Soeben sagt mir Jenny, dass ich dir schreiben solle, dass Schücking hier ist. … Laßberg hat ihm nach Darmstadt, wo er sich grade bei Freiligrath aufhielt, geschrieben, um einen Katalog von seiner Bibliothek zu lassen; Laßberg st ganz von selbst auf den Einfall gekommen., da er sich schon längst, nach seiner geheimnisvollen Weise ganz im stillen, nach einem Menschen umgesehn, der nach den nötigen Kenntnissen keine große Forderungen mache und ihn nicht im Hause geniere; so habe ich nichts von dem Plane gewußt, bis er zur Ausführung kommen sollte, habe mich aber recht gefreut Schücking zu sehn, der vor etwa zehn Tagen angekommen und den ganzen Tag so fleißig an der Arbeit ist, dass Laßberg ihn lobt. Wir sehn ihn selten, außer bei Tische, da er in den freien Stunden (abends bei Licht) an seinen eigenen Schriftstellereien arbeitet oder auch ins Museum geht, die Zeitungen zu lesen.
Den Freiligrath hat er ganz verändert gefunden; er geht gar nicht aus, arbeitet wie ein Pferd und trinkt keinen Tropfen Wein; die Frau scheint ganz das Regiment und den Knopf auf dem Beutel zu haben. … Die Frau ist sehr hübsch und auch gescheut, aber zereminös, voll Sentenzen, und überhaupt durch und durch eine Gouvernante (was sie auch früher war); sie erinnerte in Wesen und Redensarten sehr an Adele, nur viel strenger und alles mehr auf die Spitze stellend, und sie hat während Schücking da war, ihrem Manne ein paarmal über einige unbedachte Worte eine Szene gemacht, dass dieser ganz betrübt darüber ist und fürchtet, sie werde den guten Anfang wieder verderben. Es wäre traurig, da in Freiligrath doch eine sehr gute Natur zu stecken scheint und er sich gern bessern will.
Meersburg, 26. Oktober 1841
1 Anmerkung
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Schücking seh’ ich kaum Scheppe und ich sind auch dicke Freunde und haben uns wertvolle Geschenke an Versteinerungen und Schneckenhäusern gemacht, denn er kriecht ebenso wie ich am See und in den Weinbergen umher und ist lange vor mir gekrochen, so dass die Meersburger an diese neue Art von Vierfüßlern gewohnt sind, was mir jetzt gut [...]...
Schücking scheint Heimweh zu haben Von Schücking habe ich kürzlich Briefe, er wohnt jetzt in Köln, redigiert das Feuilleton der Kölner Zeitung und das Rheinische Jahrbuch und bekömmt für ersteres vom DuMont Schauberg 1000 Reichstaler, für letzteres auch einige hundert Taler Gehalt. Seine Aufsätze werden ihm extra sehr gut bezahlt, so dass er sich (ausgenommen, dass [...]...
Schücking geht zugrunde Wegen Schückings Angelegenheit bin ich noch ohne Antwort von Hassenpflug, was mich weniger wundert, seit ich weiß, dass er selbst den Seinigen zu schreiben noch nicht die Zeit hat erübrigen können, doch lange kann es nicht mehr währen, bis ich Bescheid weiß, guten oder schlimmen, jedenfalls lasse ich Schück[ing] jetzt nicht mehr im Stiche, [...]...
Schücking führt ein Leben en grand seigneur … ich habe doch einen Brief vom 2ten Oktober zu beantworten, wo mir Schücking die “neue Wendung seines Schicksals” ankündigt, und sich so hin und her dreht, dass ich denken soll, er habe erst jetzt, auf Dumonts Antrag, Cottas Dienst verlassen, während dies doch ganz gewiss schon im Frühling der Fall, und sein ganzer [...]...
Nachwuchs bei Schücking … bekam gleich darauf einen triumphierenden, strahlenden Brief von Schücking, datiert vom 20. Am vorigen Abend um 7 Uhr hatte er einen jungen Sohn bekommen und ist außer sich vor Freude und Hoffart. Er findet das Kind jetzt schon wunderschön, schreibt, es gleiche Luisen, habe schwarze Löckchen mitgebracht, und sie hätte ihm gleich [...]...
Schücking hat an mir gehandelt wie mein grausamster Todfeind Sie wissen nicht, was ich in den letzten Tagen gelitten habe, und welche durchdringende Erquickung mir ihre treue vertrauensvolle Freundschaft gerade jetzt sein muss. Ich habe Schückings scheußliches Buch gelesen, ich habe es von wahrhaft wohlmeinender Hand erhalten, mit dem Zusatze, ich müsse es leider lesen, da ich in dem allgemeinen Verdachte stehe, ihm [...]...
Auf Schücking kann ich mich nicht verlassen Sch[ücking] übersendet mir zugleich ein Geschenk von Cotta, ein Prachtexemplar des Nibelungenliedes in Folio, mit Randzeichnungen, nebst einem so artigem, fast demütigen Briefe, als ich mir ihn aus Cottas Feder nicht für möglich gedacht habe. Ich will ihn Ihnen abschreiben, halb aus Prahlerei (denn ich bin nicht ein Zehntel so bescheiden als Sie), halb [...]...
Schücking schreibt nur flüchtig Denke nicht miserabel von mir, bestes Herz, weil ich deinen lieben freundlichen Brief mit dem mir überaus wertem Geschenke so lange unbeantwortet gelassen habe. Es ist seitdem allerlei über mich gekommen, Krankheit, Reisen, und (worüber du lachen wirst) ein wahrer babylonischer Turmbau von Geschäften. Ich sitze hier — oder vielmehr ich sitze nirgends, sondern [...]...
Ich würde es eine fehlerhafte Schülerarbeit nennen … Was soll ich Ihnen von Sch[ücking]s eigner Lage sagen? Er nimmt sie von der besten Seite, ist vergnügt wie ein König und baut ein Luftschloß ums andre, wobei er seinen zukünftigen Erwerb durch dramatische Arbeiten hoch anschlägt. Cottan hat er noch nicht mit Augen gesehn, ist auch nicht auf Ostern von ihm engagiert, [...]...
Es geht hier ums ganze Leben! Schreiben Sie mir gleich, wie Ihnen die Gall gefallen hat; bin ich schon in Abbenburg, so wird mir der Brief doch unmittelbar nachgeschickt. Wir (Elise und ich) sind natürlich äußerst gespannt darauf, und unsre Wünsche und Gebete werden Sie an jenem Tage begleiten. Gott gebe, dass die Gall ist, wie wir sie uns ausmalen, [...]...





Dass Sch[ücking] bei Euch ist, wusste ich schon durch die Hülshoffer, denen es die Bornst[edt], die gleich nach Annas Tode auf acht Tage hingefahren war, erzählt hatte. Wie mag diese Sache wohl ansehn? Ich fürchte, wie ein verabredetes Rendezvous; das wäre doch sehr traurig.