Briefe zum Schlagwort Verlage



aus: 1844, Briefe an Levin Schücking, Rüschhaus

Nun in Eil zwei Zeilen Antwort auf Ihren Brief, der mich natürlich aufs unangenehmste überraschen musste. Ich habe ihn gestern abend erhalten, heute früh meinen Bruder herüber bitten lassen und schicke Ihnen jetzt statt aller Auseinandersetzung die Kopie des Briefs, den derselbe soeben beendet und an Herrn Hüffer geschickt hat; wollen Sie dieselbe gefälligst vorläufig der Cottaischen Buchhandlung mitteilen, so wird die Sache dadurch ohne weitere Weitläufigkeiten erklärt und zugleich die Buchhandlung aller Sorge enthoben werden. Ich bitte, dass Sie derselben mein Bedauern über einen Vorfall ausdrücken wollen, der durch meinen Mangel an Geschäftskenntnis herbei geführt worden ist. Übrigens muss ich auch so anständiges Lehrgeld bezahlen, dass mir in Betracht dessen ein durchaus unwillkürliches und bei einem Frauenzimmer begreifliches Versehn wohl zu verzeihen ist. …

Es ist eine ekelhafte Geschichte, bei der Hüffern, wie mich dünkt, ein großer Mangel an Rücksicht zur Last bleiben muss, da er doch nicht zweifeln konnte, dass eine Anzeige der Sachlage und des vorhabenden Schrittes, gleichviel ob an mich oder meinen Bruder, ihm den letzteren erspart und die Geschichte weit anständiger beendigt haben würde. Es kömmt mir vor, als habe er es darauf angelegt, mich zu blamieren, weshalb weiß Gott. Ich mag nicht weitläufiger über die Sache werden, sie ist mir zu ärgerlich; sonst könnte ich Ihnen mehr als eine Äußerung von Hüffern selbst, z. B. gegen meinen Bruder, anführen, die mir die Aussage des Buchhalters, „es seien nur etwa noch 17–18 Exemplare vorhanden“ – denn dies war die genannte Zahl – als ganz glaublich erscheinen lassen musste.

Da ich das meiner Bestimmung überlassene Honorar mit der Bemerkung, ich fürchte, ihn in Nachteil zu bringen, völlig abgelehnt hatte, so will ich gern glauben, dass Delikatesse und Schonung ihm nun seinerseits diese Versicherungen der Zufriedenheit mit dem Geschäft eingegeben hatten; um desto schlimmer ist es, dass er zuletzt so schmählich aus der Rolle gefallen ist. Genug von der Sache!

Übrigens ist mir jetzt höchst ärgerlich und drückend, dass Cotta durch meine, freilich nicht zu dem Zwecke gegen Sie geäußerte Bemerkung, „Hüffer würde mir fünfhundert Thaler gegeben haben“, zu einer Änderung des Kontrakts bewogen ist; denn seit gestern glaube ich dies selbst nicht mehr, obwohl der Freund, der ihn deshalb sondierte, mit so fester Überzeugung, die Sache sei abgemacht, zurückkam, dass er lebhaft in mich drang, Hüffern nur sofort das Manuskript einzuhändigen, wo dann der Druck sogleich beginnen solle. Ich hatte dem guten Manne keinen Auftrag gegeben und längst alle Lust am Hüfferschen Verlage verloren; so machte ich es wie die Spröden und schlug mich in einer, wie ich jetzt fürchten muss, leeren Straße.

Ach, Levin, ich bin ganz betrübt, dass alles zusammen kömmt, um mich in jedermanns – wahrhaftig, fast in meinen eignen – Augen als eine Renommistin erscheinen zu lassen, während doch, bei allem Hochmut, die Furcht, meine Verleger durch die geringe Popularität meiner Werke in Schaden zu bringen, mich nie verlassen hat. Was Hüffer eigentlich damals gesagt hat, weiß ich nicht und mag es auch jetzt nicht wissen; dem freiwilligen Unterhändler schien es eine Zusage, d. h. kein Antrag, sondern eine Äußerung seiner entschiedenen Geneigtheit, mir fünfhundert Taler zu geben, wenn ihm die Gelegenheit geboten würde. Alles wohl nur Wind vor der Hoftür!

