Kommentare

Von Monika Gemmer

Alle erwähnten Kommentare der Zeitgenossinnen und Zeitgenossen:

  • Von Wilhelm Grimm zu Ein Angebot zur Versöhnung an Grimm

    Ich habe die Zeit angenehm zugebracht. Märchen, Lieder und Sagen, Sprüche usw. wissen sie die Menge … Die Fräulein aus dem Münsterland wussten am meisten, besonders die jüngste, es ist schade, dass sie etwas Vordringliches und Unangenehmes in ihrem Wesen hat, es war nicht gut mit ihr fertig zu werden. … Sie wollte beständig brillieren und kam von einem ins andere; doch hat sie mir fest versprochen, alles aufzuschreiben, was sie noch wisse, und nachzuschicken. Die andere (Jenny) ist ganz das Gegenteil, sanft und still; die hat mir versprochen zu sorgen, dass sie Wort hält. An Bruder Jakob, 28. Juli 1813
  • Von August an Arnswaldt zu Die Affäre Straube - Arnswaldt

    Deine Tätigkeit dabei soll sich darauf beschränken, den beiliegenden Brief auf geschickte Art der Nette zukommen zu lassen, ich meine so, daß du ihr etwa trocken sagst: da ist ein Brief für dich gekommen, ohne zu sagen woher …
    Brief an August von Haxthausen, der seiner Nichte Annette den „Absage-Brief“ überbringen sollte

  • Von August von Haxthausen zu Die Affäre Straube - Arnswaldt

    Euer Brief an Annette hat fast die Wirkung gehabt, die wir dachten. Karoline schrieb mir: Ich habe den Brief Annette besorgt. Sie schüttelte vielmals den Kopf unter dem Lesen, und als sie von der unbescheiden scheinenden Gegenwart befreit war, hörte ich sie noch lange auf und ab gehen.
    Brief an Heinrich Straube und August von Arnswaldt

  • Von Hermann Hüffer zu Ein Angebot zur Versöhnung an Grimm

    In welcher Art sie sich für Wilhelm bemüht hatte, erkennt man aus einem undatierten, aber sicher aus diesen Jahren stammenden Briefe an ihre Tante Ludowine; sie entschuldigt sich darin, dass sie nicht so viel schicken könne, wie sie wünsche, legt aber dem Brief gleichwohl ein Märchen, einige westfälische Sagen und eine beträchtliche Zahl von volksmäßigen Rätseln und Sprichwörtern bei …
    Aus einer Droste-Biografie von 1887

  • Von Anton Matthias Sprickmann zu Sprechen Sie Klartext, Sprickmann!

    Ein Brief von Ihnen! Endlich, endlich, so lange nach der letzten Hoffnung doch noch ein Brief von Ihnen, meine liebe, liebe Freundin! Dass ich Ihnen das doch so ganz aus meinem Gefühle abschreiben könnte, was mir dieser Brief ist: dieses Zeugnis, dass ich doch noch lebe in Ihrem Andenken und in Ihrer Liebe! Ach, der Zweifel daran drückte mich so hart!
    Berlin, 8. Dezember 1818

  • Von Anton Matthias Sprickmann zu "Hübsche Sächelchen"? Das ist zu arg!

    Dass ich diese schöne liebliche Frucht Ihrer Muse gleich mit wahrer Gier verschlungen habe, das wissen Sie schon von selbst ohne dass ich es sage; aber ich will Ihnen auch recht vieles darüber sagen, und so aus dem Herzen sagen, wie es darin liegt, und sich das durch wiederholtes Lesen entwickeln, und mir selbst deutlich machen wird; aber das kann ich nun gerade in diesen Tagen nicht. Ich habe den traurigen Februar fast ganz und ohne Ausnahme in dumpfer verschlossener Stubenluft verlebt – eigentlich nur vegetiert. Alle Saiten meines Geistes sind abgespannt und verstimmt; aber der März wird uns ja nun wohl bald die schönen Frühlingstage, die der Januar dieses einzigseltenen Jahrs uns noch gab, wieder bringen; dann nehme ich Ihren armen Walther mit mir in das erste labende Luftbad, und spreche dann mit Ihnen über Ihren inhaltreichen Brief.
    Berlin, 1. März 1819

  • Von Eduard d'Alton zu Ich habe einen Verleger!

