Kommentare

Von Monika Gemmer

Alle erwähnten Kommentare der Zeitgenossinnen und Zeitgenossen:

  • Von Levin Schücking zu Schücking führt ein Leben en grand seigneur

    Dies soll kein Brief sein, sondern nur der Vorläufer eines, nur eine kurze Anzeige, dass mein Schicksal plötzlich eine ganz neue Wendung genommen, indem Joseph DuMont mich bewogen hat, die Redaktion des Feuilletons der Kölnischen Zeitung zu übernehmen. Ich habe Honorar für meine Arbeiten wie in Augsburg und obendrein 1000 Reichstaler Gehalt. Wir haben nun bisher viel zu tun gehabt, um eine Wohnung zu finden, lassen der Frau Dr. Simrock auf acht Tage unser Bübchen und reisen morgen nach Augsburg, um dort zu packen. Gegen den 15. dieses Monats werden wir wieder in Köln sein und meine Adresse ist dann Levin Schücking, Hochstraße N° 55., über zwei Stiegen. Bonn, 2. Oktober 1845
  • Von Joseph von Laßberg zu Der letzte Brief

    In meinem Hause ist jetzt nichts als Trauer und Tränen! Unsere gute, liebe Nette ist uns plötzlich davongegangen, in das unbekannte Land, aus dem noch kein Reisender zurückgekehrt ist. Es war am 24. Mai. Wir saßen eben am Mittagessen, als Hildegard, die diesen Tag die Aufwartung bei Netten hatte, auf einmal gelaufen kam und sagte: „Tanette verlangt nach dem Arzte.“ Dr. von Liebenau, der eben mit uns zu Tische saß, ging sogleich hinunter; aber, als er vor ihr Bette trat, fand er nurmehr eine Leiche. Ihr Herz war gebrochen, der Blutstrom hatte sich in das Innere ihrer Brust ergossen. Sie starb, wie durch einen Blitzstrahl getötet.

    Eine Stunde zuvor hatte sie ihrer Schwester gesagt, dass sie sich so leicht und wohl fühle, dass sie so vergnügt und gerne bei uns seie und hoffe nun immer bei uns bleiben zu können. Ach! sie hat nur zu bald Wort gehalten. Sie ist bei uns geblieben; aber kalt und tot, in tiefem Grabe. Die Stadtgemeinde hat uns auf ihrem Friedhofe ein stilles, heimliches Plätzchen eingeräumt; da haben wir sie hingelegt und auf den Herbst will ich eine Linde dahin pflanzen, damit sie in ihrem Grabe, wie Walter von der Vogelweide, aus dem grünen Laube die gefiederten Sänger noch vernehmen kann, da wollen auch wir nacheinander bei der geliebten Schwester liegen …
    An Jakob Grimm, 4. Juli 1848

  • Von Joseph Christian von Zedlitz zu Der Adel nimmt blutwenig Notiz von mir

    Wir gestehen offen, daß wir im allgemeinen keinen großen Geschmack an den lyrischen Ergüssen weiblicher Rhapsodien finden … Es fehlt diesen Dichterinnen das meiste, was zu echter Poesie gehört … In Annette von Droste besitzt Deutschland eine Dichterin, der kein Erfordernis wahrer poetischer Begabung fehlt. [Ihre Gedichte] sind vollkommen weiblich in ihrem Kern, in ihrem Wesen, und doch dabei mit der männlichen Kraft des Ausdrucks gepaart. … Horchen wir, wie tief und echt der Herzschlag ist, der diese Gedichte belebt, dann fühlen wir bald, wie entfernt diese Sentimentalität von dem weichen Gefühlsbrei und der affektierten Zerrissenheit ist, die so viele Gedichtsammlungen unserer Tage, zumal weibliche, völlig ungenießbar machen.
    Allgemeine Zeitung Augsburg, 26. November 1844

  • Von Betty von Haxthausen zu Müde wie ein Postpferd

    Anna war begierig, wie Nette mit der Mertens harmonisieren würde, und dies geht ganz vortrefflich; sie fühlten sich in geistiger Hinsicht wechselseitig angezogen; die Mertens, welche leider sehr kränkelt, wird durch Nette sehr erheitert, und Herr Mertens ist ganz charmiert in sie, und möchte sie in seinem Hause etabliert sehen, um sich an ihren lebendigen Erzählungen ergötzen zu können …

  • Von Louis Mertens zu Müde wie ein Postpferd

    Meine Frau hat Lust, mit der Fräulein Droste eine Reise nach der Schweiz zu machen, in der Hoffnung, da ihre Gesundheit wiederzuerlangen. … Ich gebe Wagen und Pferde dazu, die übrigen Depensen macht jeder nach seinem Vergnügen und Willen. Die Abreise könnte in der Mitte oder Ende Mai statthaben.

