Faksimile eines Briefes an Christoph Bernhard Schlüter vom August 1846. Foto: Monika Gemmer

Faksimile eines Briefes an Christoph Bernhard Schlüter vom August 1846. Foto: Monika Gemmer

Wie hätte sich eine Schriftstellerin aus dem 19. Jahrhundert, eine Dichterin von Schaffenskraft und Charakter einer Annette von Droste-Hülshoff, in der Medienwelt von heute bewegt? Hätte sie die Möglichkeiten, die das Internet bietet, für die Recherche, für die Kommunikation mit ihren Freundinnen, mit Familie und Bekannten, für das eigene Publizieren genutzt? Hätte Annette von Droste-Hülshoff heute womöglich in ihrem Schneckenhäuschen in Rüschhaus vor dem Laptop gesessen und – gebloggt?

Niemand weiß es. Übertragungen dieser Art sind immer Spekulation. Im Falle der Droste fußt die Gedankenspielerei immerhin auf dem Wissen, dass sie keine Scheu vor technischen Neuerungen hatte. Annette von Droste stieg furchtlos aufs Dampfboot, und den ersten Meldungen über eine Zukunftsvision, das Telefon (das erst lange nach ihrem Tod zum Einsatz kam) konnte sie viel abgewinnen:

Ich las neulich von einer Erfindung, die man noch zu vervollkommnen, und zum Besten der Politik auszubeuten hofft; nämlich durch eine, wenig kostbare, Vorrichtung von drahtdünnen Röhrchen unter der Erde, den Schall auf große Wegstrecken so fortzupflanzen, dass man z.B. in Minden nur sprechen, und ein Anderer in Münster das Ohr anlegen darf. – Ich denke mir diese Einrichtungen würden dann Regale, und man förmlich auf Billets, nach vorläufiger Bestellung, zu Unterredungen zugelassen; – Ach Gott, Lies, was würden wir da manchen halben Gulden totschlagen!

Andererseits: Viele Hinweise zeugen davon, dass Annette von Droste ihre private Korrespondenz ängstlich vor fremden Augen zu schützen versuchte. Immer wieder bat sie ihre Adressaten, Briefe zu verbrennen oder beschwörte sie, gewisse Details unbedingt für sich zu behalten. Man darf wohl davon ausgehen: Hätte die Droste das Web zur Kommunikation genutzt, sie hätte höchstwahrscheinlich ihre Mails mit Pretty Good Privacy verschlüsselt und ihr Weblog mit einem Passwort-Schutz versehen. Doch zu spät: Heute sind die erhaltenen rund 700 Briefe vielfach veröffentlicht und seit rund 130 Jahren Gegenstand der Literaturforschung – Geheimnisse werden hier also nicht preisgegeben.

Monika Gemmer. Foto: Renate Schildheuer

Monika Gemmer, Journalistin und Droste-Kennerin. Foto: Renate Schildheuer

„Nach hundert Jahren“ ist ein literarisches Web-Projekt von Monika Gemmer. Alle Postings und Kommentare sind Originalauszüge aus Briefen der Droste und ihrer Zeitgenossen. Die Veröffentlichung in dieser Form – als datenbankgestütztes Weblog – ermöglicht einen neuen Zugang zu dem Material: Wer die Droste jenseits ihrer Gedichte kennenlernen möchte, kann in den aufschlussreichen Korrespondenz-Zitaten stöbern, aber auch gezielt suchen – nach Briefen aus bestimmten Jahren oder Herkunftsorten, nach Adressaten oder anhand von Schlagwörtern. Ausführliche Informationen über die Protagonisten und eine Karte mit Aufenthaltsorten der Dichterin ergänzen das Projekt, das 2007 den Grimme Online Award bekommen hat. Auch Sie können Ihren Beitrag hinterlassen – benutzen Sie dafür das Gästebuch.

Quellen:

  • Winfried Woesler (Hg.), Sämtliche Briefe. Historisch-kritische Ausgabe.
  • Karl Schulte Kemminghausen, Gesamtausgabe der Briefe der Annette von Droste-Hülshoff.
  • Winfried Woesler, Briefe an die Droste, Historisch-Kritische Ausgabe, Bände XI,1/2 und XII,1/2.
  • Walter Gödden, Die andere Annette – Annette von Droste-Hülshoff als Briefschreiberin
  • Walter Gödden, Sehnsucht in die Ferne. Annette von Droste-Hülshoffs Reisen durch die Biedermeierzeit
  • Walter Gödden, Tag für Tag im Leben der Annette von Droste-Hülshoff
  • Levin Schücking, Annette von Droste


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