    Das Vertrauen, womit mich unsere verehrte Freundin beehrt hat, macht mir nicht nur die größte Unparteilichkeit, sondern auch die vollkommenste Aufrichtigkeit zur heiligsten Pflicht. Viel lieber wollte ich ein so schönes und seltenes Talent bewundern, als beurteilen; allein es sollte mir nicht vergönnt sein, bloß zu genießen – es wird gefordert, dass ich von meinen Gefühlen Rechenschaft gebe – doch sei es mir erlaubt, dies auf meine Weise, ohne Ordnung und Zusammenhang zu tun, wie ich mir am Schlusse meiner Lektüre des Gegenstandes und seiner Eindrücke bewusst bin. Wer vermöchte auch mit der Feder in der Hand zu lesen?

    Die sehr anschaulichen Naturszenen würden einem jeden Landschaftsmaler, der den St. Bernhard bereiset hat, zur Ehre gereichen. Viele Schilderungen stehen dem Höchsten nahe und lassen sich mit dem Gelungensten von Walter Scott vergleichen. Dass unsere Freundin sich diesen berühmten Dichter auf jede Weise zum Vorbild genommen, kann ebensowenig geleugnet werden, wie, dass dieses Bestreben, einen anderen, und sei derselbe auch noch (so) vortrefflich, nachzuahmen, um den Anspruch auf eigentliches Genie bringt, als welches sich am allgemeinsten durch Originalität manifestiert. Aus dieser Nachahmung sind auch Wiederholungen und Breiten entstanden, welche nur durch ein solches Vorbild zu entschuldigen sind. Bemerken muss ich hier auch, daß bei großer Fertigkeit im Reimen, eine mitunter seltsame Härte der Sprache und des Versbaus, fast an gewisse steife Übersetzungen der Gedichte Scotts erinnert, so dass man auf den Gedanken gerät, unsere Freundin habe ihr Vorbild nur in Übersetzungen vor Augen gehabt und studiert. Was soll z.B. gleich Vers 4 des ersten Gedichtes gesellt, Vers 5 gekräuselt, Vers 10 die Versetzung Noch gleichet et pp. anders, als Reim-Not bedeuten? Ein Bild gibt keines dieser Worte. Dass es schwer ist, ohne Flickworte und dergleichen zu reimen, lehrt wohl die Erfahrung, aber ebenso fest steht der Satz, dass ein Gedicht, welches dergleichen Anstöße weniger hat, denen davon überreichen vorzuziehen sei.

    Sie werden sagen, dies sei Kleinmeierei, man müsse es damit nicht so genau nehmen, wenn nur das Ganze gut sei, und ich habe unserer Freundin ja selbst ein bedeutendes Talent zuerkannt. Vielleicht finden Sie indes die Bemerkung richtiger, daß gerade ein beschreibendes Gedicht strenger zu behandeln, und dem weniger schöpferischen, als ausschmückenden Talent der bestimmteste Umkreis und Umriss anzuraten sei. An dem entschiedenen Talent unserer Freundin ist übrigens kein, auch nicht der geringste Zweifel zu hegen.

