Autorin: Annette von Droste-Hülshoff

Ausgedroschener Stoff

Von Annette von Droste-Hülshoff
8. Februar 1819

Was mein damals angefangenes Trauerspiel anbelangt, so habe ich es noch fortgesetzt bis zum dritten Akt, dann blieb es liegen, und jetzt wird es auch wohl ferner liegen bleiben. Es enthält zwar mitunter ganz gute Stellen, aber der Stoff ist übel gewählt, hätte ich es in damaliger Zeit fertig gemacht, wo ich dieses noch nicht einsah, sondern mir im Gegenteil diese Idee sehr lieb und begeisternd war, so war es wohl so übel nicht geworden, aber es ist ein entsetzlicher Gedanke einen Stoff zu… Weiterlesen »

Die Schwindsucht hat Konjunktur!

Von Annette von Droste-Hülshoff
4. Februar 1819

Ich wollte neulich eine Novelle schreiben und hatte den Plan schon ganz fertig. Meine Heldin trug schon zu Anfang der Geschichte den Tod und die Schwindsucht in sich und löschte so nach und nach aus. Dies ist eine gute Art, die Leute tot zu kriegen, ohne dass sie brauchen den Hals zu brechen oder an unglücklicher Liebe umkommen. Aber da bringt mir das Unglück aus der Lesebibliothek 4 Geschichten nach der Reihe in die Hand, wo in jeder die Heldin eine solche zarte, überspannte Zehrungsperson… Weiterlesen »

Sprechen Sie Klartext, Sprickmann!

Von Annette von Droste-Hülshoff
27. Oktober 1818

… ich habe in diesem Jahre ein Gedicht in sechs Gesängen geschrieben, dem eine nicht zu wohl ausgesonnene Rittergeschichte zum Grunde liegt, das mir aber in der Ausführung ziemlich gelungen scheint. Dies wollt ich Ihnen nun schicken, sobald es fertig wär, konnte aber nicht so bald damit zu Stande kommen, weil ich im vorigen Jahre sehr an einem Kopfschmerz gelitten habe, der äußerst nachteilig auf die Augen wirkte; und habe ich mich hiebei, wie die Ärzte behaupten, sehr vor Rückfällen… Weiterlesen »

Als Diebin mag ich nicht gelten

Von Annette von Droste-Hülshoff
30. August 1818

Was denken Sie, liebe Lotte, dass ich mich wie ein Dieb in der Nacht aus Kassel gemacht habe, ohne Ihnen zuvor Ihr Eigentum wieder zuzustellen? Es war mir bei dem Tumult der Abreise ganz aus dem Gedächtnis gekommen, und erst wie ich schon weit vor dem Tore hinaus war und mich noch einmal zum Abschiede nach dem schönen Kassel umsah, worüber aber jetzt die Morgennebel wie ein Witwenschleier lagen, vermutlich zur Trauer über unsere Abreise, fielen mir meine Sünden aufs Herz; und hätte ich… Weiterlesen »