Kommentare

Von Monika Gemmer

Alle erwähnten Kommentare der Zeitgenossinnen und Zeitgenossen:

  • Von Jenny von Laßberg zu Der letzte Brief

    Dr. Krauß war bei Nette und fand sie nicht gefährlich; ich war den ganzen Morgen bei ihr. Sie sagte, wie zufrieden sie hier sei, und freute sich an meiner Malerei. Oh Gott! Wie kurz war die Freude! Als um 2 Uhr Gundel die Hildel bei ihr ablöste, aß sie noch mit Appetit, bekam dann starkes Blutspeien und ließ schnell Liebenau rufen, der ihr uns so sehr liebendes Herz schon gebrochen fand. Ich kam gleich nach. Sie war zu Gott gegangen, mir und meinen Kindern ein unersetzlicher Verlust. Laßberg weinte sehr um sie. Tagebuch vom 24. Mai 1848
  • Von Otto Bleicher, Amts-Revisorats-Assistent zu Der letzte Brief

    Darauf wurde die Siegelanlegung folgenderweise vorgenommen und versiegelt:
    eine Kommode mit einer Schnur mit einem Siegel des Gr. Amtsrevisorates hier an der hintern Wand der Kommode.
    Barschaft hat sich nicht vorgefunden.
    Außer Verschluss wurde gelassen: Einige Bücher, ein Koffer.
    Alle übrigen Fahrnisse in der Wohnung der Verstorbenen sollen dem Freiherr von Laßberg gehören.
    Vorstehendes Protokoll wird Großherzoglichem badischen Amt-Revisorat zur weiteren Verfügung eingesendet.
    Meersburg, 24. Mai 1848

  • Von Jenny von Laßberg zu Der letzte Brief

    Traurige Nacht und Tag. Totenamt in der Unterstadtkirche.

    Um 4 Uhr Beerdigung meiner über alles geliebten einzigen Schwester. Liebenau blieb bei Laßberg, die Kinder und ich waren in Hersberg bei der guten, auch traurigen Fürstin.
    Tagebuch vom 25. Mai 1848

  • Von Jenny von Laßberg zu Der letzte Brief

    Abends war ich allein auf dem Grab meiner Schwester, die ich so sehr geliebt und die mich so sehr geliebt hat.
    Tagebuch vom 29. Mai 1848

  • Von Jenny von Laßberg zu Der letzte Brief

    Ich war allein auf Nettes Zimmer; sie ist bei Gott.
    Tagebuch vom 31. Mai 1848

  • Von Therese von Droste zu Der letzte Brief

    Ach, liebste Jenny, wie schwer hat uns die Hand des Herrn getroffen! Ich kann Dir gar nicht sagen, wie tief betrübt ich bin und wie sehr ich Dich, Du armes Herz, und die lieben Herzenskinder bedaure, auch der liebe Laßberg (des bin ich gewiss) nimmt den innigsten Anteil an unserm allgemeinen Schmerz. Ich möchte nun am liebsten gleich zu Dir eilen; denn Du und Dein Gram liegen mir beständig im Sinn, und ich muss nur immer drüber nachdenken, ob ich nicht jemanden finde, der Dir die liebe Verlorene einigermaßen ersetzen kann; aber leider finde ich niemand. Ludowine wäre noch die beste, aber auch bei ihr steht noch vieles im Wege, und in dieser unruhigen Zeit kann die gute Sophie sie gar nicht entbehren. Ich hätte es so gerne gesehen, dass Werner von Bonn aus gleich zu Dir gegangen wäre, aber er meinte, es „würde Dir wohl ebenso lieb sein, wenn er mich zu Dir begleitete, und so habe ich mich denn drein ergeben und hoffe denn so gegen die Mitte des folgenden Monats bei Dir zu sein; zwar kann ich Dir Deinen großen Verlust nicht ersetzen und wie traurig wird unser Wiedersehn sein!

    Ach, dass ich auch so viele Lieben überleben muss! Der liebe Gott behüte mich für ähnliche Verluste und gebe mir seine Gnade bei dieser schmerzlichen Prüfung! Denn glaube mir, liebstes Herz, dieser Schlag trifft mich sehr sehr hart.