    Der Hund Barry hat, abgesehen von einer fast zu ängstlichen Ausführung, mehrere sehr glückliche Züge. Dahin rechne ich den Abend und die Lavine im ersten Gesange. Das Finden des Brotes gerät dagegen ins Kleinlichste, das dieser Alpenherrlichkeit gegenüber einen fast komischen Eindruck macht. Da unsere Freundin auch augenscheinlich Byrons Erzählungen studiert hat: so hätte sie von ihm auch lernen sollen, Szenerien und Begebenheiten stets im Einklang zu behandeln. Gelungener, wie wohl auch etwas zu breit, scheint mir die Ankunft bei der Leiche. Am gelungensten aber halte ich das Erfrieren. In solchen Seelenzuständen, besonders irrenden, zeigt unsere Freundin die größte Meisterschaft, und es beurkundet sich ein schönes, poetisches Gemüt.

    Der 2. Gesang zeichnet sich aus, weil Barry und Denis darin sind und die Kluft der Drance überschritten wird, sonst aber finde ich ihn einförmiger, als den ersten. Einigemale wird er fast schwach und man glaubt eine gewöhnliche Almanachsgeschichte zu lesen, so breit und schlotternd geht alles vorwärts. Besonders unbefriedigend erfunden scheint mir die Geschichte Benoits. Ja man könnte wohl sagen, es sei gar keine Geschichte, wiewohl es eine sein sollte. Auch Denis frühere Zeit ist zu rätselhaft, und ein Hund, auch der bravste, wie Barry, am Ende doch nur ein Hund.

    Runder und gediegener, aber auch wenig charakteristisch (denn hier fehlt die große Natur der Alpen) ist des Arztes Vermächtnis. Das unheimliche Dunkel der Begebenheit, der rätselhafte Schluss sind von großer Wirkung und Byron glücklich abgelauscht. Dagegen scheint mir der dunkle Mann wieder aus der gespenstischen Region des in Rede stehenden Talents der Nachahmung aufgetaucht. Ich weiß nicht, wie ich mir sein Erscheinen sonst erklären soll. Auch des Arztes Sohn scheint mir nur wie eine Luftgestalt, die man alte Papiere lesen sieht, ohne zu wissen warum. Am bedeutsamsten ist Theodora in der Höhle und die Wiener Erinnerungen, so wie zuletzt das Erwachen im Walde. Es ist eine Folge höchst malerischer und interessanter Szenen, weniger aber ein befriedigendes, wohltuendes Ganzes. Es regt an, aber es lässt nicht ohne peinliches Gefühl, weil wir uns zu oft da aufgehalten finden, wo wir vorbei zu eilen wünschen. Sprache und Versbau ist besser, als in dem ersten Stücke.

    Hier haben Sie ungefähr den Eindruck dieser Gedichte, die ich unbefangener mit noch mehr und gewiss reinerem Genuß gelesen haben würde, wäre es mir nicht zur Bedingung gemacht worden, über die Wirkung derselben Rechenschaft zu geben. Manches dürfte bei näherem Betrachten in ein anderes Licht treten. Einiges auch außerdem noch mehr zu rühmen sein. In dem Haupteindruck täusche ich mich jedoch schwerlich.

    Ob nun der Druck so ohne weiteres anzuraten sei, das hängt freilich an einem ganz anderen Faden, oder vielen Fäden, die nicht in meiner Hand sind, und worüber ich daher auch nicht urteilen kann. Wie es jetzt mit der deutschen Literatur steht, liest man von Männern und Frauen noch weit untergeordnete Sachen mit Beifall; während anderes, was selbst Goethe als beachtenwert empfohlen, ohne Anklang geblieben. Wer könnte in solchen Fällen und in dieser Zeit für den Erfolg einstehen?

    Ihnen gehorsam und der Freundin mich dienstwillig zu erweisen, war es allein, was ich bei diesen Zeilen zur Absicht haben konnte und hatte. – Geschrieben mit gelähmtem Arm.
    Bonn, März – Anfang Juni 1835

  • Von Amalie Hassenpflug zu Malchen in Not

    … selbst wenn das nicht so wäre, so können wir doch schwerlich wohnen bleiben, und müssen in der Not, mit dem Schlechtesten zufrieden sein …
    Kassel, September 1837

    … ist Sophie dir nah, so grüße sie aufs Herzlichste von mir, ihre sorgliche Natur ängstigt sich auch gewiss um uns, sage ihr alles Beruhigende, vor allen Dingen, dass wir selbst ruhig sind, dass ich sie sehr lieb habe, und dass sie nicht den dummen Streich machen solle, in ihren goldenen Käfig zurück zu fliegen.
    Kassel, Oktober 1837

  • Von Christoph Bernhard Schlüter zu ... ob Du etwas gegen die Herausgabe hast?