Trösten Sie mich ein wenig, mein gutes Kind, ich gehöre jetzt zu den leider von mir so oft verlachten „verkannten Seelen“. Punktum, es ist mehr zum Hängen wie zum Lachen. Wollen Sie mich trösten, so schreiben Sie mir einen recht langen, lieben Brief, einen rechten Kleinejungensbrief an sein Mütterchen. Ist’s denn wahr oder doch wahrscheinlich, dass die Redaktion der “Allgemeinen” von Augsburg fortkömmt und Sie natürlich mit? Es stand im “Merkur”. Und wohin würden Sie dann Ihren Stab setzen? …

Mit den Erzählungen will es nicht recht voran, ich bin noch an der ersten. Recht schöner Stoff, aber nicht auf westfälischem Boden, und nun fehlen mir alle Quellen, Bücher wie Menschen, um mich wegen der Lokalitäten Rate zu erholen; so fällt mir alle Augenblicke der Schlagbaum vor der Nase zu. Wär ich in Hülshoff! Aber hier gucken mich meine kahlen Wände an und sagen kein Wort, und von Schlütern ist nichts zu haben; der ist, seit Sie, Lutterbeck und Junkmann ihn verlassen haben, selbst hilflos wie ein Kind und weiß sich selbst nichts zu verschaffen, viel weniger andern. Hätte ich diese Erzählungen nicht versprochen – und bald –, ich ließ sie wenigstens vorläufig ruhn; nun aber quäle ich mich umsonst ab, wie ein im Traum Laufender.

Zwischendurch mache ich Gedichte; die geraten gut, ich werde sie aber zum Teile ins Kölner “Feuilleton” geben müssen, und zwar umsonst, um eine schlechte Erzählung der Frau v. Hohenhausen flott zu machen; diese weiß aber NB. nichts davon. Die arme Frau ist sehr betrübt, hat nach vielen Kämpfen das Söhnchen ihrer verstorbenen Tochter an sich gebracht, und nach drei Wochen stirbt ihr das Kind; da kömmt nun alles zusammen, Kummer, Verdruß, Nachrede, um sie fast verrückt vor Schmerz zu machen. Die Ihrigen reden ihr zu, sich durch gemeinnütziges Wirken aufzurichten, und da hat sie nun eine Erzählung geschrieben, die fast noch langweiliger als tugendhaft ist, was hier viel sagen will.

Nun heißt’s aber: Flottgemacht! Aber wie? Da will ich denn versuchen, der “Kölner Zeitung”, die sich wiederholt um meine Mitwirkung bemüht hat, dieselbe für einige Zeit unentgeltlich anzubieten; dafür muss sie die Erzählung gegen anständiges Honorar nehmen. Das letztere der Ehre wegen, denn es wäre doch zu hart für eine früher so beliebte Schriftstellerin, jetzt höchstens umsonst geduldet zu werden; noch härter freilich, wenn sie diese kleine Intrige ahnden könnte. Deshalb, um Gotteswillen, Levin, lesen Sie dieses niemanden vor, auch Luisen nicht; es gereut mich schon durch und durch, dass ich es geschrieben habe.

Rüschhaus, 30. November 1844

aus: 1844, Briefe an Levin Schücking, Meersburg

Ich habe Laßbergen die beiden Cottaischen Briefe und aus dem Ihrigen das Betreffende mitgeteilt, und, sollten Sie es denken? Es war ihm alles nicht halb recht, d. h. von Cottas Seite. Von 550 Gulden mochte er mal gar nichts hören, selbst 700 schien ihm wenig, da dann, falls die Sammlung, wie Uhlands Gedichte, achtunddreißig Bogen enthielt, nicht mal zwei Louisdor auf den Bogen kämen, da mir doch selbst die obskure Abendzeitung schon drei Louisdor vorläufig geboten und sich obendrein einer willkürlichen Steigerung meinerseits unterworfen habe; auch Hüffer habe mich ja durch die dritte Hand wissen lassen, dass er den Verlag wünsche und, wenn ich es verlange, 500 preußische Taler geben würde; von Velhagen sowohl wie Dumont lasse sich zwar nichts Bestimmtes sagen, da sie mir die Forderung überlassen, doch berechtige mich besonders der Eifer des Ersteren zu günstigen Voraussetzungen.

