Briefe zum Schlagwort Verlage



aus: 1841, Briefe an August von Haxthausen, Rüschhaus

Du weißt, dass der Landtag alle Hände so voll gehabt hat, dass die Schulangelegenheiten gar nicht haben zur Sprache kommen können. Manche sagen, nicht mit Unrecht, sie hätten dafür einige Privatsachen, z.B. Jagdsachen et cet., hinter Weges lassen sollen. Es ist traurig dass so sehr viel Verstand und Geistesunabhängigkeit dazu gehört das Allgemeine aufzufassen, und die ehrlichsten Leute, die sich nicht mit Millionen bestechen ließen, doch ihr zerbrochenes Töpfchen immer für den Hauptschaden halten. – Gutsbesitzer – Kaufmann – Städter – Jeder stimmt für sein Interesse, so mache sie sich einander kaputt, und das Resultat ist, dass alle mit gleicher langer Nase anziehn…

Perdu!: mein Lustspiel, worin höchstens einer Persönlichkeit (der Bornstedt) zu nahe getreten sein könnte, ist auch von meinem Kreise förmlich gesteinigt und für ein vollständiges Pasquill auf sie alle erklärt worden, und doch weiß Gott, wie wenig ich an die guten Leute gedacht habe. Schücking und die Rüdiger waren die einzigen die nichts Anstößiges darin fanden, obwohl beiden auch ihre Rollen zugeteilt wurden, und zwar letzterer eine höchst fatale.

Meinen Gedichten geht es schon gut in der weiten wüsten Fremde. Es sind kürzlich wieder zwei Rezensionen heraus gekommen (Dresden und München), so gut wie die, [die] du bei mir gelesen. Einer der Rezensenten (der Dresdener) ist so artig gewesen, mir das Blatt unter Umschlag an meinen Verleger zuzuschicken, hat sich aber nicht genannt.

Ein gewisser Engel, der in Hamburg am “Telegraphen” schreibt, ist noch galanter, und sagt in seinen (“Reiseskizzen” glaube ich), als er auf Münster kömmt, “wie man eine Stadt so wenig beachten könne, wo man vielleicht Levin Schücking und Annette Elisabeth von D. H. unter den Bogenhallen begegnen könne”, wobei er sich des breiteren über mein Büchelchen ausläßt. Die Bornstedt ist furios darüber gewesen und hat behauptet, der Mensch sei von Levin dazu gekriegt, sonst hätte er statt meiner wohl sie genannt, denn sie habe viel geschrieben und einen Namen in der Literatur, meine paar Brocken aber kenne kein Mensch.

Alles das könnte mich ganz stolz machen, wenn ich nicht die niederschlagende Gewißheit hätte, dass meine erste Auflage noch nicht vergriffen ist. Man sagt mir, das käme daher, dass mein Verleger keine auswärtigen Konnexionen habe und nirgends hin größere Sendungen mache, so dass weit entfernte Buchhändler, die es eigens müßten kommen lassen, keinen Vorteil dabei sähen, umso mehr, da Hüffer es schon sehr teuer abläßt (fast einen Taler).Ob dieses der alleinige Grund sein kann, weiß ich nicht und denke vielmehr, es wird immer ein zu kleines Publikum haben, um eine gute Buchhändlerspekulation zu sein.

Übrigens glaube ich, dass die Auflage jetzt bald vergriffen ist (sie war aber auch klein, 600 Exemplare) und, was irgend verkauft wird, geht ins Ausland, hier liest es keine Seele, meine eignen Verwandten und ältesten Freunde haben noch nicht hineingesehn.
Rüschhaus, 20. Juli 1841

aus: 1838, Briefe an Therese von Droste, Rüschhaus

Ich habe jetzt ein neues Gedicht geschrieben, von der Größe wie das “Hospiz auf dem St. Bernhard”. Es heißt “die Schlacht im Loener Bruch” und besingt die Schlacht bei Stadtlon, wo Christian von Braunschweig die Jacke voll kriegt. Man findet es besser als meine übrigen Schreibereien, und ich habe einen sehr artigen Brief von Hüffer bekommen, der um den Verlag bittet, ich habe ihm denselben auch zugesagt, falls ich es herausgebe.

Ich schrieb dies an Adele Schopenhauer und bekam gleich die Antwort, ich möge das ja nicht tun und keinen obs[k]uren Verleger nehmen, das falle auf das ganze Werk zurück; sie habe einen Verleger für mich in Jena, es war aber zu spät. Wenn es herauskömmt, muss es bei Hüffer sein, und ich habe noch einen Grund dafür, es wäre mir nämlich unerträglich, wenn ein Buchhändler hinterher sagte, er hätte dadurch Schaden an meinen Sachen gehabt und es doch nur aus Gefälligkeit für mich übernommen, und das hätte leicht bei Dumont in Köln und auch bei dem Jeneser sein können, da sie ja nie eine Zeile von mir gesehen hatten und gewiss nur Braun und Adele zu Gefallen es übernehmen wollten. Hüffer aber hatte es vorher gelesen und dann ganz von selbst den Antrag gemacht, und so kann er mir nichts vorwerfen, wie es auch ausfällt.

