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Briefe zum Schlagwort



aus: Levin Sch├╝cking

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Des Meeres und der Liebe Wellen. Meine Seele schl├Ągt Wellen, wie der aufgeregte See, und der Sturm der hineingeblasen, ist Ihr Brief, meine Sehnsucht.

Wenn Menschen “to a better order of beings” geh├Âren, wie Yorik von Eliza erz├Ąhlt, so ist, glaub’ ich, der sicherste Weg, dass sie sich teuer werden, sich ineinander verlieren und zum Beisichsein im anderen gelangen, wie Hegel die Liebe definiert, wenn sie sich, wie wir, nicht gesehen haben, aber vertrauensvoll in langen Briefen alles sagen, was just in ihnen aufd├Ąmmert, aufblitzt und aufweht. Denn die Unendlichkeit in jedes Menschen Brust ist so gro├č, und die Unendlichkeit ist so hinrei├čend, so m├Ąchtig ├╝ber uns, weil wir uns ihre Kinder f├╝hlen und nun zur Mutter hin m├Âchten -, dass wir, wo sie vor uns aufgeht, von ihr gefesselt werden und ewig ihr geh├Âren m├Âchten.

So, denk ich, m├╝ssen wir bei der v├Âlligen R├╝ckhaltlosigkeit unserer Gest├Ąndnisse, Gedanken-Mitteilungen und Plaudereien uns unendlich lieb und teuer werden; und bei mir ist das auf dem besten Wege, denn schon sind mir (ich darf es kaum gestehen, denn was m├╝ssten Sie sich f├╝r schlechte Begriffe von der Treue machen, mit welcher ich an ├Ąlteren Freunden h├Ąnge?) Ihre Briefe, Luise, die liebsten, die als gr├╝ne Bl├Ątter des Lebens in den d├╝rren Wald meiner Einsamkeit fallen.

Da schreib’ ich Ihnen, ich hasste das “zu Markte Tragen des Gef├╝hls”. Das ist doch nichts als Verst├Ąndigkeit, richtiges Gef├╝hl und Takt. Sie sind auch derselben Ansicht, denn am Ende Ihres Briefes kommt eine Stelle dar├╝ber vor, die aber auch ganz merkw├╝rdig treffend mein eignes Gef├╝hl ausdr├╝ckt, grade, als wenn ich sie selber geschrieben h├Ątte: da wo Sie von der Stille der tiefen Liebe und von ihrer zu gro├čen Heiligkeit reden, um den Augen der Welt gezeigt zu werden. Und dennoch - wie werde ich bestraft f├╝r meine Worte? Blo├č deshalb enthalten Sie mir Ihr f├╝r mich geschriebenes M├Ąrchen vor? Loise, gesetzt auch, ich h├Ątte ein Vergehen begangen, st├Ąnde Strafe und Schuld im Verh├Ąltnis?

Dann wollen Sie sich scheiden lassen, blo├č weil ich Ihnen durch das Beispiel des alten Herrn habe ausdr├╝cken wollen, wie wert mir Ihre Briefe sind, und Sie sind mir bitterb├Âse, dreimal unterstrichen bitterb├Âse deshalb - und endlich kommt der schwerste Schlag von allen: Sie fragen, ich habe Sie tief gekr├Ąnkt, weil ich Ihnen auf eine ganz kindlich ergebene Weise erlaube, mir mit dem Pantoffel auf den Kopf zu schlagen! Sie behaupten dagegen, Sie k├Ânnten niemanden maltr├Ątieren und w├Ąhrend Sie das sagen, maltr├Ątieren Sie mich auf das Grausamste. Oder ist nicht das maltr├Ątieren, wenn man dem h├Âchsten Himmel nah’, zur├╝ckgewiesen wird, ab, fort, weg, hinaus, ins harte Leben, wo keine Weinsaucen bl├╝hen!