Auch fand er die Auflage von tausend Exemplaren sehr stark, meint, ich müsse selbst im günstigsten Falle mehrere Jahre lang warten, ehe sie vergriffen; jene Auflagen, von denen man zuweilen lese, dass sie in 6–8 Wochen vergriffen worden, hätten immer nur 200–300 Exemplare enthalten; das Gewöhnliche sei 750, was drüber, schon eine starke Auflage, und ich müsse, falls Sie sich schon auf 700 Gulden eingelassen, mindestens um keinen Heller davon abgehn und eine Auflage von 750 Exemplaren verlangen; so schenke ich Cotta doch noch 200 Gulden, die mir Hüffer mehr geboten et cet.

Ich bin dadurch in die peinlichste Verlegenheit geraten und kann nun wirklich nicht unter 700 Gulden fordern, wenn ich es mir nicht nachher täglich soll vorhalten lassen, da natürlich Mama und Jenny nun auch ganz auf seiner Seite sind und ich ihnen, da ich grade sehr schwach bei Kasse bin, in Betreff dessen, was ich erhalte, nicht durch geheime Ergänzungen ein X für ein U vormachen kann.

Wegen der Stärke der Auflage hat es weniger zu bedeuten, davon werden sie nichts gewahr, und wenn auch – falls dies wahrscheinlich im Kontrakt vorkömmt, den ich gewiss nicht vorzuzeigen vermeiden kann –, so möchte ich um deswillen keineswegs mit einem Manne in Spannungen geraten, dem Sie jetzt so nahe stehn. Das Schlimmste, d. h. mir Unangenehmste, was erfolgen könnte, wäre, dass Cotta späterhin so sehr unter den Anträgen anderer Buchhändler blieb, dass ich schon Friedens halber genötigt wär, bei späteren Produktionen oder auch nur späteren Auflagen meiner Gedichte von ihm zu diesen überzugehn.

Ich lege übrigens alles in Ihre Hände, mein guter Levin, glaube nicht, dass Cotta von der Zahl der Exemplare abgehn wird, verlange deshalb auch keineswegs, dass Sie einen derartigen Vorschlag machen sollen; nur wünschte ich, dass Sie einmal in einem Briefe darauf hindeuteten, als hätten Sie ihn gemacht, damit die Geschichte nicht eine Leier wird, die ich mein Lebenlang muss spielen hören. Ich erkenne übrigens Ihre Bemühungen ganz vollkommen an und bin Ihnen höchst dankbar dafür, und auch die andern sehen wohl ein, wie eifrig Sie, mein gutes Kind, sich für mich bezeigen, und haben Sie deshalb doppelt lieb. Das können Sie mir glauben, ihr ganzer Unwille trifft den Cotta.

Ich begreife übrigens sehr wohl, dass ein Verleger die erste Auflage einer Gedichtsammlung nicht bezahlen kann wie gute Beiträge zu einem Journal, wo für jeden Geschmack gesorgt und jeder Abonnent das eine oder andere finden muss, was ihn reizt, das Blatt zu halten, da hingegen, sobald einer der Mitarbeiter für sich allein auftritt, mit Sicherheit nur auf so viele Käufer zu rechnen ist, als sich für ihn im Journal interessiert haben - vielleicht kaum der zehnte Teil der Leser, allerhöchstens die Hälfte. Und auch dies kann trügen, da sich manches zur Abwechslung sehr angenehm liest, was in größeren Massen bald ermüdet, und man auch in der Regel für einzelne Einsendungen das Ansprechendste auswählt. Kurz, ich bin, wie Sie sehn, ganz vernünftig, eben so zweifelhaft über den Erfolg meiner Gedichte, wie Cotta selbst es nur irgend sein kann, da sie noch lange, lange nicht das erreichen, wonach ich strebe und immer gleich gewissenhaft streben werde, so lange Körper und Geist mir ihre Kräfte nicht versagen. Machen Sie also nur nach Ihrer Weise voran, ich habe das vollkommenste Vertrauen nicht nur zu Ihrem Eifer, sondern auch zu Ihrer Kenntnis der Sachlage und dessen, was vernünftig zu erwarten steht.

Gott gebe indessen, dass Cotta auf die 700 Gulden eingeht; jedenfalls müssen Sie, falls er es nicht tut, auch nicht kontrahieren, bevor Sie mir darüber geschrieben. Und bitte, machen Sie, dass das Exemplar, was ich behalte, auf recht gutem Papier abgedruckt wird; ich möchte es gern als Andenken in die Hülshoffer Bibliothek stiften. Ach, es liegt mir so auf dem Herzen, Ihnen recht gründlich zu sagen, wie ich Ihre Liebe und treue Sorge für mich fühle; aber ich muss mit dem Flederwisch drüber weg, sonst unterbleibt das augenblicklich Nötigere. Also zu Ihren Anmerkungen.

