Mehr über Annette von Droste-Hülshoff (hier auf einem Gemälde von Sprick)

Sie möchten Annette von Droste-Hülshoff kennenlernen? Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin, erfahren Sie mehr über ihren Alltag, ihre Arbeit, ihr Privatleben und den Briefverkehr zu ihrer Zeit. Lernen Sie ihre Wohnorte kennen, verfolgen Sie ihre Korrespondenz mit Zeitgenossen, und gehen Sie mit Annette von Droste-Hülshoff auf Reisen.

300 Briefauszüge der Dichterin sind hier verfügbar, kategorisiert und verschlagwortet. Auch alle Kommentare sind authentisch und stammen von Zeitgenossen.

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!


An: Anton M. Sprickmann, aus: Hülshoff
1816 27.Februar

Es geht jetzt in Münster ein, wie man sagt, sehr hübsches Gedicht auf den westfälischen Frauenverein herum, wovon man mich mit aller Gewalt zur Verfasserin machen will; ich muss mich überall mit Händen und Füßen gegen dies ungerechte Gut verteidigen und werde es zu bekommen suchen, weil doch meine Eitelkeit ein wenig dabei interessiert ist zu sehen, wessen Geistes Kind es sei. Einige legen es auch der Madame Schücking, Ihrer Cousine, zu; sollte dies so sein, so interessiert es mich doppelt, sowie alles, was von diesem herrlichen und seltenen Weibe kömmt, zu der ich eine so eigne und innige Hinneigung fühle, dass ich sie bei unsrer geringen Bekanntschaft durch ihre mannigfaltigen schönen und anziehenden Eigenschaften kaum… Weiterlesen »

Hintergrund: Kurz nach der ersten Begegnung der Droste mit Katharina Busch heiratet diese am 17. Oktober 1813 Paulus Modestus Schücking und zieht nach Meppen. Der Kontakt bricht ab. Erst 16 Jahren später sehen sich Annette und Katharine wieder.
An: Therese von Droste, aus: BonnPlittersdorf
1831 21.Januar

Du siehst aus diesem langen Bogen, liebste, beste, alte Mama, dass ich wenigstens den Willen habe, recht viel zu schreiben. Ob ich dazu komme, das weiß Gott; obgleich ich nichts, gar nichts zu tun habe und auch nirgends hingehe. Aber ich habe mein Nichtstun so künstlich eingeteilt, dass mir keine Minute übrigbleibt und ich den ganzen Tag wie auf der Flucht bin. Du kannst meine höchst einfache und pünktliche Lebensordnung schon aus meinen früheren Briefen beurteilen. Eben in derselben Form besteht sie noch immer. Ich lebe so sehr nach der Uhr, dass ich mich ganz desorientiert fühle, sobald ich mal etwas anderes vorgenommen habe. … Plittersdorf, 7. Mein Brief ist schon fast acht Tage alt geworden. Ich bin hier, um die Mertens zu… Weiterlesen »

Hintergrund: Adele Schopenhauer beobachtet die Nähe zwischen ihrer Freundin Sibylle Mertens und der Droste mit wachsender Eifersucht. Mitte März 1831 löst sie Annette bei der Krankenpflege ab. Wenige Wochen später bittet Adele die Droste, wiederum die Pflege zu übernehmen - doch diese weigert sich zunächst, weil sie ihre Freundin Wilhelmine von Thielmann in Koblenz besuchen will. Nach einem Streit mit Adele kehrt Annette Ende April wieder ans Krankenbett der Mertens nach Plittersdorf zurück.
An: Levin Schücking, aus: Hülshoff
1842 27.Dezember

Jetzt habe ich Ihnen soviel vorgeklatscht, lieber Levin, dass mir kaum Raum zu viel Lieberem und Nötigerem bleibt. Vorerst: Wollen Sie nicht mal einen kleinen offnen Zettel an Elise einlegen? Einen Brief erwartet sie nicht, und wünscht ihn wohl kaum, da die Korrespondenz, wie Sie selbst fühlen, vorläufig noch etwas Peinliches haben würde, und sie durch meine Briefe viel ungenierter au courant ihrer Lage bleibt, aber dieses wäre doch eine Freundlichkeit. Zwingen sollen Sie sich indessen nicht, beengt es Sie, so lassen Sie es. Dann eine Bitte, mein Kind, Du hast Deinen Brief zerissen, um mir das Herz nicht schwer zu machen, meinst Du, dass mir etwas schwerer auf dem Herzen liegen könnte wie die Angst ohne bestimmten Gegenstand,… Weiterlesen »