Bitte, liebe Mama, antworte mir doch gleich, ob Du nichts gegen die Herausgabe hast, denn Hüffer hätte es gern gleich zur Ostermesse. Es wäre dann “die Schlacht im Loener Bruch”, der “Barry”, “des Arztes Vermächtnis” und eine Auswahl von kleinen Gedichten, z.B. der “Graf von Thal”, die “Elemente”, die Säntislieder, die Weiherlieder, nur einige wenige, um die größeren Gedichte zu trennen. Sag Laßberg aber nichts davon, das würde ihm ganz verrückt vorkommen. Ich habe auch viele alte Tröster nachgeschlagen und mir überall Rats erholen müssen, um damit fertig zu werden.

Ich will nur eine ganz kleine Auflage von 500 Exemplaren gestatten, aber dann auch für die erste Auflage kein Honorar nehmen; erlebt es keine zweite, so hat Hüffer auch keinen Profit, erlebt es eine zweite, so weiß ich, was ich bis dahin fordern kann. Zu Freiexemplaren habe ich auch keine rechte Lust, es ist mir immer so lächerlich gewesen, wenn ein Schriftsteller sein eigenes Werk verschenkt. Die Leute müssen freundlich tun und das Ding herausstreichen, das verbittert ihnen das ganze Geschenk. Und dann sind so viele, die gar keinen Sinn für dergleichen haben oder Gefallen daran, z.B. N. N., der sich dann hinsetzen würde und mir ellenlange Briefe schreiben, um mir auseinanderzusetzen, wie grundlos schlecht dies alles wär’. L… würde dies auch nicht gefallen und mich verlegen machen wegen der Antwort, und beide könnte ich doch nicht übergehen, kurz, Freiexemplare wären für mich eine wahre Last, bei jedem müßte ich einen Brief schreiben, ich kann nicht ohne Schaudern dran denken! Nein, ich mag keine.

Bitte, antworte mir doch gleich, ob Du etwas gegen die Herausgabe hast, denn bis Ostern ist kaum noch Zeit einen Vers zu drucken, und ich bringe den Verlegern einen großen Schaden, wenn sie es nicht auf die Leipziger Messe liefern können, und einen fremden Namen möcht’ ich nicht annehmen, entweder ganz ohne Namen oder mit den Anfangsbuchstaben A.v.D.

Rüschhaus, 9. Februar 1838

aus: 1838, Briefe an Christoph B. Schlüter, Hülshoff

Ich schicke Ihnen ein Stück Briefes, den ich von der Schopenhauer erhalten, mit der Bitte, mir doch sogleich Ihre Ansicht darüber zukommen zu lassen. Ich meinerseits glaube weder von Herrn Hüffer loskommen zu können und noch weniger, dass er für sein höfliches und freiwilliges Anerbieten eine solche Hintansetzung verdient; doch überlasse ich Alles Ihrem besseren Urteil. Hüten Sie sich aber, Sie arglosester und somit unvorsichtigster aller Menschen, diese Zeilen Herrn Hüffer etwa mitzuteilen, die Ausdrücke obskure und geringe Buchhandlung würden ihm schwerlich gefallen, zudem braucht er, falls Sie der Meinung sind, ihm das Manuskript zu lassen, gar nicht zu wissen, dass ich einen Augenblick darüber schwankend sein könnte; so etwas läßt immer einen kleinen Stachel zurück.

Die Gründe der Schopenhauer sind allerdings triftig genug und bestätigen meine frühere Ansicht, aber der Jenenser kann und wird ja auch wohl mal etwas Späteres übernehmen, wodurch das Versäumte nachgeholt werden kann. Doch, wie gesagt, Sie sollen entscheiden, obgleich ich glaube, es ist zu spät. Mein Bruder nimmt morgen diese Zeilen mit, und übermorgen früh wird er Ihre Antwort holen lassen. Sie werden aus dem Datum der Beilage sehn, dass die gute Schopenhauer schon allzulange auf Antwort wartet.