1. Gegen die Versetzung der Einleitungsgedichte habe ich nichts.

2. Bei „Ungastlich oder nicht?“ mag immerhin „in Westphalen“ zugesetzt werden, aber, wie mich dünkt, eingeklammert als eine Art Erläuterung; als Stück des Titels scheints mir etwas albern zu lauten; ich meine so: „Ungastlich oder nicht? (In Westphalen)“ – oder wie meinten Sie es eigentlich?

3. Bei „Meinem Beruf“ scheinen mir die beiden Strophen nicht unverständlich; die eine schildert ein Ehepaar, das die Liebe, die andre einen innerlich früh Gealterten, der die Empfänglichkeit teilweise, aber nicht das Gefühl seiner Lage verloren hat. Ich habe dieses Gedicht vielen vorgelesen, sowohl einfachen als fast überbildeten Menschen; es wurde von allen für eins der besten gehalten, und obwohl ich selbst fürchtete, es sei nicht hinlänglich klar, hat dies doch bis dahin noch niemand zugeben wollen. Sie müssen also einen besondern Gesichtspunkt gefaßt haben, aus dem es Ihnen so vorkömmt, glaube aber wirklich, dass dies bei Wenigen der Fall sein wird.

4. “Katharine Schücking” mag „zusammen“ statt „selbander“ stehn, obwohl das letztere nicht so veraltet ist, als Sie denken; Stolberg, Bürger et cet. bedienen sich häufig seiner.

5. Der „Prediger“, Strophe 3. Hier ist „Stock und Brille“ allerdings unzweifelhaft besser.

6. „Stadt und Dom“. Strophe 1 ist „der Liederklänge Frohn“ so ganz im Anfange allerdings verkehrt und eine Vorausnahme der späteren Stimmung; denn wenn auch jeder glaubt, ehrenhalber dazu frohnen zu müssen, um „seinem Herzen das Diplom“ zu sichern, so war doch an dieser Stelle das Gedicht noch weit von dieser Enttäuschung entfernt. Setzen Sie: „Und wer die Liederklänge schon“ oder „Die Liederklänge wer, die schon Den Nachhall (das Echo) dieses Rufs ergänzt?“ Ferner: Str. 2 habe ich die bereits angekommenen, sich fast erdrückenden Proviantschiffe, – wie dies bei Hamburg wirklich der Fall gewesen, wo man die Lebensmittel, wie es heißt, hat endlich in den Strom werfen müssen, der Fäulung halber, – wollen „Mast an Mast ragen“ lassen, doch machts mir nichts aus, wenn sie statt dessen „ziehen“ oder „kommen.“ Str. 4 ist wahrscheinlich durch verkehrte Interpunktion undeutlich geworden; es heißt: „O werte Einheit, bist du Eins?* Der Lorbeerkron, des Heil’genscheins Wer steht dann würdiger als du, Gesegnete, auf deutschem Grund! Du trägst den goldnen zu Des Himmels Hort in deinem Bund!“ Ich denke, so ist’s nicht unverständlich; in schlichter Prosa: Werte Einheit, wenn du wirklich Eins bist, wer stände dann auf deutschem Grunde würdiger der Lorbeerkron und des Heilgenscheins als du et cet.

* Eigentlich hier kein Fragzeichen, sondern nur Komma oder desgleichen, als nach einem Vordersatz; aber ein Fragzeichen macht es vielleicht verständlicher. Wie es Ihnen am besten scheint.

7. „Vor vierzig Jahren“, Str. 6. Ein Schreibfehler; es heißt nicht „überwerte“, sondern (ironisch) „überwerte“, soviel wie übervortreffliche, überglückliche.

8. „Knabe im Moor“ hat früher auch gestanden „die Ranke häkelt am Strauche“ statt „vom Strauche“, und dies war an sich offenbar besser; weshalb ich es geändert, weiß ich nicht mehr. Wahrscheinlich kömmt das Wort „am“ sehr nah dabei nochmals vor; sehn Sie, bitte, nach, und wenn das nicht ist, so stellen Sie die alte Lesart her.