H├Âren Sie, Luise, in allem Ernst! Es herrscht eine gro├če ├ťbereinstimmung der Gef├╝hle in uns und Ihre Ansichten sind die meinen, ich will Ihnen nur gestehen, dass ich ebenso wie Sie von der Opposition bin, ebenso innerlich protestiere. Das kann ich Ihnen aber hier nicht auseinandersetzen, wie es mit Aristokratie und Katholizismus zusammenh├Ąngt. Aber ich halte das f├╝r eine gute und eben nicht ganz h├Ąufige Eigenschaft, die mir angeboren ist, klar und ungetr├╝bt alle Dinge ansehen, beurteilen und ihr Wahres f├╝r mich behalten und annehmen zu k├Ânnen, auch von Seiten, welche sich zu widersprechen scheinen. Der Mensch erreicht nicht eher die Harmonie seines Innern mit der gegebenen Welt und die Vers├Âhnung seiner eigenen anf├Ąnglichen Geteiltheit, welche seine Lebensaufgabe ist, als bis er den Eintrachtspunkt gefunden, worin alles Zwietr├Ąchtige unter einen Hut kommt. Assez, damit Sie mir nicht zuviel Schriftgelehrsamkeit vorwerfen.

Ferner kann ich, eben so wie Sie, Tadel, auch den unumwundensten und entschiedensten ertragen: Ich bin ziemlich daran gew├Âhnt und hasse nichts mehr als ├Ąsthetische Zirkel, wo man eine Art Versicherungskompagnie auf gegenseitiges Lob geschlossen hat. Ebenso bin ich aber auch gerade heraus: Ich tadle scharf, gerade in’s Gesicht, und hinter dem R├╝cken der Leute lobe ich ihre Sachen gew├Âhnlich weit mehr, als in ihrer Anwesenheit. Ich erwarte von meinen Freunden n├Ąmlich das gleiche und von dem, was von diesen kommt, nehm’ ich nichts ├╝bel. In dieser Beziehung k├Ânnen Sie sich ganz auf mich verlassen und mir immerhin Ihre Novelle schicken, worum ich recht herzlich bitte: Dass ich scharf bin, d├╝rfen Sie aber nicht vergessen!

Ferner bin ich sehr aufrichtig auch in anderen Beziehungen, und wenn mich dies zuweilen auch ungalant machen kann, so, denke ich, verzeiht man es der aufrichtigen und ehrlichen Weise, worin ich meine Naivit├Ąten deb├╝tiere, deren ungalante Seite mir erst hernach verm├Âge des uns Deutschen eigent├╝mlichen “Esprit escalier” einf├Ąllt. … Lassen Sie uns deshalb Frieden schlie├čen - Sie sollen mich auch nie maltr├Ątieren brauchen - aber ob nicht etwas Wahres darin lag, in der Behauptung von der Notwendigkeit des Maltr├Ątierens, dar├╝ber fragen Sie einmal Ihre eigene Erfahrung. Ich setze dabei eine gewisse Schw├Ąche, Lenkbed├╝rftigkeit u. s. w. voraus und die finden sich in der Tat bei den meisten Menschen, wie Sie das zugleich am meisten erstreben, was sich ihnen entzieht und umgekehrt mit dem Fuchs in der Fabel grade die zu h├Âchst h├Ąngenden Trauben f├╝r die s├╝├česten halten: dagegen das, was sie leicht erhalten und ganz sicher haben, eher geneigt sind zu vernachl├Ąssigen.

Wenn ich mich aber mit diesen Philistern in eine Kategorie stellte, so war das ebenso sehr Scherz wie Ihre Behauptung, ich habe Sie tief gekr├Ąnkt, es ist. Ja, freilich; denn h├Ątten Sie mir sonst einen so liebensw├╝rdigen langen Brief geschrieben!

Aus dem gerechten Drange, mich zu revanchieren, weil Sie mir mein M├Ąrchen vorenthalten, sende ich Ihnen jetzt auch Ihr Gedicht nicht, eines n├Ąmlich, das ich f├╝r Sie gemacht habe und worin Eiche und Linde sich besprechen … Gestern habe ich endlich das Morgenblatt erhalten, worin die Fortsetzung Ihrer “Maske” enthalten ist. Wie gern w├Ąre ich in Ihrer N├Ąhe jetzt blo├č, um Ihnen f├╝r so manche k├Âstliche Bemerkung die Hand und f├╝r manche noch sch├Ânere Ihre Stirn zu k├╝ssen, hinter der sich solche tiefsinnige und frappante Gedanken bergen. Das nichtige Treiben der vornehmen M├Ąnnerwelt haben Sie pr├Ąchtig begriffen …

