Ich werde in Zukunft in die Briefe an Dich immer ein loses Blatt einlegen, um darauf zu schreiben, was nicht jedermann lesen soll. Denn ich weiß wohl, dass Mama sie der ganzen Welt vorlesen wird, nicht allein die an sie, sondern auch die an Dich, und dass es sie verdrießen würde, wenn Du sie ihr verweigertest. Ich sehe ja, wie es mit Deinen Briefen geht, und Du hast ganz recht, dass Du so vorsichtig schreibst; aber an mich hättest Du immer gleich ein Blatt einlegen können; und jetzt kannst Du mir schreiben was Du willst; ich zeige Deine Briefe niemandem und erzähle nur etwas daraus. …

NB. verbrenne diesen Brief doch oder lege ihn gut fort; es steht so vieles darin, was nicht für Mama paßt. Sprich lieber, wenn sie da ist, gar nicht oder nur ganz oberflächlich davon, sonst will sie ihn sehn, und das geht doch nicht. Am besten ist’s Du verbrennst ihn.

Rüschhaus, 23. September 1840

Hintergrund: Therese von Droste ist Ende September nach Meersburg am Bodensee abgereist, wo ihre Tochter Jenny mit ihrem Mann Joseph von Laßberg und den beiden Zwillingstöchtern jetzt leben. Annette sollte zunächst ebenfalls dabei sein, sagt die Reise dann aber ab und gibt dafür finanzielle Gründe an.
Briefe gelten im 19. Jahrhundert nicht als Privatangelegenheit - dass daraus vorgelesen wird, auch in größerer Runde, ist durchaus üblich.

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Was kann mir dann Großes begegnen? Liebste Jenny, ich bin krank, kann gar nicht schreiben und muss doch, seit 14 Tagen, über meine Kräfte. Zwei Briefe an Dich, wovon ich an dem einen zwei, an dem andern vier Tage mich geplagt hatte, habe ich zerreißen müssen, weil unterdessen alles änderst eingerichtet worden war, nun kann ich aber nichts mehr! und [...]...