9. „Das öde Haus“. Str. 4 setzen Sie statt „einzle“ „wirre (graue)“, obwohl es nicht ganz denselben Sinn gibt und dies Herabrutschen einzelner Schober das Verfallne mehr andeutet; „einzle“ statt einzelne“ ist allerdings nicht hübsch, und ich würde es nicht gesetzt haben, wenn ich es nicht grade zuvor in einem andern sehr hübschen Gedicht – ich meine von Uhland oder Schwab – auch gefunden hätte. „Schluft“ ist vielleicht ein Provinzialismus, aber kein westphälischer, da es schon in der alten bekannten Romanze: „Zu Steffen sprach im Traume“ heißt: „Gespenster quiekten aus Schluften“; aber setzen Sie statt dessen „Schlucht“. NB. Wär es nicht vielleicht besser, wenn die vierte Strophe zur dritten würde? Man weiß nicht, wie man auf einmal aus der Schlucht an den Heerd kömmt; nach dem Fensterloche wär dies natürlicher, – oder meinen Sie nicht?

10. „Die beste Politik“, Str. 5. „Fortun“ ist nicht hübsch, aber was soll ich statt dessen setzen? „das Glück“ kömmt unmittelbar nachher und zwar als Reim; vielleicht: „Daß dem Geschick zumeist gewogen“? oder: „das Heil“? Wissen Sie ein anderes Wort, das den gleichen Gedanken gibt? Mir fällt keins ein. „Geschick“ kömmt gezwängt heraus, „das Heil“ auch etwas gesucht und bringt drei „das“ in dieselbe Strophe. Doch mögen Sie selbst entscheiden, und können Sie gar ein anderes Wort auffinden, so teilen Sie es mir doch ja mit. Was sagen Sie zu: „die Welt zumeist gewogen, Der sie am mindesten gehetzt“? oder: „Jeder dem zumeist gewogen, Der ihn et cet.“? oder: „Daß dem die Gunst zumeist gewogen, Der sie et cet.“?

11. „Cappenberg“, Str.3. „Doppellasten“ ist viel hübscher, und ich hatte es selbst schon mal gewählt, dann schien es mir undeutlich, wird aber doch wohl besser sein.

12. „Der Fundator“, Str. 7. „Der Familie Nutz“ ist allerdings spießbürgerlich, sollte es aber auch sein, als feststehender Kanzleistil, wie ich diese Formel in derartigen Stiftungsurkunden aus dem 17ten Jahrhundert immer gefunden habe. „Dessentwegen fundire und vermache ich zu der Familie Nutzen et cet.“; wenn es Sie aber sehr stößt, setzen Sie „Geschlechtes“. –“Der Sessel knallt“: da haben Sie sich verlesen oder ich mich erbärmlich verschrieben; es heißt „knackt“, – weil das Gespenst ihn angreift; – ein knallender Sessel!! – „Der Lade Spalten“. Ich habe mir eine halbgeöffnete Schieblade gedacht, wie mans wohl tut, wenn man verstohlen liest, um das Buch rasch hinein schieben zu können, wenn jemand kömmt, und dachte mir dabei die Lade des „güldenen Tisches“, vor dem er sitzt; setzen Sie aber: „des Faches Spalten“, so kann man sich ein Büchergestelle an der Wand denken..

13. „Der Barmekiden Untergang“. „Rosenöl“ ist allerdings ein Buch und machte vor zwanzig Jahren Aufsehen; meine Onkels Haxthausen besaßen es, waren entzückt davon, und es wurde damals in allen Zeitschriften rühmlich erwähnt, als höchst wertvoller Beitrag zur Kenntnis orientalischer Sitten und Sagen; leider habe ich den Namen des Verfassers vergessen. Was ist da zu machen? Wahrscheinlich weiß Cotta ihn, denn es war ein damals berühmter Gelehrter, der es aus dem Arabischen entweder übersetzt oder die Sagen selbst im Oriente gesammelt hatte.

14. „Der zu früh geborne Dichter“. „Und Alles, was er sah, das sang Von einem Weidenstumpfen.“ Hier fällt mir das Unverständliche nicht auf, Laßberg und Jenny auch nicht. Der im Zeitalter des schlechten Geschmacks geborne Dichter findet nirgends Anleitung zu Höherem; er sieht „ringsum keine Palme“, deshalb klimmt er an der Weide auf und jauchzt in die Alme (singt Idyllen et cet.); und wenn ihm dies kläglich scheint (zuweilen), so nennt man es Hochmuth, Schwulst, Schwärmerei, und Alles, was er ringsum von Dichtervolke sieht, sitzt auch nur auf Weidenstümpfen und singt von dort herab. Wirds vielleicht deutlicher, wenn es heißt: „Und Alles, was er sah (oder „hörte“), das sang Herab vom Weidenstumpfen“? Mich dünkt nicht.