  • Von Therese von Droste zu Müde wie ein Postpferd

    Nun wegen Nette ihrer Reise mit der Mertens. Diese ist wirklich im Werke gewesen und es lag nur an meiner Einwilligung. … konnte ich die geben? Erstens kann Nette ohne Vormund und Geschäftsführer gar nicht in der Welt bestehen. Diese ist hier Jänny, in Bonn war es Pauline. Die Mertens stelle ich nun gerade so für, nur noch um ein Nötchen schlimmer, jetzt so gar um vieles schlimmer, da sie körperlich und geistig krank (quasi halb verrückt) war. Diese beiden dusseligen Prinzessinnen wollten und sollten nun auf ihre eigene Hand wie ein paar Meteore im südlichen Frankreich, in der Schweiz umherziehen, dies war Herr Mertens sein Plan, der nicht halb, sondern ganz verrückt ist.

    Dabei sollte Nette noch die Hälfte der Reisekosten stehen, denn darum war es Mertens wohl zu tun, der Geizhals wollte keine Gesellschafterin für seine Frau bezahlen, da sollte Nette die Last und die Sorge aufnehmen und ihre Gesundheit und ihr Geld zugleich aufopfern, sie war selbst sehr angst und besorgt dabei und ich war recht böse, betrieb auch mit Gewalt ihre Zurückkunft, und der gute Moritz brachte sie am 9. Juni wieder, sie sieht sehr gut aus, besser wie ich dachte, denn das arme Ding hat die Mertens in ihrer Krankheit, die sich hauptsächlich auf den Kopf geworfen hatte, 5 Wochen gewartet und gepflegt und tausend Angst und Not dabei ausgestanden.
    Brief an Sophie von Haxthausen, 18. Juli 1831

  • Von Adele Schopenhauer zu Müde wie ein Postpferd

    Inkonsequenz, Launen, Mutlosigkeit, grenzenlose Härte gegen mich, abwechselnd mit Vertrauen u. Hingebung, das waren die Früchte des Umgangs mit Annetten. Sybille zeigte sich charakterlos … es blieb beschlossen, dass sie nach Vevay sollte teils ihrer Gesundheit wegen, teils um von ihrem Mann sich zu entfernen Auch hier zeigte sie sich ganz unentschlossen, sogar kleinlich. Die Annette sollte mit, ich stehe bei M[ertens] ganz in Ungnade und die Mutter kann mich auch nicht entbehren. Ich litt unsäglich. … Dass ich aber so mit Annette ihre Neigung nicht teilen mochte war mir gewaltig klar. Wolff war höchst besorgt u bat mich aufs Land zu gehen, Ruhe sei mir höchst wichtig. Beim Abschied war Billa einen Tag bei mir u die alte Liebe siegte.

    Sie schrieb bald darauf sehr trübe über sich selbst, ich tröstete u riet; aber mein Entschluss blieb fest, reiste sie mit Annette war sie verloren, ich wollte selten oder gar nicht schreiben, sie Annetten still lassen … Vor vier Tagen kam sie zu mir, sagte eigentlich nichts, war erstaunlich innig, weich wie ein Kind, u. ganz nebenbei erfuhr ich: Annette habe von ihrer Mutter Briefe, diese wünsche Nettens Rückkehr. Hat das inkonsequente Geschöpf Sybillen wehgetan, ich weiß nicht – kurz ich danke Gott! Denn Annette reist nicht mit nach Vevay.
    Brief an Ottilie von Goethe, Mai 1831

  • Von Levin Schücking zu Du hast meine Seele gestohlen

    Hauff behauptete, Ihre „Judenbuche“ hätte ich geschrieben – der Pinsel!

  • Von Therese von Droste zu Übrigens - Schücking ist auch hier

    Dass Sch[ücking] bei Euch ist, wusste ich schon durch die Hülshoffer, denen es die Bornst[edt], die gleich nach Annas Tode auf acht Tage hingefahren war, erzählt hatte. Wie mag diese Sache wohl ansehn? Ich fürchte, wie ein verabredetes Rendezvous; das wäre doch sehr traurig.