Aber darf ich einen Rat hinzuf├╝gen? Lassen Sie nie des femmes auteurs Ihre Lieblingslekt├╝re werden: nicht einmal die Sand, obwohl die am ersten, vor allem nicht die Hahn. F├╝r schriflstellernde M├Ąnner ist die Sand lehrreich im h├Âchsten Grade: f├╝r Frauen ist es am meisten Shakespeare. Die Frauen k├Ânnen nie so die Welt kennenlernen wie wir, darum m├╝ssen sie es aus dem Spiegel der Welt: das ist nur Shakespeare. Aus Ihrer Novelle habe ich eine f├╝r mich angenehme Hoffnung gesch├Âpft: die n├Ąmlich, dass Sie den Humor liebgewinnen k├Ânnen. Den meisten Damen geht der Sinn daf├╝r ab; sie k├Ânnen ihn nicht vom Spa├če unterscheiden; sie haben kein Organ daf├╝r; er l├Ąsst sie kalt. Nun bin ich ein gro├čer Anh├Ąnger humoristischer Auffassungen, und es t├Ąte mir leid, mit den Schriften, worin ich diese versuchte, immer bei Ihnen durchzufallen.

Meine Sehnsucht, weshalb bekomme ich Ihr Bild nicht? Ist es nicht grausam, dass Sie es mir und meinen flehentlichen Bitten abschlagen, da ich doch Ihnen alles g├Ąbe, was Sie von mir verlangten, meine Seele selber, wenn Sie sie wollten, Ihnen in Baumwolle gepackt nach Darmstadt schickte mit der Aufschrift “Drucksachen” oder “Sachen ohne Wert”. Nein, das ist ein schlechter Spa├č; meine Seele ist wohl was wert; es ist bei Gott eine gute Seele, und schon deshalb, weil Sie darin wohnen, muss sie in Ehren gehalten werden. H├Âren Sie, Luise, sie nimmt nie etwas ├╝bel, ist geduldig wie ein Lamm, kann nie heftig werden, verliert nie ihre Ruhe und Fassung und verlangt nie maltr├Ątiert zu werden: vor allen Dingen aber ist sie immer ganz Ihr Eigentum.

Es ist mir h├Âchst beunruhigend, Sie immer noch nicht aus der Nervenfiebergefahr zu wissen. Ich habe meine Mutter an Nervenfieber verloren und bin desto besorgter und ├Ąngstlicher dabei. Man kann von den Nachtigallen freilich nicht verlangen, dass sie in Sturm und Winterk├Ąlte Darmstadts Tannenhaine beleben. Aber t├Ąglich dreimal um den ganzen Park hinter dem Schauspielhaus k├Ânnen Sie doch wandeln, und ich will Sie da im Geiste um die Nachmittagsstunde ├╝ber die trockenen Kiespfade einher schreiten sehen, in Kassawaika, schwarzem Kleide und Hut, und wenn Sie an dem alten J├Ągerhaus (oder was es vorstellt - ich wei├č nur noch, da├č an der Seite eine Treppe ist), vorbeikommen, sollen Sie an mich denken; nur da und zu Hause, denn sonst taugt Darmstadt nicht als Rahmen f├╝r mich, es steht mir nicht, und ich m├Âchte um alles nicht, Ihnen auf der Stra├če in Darmstadt begegnen.

Nun gute, gute Nacht, meine Sehnsucht, ich muss noch ein St├╝ck an meinem Roman schreiben, der mir in den Fingern brennt, weil ich just an der Stelle angekommen bin, wo Sie auftauchen. Sie stehen auf dem Balkone eines alten Schlosses am Meer; die Sonne hat den Westen purpurn gef├Ąrbt und ein Sturm die Wogen aufgew├╝hlt; so mit flatternden wei├čen Gew├Ąndern zeichnen Sie sich wunderbar sch├Ân am Abendhimmel ab, f├╝r einen fernen Wanderer eine Erscheinung wie ein m├Ąrchenhaftes Bild, eine wei├če Frau des Baues, die mit dem erker- und t├╝rmereichen Schloss verwebt ist, wie eine tiefsinnige und poetische Sage, die lebendig geworden.

Ellingen, 15. November 1842


aus: Luise von Gall

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Eben bekomme ich Ihren Brief, und gleich setze ich mich hin, um Ihnen zu danken! Was soll das hei├čen, dass Sie sagen, Sie h├Ątten mir eigentlich jetzt nicht schreiben sollen, weil ich durch meine Cousine zu sehr in Anspruch genommen sei! Das ist Koketterie von Ihnen, lieber Freund, denn Sie m├╝ssen wissen, wie mich Ihre Worte freuen, Sie m├╝ssen f├╝hlen, dass unsere Korrespondenz einen gro├čen Reiz f├╝r mich hat - sonst ist alles nichts!