15. „Nach fünfzehn Jahren“. Str. 4 setzen Sie statt „boulingreene“ „Rasenstreifen (Blüthenraine)“, wenns Ihnen besser scheint.

16. „Schloß Berg“ lassen Sie ganz fort; es ist doch mordschlecht; den Verfehlten fr. Roman desgleichen, auch allenfalls „Die Mutter am Grabe“, obwohl diese ihre großen Liebhaber hat – sogar Adele Schopenhauer –, besonders die letzten Strophen Manchem sehr gefallen. Aber ich habe doch so viele trübselige Gedichte, dass dieses, wie mich dünkt, die Trübsal nur auf eine unangenehme brühige Weise verlängert. Ich habe es schon hin und her geschoben, und überall schlossen die Gedichte besser an einander, wenn ich es wieder heraus nahm; doch bleibt dies Ihrem Gutdünken überlassen. – „Der Spekulant“ muss auch fort. – „Das Lied vom braven Manne“ heißt besser: Ein braver Mann. Ihre Bemerkung ist ganz richtig; aber was ist undeutlich darin? Der Eid? So schreiben Sie als Note: Der Huldigungseid, den er als Grundbesitzer hätte leisten müssen. – Was mir mit der Schmiede machen, weiß ich selbst noch nicht; soll sie nicht ganz bleiben, was mir selbst bedenklich scheint, so muss auch alles Plumpe daraus fort. Ob dann die ersten Strophen bleiben können? Ich meine bis zum „langen blonden Knaben“. So ist kein Schluß daran; ich will sehn, ob mir noch eine oder ein paar Strophen einfallen, die dies Fragment abrunden; in diesem Augenblicke fehlt mir die Zeit dazu; schicke ich sie mit dem nächsten Briefe nicht ein, oder gefallen sie Ihnen nicht, – da es bekanntlich schwerer ist, einen alten Rock aufzustutzen wie einen neuen zu machen, – so mag dies Schmiedefeuer total ausgehn.

Von „Des Pfarrers Woche“ haben Sie mir nicht geschrieben, was darüber bestimmt worden ist; soll sie bleiben, so verliert sie an der Schmiede eine sehr günstige Folie und kann dann, wie mich dünkt, nur auf die Stubenburschen folgen, und zwar noch knapp genug; lesen Sie es selbst mal nach. – Auch was Sie sonst von bereits Gedrucktem in Händen haben, z. B. die Gedichte im Morgenblatt, besonders die Balladen im „Malerischen und romantischen Westphalen“, hätte ich sehr gern durch Sie mit meinem Manuskripte verglichen, da ich der Güte meiner Abänderungen keineswegs sicher bin und dies lieber Ihrem Urteile überlassen möchte, jedoch die Lücke im Grauen ausgenommen.

Überhaupt hätten Sie, mein braves kleines Pferdchen, dieses Mal nur mehr Courage haben und mir ihre ferneren „rechtlichen Bedenken“ nur kecklich fürtragen sollen; hilfts nicht immer, so hilfts doch zuweilen, und hätte mir noch wohl einigen Vorteil und meinem guten Jungen, dem mein Ansehn fast so lieb ist wie sein eigenes, noch eine oder die andre Herzenserleichterung gebracht. Jetzt wirds wohl zu spät sein, sonst nähme ich Ihre Gutachten noch gern entgegen. Sie dürfens mir nur nicht übel nehmen, wenn ich nicht mehr davon verwende, als mir selber in den Kopf gehn will. Aber es ist immer sehr gut, eine Sache von mehreren Seiten zu betrachten, besonders wenn man durch zu öfteres Überlesen stumpf geworden ist; deshalb ist auch das Korrigieren so schwer, weil der alte Gedanke immer wieder kömmt. Sie müssen nur genauer angeben; Ihr „ist mir undeutlich“ mag Ihnen ganz deutlich sein, gibt mir aber, wenn’s zuweilen ganze Strophen betrifft, nur gar geringe Anleitung, wenn ich gar nicht ahnde, wo das Undeutliche steckt, und ich würde oft Ihrer Absicht sehr schlecht entsprechen, wenn ich Eins mit dem Andern totschlüg, während Ihnen nur ein einzelner Ausdruck anstößig war.