Hintergrund: Levin Schücking und die Schriftstellerin Luise von Gall lernen sich im Sommer 1842 kennen - zunächst brieflich. Ferdinand Freiligrath hat den Kontakt hergestellt. Schücking und Gall schreiben sich mehrere Monate lang und verloben sich noch vor der ersten persönlichen Begegnung. Zu einem Treffen kommt es erstmals am 30. Mai 1843 in Darmstadt. Gegenüber der Droste erwähnt Schücking seine neue Bekanntschaft im November 1842 zum ersten Mal.
An: Clemens von Bönninghausen, aus: Rüschhaus
1829 22.November

(Schilderung der seit dem 7. November neu aufgetretenen Krankheitssymptome) 1. Kopfweh, vorzüglich im Hinterkopf, morgens gelind, nachmittags stärker, abends oft sehr heftig. 2. Knacken mitten im Kopfe, so oft ich ihn umdrehe. 3. Knacken der Kinnlade. 4. Etwas Neigung zu leerem Aufstoßen. 5. Einmal schmerzhaftes Stechen auf der Herzgrube. 6. Zuweilen ein kurzer Stiche in der Seite über der Hüfte, meistens links, selten rechts. 7. Kollern im Leibe. 8. Etwas Beschwerde beim Atmen. 9. Ein beständiger dumpfer Schmerz in der linken Brust, zuweilen in Stiche ausartend, wonach es besser zu werden pflegt. 10. Einmal ein Stich mitten in der Brust, wo der Brustknochen am höchsten ist, aber unter demselben. 11. Zuweilen… Weiterlesen »

Hintergrund: Clemens Maria von Bönninghausen ist einer der ersten Homöopathen, und obgleich er nie Medizin studiert hat, gibt Annette sich als eine der ersten Patientinnen in seine Hände. Jahrelang konnte die Schulmedizin der von Kindheit an kränkelnden Annette nicht durchgreifend helfen. Als sich ihr Gesundheitszustand im Sommer 1829 dramatisch zugespitzt hat, wird sie an Bönninghausen überwiesen, der sie ab September 1829 behandelt. Der Erfolg überzeugt Annette so sehr, dass sie seine Dienste zeitlebens in Anspruch nehmen wird. Erst 1846 muss sie sich in Meersburg von einem Schulmediziner behandeln lassen, weil Bönninghausen nicht greifbar ist.
An: Levin Schücking, aus: Hülshoff
1843 11.Mai

Schreiben Sie mir gleich, wie Ihnen die Gall gefallen hat; bin ich schon in Abbenburg, so wird mir der Brief doch unmittelbar nachgeschickt. Wir (Elise und ich) sind natürlich äußerst gespannt darauf, und unsre Wünsche und Gebete werden Sie an jenem Tage begleiten. Gott gebe, dass die Gall ist, wie wir sie uns ausmalen, namentlich Elise: feurig ohne Exaltation, neben ihrem Geiste voll bon sens, und, obwohl glänzend in Gesellschaft, doch ruhig und wohltuend im häuslichen Leben. Lieb Kind, Dein Mütterchen hat carte blanche, zu sagen, was es will, nicht wahr? So bitte ich Dich, wie ich bitten kann, suche die Gall genau zu ergründen, ehe Dein Wort und Urteil unwiederbringlich gefangen sind; es geht hier ums ganze Leben. Ich bin… Weiterlesen »

Hintergrund: Nach mehrmonatigem Briefwechsel planen die beiden Verlobten Levin Schücking und Luise von Gall ihre erste persönliche Begegnung für 30. Mai 1843 in Darmstadt.
An: Sibylle Mertens, aus: Abbenburg
1843 5.Juli