    Lass mir nun recht bald wissen, liebstes Herzenskind, wie es Dir geht; wenn Du es nicht gut kannst, so kann ja Hildegarde schreiben. Es ist mir nur drum zu tun, dass ich erfahre, wie es Euch geht. Ist mein letzter Brief auch wohl angekommen? Er war vom 3. Mai. Die Post geht nicht mehr so richtig. Werner ist gestern wiedergekommen. Man macht die Reise von Bonn nach Münster jetzt in acht Stunden. Er umarmt Dich und Deine Lieben herzlich mit mir, und so nehme der liebe Gott Euch alle in seinen Schutz und tröste Euch mit den Gaben des heiligen Geistes, den er uns allen gnädigst senden wolle.
    Behalte lieb Deine treue Mutter.
    Rüschhaus, 4. Juni 1848

  • Von Joseph von Laßberg zu Der letzte Brief

    Sie hat Wort gehalten! Sie ist bei uns geblieben! Aber tot! Wir haben sie unter tausend Tränen begraben, und sie fließen noch. Die Gemeinde hat uns ein Plätzchen eingeräumt, wo wir sie hingelegt haben und wo wir alle bei ihr liegen wollen. Es wird eine kleine Kapelle darüber gebaut! Von unserm Schmerze und unserer Trauer vermag ich nicht zu sprechen. Das Herz der armen Nette war so plötzlich gebrochen! Der Blutstrom hatte sich ins Innere ihrer Brust ergossen; sie kam in die Arme des himmlischen Vaters hinüber, ohne es auch nur geahndet zu haben, ohne Schmerz, ohne Kampf, wie durch einen Blitzschlag! Dies gereicht uns einigermaßen zum Troste!

    Aber ich gehe mit schnellen Schritten meinem 80. Geburtstage entgegen und hätte so gerne gesehn, dass Nette mich überlebte, zum Trost ihrer Schwester und meiner Kinder. Gott hat es anders gewollt! Sein Name sei gebenedeit! Dieser Brief ist vielleicht schon mehr als zu lang geworden und Ew. Fürstbischöflichen Gnaden vergeben wohl einem alten Jäger, der glaubte, einen Wunsch Ihrer dahingeschiedenen Freundin zu erfüllen, wenn er Ihnen von ihrem Ende erzähle!
    An den Fürstbischof von Diepenbrock

  • Von Ratschreiber Barth zu Der letzte Brief

    Hausschatzung
    Nach dem Auftrag hat man heute das sogenannte Fürstenhäuschen der Annette Fräulein von Droste abgestorben zugehörig, nach wirklichem Wert abgeschätzt per 180 f. Sage Einhundert Achtzig Gulden, und erscheint in der Brandversicherung mit 400 f.
    Dieses Gebäude ist von Stein erbaut, und hat unten einen Keller. In der ersten Etage ein heizbares Wohn- und Nebenzimmer. In der 2. Etage 3 Zimmer nicht heizbar, oben drei Lauben, steht im Rebgut im Fugger.
    Meersburg, 20. Juni 1848
    T: Pfeifer
    T: Ehinger Zimstr.
    T: Westennann (?)

    Urbarial-Auszug
    Über nachbenannte der Freifräulein Annette v. Droste Hülshof gehörige, und in der Gemarkung Meersburg gelegenen Grundstücke.
    No. 6a Rebgarten im Hindlesperg gegen Aufg. an die Herrschaft, gegen Ndrg., Mittag und Mittern, an und auf sich selbst stoßend. 14c Rth., pr. Rth 1 f 30 x, Summa 210 f.
    No. 6b Krautgarten allda 23 Rth., pr Rth 2f 30X, Summa 57 f 30X, geger Aufg. und Mittag auf sich selbst, gegen Ndrg. an Rupert Hildebrand, gegen Mittern, auf den Bauweg.
    ISfo. 6c Krautgarten allda 47 Rth. pr. Rth 2 f 70X, Summa 117 f 30X gegen Aufg. an die Herrschaft, gegen Ndrg. und Mittag auf sid selbst, gegen Mittern, auf den Bauweg.
    No. 8 . Rebgarten allda 249 Rth., pr. Rth 2 f, Summa 498 f, gegen Aufg an Mathä Haas, Ndrg. an Mathä Schmid, Mittag auf die Landstraße, Mittern, auf Rupert Hildebrand, sich selbst, und die Herrschaft stoßend.
    Summa 883 f, sage mit Worten: (nicht ausgefüllt)
    Extrahiert Meersburg, 16. Juni 1848
    Die verpflichteten Güter-Taxatoren
    T. Co Raither T. J. Löhle.