  • Von August von Arnswaldt zu Die Affäre Straube - Arnswaldt

    … es kirrt mich ordentlich, das Heiligste von dem, was ich selber gedacht und gefühlt habe zu verhöhnen; eben weil es auch nicht recht heilig war: Ich fühlte sie mir auf eine merkwürdige Weise nah … soviel an mir liegt, gebe ich es nicht auf, sie wiederzusehen; ich würde gern einmal mit Haxthausen nach Hülshoff reisen und wünschte mir nur die Kraft, vor ihr niederfahren zu können wie ein Blitz aus heiterem Himmel und eine Waage in der Hand des Höchsten zu sein, wenngleich aus unheiligem Metalle.

  • Von Anna von Haxthausen zu Die Affäre Straube - Arnswaldt

    Auch ich weiß mich nicht frei von Vorwürfen. Denn ich wusste ja so viel, wie Arnswaldt hierkam.
    Etwa 20. Dezember 1820
    (Brief an Heinrich Straube)

  • Von Levin Schücking zu Ein fataler Druckfehler

    Über die Druckfehler hab‘ ich mich weidlich geärgert; die zweite Hälfte des Buches werden wir zusammen in Meersburg revidieren. Bekommen Sie Bogen zugeschickt, so lassen Sie dieselben nur liegen, bis ich komme, ich will sie an Sie adressieren lassen.

  • Von Levin Schücking zu Nachwuchs bei Schücking

    Sollten Sie denken, liebes Mütterchen, daß ich in einer Kinderstube sitze und diesen Brief unter dem Geschrei eines Prachtstücks von einem Buben anfange? Gestern Abend sieben Uhr ist Louise niedergekommen; hauptsächlich seit ein Uhr – obwohl schon um drei Uhr in der Nacht zur Hebamme geschickt war – litt Louise gewaltig, denn die Geburt war eine schwere, doch ganz regelmäßige. Der Bube wurde mit ’ner Haube geboren, an Louisen’s Glückstag, dem 19ten, und hatte die Diskretion, sich erst durch die Wehen grade in dem Augenblicke anzukündigen, als das Mädchen die letzte Hand an die Herrichtung der Wochenstube legte. Er ist auffallend groß und stark, und lange Hände, Füße und Ohren kündigen an, daß er in die Familie der baumlangen Galls schlagen will. Tant mieux! Auch sein Gesichtchen gleicht Louise, und eine Stimme zum Criölen hat er – ich sage Ihnen, wie’n Alter! Sie können sich meine Freude denken! Gott erhalte ihn nur und laß ihn mir nur recht gesund werden! Und Sie – Mütterchen, Sie müssen ihn lieb haben und ihn segnen, das wird ihm gut tun, wissen Sie, und da Sie nun doch sein Großmütterchen sind, so müssen Sie ihm ein Gedicht in seine Wiege legen als Talisman! Wenn Sie sich ihn dazu vorstellen wollen, so denken Sie sich nur einen kleinen roten Chinesen, der schon seine eignen eigensinnigen Allüren hat, obwohl er nicht vierundzwanzig Stunden alt ist, und der fürchterlichen Appetit besitzt.

    Sie haben mir geschrieben, ich sollte Ihnen einen kleinen Jungensbrief schicken – und sehen Sie, da haben Sie einen im eigentlichsten Sinne der Rede; ich könnte Ihnen den ganzen Brief vollschreiben von allen seinen Künsten, Manieren und Eigenschaften. Louise ist fürchterlich stolz auf ihn – ich bin es auch, und Kolb, der für sein Mädchen ums Leben gern einen Buben hätte, beneidet uns überaus.

    Jetzt, liebes Mütterchen, müssen Sie auch bald zu uns kommen, damit ich Ihnen mein Prachtstück zeigen kann!

    Aus dem Kerl, denk‘ ich, soll was Rechtes werden, vor allen Dingen ein braver Mensch und kein Genie …
    Augsburg, 20. Dezember 1844

  • Von Levin Schücking zu Das bewußte Paket

    Die Briefe von Ihnen und Ihr Geld will ich absolut wieder haben, noch einmal: Seid nicht unklug mit Eurer Furchtsamkeit.
    2. November 1842

  • Von Jenny von Laßberg zu Äußere Anlässe zum Erwachen

    1817. März 20. wurde die „Schöpfung von Haydn gegeben. Papa war mit Nette und mit mir hin … hernach machte General Thielmann uns Platz und unterhielt sich lange mit Nette, die er, weil sie eine Mütze unter dem Hut hatte, für Mama ansah, seitdem hat sie sich Locken abgeschnitten, und die Mütze ist vergessen und abgedankt für immer.
    Tagebuch-Eintrag

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