1845 14.November

Heute muss ich diesen Brief schließen, wenn er noch zur rechten Zeit kommen soll. Ich trenne mich ordentlich schwer von ihm, denn Sie sind mir fast wie gegenwärtig wenn ich so zu Ihnen rede. Ich las neulich von einer Erfindung, die man noch zu vervollkommnen und zum Besten der Politik auszubeuten hofft; nämlich durch eine wenig kostbare Vorrichtung von drahtdünnen Röhrchen unter der Erde den Schall auf große Wegstrecken so fortzupflanzen, dass man z.B. in Minden nur sprechen und ein anderer in Münster das Ohr anlegen darf. Ich denke mir, diese Einrichtungen würden dann Regale, und man förmlich auf Billets nach vorläufiger Bestellung zu Unterredungen zugelassen. Ach Gott, Lies, was würden wir da manchen halben Gulden totschlagen! …

Es ist aber auch was Betrübtes! Die Zeit vermag zwar viel, aber was sie nicht hat, kann sie doch nicht geben! Ich fühle, dass mit Ihnen mein halbes Herz und alle meine liebsten Stunden dahin sind. Adieu, Lies, bleiben Sie mir nur recht treu, ich denke täglich an Sie, oft ganze Stunden in einem Stücke, wenn ich abends auf meinem Kanapee dusele, dann möchte ich Ihnen dieses, dann jenes erzählen und endlich bitterlich weinen, dass Sie nicht da sind.

Rüschhaus, 14. November 1845

Mehr zum Adressaten: Elise Rüdiger
Hintergrund: Alexander Graham Bell ist der erste, der das Telefon 1876 praktisch zum Einsatz bringt - doch die Entwicklungsgeschichte beginnt sehr viel früher, mit der Konstruktion des Morsetelegrafen 1837 durch Samual Finley Morse. Die Idee des Fernsprechens ist bereits im 17. Jahrhundert aufgekommen.