  • Von Joseph von Laßberg zu Der letzte Brief

    Durch Werner Droste habt Ihr alle schon das schreckliche Unglück erfahren, das uns am 24ten vorigen Monats so unerwartet getroffen hat. Ich habe seit 26 Jahren nicht geweint; aber noch sind meine Tränen um die gute, mit so herrlichen Naturgaben ausgezierte Nette nicht versiegt; von dem Schmerz meiner lieben Jenny sage ich Dir nichts! Ich wüsste ihm keine Worte zu geben. Man muss alles der heilenden Hand der Zeit überlassen.
    An Friedrich Karl von Brenken, 16. Juni 1848

  • Von Jenny von Laßberg zu Der letzte Brief

    Liebste Sophie und Ludowine! Ihr habt durch Werner unsern schmerzlichsten Verlust erfahren, für mich ist er vor allen unersetzlich, denn wer könnte mir die einzige so sehr geliebte Schwester ersetzen, die mich so sehr liebte, und die mir versprochen hatte, mich nie, so lange sie lebte, wieder zu verlassen! Jetzt hat Gott sie mir genommen, weil er sie liebte und sie bei ihrer Krankheit doppelt großen Sorge und Angst um diese traurigen Zeiten entrücken wollte. Dies sage ich mir täglich, und ich finde einigen Trost in dem Gedanken, aber doch sind wir bis zum Tode betrübt und beweinen sie täglich; denn die Liebe, mit der sie an mir und den Kindern hing, finde ich nicht wieder auf dieser Welt.

    Obwohl der Tod sie plötzlich überraschte, so ist sie doch nicht unvorbereitet gestorben, ja, ich danke Gott, dass Er sie so schnell hinweggenommen hat, dass sie das Bittere des Todes nicht fühlte. Ihr könnt nicht denken, wie fromm und gottergeben sie war; sie dachte täglich an ihr nahes Ende, wie ich von ihrem Beichtvater erfahren habe, und fühlte mehr, als sie sagte, die Abnahme ihrer Kräfte. Uns täuschte ihre Heiterkeit, und ich hoffte, der Sommer würde sie wiederherstellen, da ich glaubte, dass ihr Hauptübel Nervenleiden sei; aber die Ärzte fürchteten schon längere Zeit, dass sie an einem Herzübel leide; dass es so schnell enden könne, dachten sie aber noch nicht und glaubten sogar, wenn sie nur noch einige Jahre älter sei, so könnte sie noch eine erträgliche Gesundheit erlangen.

    Am 19. war unsere liebe Nette noch auf dem Hofe und nicht mehr unwohl als gewöhnlich. Sie sagte mir, dass sie 6000 Schritte gegangen sei, und sie sang ein kleines Duett mit mir, ach zum letzten Male! Am 20. war sie ermüdet und blieb im Zimmer, doch klagte sie nicht. Am 21. war die Fürstin hier, Nette war heiter, aber nicht aufgeregt, strengte sich auch nicht an mit Reden, da ich den ganzen Nachmittag unten war. In der Nacht bekam sie starkes Blutspeien, sie ließ durch das Mädchen, das immer neben ihr schlief, den Doktor rufen, der gleich kam, und nahm Arznei, verbot aber, vor dem Morgen mir etwas zu sagen; so erfuhr ich es erst gegen acht Uhr. Sie spie beständig Blut, doch oft nur sehr wenig, und die beiden Ärzte sagten, es sei keine Gefahr da, sie glaubten sogar, dass ihr Zustand dadurch eine gute Wendung nehmen werde. Sie durfte wenig sprechen, essen und das Bett nicht verlassen, ich war immer bei ihr, über Mittag die Hildel, bis Gundel gegessen hatte.

    Alle ihre Äußerungen deuteten darauf hin, daß sie ihren Zustand für gefährlich hielt; so sagte sie zu mir: „Ich glaube, es muss jetzt mit mir zu einer Entscheidung kommen, so oder so“, und dann wieder: „Ja, der liebe Gott meint es gut mit mir“. Am 23. besuchte Laßberg sie, sie hatte gut geschlafen, doch spie sie noch immer etwas Blut, ich war so viel als möglich bei ihr, sie durfte wieder mehr essen, besonders saure Milch.