Soeben fallen mir ein paar Schlußstrophen für die Schmiede ein; sie sind nicht besonders, aber ich glaube nicht, dass sie mir ein anderes Mal besser gelingen. Also (das Ende war: „Gekrümmt zu Hufes Ringen“): „Am Pförtchen scharrt der Rappe, schnaubt Dem Schlackenstaub entgegen, Wo hinterm Hagen dichtbelaubt Sich Liederklänge regen. (Nun kann das Lied folgen oder auch wegbleiben.) ‘S ist eine Stimme fest und klar, Wie Morgenfrische heiter (oder „Morgenluft so heiter“); Nun durch die Spalten (Zweige) fliegen gar Maßlieben, Dold’ und Kräuter. Da wilder scharrt der Rappe, schwallt Am Dach der Funkenreigen, Und eine dunkle Nachtgestalt Scheint aus dem Schlot zu steigen. Und lockend (zitternd) schwankt (sucht) der Äpfel Schein Den Hagen zu berühren: Will Pluto hier am Blüthenrain Proserpina (oder „der Ceres Kind“) entführen?“ oder: „Will etwa Dis vom Blüthenrain Persephone entführen?“ Besser weiß ichs nicht zu machen; gefällts Ihnen nicht, so mag die Schmiede springen; denn die ersten Strophen allein werden Ihnen doch auch wohl gar zu fragmentarisch vorkommen? – Noch fällt mir ein, dass ich zweierlei an den Heidebildern ändern wollte und es vielleicht vergessen habe. Erstens in der Vogelhütte, wie er das Backwerk findet, würde da nicht besser „Brezel“ stehn? “Backwerk“ lautet so holprich. Dann beim Hirtenfeuer Str. 1: „Nur das rieselnde Rohr Neben der Schleuse wacht, Und an des Rades Speichen Schwellende Tropfen schleichen“ – begreift man da gleich, dass vom Mühlenrade die Rede ist, oder muss ich statt der “Schleuse“ lieber „Mühle“ setzen? Aber es macht sich nicht ganz so gut, da die Schleusen vorzugsweise mit Rohr umwachsen sind und dies dort so hübsch einsam flüstert. Machen Sie es, wie Sie wollen.

Meersburg, 6. Februar 1844

aus: 1844, Briefe an Levin Schücking, Meersburg

Ernstlich, Levin, ich erkenne Ihre Güte herzlich an, und sie ist mir gottlob nichts Neues, bin auch jetzt selbst der Ansicht, dass es für alle Parteien am Besten sein möchte, wenn meine Unterhandlungen mit Cotta durch Sie gehen. Laßberg ist hierin mit mir einverstanden; er hat sich anfangs sehr freudig angeboten, und nun kömmt’s ihm wie ein Riesenwerk vor – Sie kennen seine Umständlichkeit, er liest schon seit acht Tagen an dem Manuskripte, und mir kömmt’s vor, als blieb sein Zeichen, eine fladdrige “Karlsruher Zeitung”, die fast mit dem Hefte fortfliegt, immer auf derselben Stelle; und doch sagt er: “Ich beeile mich bestens, aber nachher wollen wir das Ganze etwas umständlicher durchgehn.” Sie sehn, es wird mir gehn wie den Heiligen, die erst nach dem Tode zu Ansehn kommen; zudem wird ihm der Gedanke, Cotta’n Geldforderungen zu machen, jede Stunde beklemmender – kurz, er paßt miserabel zu seinem Amte und wirds so gern niederlegen wie Sancho Pansa seine Statthalterschaft.

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aus: 1843, Briefe an Levin Schücking, Meersburg

