiligrath eingeschickt ist ohne Levins Vorwissen, wie es scheint, aber doch gewiss aus Freundschaft für dessen Freundin, und dass weder Sch[ücking] noch seine Frau mich rezensieren werden, und nun ist’s über und über Zeit hiervon abzubrechen.
Meersburg, 1. April 1844
Schücking ist jetzt Mitredakteur der “Allgemeinen Augsburger Zeitung”, wohnt in Augsburg, ist seit drei Monaten verheuratet, gottlob sehr zufrieden, und schreibt mir oft; auch seine Frau hat mir wieder geschrieben, einen sehr natürlichen, herzlichen Brief. Sie scheint voll des besten Willens zu sein, ihn glücklich zu machen. Er schreibt, aus ihrer Schriftstellerei werde jetzt nicht viel mehr, sie habe meistens die Küchenschürze vor oder flicke ihm sein Weißzeug; das hat mir sehr tröstlich geklungen. Der Himmel hat den armen Schelm so lange und bitter geprüft, ich hoffe, jetzt läßt er’s ihm auch mal gut gehen.
Er fängt jetzt an, ziemlich berühmt zu werden, sein neuster Roman, “Das Schloß am Meere”, findet großen Beifall, so auch seine Erzählungen in verschiedenen Taschenbüchern. Er bleibt aber immer dieselbe gutmütige, unschuldige Seele. Da er jetzt viele Gelegenheit hat, Handschriften von berühmten Männern zu bekommen, so hat er mir neulich ein ganzes Paket geschickt, und man merkt dem Briefe an, dass er es nicht abwarten kann zu erfahren, wie ich mich drüber freue.
Im Frühling kömmt er mit seiner Frau hieher, und wir freuen uns alle darauf, selbst Mama erweicht sich gegen ihn, da sie hört, wie Jenny und Laßberg ihn loben, und am meisten Eindruck macht es ihr, dass alle Dienstboten rühmen, “dass er nie in kein Wirthshaus nit gange, und nie kein Mädel kein unrecht Wort nit gesagt hab”. Darum hoffe ich, wird’s ihm auch gutgehn. Ein unschuldiges Leben ist die beste Vorbereitung zu einer glücklichen Ehe.
Meersburg 11. Januar 1844
1. Daß Ihr mich nicht haben wollt, ist freilich schimpferlich, aber nicht zu ändern. Ich bleibe also bis Sonntag …
2. Werner ist mit Markus’ Herüberkunft ganz zufrieden und ladet ihn hiermit herzlich ein.
3. Ich selbst aber bin etwas zweifelhaft, und kömmt es darauf an, ob Markus noch Ferien hat und sein Hiersein als einen Besuch rechnet oder ob ich ihn Tag für Tag bezahlen muss. Mein Kranksein hat mich nämlich gehindert, die Korrektur der Gedichte zu vollenden, und jetzt habe ich seit zwei Tagen etwas Husten und ziemliches Halsweh, so dass ich nicht sehr lange in einem Stück diktieren darf; kömmt Markus nur zum Besuch, so werden wir wahrscheinlich doch noch vieles zustande bringen, was mir nachher von großer Erleichterung ist, und ich bezahle ihn dann nach Maßgabe der Arbeit. Sonst wäre es mir doch etwas empfindlich, wenn z. B. das Halsweh so zunähm, dass ich wenig oder gar nicht diktieren könnte und doch wie für das Ganze bezahlen müßte.
Ich hoffe indessen, es ist auf die erste Manier, denn außer den Ferien könnte Markus ja wohl gar nicht kommen, und er sitzt dann doch jedenfalls angenehmer und wohlfeiler hier wie in Münster, und vieles werden wir doch auf jeden Fall abschreiben können.
Mein Husten war am Tage, nachdem wir uns bei Wittower gesehn, furchtbar stark; ich schrieb gleich an Bönninghausen und nahm vorgestern abend das erste Pulver, wonach der Husten gleich bedeutend abnahm; gestern abend das zweite, und nun ist’s mit dem Halsweh auch viel besser.
Der Brief von Schücking, den ich gestern erhalten habe, ist sehr kurz und nur eine besorgte Anfrage wegen meines Stillschweigens, bestätigt aber, dass er gegen das Ende Mais von Mondsee abgeht und - was mich sehr freut - Hoffnung hat, die Stelle eines Redakteurs der “Augsburger Allgemeinen” zu bekommen. Ich würde Dir den Brief schicken, wenn er nicht bereits fort wäre nach Münster für die dortigen Freunde.
Hülshoff, 10. Mai 1843
Von Schücking habe ich kürzlich Nachricht, die Wirtschaft in Mondsee ist ein Greuel vor Gott, und das erste, was ihnen bei ihrer Ankunft entgegengebracht worden, ist ein neues Kind der Maitresse gewesen, worüber ein Jubel gewesen, als wäre ein Erbprinz geboren, die Prinzessin Marie, die gleich nach der Mutter Tode mit ihrem Onkel Adolph (Vaters Bruder) nach Paris gereist ist, will der Vater jetzt auch nach Mondsee in diese Wirtschaft haben, und hat deshalb geschrieben, sie hat in der Antwort flehentlich gebeten sie damit zu verschoben, worauf der Fürst ganz wütend geantwortet, “wenn sie nicht von selbst käme, würde er sie holen lassen, und zwar durch die Maitresse”, zugleich hat er ihr Vorwürfe gemacht, dass sie dieser keinen Neujahrsbrief geschrieben. Schückings einziger Trost ist die Gouvernante der kleinsten Prinzess, eine ältliche Person, die noch nicht lange dort! ist, und dies Wesen eben so verabscheut wie er. Das ist alles schrecklich! Dennoch habe ich Schücking (gegen Laßbergs Ansicht) geraten, keine Katastrophe herbeizuführen, bis er wenigstens einige Hoffnung zu einem andern Stück Brot hat, sich aber aus allen Kräften darum zu bemühen. Ich will auch mein Möglichstes tun, und gleich morgen an Male Hassenpflug schreiben, ob Grimms (die ihn ja kennen und sehr lobten) ihm nicht ein Ämtchen bei der Bibliothek verschaffen können; auch an August will ich schreiben, auf die Gefahr hin, dass ihn der Brief nicht mehr trifft, und Tony will mit der Esterhazy (Marie Plettenberg) sprechen, ob sie ihn irgendwo in Österreich als Hofmeister rekommandieren kann, oder vielleicht selbst nehmen.