Mit dem Braunschweig geht es lustig voran, oder ging es vielmehr bis jetzt, wo ich erfahren habe, dass mehrere ältere Werke eine genaue Beschreibung dieser Schlacht nebst beigefügtem Schlachtplan enthalten, somit meiner Phantasie keineswegs das große Feld zu Gebote steht, was ich ihr bereits geöffnet hatte; ich muss also warten, bis ich mir Einsicht in diese Schriften verschafft. … Weit schlimmer als diese Zögerung ist es, dass mein Bruder meint, die Zeitumstände erlaubten nicht, grade jetzt mit einem Gedichte aufzutreten, was die Religionsspaltungen zum Gegenstande habe und so offenbar eine katholische Hand verrate; es sehe aus wie absichtliche Aufregung der Gemüter, werde vielleicht auch hier und dort diesen Eindruck machen, und könne sowohl für mich als Herrn Hüffer von unangenehmen Folgen sein, selbst wenn die Zensur es jetzt passieren lasse, da die Sachen leider so ständen, dass der folgende Augenblick immer schlimmer zu werden drohe als der gegenwärtige. Was sagen Sie dazu? Ohne den Braunschweig gäbe es auch wohl ein leidliches Bändchen.

Der zweite Gesang ist übrigens, meine ich, auch schon gut, obgleich vielleicht weniger nach Ihrem Geschmack, da das darin vorherrschende Kriegs- und Lagerleben nicht so viele Naturschilderungen zuläßt; es ist ohngefähr das Verhältnis wie zwischen den beiden Gesängen des St. Bernhard, nur dass dort überhaupt die Naturszenen weit mehr vorherrschen. …

PS: Was die Schopenhauer vom Honorar schreibt, geht nicht von mir aus, es ist mir nicht eingefallen, eins zu verlangen, aber sie hat es wohl vorausgesetzt, da die Schriften ihrer Mutter, wenigstens früherhin, so stark honoriert wurden.
1. Januar 1838

aus: 1837, Briefe an Therese von Droste, Rüschhaus

Schlüters waren hier, und Junkmann auch. Es geht ihnen wohl. Sie wollen durchaus, ich solle den Barry in Münster bei Hüffer herausgeben. Ich habe wenig Lust dazu. Hast Du jemals gewußt, dass Hüffer, derselbe demagogische Hüffer, seines Zeichens ein Buchhändler [ist]. Ich habe gedacht, er wäre Regierungsrat oder so etwas, aber er hat die Aschendorffsche Buchhandlung. …

Es ist jetzt ein Sohn der Katharine Busch in Münster, Du weißt wohl, derselbe Levin, der früher bei Specht war. Er ist in einer übelen Lage. Sein Vater, der immer ein mauvais sujet war und, wie die Jungblut uns wohl sagte, bloß seiner Frau zuliebe noch nicht abgesetzt war, ist es jetzt wirklich und auf dem Punkte, nach Amerika zu gehn. Levin will ihn nicht begleiten, weil er für das, was er gelernt hat, dort kein Brot finden würde. So sitzt er in Münster, wartet auf Gottes Barmherzigkeit und gibt seine letzten Groschen aus, aber was soll er machen? Er läuft genug um eine Stelle als Hofmeister, ist aber schon zweimal abgefahren, erste bei Erbdrosten (von denen wieder einer fortgeht, mit demselben Streit und Aufsehn wie die vorigen) und dann bei Westphalens. Er ist betrübt, er soll sehr brav sein und ausgezeichnete Kenntnisse besitzen, aber er sieht aus und hat Manieren wie ein Stutzer oder vielmehr wie Theodor Murdfield in seinem Alter, dem er jetzt ungeheuer gleicht. Es freut mich, dass seine Mutter das nicht mehr erlebt.

Rüschhaus, 24. Oktober 1837

aus: 1837, Briefe an Christoph B. Schlüter, Rüschhaus

Wegen meines St. Bernhards wird J[unkmann] mit Ihnen geredet haben, ich wünsche noch immer das Gedicht anderswo herauszugeben, denn ich möchte, dass sei Renommee, gut oder schlimm, bereits gemacht wäre, eh es in den Kreis meiner Bekannten käme, da ich nicht darauf rechne, dass es hier sehr gefallen wird; für auswärts mache ich mir bessere Erwartungen und möchte meiner lieben Mutter, die im Grunde jedes öffentliche Auftreten scheut wie den Tod und nur zu empfindlich ist für die Stimme des Publikums, gern zuerst die möglichst angenehmsten Eindrücke gönnen; dann schmerzen nachher einzelne Stimmen weniger; für mich selbst wäre es mir nur schon gleich, womit ich es zuerst aufnehmen müßte.

Wegen der geistlichen Lieder kann ich Ihnen durchaus noch keinen Bescheid geben, da meine Mutter, die sie seit Jahren nicht in Händen und fast vergessen hat, darüber bestimmen muss. Sie will dieselben zu diesem Zweck durchlesen …
Rüschhaus, 23. März 1837