Sie haben mir nicht gut erkl├Ąrt, was wir sind, mir ist es aber jetzt eingefallen; es ist zwar “eine alte Geschichte, doch bleibt sie ewig neu” - wir sind Tanne und Palmbaum! Wir tr├Ąumen von einander! Sie sind der Fichtenbaum, den es schl├Ąfert, ich aber bin die Palme, die einsam und schweigend trauert!

Ich erinnere mich, dass, als ich zuerst das Gedicht las, es ist schon viele Jahre, ich Tr├Ąnen in meinen Augen f├╝hlte, und ich war doch damals ein gl├╝ckliches Kind, ohne Schmerzen, von Liebe umgeben! Jetzt, seitdem meine Mutter tot ist, sind mir viele Menschen gut; aber niemand liebt mich; ich bin niemand zu seinem Gl├╝ck notwendig und das ist doch nur Liebe. Aber es ist eine gerechte Strafe vielleicht, denn fr├╝her schlug ich die Welt und alles, was sie bietet, zu gering an. Ich sagte damals, was soll ich mich um andre Menschen k├╝mmern, so wie meine Mutter liebt mich doch niemand, kann mich niemand lieben! Wie freut es mich, dass ich Ihnen von dieser Heiligen reden kann, dass Sie mit mir f├╝hlen und empfinden, was eine liebende Mutter ist!

Selbst als Kind habe ich wenig mich mit anderen herumgetrieben. Bis zu meinem neunzehnten Jahre war meine Mutter meine ausschlie├čliche Gesellschaft, meine Lehrerin, meine Freundin. Da wurde ich erst in die Welt eingef├╝hrt; ich passte aber eigentlich schon nicht mehr hinein, denn ich war ein selbst├Ąndiges Wesen, sagte, was ich dachte und glaubte, jedermann sei so. Ich bin auch so geblieben, denn meine Mutter tadelte mich nicht und nur ihr Tadel hatte “Wert f├╝r mich.

K├╝rzlich sagte eine Dame, die mich kennen lernte: “Im Anfange kam mir Luise Gall ganz sonderbar und eigen vor, und nun kann ich nicht begreifen, dass nicht alle Menschen so sind, denn sie ist ganz nat├╝rlich.” Werden Sie mir es als Eitelkeit auslegen, dass ich Ihnen dies schreibe? Ich hoffe nicht; denn nat├╝rlich zu sein, ist ja kein Verdienst und h├Âchstens das meiner Mutter, dass sie mich so lange dem geschminkten Treiben der Welt fern hielt und nur ihr edles reines Frauengem├╝t mich erkennen lie├č. Meine Mutter war unendlich viel mehr, als ich bin, aber es erf├╝llt mich mit Stolz zu sagen, dass ich mich Ihrer nicht unw├╝rdig f├╝hle. Auch sie war Dichterin wie die Ihrige, doch nur f├╝r ihre Lieben. Ihr ganzes Leben war eine Kette von Ungl├╝ck. Drei j├╝ngere Br├╝der verlor sie auf gr├Ąssliche Art; der eine ertrank, der andere kam auf der Jagd um; und meinen Vater verlor sie einige Wochen vor meiner Geburt durch einen Sturz mit dem Pferde! Ich war nun ihr Alles, ihr Einziges, Erstes und Letztes!

Ich bin durch Liebe verw├Âhnt, recht sehr verw├Âhnt worden, und mich friert, wenn ich meine Blicke um mich werfe. Ich m├Âchte immer und ewig nur in meinem Innern die heilige Erinnerung an die Liebe, die ich besa├č, pflegen und hegen. Ein Gl├╝ck hat mir der Himmel verliehen, eine gro├če angeborne Heiterkeit. Als meine Mutter noch lebte, wachte ich den Morgen immer mit einem Gef├╝hle der Gl├╝ckseligkeit auf, dass mir war, als m├╝sse ich laut jubeln, wie eine Lerche. Und wenn ich sang und meine helle Stimme recht ausstr├Âmen lie├č, dann war mir wohl im Gef├╝hle unendlicher Lust! Das ist nun vor├╝ber - wenn ich allein bin, bin ich jetzt immer traurig, so wie ich noch vor anderthalb Jahren dann immer fr├Âhlich war. Aber es bedarf nur eines Menschen, eines Vogels, einer Blume, einer Gegend, um Freude und Teilnahme in mir zu wecken. Der beste Wecker aber ist ein Brief.