    Sie äußerte dem Arzt den Wunsch, sich mit den Sakramenten versehen zu lassen, er riet ihr aber, zu warten, weil sie die Aufregung jetzt nicht ertragen könne und er noch keine Gefahr sah. Meine geliebte Nette hatte noch ganz kürzlich ihr Fest gehalten und so bin ich darüber ganz beruhigt, denn ich habe die feste Hoffnung und Überzeugung, dass ihr Herz und alle ihre Gedanken in diesen letzten Jahren stets bei Gott waren; aber grade ihre Frömmigkeit und die Ausbildung ihrer vielen schönen Anlagen zum Guten, die in der letzten Zeit so sichtlich, ja einzig vorherrschten, macht mir ihren Verlust doppelt hart, und ich kann nur sagen: Herr, Dein Wille geschehe! Es ist gewiss so das Beste, weil Du es getan hast.

    Am 24. war ihr ziemlich wohl, die Nacht war gut gewesen, doch hatte sie viel Neigung zum Schlafen, auf der Brust war ihr viel leichter als seit vielen Wochen. Ich malte den ganzen Morgen bei ihr, sie sah meine Arbeit noch an und hatte Freude darüber; ich musste ihr nochmals versprechen, kein Blatt aus ihrem Album zu verschenken, woran sie so viel Freude hatte; sie sagte, wie gern sie bei uns sei, das stille, ruhige Zimmer, ach! Sie sah es doch recht mit Wohlgefallen an!

    Um 11 Uhr kam der Doktor, er fand sie gut und versprach, am Nachmittag der Fürstin gute Nachricht von ihr zu bringen; ich blieb so lange als möglich, bis 12 Uhr; ich ließ dann Hildel bei ihr. Wir aßen zu Mittag ohne Ahndung dessen, was uns bevorstand. Um halb zwei Uhr wurde Hildel abgelöst, Gundel brachte der Tante eine Mehlspeise, die sie mit großem Appetit aß, und ließ sie den Teller wegstellen. Darauf fühlte sie, daß das Blutspeien stärker kam, und sagte: „Rufe doch den Doktor!“ Gundel lief schnell hinauf, wo der Doktor bei uns am Tisch saß; dieser ging gleich, aber ihr Geist war schon zu Gott gegangen, als er hereintrat; alles Blut hatte sich plötzlich in die Brust ergossen, und ich, die ihm gleich gefolgt war, konnte mich nur an ihrem Bette niederwerfen und ihre liebe, noch warme, aber gefühllose Hand küssen.

    O schrecklich ist, so was zu erleben, und der Gedanke daran macht mich ganz elend. Aber ich glaube, Dir, liebe Sophie, Ludowine und allen lieben Tanten, die Ihr die Selige auch geliebt habt, eine Beschreibung der letzten Tage ihres Lebens schuldig zu sein; da wir ihre Liebe ihr nicht mehr auf dieser Welt vergelten können, so wollen wir für sie beten. Nie kann ich aussprechen, was ich und meine Kinder an ihr verloren haben. Unser lieber Vater beweint sie noch täglich, ich habe nie gedacht, dass er ihren Wert so erkannte, aber er ist so betrübt, dass es uns um seine Gesundheit besorgt macht und wir versuchen müssen, ihn zu zerstreuen. Gott erhalte ihn uns noch, auch darum betet, ihr Lieben! Die Beerdigung war am 26. um vier Uhr, und der gute Karl, der gottlob hier ist, und Luise Streng begleiteten die liebe Verstorbene, der Doktor blieb bei dem Vater zu Hause, die gute Fürstin hatte mich und die Kinder abgeholt; sie ist sehr traurig, und mit Recht, denn sie hat unendlich viel verloren, eine treue Freundin.
    An Sophie und Ludowine von Haxthausen

  • Von Therese von Droste zu Der letzte Brief

    … nun ist sie [gemeint ist die gerade verstorbene Großmutter] bei Gott, und es freut mich, dass sie dort ist,die Greuel dieser Zeit hätten sie doch umgebracht, so wie ich sicher bin, dass die Aufregung und Angst auch die arme Nette getötet hat, genug, die Fürstin, der H. Decan und alle, die ihr etwas näher standen, erzählten mir, welche Angst sie um sich und uns alle ausgestanden habe, und dass sie sich drauf gefasst gemacht hatte, flüchten zu müssen, sieht man dran, dass sie all ihre Sachen eingepackt hatte; nun — dafür hat sie Gott in Gnaden bewahrt …
    An Sophie von Haxthausen, Meersburg, 17. Oktober 1848

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