Begossener Pudel

Von Annette von Droste-Hülshoff
24. September 1842

In Stuttgart gibt nämlich der Professor Bauer ein Werk heraus „Deutschland im neunzehnten Jahrhundert“, dessen Ausarbeitung viele Gelehrte unter sich verteilt haben. Hierbei hat Schücking nun, noch in Meersburg, Westfalen übernommen, weil er dorthin zurückzukehren und dann alle Quellen zur Hand zu haben glaubte; nun sitzt er in Bayern beim Fürsten Wrede, wird auf’s äußerste um seinen Beitrag gedrängt und stößt, obwohl er sein Land sowohl durch Beobachtung als Lesen gründlich studiert hat, doch überall auf Schwierigkeiten und Lücken, wie es so ganz ohne Hülfsmittel nicht anders möglich ist. Er schreibt mir den lamentabelsten Brief von der Welt, dass er sich schon an mehrere in Münster um Auskunft in den verschiedenen Zweigen gewendet …

Wolltest Du nun, liebste Sophie, dieses dem August sagen oder, noch besser, ihm diesen Brief schicken, so wäre mir das äußerst lieb. Hat er nichts zu geben, so hätte ich gern baldmöglichst Nachricht, damit Schücking sich anderwärts umhören kann. Es braucht übrigens nicht viel zu sein, denn der Aufsatz umfaßt eine solche Masse von Gegenständen, Landschaft, Volkscharakter, Sitten, Gewerbe, Statistisches, Regierungsform et cet., auch Sagen und Volksaberglauben, kurz alles mögliche, so dass jedes nur einen enggemessenen Raum hat.

Kann und will aber August dem armen Schelm mit etwas aushelfen, so wäre es gut, wenn er es mir schickte, da Schücking von Münster eine Büchersendung erhält, der es dann beigepackt werden könnte, und die
schon darauf warten kann. …

Sage ihm, ich arbeitete fleißig an meinem Buche über Westfalen und hätte außerdem einen dicken Band Gedichte zum Drucke fertig. Im Auslande ginge es mir sehr gut, ich hätte jetzt acht gute Rezensionen bekommen, und drei Verleger hätten sich mir angeboten. Hierzulande spielte ich aber noch immer die Rolle des begossenen Hundes.