1842 23.September

Ich versichere Dich, ich war ganz herunter und so mutlos wie Anno 1830, bei dem miserabeln Aufenthalt in Münster. Man sollte einem halb Genesenen nie sagen, wie bedenklich es mit ihm gestanden hat, denn Rückfälle kommen immer, und dieser war ein arger Rückfall, so dass ich schon halb und halb darauf gefaßt war, den Winter nicht hier bleiben zu können. Davon glaubst Du nun kein Wort, und es ist doch wahr. Zum Glücke war es schon viel besser, als Mama zurückkam, und jetzt habe ich mich wieder an’s Klima gewöhnt und bin, unbeschrieen, flink auf den Strümpfen.

Mama ist gottlob auch wohl, sehr heiter, denkt nicht an ihr Übel, sondern hat so viel zu sehen, zu fragen und zu erzählen, dass sie nicht zum Schreiben kommen kann und, da ich jetzt schreibe, ihren Brief an Dich noch etwas aufschieben will. Die Zeit, wo sie ihr Herzklopfen hätte haben müssen, ist glücklich vorübergegangen, ohne andre Fatalität, als dass ich einmal tüchtig ausgeschimpft worden bin, weil ich morgens um fünf an ihrer Tür herumlusterte („wie ’ne alte Katze“, sagt Mama), was freilich dumm war, aber man hatte mir die Sache so gefährlich gemacht, dass sich meine Unruhe doch wohl begreifen läßt.

Ich mache mir jetzt Hoffnung, dass das Übel, da es gerade in dieser schlimmen Äquinoktialzeit ausgeblieben ist, ganz fortbleiben oder wenigstens allmählig ausschleißen wird. Gott gebe es! Hätte ich diesen Winter eine Ahnung davon gehabt, ich hätte keine ruhige Stunde in Meersburg verlebt, aber wie ich Mama jetzt sehe, so resolut und munter, und wie sie so rüstig nach Hülshoff hin und her segelt, kann ich mir ihren früheren Zustand gar nicht vorstellen. Nochmals, Gott erhalte nur alles wie es jetzt ist, dann will ich gar nichts anderes wünschen.

Rüschhaus, 23. September 1842