    Im Fluge diene Ihnen zur Nachricht, dass Herr Hüffers Presse den Augenblick vakant ist und folglich sich aufs schmerzlichste sehnt, das zarte Kind Ihres Geistes bald möglichst mit ihren hölzernen Armen zu umfangen.
    Münster, 25. Mai oder 1. Juni 1838

  • Von Adele Schopenhauer zu Probleme mit dem Verleger

    Lassen Sie Ihr Buch abschreiben und senden Sie mir das Manuskript und Ihren Pseudonamen, so will ichs mit O.L.B. Wolffs Hilfe bei einem ordentlichen, bedeutenden Buchhändler anbringen, es ist unter uns alles bestens abgemacht und besprochen. Honorar bekommt jetzt kein Gedichtschreiber, es ist fast unmöglich, nehmen Sie 25 Freiexemplare und damit gut. Eine zweite Auflage wird Ihnen, täuschen Sie sich nicht, ebenfalls nicht bezahlt bei diesen Gedichten; sind Sie bekannt, ist’s zwar etwas anders, doch gehen lyrische Sachen gar zu schlecht und niemand kauft.

    Sie haben Unrecht, die Sachen in Münster erscheinen zu lassen. Was von geringen Buchhandlungen dem großen Buchhändler geschickt wird, wird selten beachtet, er hat kein merkantilisches Interesse dem geringen Verleger durch Verkauf seines Buchs zu nützen, das Obskure der Handlung fällt hemmend auf Ihr Werk. Als ich in Bonn lebte, konnte ich nichts tun; hier kann ich, also Nette, keine Umstände, ich stehe zu Dienst, aber abgeschrieben muß das Werk sein.
    Jena, 12. Dezember 1837

  • Von Christoph Bernhard Schlüter zu Skrupel wegen einer Zeile

    Ich beginne mit dem wichtigsten, nämlich: mit der neu gegossenen durch Krankheit der Gesellen des Schriftgießers sehr verspäteten 2,5 Zentner wiegenden Schrift, welche Ihnen sofort begreiflich machen wird, warum und mit wie großem Grund und Fug man die typisch meachnische Vervielfältigung eines Autormansukripts schlechtweg Druck genannt hat; so wie die nächste Vorrichtung zu diesem Zweck die Presse oder Preßbengel. Schon gestern Morgen in aller Frühe nun war es, wo die Hände eines geschickten Setzers genannte wunderschöne Typen nach Ihrer Gedanken und Phantasien leicht beweglichem Sinn und Willen in Bewegung zu setzen und zu reihen begonnen hatten, damit etwa am Montag benanntes Erdschweres Blei für den bis dahin Ihren ätherleichten Gedanken geleisteten Gehorsam sich dadurch schadlos halten möge, dass es erstens sich auf den Kopf stellt, zweitens die Verneinung verneinend das Gegentheil von dem sage was ihm, dem nur in der Perversität konsequenten eingeprägt ward, drittens, dass es den Schatz Ihrer ätherischen Ideen und Bilder gleichsam wütend in die Erde vergräbt und Bogen für Bogen vom Haupte schüttelt und mit bleiernen schwarzen Füßen, unwissend was es tut, in den Grund tritt und quetscht, als wollte es sie vernichten. … Ich fahre prosaischer fort, nächsten Montag erfolgt hoffentlich der erste Bogen.

