Werner ist vor vierzehn Tagen mit dem Wagen zweimal über und über gekehrt worden, auf dem Wege von Münster nach Hülshoff, hat aber, gottlob, nichts gekriegt. Es war grade am Auftauen, drei Pferde nebeneinander gespannt, zwei an der Deichsel, das dritte daneben - da schlägt der Wagen an der einen Seite in ein Eisloch und total um. Kutscher und Jäger springen glücklich herunter, der Letztere nur halb glücklich, nämlich bis unter die Arme in einer “schalluhen Schlaut” neben dem Fahrwege. Durch den starken Ruck bricht die Deichsel, die beiden dadurch freigewordenen Pferde werden scheu und reißen auch das dritte vom Wagen los, der nun zum zweiten Male umgekehrt wird, und dann ins Weite! Der Kutscher ihnen nach. Unterdessen steht der Wagen auf dem Kopfe, die Räder in die Höhe, und drunter sitzt Werner in der Pfütze zusammen gekugelt wie eine Katze in der Mausfalle, und schimpft aus Leibeskräften, bis sich der Jäger aus seinem Kolk gehaspelt hat, und den Wagen so weit aufrichtet, dass er drunter wegkriechen kann.

Der Kutscher hatte indessen seine Pferde, denen das Durchgehen im Drecke selbst langweilig geworden war, bald wieder eingefangen; der Wagen wurde ins Dorf geschafft (die Geschichte passierte nämlich auf dem Damme von Roxel) und unsre drei Helden zogen zu Rosse in Hülshoff ein. Du kannst denken in welchem Aufzug! Zwei (Werner und der Jäger) klatschnaß und der dritte gesprenkelt wie eine Wachtel.

Schaden hat niemand genommen, nicht mal der Wagen, außer der zerbrochenen Deichsel, doch war Werner am andern Tage etwas heiser, und Clövekorn setzte ihm zur Vorsicht einige Blutegel; am zweiten Tage kam er aber schon selbst nach Rüschhaus, um Mama (der er übrigens gleich Nachricht geschickt hatte) völlig zu beruhigen. Es fehlte ihm gar nichts mehr, nur seine Hände waren etwas geschwollen, von der starken Anstrengung, sich aus dem Wagenkasten zu arbeiten. Übrigens hat ihn der Landtag sehr mitgenommen; er hat sich (da er noch seine andern Geschäfte - Armenkommission, Sparkasse - nebenher versehen musste) überarbeitet, auch zuviel geärgert, und ist auffallend mager geworden

Rüschhaus, 24. April 1845

Hintergrund: schalluhen Schlaut = bösartiges Schlagloch
Kolk = Tümpel

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