Nun noch ein Wort von meinen Gedichten. Die Abschrift ist fast fertig, aber Sie, mein armes gutes Kind, sollen sich damit nicht plagen; Sie haben jetzt eine immer wachsende Haushaltung in Aussicht, müssen zu diesem Zweck Ihre eignen und Ihrer lieben Frau Schriften zu poussieren suchen, ohne sich Ihrem Verleger durch Protektion Fremder, deren Erfolg noch sehr zweifelhaft ist, unangenehm zu machen. Ich habe dies längst gedacht und muss mich schämen, dass Laßberg es mir zuerst hat deutlich aussprechen müssen, der sich dann auch erboten hat, sobald alles fix und fertig, meinetwegen mit Cotta zu unterhandeln. So ist’s am besten, und ich bitte Sie nur, mir zu sagen, was ich nach Hauffs Äußerungen etwa von Cotta zu erwarten hätte. Sie haben damals in Stuttgart mit ihm von mir geredet, wenigstens von meiner Judenbuche, und müssen so mindestens Ahnungen darüber geschöpft haben; einer abschlägigen Antwort mag ich mich nicht aussetzen, ebenso wenig mein Buch umsonst geben; soll ich mich nicht einem der andern zuwenden, die mir nachgehn, statt ich ihnen? Vergessen Sie die Antwort hierauf nicht und senden Sie Ihrem Mütterchen recht bald einen lieben, freundlichen Levinsbrief. Gott segne mein gutes Kind und die, welche ihm am Nächsten und Teuersten ist.

Meersburg, 14. Dezember 1843

aus: 1843, Abbenburg, Briefe an Elise Rüdiger

Wir bekommen hier eine Menge Journale - die “Modezeitung” - das “Morgenblatt” - den “Telegraphen” - “Vaterland” - “Ausland” - “Königsberger Literaturblätter” … Wenn ich sehe, wie so alles durcheinander krabbelt, um berühmt zu werden, dann kömmt mich ein leiser Kitzel an, meine Finger auch zu bewegen. Geduld! Geduld! Aber wenn ich dann wieder sehe, wie einer kaum den Kopf über dem Wasser hat, dass schon ein anderer hinter ihm einen Zoll höher aufduckt und ihn niederdrückt; wie Heine schon ganz verschollen, Freiligrath und Gutzkow veraltet sind - kurz, die Zelebritäten sich einander auffressen und neu generieren wie Blattläuse, dann scheint mir’s besser, die Beine auf dem Sofa zu strecken und mit halbgeschlossenen Augen von Ewigkeiten zu träumen.

Mir kömmt ein stattlicher Bürger vornehmer vor wie ein verjagter und mit Kot beworfener König, und ich finde nichts kläglicher als einen cidevant berühmten Poeten, dem jetzt jeder räudige Kläffer nach den Waden fährt. Sie glauben nicht, wie’s mich ärgert, Freiligrath schon so häufig als “efemere Glanzerscheinung”, “Seifenblase, die geplatzt ist” et cet. bezeichnen zu hören, und doch kommen diese Stimmen von allen Winden, und es ist förmlich Mode, sich von ihm loszusagen - der arme Winterkönig! Der doch gewiss gemeint hat, mit achtzig Jahren in seinem Diktator-Mantel schlafen zu gehn!

Ach, Elise, alles ist eitel! Was hilft’s mir, dass die Buchhändler meinen, auch mich kurze Zeit dem Publikum als Zugpflaster auflegen zu können, um mich nachher wie eine verbrauchte spanische Fliege beiseite zu werfen. Das “Abendblatt” hat mir Anträge gemacht, recht vorteilhafte: “Das gewöhnliche Honorar sei zwei, höchstens drei Louisdor per Bogen, ich könne aber darüber hinauf fordern, so hoch ich wolle, die Bedingungen seien lediglich mir selbst anheim gestellt et cet”. Ferner: “Ich dürfe nicht zürnen, wenn es mich dem Publikum vorläufig als Mitarbeitern zu bezeichnen wage, und nur ein bestimmter Befehl meinerseits könne es daran verhindern”. Ich habe bis jetzt weder Zeit noch Lust gehabt, den Brief zu beantworten; vor zwanzig Jahren würde er mir den Kopf verrückt haben, jetzt sehe ich schon en perspektive den Augenblick, wo man sich meine Beiträge verbitten oder auf den geringsten Preis herabdrücken würde.

So steht mein Entschluß fester als je, nie auf den Effekt zu arbeiten, keiner beliebten Manier, keinem anderm Führer als der ewig wahren Natur durch die Windungen des Menschenherzens zu folgen, und unsre blasierte Zeit und ihre Zustände gänzlich mit dem Rücken anzusehn. Ich mag und will jetzt nicht berühmt werden, aber nach hundert Jahren möcht ich gelesen werden, und vielleicht gelingt’s mir, da es im Grunde so leicht ist wie Kolumbus’ Kunststück mit dem Ei, und nur das entschlossene Opfer der Gegenwart verlangt.

24. Juli 1843