    … was werden Sie sagen, wenn Sie vernehmen, dass weder die Sterne noch die Romanze von der Goldberingten Gräfin in die erste Ausgabe, so wie jene gegenwärtig sind, aufzunehmen uns gut geschienen? Warum das eine und das andere darüber später mündlich. Von den geistlichen Poesien dagegen werden alle uns gestatteten d.i. etwa 10 oder 12 entschieden die Sammlung zieren.
    Münster, 8. Juni 1838

    Postscript
    Ich glaube Ihrem Wunsch und Willen entsprochen zu haben, indem ich meine Sendung an Sie, liebes Fräulein, bis auf das wirkliche Erscheinen des ersten Druckbogens Ihrer Gedichte warten ließ. Junkmann, Hüffer und ich haben es uns angelegen sein lassen nach Kräften Druckfehler zu entfernen und die zu reichlich angebrachte Interpunktion, namentlich Commata und Ausrufungszeichen geziemend zu mindern und zu reduziren; wir hoffen auf ein Zeichen Ihrer Zufriedenheit mit unserer Arbeit …
    Sonnabend den 16. Juni 1838

  • Von Christoph Bernhard Schlüter zu Probleme mit dem Verleger

    Da das Anerbieten Ihrer Freundin allerdings etwas für sich zu haben scheint, namentlich Ihren Wunsch davon Gebrauch zu machen, den ich in Ihrem Briefe durchgelesen zu haben glaube, da Sie ferner, wie ich meine, einen leisen Zweifel hegen, ob Herr Hüffer wirklich den Abdruck gern und mit Dank übernommen habe, übrigens aber bei uns die Sache ihrem Beginne so nah und ihre Durchführung so sicher ist und auch Ihre Bemerkungen gegen eine Veränderung des Plans mir richtig scheinen, so sehe ich keinen besseren Rat als bei diesem großen Gleichgewicht des Für und Wider Herrn Hüffer zu fragen, ob er von seiner übernommenen Verpflichtung und seinem mündlich erworbenen Recht gern scheidet oder nicht. Es versteht sich, daß ich ihm sage, die Schopenhauer, welche schon früher versprochen hat, sich in Jena nach einem guten Verleger umzusehen, habe jetzt nach ihrer Ankunft daselbst einen gefunden, wie sie ihn wünscht, sie habe Ihnen dieses mitgeteilt, Sie dagegen mir bei dem Bericht hiervon den leisen Zweifel geäußert ob er (nämlich H[err] H[üffer]) die Sache auch wohl gern übernommen; so muß es sich zeigen und der Himmel wirft gleichsam selbst die Würfel, wenn er entscheidet, daß die Sache noch einmal ins Weitere geschoben wird.

    Mittwoch Morgen. Herr Hüffer wünscht vor wie nach den Verlag Ihrer Gedichte, wofern nicht überwiegende Gründe Ihrerseits Sie bestimmen ihm selben wieder zu nehmen; sein Vater hat im durchaus freie Hand gelassen. So bleibt den wohl alles beim alten. Seien Sie fleißig.
    Münster, vielleicht 5. Januar 1838

  • Von Christoph Bernhard Schlüter zu Mein Versuch, vor's Publikum zu treten

    So ist denn die erste Ausgabe Ihrer ausgewähltesten, schönsten lang und treu gepflegten und nach Horaz’ischer Vorschrift, treu lang in strengem Verwahrsam gehaltenen Poesien mit Gottes Hülfe glücklich an’s Licht getreten und hoffentlich auch zu ihrer Zufriedenheit. Ich teile im Stillen das seltsame, mannigfach aufregende und wohl mächtig das Herz bewegende Gefühl, womit Sie die flügge Brut nach allen Winden sich zerstreuen und das Nest in Ihrem Schoße verlassen sehen; die ausgefallenen gehören jetzt der Welt und es beginnt für Sie und Ihr dichterisches Denken und Sinnen nun eine neue Ära, nachdem jene sich von Ihrem Herzen losgerissen: Mögen sie überall in jedem Hain und auf jedem Baum mit ihrem schlichten, anspruchslosen, der Natur getreuen Lied eine freundliche Aufnahme finden, manchem heitere Erquickung inss Herz singen, manchen zum Höhern erheben, ja manchen Verirrten erinnern und überzeugen, dass Natur, Charakter, Geist und Gefühl, die er fast zu kennen verlernt, nachdem er sie verkennnen lernte, dennoch keine leere Namen seien.