Das sind alles weitläufige Aussichten! Aber man muss sein Bestes tun und hoffen, dass Gott den armen Schelm nicht verlassen wird. Ich fürchte nur, dass die Sache mal unerwartet bricht, da ich sicher glaube, dass der Fürst Schücking im Grunde nicht ausstehn kann, da dieser sich in steifster Entfernung hält und z. B. ausgeschlagen hat, sich abends zum Tee bei der Maitresse einzufinden, hoffentlich hält’s aber noch so lange hin, bis sich irgend eine Aussicht für Schücking aufgetan hat, denn das frühere Hungern, sich halb tot Quälen, und doch in Schulden geraten ist doch auch eine schreckliche Perspektive, und hätte es noch ein Jahr gedauert, so hätte er sterben, oder wie ein Schelm aus Münster laufen müssen.
Mit meinen Gedichten bin ich bald im Reinen, und glaube selbst, dass es mir gut damit gehn wird. Sternberg strich neulich (im “Morgenblatt”) einen andern neuen Dichter gewaltig heraus, und schrieb am Ende, “kurz, seine Gedichte verdienen, denen der Frau Annette v Droste und Lenau’s würdig an die Seite gesetzt zu werden.” Das ist ehrenvoll genug für mich, denn Lenau ist doch sehr berühmt, [am rechten Rand] und manche stellen ihn noch über Freiligrath.
[am oberen Rand der ersten Seite] Du musst meinen Brief nur nach allen Enden umwenden, sonst übersiehst Du etwas, denn ich habe alles vollgekleckst oben und unten - ich meine besonders das andre Blatt.
[am linken Rand der zweiten Seite] Cotta hat sich gegen Schücking gar nicht abgeneigt gezeigt, meine Gedichte zu verlegen, und nur vorher das Manuskript zur Einsicht verlangt, was ich ihm schicken werde, sobald es fertig ist.
Rüschhaus, 17. Februar 1843
Nun aber, mein klein Herz, Sie sind mir böse gewesen? Das hat mich hintennach recht erschreckt. Lieber Gott! Ich bin so ungeschickt, so wenig gemacht, mit einem so zarten Wesen wie Sie zu verkehren, dass ich mich selbst prügeln möchte, wenn ich mich nur klüger damit schlüg.
Mein lieb Tierchen, wenn ich dergleichen wie neulich sage, dann ist’s, aufrichtig gestanden, auch nur Eifersucht. Meine Liebe ist eben so empfindlich und viel tyrannischer als die Ihrige, ich möchte Sie gern sehr an mich reißen, und wenn mir dann einfällt, wieviel tiefer in der Natur gegründet andere Ansprüche sind, wie ich mir vernünftigerweise gar nicht einbilden darf, ihnen die Waage zu halten, dann kann mich momentan eine unmutige Trauer überkommen, die Sie mir nicht zu streng anrechnen dürfen. Hätte ich Sie nicht so lieb, dann passierte es mir nicht. Sie wissen gar nicht was Sie mir sind, Elise! …
Was Sie von der Bornst[edt] schreiben, ist wahrhaft furchtbar; ich meine von wegen des Wiederkommens. Ich kann es mir nicht denken; sie geht ja überall besser hin. Überall, wo man von ihrer manquierten Heurat nichts weiß und sie nicht mit zwei Dritteln der Gesellschaft broulliert ist. Unter diesen Umständen nach Münster zu kehren, würde weit über die Kräfte meiner christlichen Demut gehn, und der ihrigen traue ich eben auch nicht mehr zu. Sie meinen, ihr Nikolaus belüge sie? Ich glaube vielmehr, alles Lügen hat ein Ende gefunden; alle sind gegenseitig im Klaren, und jener Brief ist nur ein Versuch, den in jeder Beziehung unvermeidlichen Rückzug möglichst anständig zu motivieren.
Hierbei fällt mir das “Morgenblatt” und die Gall ein, jene Ähnlichkeit muss wohl wirklich da sein, denn sie hat mir unter dem Lesen (gegen meinen Willen, ich hätte die Gall gern gerettet) immer deutlicher vor Augen geschwebt. Klüger ist die Gall, auch feiner, aber ihre Erzählung rollt doch auch zumeist um Herrn, die sich ihr zu Gefallen fast auf den Kopf stellen. Auch in der “Maske” ist die Seelenverwandschaft nicht verkennen, dieselbe Freude an Salonsgeschichten und kleinen Schlauheiten. Ist sie einigermaßen hübsch und angenehm, so könnte L[evin] sehr gefährlich werden; ob es zu wünschen wäre? Vielleicht! Unter zwei Übeln das kleinste!
Rüschhaus, 4. oder 11. Dezember 1842





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