Verzeihen Sie, oder vielmehr entschuldigen Sie, dass ich so viel von mir erz├Ąhlt, aber Sie wissen ja gar nichts, als Freiligraths schlechte Spa├če, und nach denen sollen Sie sich kein Bild von mir machen. Ich habe ihn schon beschuldigt, da├č er Ihnen die Phantasie in Betreff meiner verdorben.

Sie fragen mich, welcher Gl├╝ckliche mein Bild erh├Ąlt. Gar keiner. Freiligrath und seine Frau fanden es wundervoll, ├Ąhnlich, herrlich! Hier meine Verwandten finden aber, da├č es ├Ąlter und h├Ąsslicher sei als ich, mich schockiert ein dedaigneuser Zug um den Mund, den ich nicht habe, den aber Ida F[reiligrath] auch nicht finden will. Erst wollte ich das Bild lithographieren lassen und auch Ihnen einen Abdruck schicken, aber nun mag ich nicht, obgleich ich Ihnen vielleicht grade dies Bild senden sollte, damit nachher die Wirklichkeit Sie nicht unangenehm ├╝berrasche. Sie sehen, dass mir viel an Ihrer Gnade liegt.

Aber im Ernste, Ihre Freundschaft ist meinem g├Ąnzlich verwaisten Leben eine Freude, ein Gewinn, wof├╝r ich Ihnen mit ganzer Seele danke. Dabei der poetische, romantische Reiz des Ungew├Âhnlichen. Wissen Sie, mein Freund, dass Sie pr├Ąchtige Briefe schreiben? So kann ich’s nicht, ich kann nur schreiben, wie ich spreche, und meine Briefe haben nur f├╝r den Wert, an den sie gerichtet sind, weil sie den Stempel der Wahrheit tragen; die Ihrigen aber sind Gedichte! Gedichte - ja das ist sch├Ân, dass Sie mir Gedichte schicken wollen. Aber eines muss dabei sein, von dem Sie mir sagen, dass Sie bei dem Niederschreiben an mich gedacht haben. Es braucht nicht an mich gerichtet zu sein, so tyrannisch bin ich nicht - aber ich m├Âchte wissen, in welche Farben mein Bild sich in Ihrem Dichterherzen kleidet.

Ich habe schon ├Âfter Gedichte bekommen voll sch├Âner Worte, aber die haben mich nicht gefreut, es waren lauter kleine geputzte Puppen, die in schwerf├Ąlligen Schritten vorbei marschierten und bei dem Weggehn sich tief verneigten.

Aber ich m├Âchte ein Gedicht lesen, von dem niemand wei├č, dass ich darinnen lebe, und das ein warmes lebendiges Wort zu mir spr├Ąche, so wie ich seit Jahresfrist keines zu h├Âren bekommen!

Sie protestieren feierlich gegen den Titel sans peur et sans reproche. Tun Sie das nicht, Sie sollen solch ein Ritter sein. Schlickum hat mir zwar erz├Ąhlt, dass Sie sich vor Gespenstern f├╝rchten, das glaube ich aber nicht, weil ich nicht will!

Freiligrath ist vis-a-vis von jeder Geistergeschichte ein Hase, aber das darf mein Ritter nicht sein: Der muss einen Geist in sich f├╝hlen, der allen Geistern ├╝berlegen ist. Ist nicht der Geist der Liebe ein m├Ąchtiger Geist? Wissen Sie auch, warum mein Ritter so mutig und furchtlos sein muss? Weil ich selbst gar keine Courage habe und von ihm gesch├╝tzt sein will. Aber f├╝r mich w├╝rden Sie auch einem Gespenst Trotz bieten, denn ein edler Charakter vermag f├╝r andere, was er f├╝r sich selber nie vermocht.

