… mein Bruder Werner wohnt jetzt auch in der Stadt, die öftere Kränklichkeit seiner Frau und Kinder haben den Vorwand dazu hergeben müssen — ich glaube, hätte er gradezu gesagt, er langweile sich auf dem Lande, so wäre er der Wahrheit am nächsten geblieben. Meine Schwägerinn zeigt sich noch fortwährend als ein gutes harmloses Geschöpf, und die Kinder sind gesund und gutmütig, obgleich übrigens weder sehr hübsch noch sehr lebhaft — das erstere hätte man wohl hinsichtlich der beiden Eltern erwarten können.

Unser liebes Hülshoff liegt somit jetzt öde — es sind zwar ein paar Leute dort geblieben, um Garten und Haus einigermaßen in Ordnung zu halten, aber man weiß wohl, wie es mit unbewohnten Gütern geht; Werner hat so wenig Liebe zu seinem Geburtsorte, dass, als ich ihn jetzt im Herbste erinnerte, doch wenigstens zu bestellen, dass die zarten Gewächse in der immer grünen Anlage mit Stroh gegen die Kälte geschützt würden, er antwortete, das sei ganz einerlei, daran werde doch nicht jedes Jahr gedacht werden — und was in diesem Winter nicht erfriere, werde es doch im nächsten et cet.

Du siehst hieraus, was wir für den Ort unsrer Kindheit zu erwarten haben! Ich leugne nicht dass es mich zuweilen tief schmerzt.

Rüschhaus, 2. November 1828

Hintergrund: Bruder Werner und Schwägerin Caroline (Line) wohnen den Winter über vermutlich in der Münsteraner Stadtwohnung der Familie Droste am Alten Steinweg.

    Diesen Brief drucken Diesen Brief drucken

Thematisch verwandte Briefe:

August weiß sich nicht zu benehmen … meines Onkels Werner kleines Töchterchen soll ein wahrer kleiner Engel sein, ich kenne es noch nicht, da ich seit sechs Jahren nicht in Bökendorf gewesen bin, um das Zusammensein mit meinem Onkel August Haxthausen zu vermeiden, dem ich, aus hinlänglichen Gründen, nicht eben gar zu hold bin, und dem es zu sehr an [...]...

Erscheinungen am Himmel über Hülshoff Ich möchte wohl wissen, ob es jetzt auch bei Ihnen so ganz seltsam in der Natur aussieht wie hier, es sind in diese Woche schon zwei Gewitter gewesen — das eine so heftig mit Donner und Hagel wie mitten im Sommer (gestern Abend) und in dieser und der vorigen Woche dreimal ein Nordlicht, was [...]...

Werner fängt Ökonomie an! Ich sitze hier seit vierzehn Tagen ganz, ganz still, dass man es ja in Münster nicht merkt; denn nur unter dieser Bedingung hat Mama mir erlaubt, hierzubleiben. Sie fürchtete sonst Unkosten und Klatscherei; ich weiß nicht, was am meisten. So meint jedermann, ich sei wenigstens für gewöhnlich in Hülshoff, wo ich es aber, die [...]...