    Was Sie über das zuviele Streichen in Ihrem lieben, freundlichen Briefe vom 19. Juli, für den ich Ihnen aufs herzlichste danke, wie, was Sie daselbst über den Unterschied des Gedichts in Schrift und im Druck bemerken, find‘ ich treffend und wahr; ich hatte fast dieselbe Bemerkung schon voraus in Ihrer Seele gemacht, wiefern nämlich selbe die etwas zu große Kürze gewisser Partien betrifft, deren Lakonismus mehr aus einer gewissen reflexiven Ängstlichkeit der Schreiberin, denn aus Ihrem richtigen poetischen Urteil abzuleiten ist.

    Aber was werden Sie, liebes Fräulein, zu unserem Ausmerzen nicht poetischer Zeilen sondern ganzer Gedichte aus dem lyrischen Anhang der ersten Ausgabe sagen? Ich hoffe, nichts entscheidendes, bevor Sie uns und unsere Gründe ausführlich vernommen haben werden. Nur der reine harmonische Totaleindruck eben der ersten Ausgabe Ihrer Poesien, worin alles streng einen Charakter athmen und zugleich gleichmäßig originelles Eigentum der Dichterin sein sollte, nichts aber Nachahmung oder irgend fremdartig und störend, war es was uns vorzüglich bestimmte; fehlte nicht ohnehin des Pfarrers Woche und waren nicht die relig[iösen] Lieder, denn auch von diesen erschienen statt der 11 erlaubten nur 8, nur Fragmente eines größern Ganzen etc. etc.? Ein Näheres hierüber mündlich.

    Ich habe Ihrer Erlaubnis gemäß die Freiexemplare von H[er]rn Hüffer in Anspruch genommen, der, liberal wie es ihm geziemt, noch eine beliebige Anzahl zu Ihrer Disposition stellt und sichs übrigens, wie billig, nicht nehmen lassen will, dem verehrten Autor einige prachtvoll ausgestattete Exemplare mit seinem schriftlichen Danke selbst zu übersenden. Ich werde mit den mir anvertrauten ratsam umgehen und davon möglichst in Ihrem Sinne, und wie ich mir denke, daß Sie es gut heißen und erlauben würden, an Ihre und meine nächsten Bekannte und Freunde spenden, nämlich die es zu würdigen und zu genießen wissen.
    Münster, 2. August 1838

  • Von Anton Matthias Sprickmann zu Es malt den Zustand meiner Seele

    Über die „Unruhe“, mit der Sie mir ein so teures Geschenk gemacht haben, kann ich Ihnen in diesem Augenblick nichts sagen, weil sie schon unter meinen übrigen Heiligtümern tief im Koffer liegt. Aber das kann ich Ihnen doch von dem Eindruck, den auch dieses Gedicht von Ihnen auf mich gemacht hat, sagen, dass ich es dem Besten, was ich von Ihnen kenne, völlig gleich setze.
    Breslau, 2. April 1817

  • Von Ludowine von Haxthausen zu Diagnose: Fernweh

    Nette … sagt alles was sie denkt, spielt uns zu Gefallen oft den ganzen Tag am Flügel, läuft einen Tag in Wind und Wetter spazieren und liegt dafür den ganzen Tag krumm zu Bett; schreibt und liest sich einen Tag blind; und darf dann wieder 3 Wochen kein Buch ansehn…
    Hülshoff, 27. März 1819 (Brief an Dorothea von Wolff-Metternich)