Ich habe mir ausgedacht, wie unser erstes Zusammentreffen stattfinden muss. So oder gar nicht. N├Ąmlich bei einem gro├čen Fest - ich darf nur wissen, dass Levin, Sie, dass Luise gegenw├Ąrtig ist. Dann m├╝ssen Sie mich unter allen erkennen und ausfinden: Ich habe Sie dann schon l├Ąngst erkannt, davon bin ich ├╝berzeugt! Aber ob Sie mich finden, das ist die gro├če Frage. Ja, gro├č; denn es gibt viel gro├če Frauen mit dunklen Haaren und schwarzen Kleidern, obgleich ich schon mehrmals nach Beschreibungen erkannt wurde.

Ich sollte Ihnen doch mein Bild schicken, wenn es auch ├Ąlter aussieht - in sieben Jahren gleicht es mir dann grade!

Mit meiner Cousine geht es besser, aber ich gehe doch nicht nach Wien; denn erst seitdem ich ihr erkl├Ąrt, dass ich sie nicht verlassen wolle, hat die Krankheit nachgelassen. Ich sah, dass sie in fortw├Ąhrender Aufregung war und f├╝rchtete, ich m├Âchte sie heimlich verlassen. Sie weinte vor Freude, und mein Opfer war mir dann vergolten; denn ein gro├čes Opfer war es, Darmstadt und Wien! Vielleicht gehe ich nun n├Ąchstes Fr├╝hjahr; den Winter bleibe ich auf jeden Fall hier. Sie schelten mich (dass doch die M├Ąnner so gerne zanken!), dass ich Ihnen meine Adresse nicht geschickt: Sie wussten meinen Namen und Aufenthaltsort, wozu mehr in einem Neste wie Darmstadt?

Von Hauff habe ich vorgestern einen h├Âchst komischen Brief erhalten. Hackl├Ąnder hatte mir n├Ąmlich erz├Ąhlt, dss er, Hauff n├Ąmlich, mich f├╝r eine alte Dame gehalten, nun aber bei dem Empfange meiner ungarischen Reise gesehen, dass er sich geirrt und zu ihm gekommen, triumphierend, mein Manuskript in der Hand, rufend, “Gott sei dank, sie ist jung.” Aber dennoch mir nicht antwortete, ich schrieb ihm nochmals und am Schlusse meines Briefes machte ich den harmlosen Spa├č, ich h├Âre, er habe mich f├╝r eine alte Dame gehalten. An meiner Ungeduld k├Ânne er aber sehen, dass ich noch jung sei. Nun sollten Sie lesen, wie pedantisch er mir schreibt: “Geschlecht und Alter seiner Mitarbeiter m├╝ssten ihm gleichg├╝ltig sein.” Hat man je ├ähnliches gesehen. Er glaubte wohl, ich wollte ihn bestechen, du lieber Gott, so gro├č ist meine Jugend nicht mehr.

Raten Sie mir, was soll ich mit dem Manne anfangen? Sie sind mein Br├Ąutigam, ich werde jetzt alle meine Sorgen auf Ihre Schultern w├Ąlzen. Denken Sie sich nur nicht, weil ich eben von meinem Schreiben gesprochen, einen Blaustrumpf in meiner Person. Ich lege unendlich wenig Wert darauf; ich schreibe nur, weil ich nichts anderes zu tun habe; denn meine Toilette nimmt mich nicht in Anspruch. Singen kann man nicht den ganzen Tag, und vom Zeichnen tun mir die Augen weh. Ich lese und schreibe, aber wenn heute jemand zu mir sagte: “Tue mir den Gefallen und schreibe kein Wort mehr,” und dieser Jemand w├Ąre wirklich jemand, so w├╝rde ich es sans regrets tun. …

Wie wahr ist das, was Sie von den Momenten sagen. Die Freude ist nur wie eine sch├Âne Musik, die verklingt, der Kummer aber wie ein Gem├Ąlde bleibend, man schaut es immer wieder von neuem an. Aber seien Sie nicht undankbar; ist denn die Erinnerung eines sch├Ânen Augenblickes nicht auch ein Gl├╝ck! Wozu w├Ąren Sie denn so ein Dichter, wenn Sie nicht die Erinnerung zur Gegenwart umscharfen k├Ânnten - das ist ja Ihr Metier.

Sie haben mir Ihr Bild versprochen, und nun sind Sie ganz stille davon. Aber ├Ąhnlich muss es sein, sehr ├Ąhnlich, so ├Ąhnlich wie Freiligraths, sonst w├╝rde es zur trennenden Barriere zwischen uns; denn ihm w├╝rde meine Freundschaft zustr├Âmen, und wenn Sie dann k├Ąmen und anders w├Ąren, wenn auch viel sch├Âner, so h├Ątte ich nichts mehr f├╝r Sie ├╝brig. Denn ich bin ausschlie├čend, mit ganzer Seele oder gar nicht. …

Wie verschieden sind unsere W├╝nsche! Obgleich die Tageszeit dieselbe ist, so m├Âchten Sie am Kaminfeuer mit mir plaudern, w├Ąhrend ich mit Ihnen spazieren gehen m├Âchte. Ihre W├╝nsche sind aber jedenfalls “zeitgem├Ą├čer”, denn der Winter ist vor der T├╝re und wir m├╝ssten jetzt beide bei unserer Promenade erfrieren. Aber ich denke nicht an den Winter, nicht an die Jahreszeiten. Vielleicht treffen wir uns auch erst dort, wo ewiger Fr├╝hling ist!

* danach muss ich ein langes Leben haben.

Darmstadt, 17. Oktober 1842

Hermann Hauff redigierte das Cotta’sche “Morgenblatt”. Es handelt sich um den Artikel “Acht Wochen in Ungarn”.


aus: Levin Sch├╝cking

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Edle Dame!

Sie haben gewiss schon gef├╝hlt und zwar ├Âfter, als es h├Ąrteren M├Ąnnerherzen aufgeht, wie das Leben eigentlich nichts hat als Momente, um deretwillen es allein der M├╝he wert ist, eine unendliche Zahl langweiliger Tage durchlebt zu haben. Es ist ein grauer Himmel - aber es sind Sterne daran. Und diese Momente, diese Sterne sind hinrei├čend, entz├╝ckend, den Menschen au├čer sich rei├čend in eine Wonne und Lust, welche tieftrauriger Natur, einen bodenlos betr├╝bt machen kann. Es ist die Trauer, dass ein solches hinrei├čendes Gef├╝hl nur aufblitzt, da├č es nicht alle f├╝hlen, dass es so schnell vor├╝ber geht. Dass der Tod doch das Ende von allem ist - der Tod ist der Vater der Poesie.

Aber welch seltsamen Briefanfang mach’ ich da? Sie werden Ihren Augen nicht trauen: ich bin auf den Tod gekommen und wollte Ihnen nur sagen, dass es einer jener sch├Ânen Augenblicke war, als ich aufgeregt von einem lustigen Ritt durch die frische Luft eines verschleierten Herbstmorgens, Ihren lieben Brief vorfand und verschlang. Nebenbei: alle Menschen und am meisten die Schriftsteller sind zu bedauern, welche die Poesie des Reitens nicht kennen.

Eigentlich sollt’ ich Ihnen jetzt noch nicht antworten: Entweder trifft dieser Brief Sie, wenn das Nervenfieber Ihrer Cousine sich gebrochen hat, und Sie sind dann in einer so freudigen Stimmung, dass diese Zeilen nichts hinzuf├╝gen k├Ânnen: ich bin aber eitel genug, das, wenn auch nicht vorauszusetzen, doch zu w├╝nschen. Oder, was der Himmel nicht wolle, die Krisis hat sich zum Unheilvollen gewendet, und dann komm’ ich v├Âllig mal a propos.

Ich m├Âchte aber so gern mit Ihnen eins plaudern: Das ist eigentlich ein Hauptreiz, dass wir nichts von einander wissen und deshalb uns so unendlich viel mitteilen und erz├Ąhlen k├Ânnen. Was k├Ânnt’ ich Ihnen nicht alles vorplaudern, wenn wir zusammen s├Ą├čen, einem flackernden Kaminfeuer gegen├╝ber an einem st├╝rmischen Herbstabende, die Fr├╝chte des Nussbaumes und die h├Ąrteren N├╝sse der Lebensr├Ątsel knackend! Sie m├╝ssen wissen, dass das meine Passion ist; das hei├čt das Kaminfeuer, nicht das N├╝sseknacken. Die fr├Âhlichsten Stunden meines Lebens waren die, wo ich als Knabe zu Hause in einem einsamen waldumschlossenen Jagdschloss (Clemenswerth) am Kaminfeuer in Walter Scotts Romantik schwelgte, w├Ąhrend meine Mutter an ihrem Sekret├Ąr sa├č und an ihren Gedichten oder ihre Korrespondenz schrieb. Was k├Ânnt’ ich Ihnen nicht alles von der erz├Ąhlen! Sie war eine Frau, wie es nicht viele gegeben hat und als Dichterin von gro├čer Bedeutung. Es freut mich au├čerordentlich, dass Sie der Ihren eine so treue Trauer widmen. Es gibt kein Verh├Ąltnis auf der Erde, das nur entfernt auf die Weihe von Heiligkeit Anspruch machen k├Ânnte, wie das zu einer lieben Mutter.

Es hat mich ebenso gefreut, da├č Sie so vertraut mit mir ├╝ber Ihre jetzige Krankenpflegerinlage plaudern und klagen, um so mehr, da der Trost so nahe liegt: Ihre Gefangenschaft ist vor├╝bergehend. Und wenn Sie Ihre Einsamkeit neben die meine stellen, so wissen Sie nicht, wie ich Sie beneide, den Sommer in St. Goar haben zubringen zu k├Ânnen, und ├╝berhaupt bei Menschen zu sein, die ich hier, ein Diogenes, vergeblich mit der Laterne suche. Freilich kann ich so gut wie irgend jemand den Umgang entbehren und habe es auch leider fast immer tun m├╝ssen, da man so selten andre Menschen findet, als die Sorte, von der 60 auf ein Dutzend gehen; aber ich finde, dass die Einsamkeit, wie sie die Lust am Tr├Ąumen n├Ąhrt, die am Produzieren t├Âtet, und das tut mir leid.

Sie begreifen die Eifersucht nicht? Mir ist das unbegreiflich; wissen Sie wohl, dass ich auf alle Welt eifers├╝chtug w├Ąre, selbst es jetzt schon auf meinen Freund Freiligrath bin? Was haben Sie sein L├Ącheln so bezaubernd zu finden? Nur Leute, die sich ├╝bersch├Ątzen und keine Phantsie haben, sind nicht eifers├╝chtig; obwohl ich auf der anderen Seite gestehen muss, dass allen edlen Frauennaturen von allem die Wandelbarkeit und Flatterhaftigkeit das Allerfernste, Unm├Âglichste ist. Eine edle Frau kann dahin kommen, zu vergiften, aber nicht dahin, treulos zu werden. Aber was hilft’s: Es ist uns M├Ąnnern angeboren, eifers├╝chtig zu werden. …

Wissen Sie, dass ich wirklich in Angst bin, das Nervenfieber k├Ânnte Sie anstecken und meinem kurzen Gl├╝ckstraum ein Ende machen? Eine Zeile Ihrer Hand, einem Lebenszeichen von Ihnen harre ich aufs Besorgteste entgegen.

Was wir sind? Jedenfalls ein paar guter Kinder, die eine innige Freundschaft durch ein anmutigesm, neckrisches Spiel heitrer machen: vielleicht. Aber wie kann ich das ruhig und sicher aussprechen, ohne meine hohe Herrin zu beleidigen, um deren Hand durch langen treuen Dienst geworben werden muss?

H├Âren Sie, ich will’s Ihnen ins Ohr sagen: Vielleicht sind wir einst, ich ein gem├╝tlicher alter Herr, der zwar nicht gern von den Lorbeern, auf denen er hinterm Ofen ruht, aufsteht, aber doch mit einer f├╝r seine Jahre ganz ertr├Ąglichen Galanterie seiner kleinen Frau die Hand k├╝sst - es sei denn, sie setze ihm zu Mittag gebackene H├Ąhnl vor, was ihn in eine h├Âchst unliebensw├╝prige Launer versetzt, indem es ihn an 7 ├Ąngstlich verwartete Jahre erinnert, w├Ąhrend welcher er sich im Traume h├Ąufig in diese Wiener d├╝rre und unschmackhafte Speise verwandelt sah.

Wissen Sie, dass Sie mir h├Âchst damenhaft nicht Ihre Adresse gegeben haben? Ich hoffe, Ihre Erscheinung ist dem gesamten guten Darmstadt denkw├╝rdig genug, dass auch das Geschlecht der Brieftr├Ąger sich eine Gelegenheit nicht nehmen lassen wird, wo es in die N├Ąhe derselben kommen darf. Dies ist ein dummes Kompliment. Verzeihen Sie es der Innigkeit, womit ich Ihnen noch einmal Lebewohl zurufe.

Ellingen, 14. Oktober 1842