Mir ist wieder ganz miserabel gewesen, sonst hätte ich deinen lieben herzlichen Brief längst beantwortet, meine alte Billa. Jetzt hat sich mir der Krankheitsstoff wieder auf den Kopf geworfen, der mir den ganzen Tag summt und siedet wie eine Teemaschine – Ohr, Zahn, Gesichtsschmerz – ich möchte mich zuweilen, wie jener Halbgeköpfte (Kindermärchen von Grimm), bei den Haaren nehmen und mein weises Haupt in den Fischteich unter meinem Fenster werfen, wo es ihm wenigstens kühl werden würde. Erwarte also nur konfuses Zeug in diesem Briefe, denn ich bin halb simpel vor Duseligkeit, und muss bei jeder dritten Zeile aufspringen, um das Blut sinken zu lassen. Heute ist’s doch besser wie seit vier Wochen, und Du magst nur denken, dass ich… Weiterlesen »

Hintergrund: Zwischen Sibylle Mertens und ihren Kindern tobt nach dem Tod von Louis Mertens eine Auseinandersetzung ums Erbe. Sie hat zu wenig Barvermögen, um die Kinder, die ihr Erbteil einfordern, auszuzahlen. Der gerichtlich geführte Streit wird sich bis ins Jahr 1849 ziehen.
An: Sophie von Haxthausen, aus: Rüschhaus
1834 9.Oktober

Meine Briefe sind jetzt nur lauter Zeddel, liebste Sophie, man kömmt gar nicht zu sich vor Packen, Besuchen machen und annehmen, das ist aber vielleicht gut für uns alle. Ich hatte in meinem letzten Briefe ganz den (wahrscheinlichen) Tag der Heirat zu sagen vergessen – vor dem 18. wird es nicht sein, weiter ist noch nichts gewiss, wenn die nötigen Scheine für Laßberg bis dahin ankommen, wird es wohl auf den Tag bleiben. Aber der Weg ist weit und die Papiere (Totenschein seiner Frau, seiner Eltern – scheint, dass die Proklamation richtig und keine Einsprüche geschehn) müssen von verschiedenen Orten kommen, Laßberg meint aber, bis zum 18. solle alles richtig sein. Kommt doch sobald als möglich, wir alle freuen uns so darauf, und… Weiterlesen »

Hintergrund: Mit einer Verbindung zwischen ihrer Tochter Jenny und dem verwitweten Joseph von Laßberg war Therese von Droste anfangs nicht einverstanden. Knapp drei Jahre hatte Joseph hartnäckig um Jenny geworben, als die 39jährige am 18. Oktober 1834 dem 64jährigen ihr Ja-Wort gibt.
An: Levin Schücking, aus: Meersburg
1843 14.Dezember

Ich habe mich durch die Billigkeit des Preises verleiten lassen, das am Wege „zum Frieden“ liegende Fürstenhäuschen mit allen dazu gehörigen Reben zu kaufen – allerdings wohlfeil, aber doch um weit mehr als einen jährlichen Betrag meiner Leibrente, weshalb ich eine Anleihe bei meinem Bruder machen musste. Dafür habe ich nun freilich bei allen denkbaren Wechselfällen ein niedliches Asyl von fünf Zimmern, einer Küche, Keller, Bodenraum, und zwar in der Luft, die mir allein zusagt und endlich wohl meine heimische werden muss, – dabei in guten Jahren einen Weinertrag von etwa vierzig Ohm…. Weiterlesen »

An: Philippa Pearsall, aus: Meersburg
1844 25.August

Werden Sie meiner auch immer gedenken, Philippa? Auch wenn wir auf längere Zeit getrennt würden? Ich weiß, dass ich Sie nie vergessen, Ihnen immer schreiben und, wenn Sie nur nicht gar zu weit von meinem Wege verschlagen werden (etwa nach Wien, London et cet.), Sie auch immer aufsuchen und ein paar Tagereisen nicht achten werde. Ihre Liebe ist mir ein frischer, wohltätiger Strahl in meinem abnehmenden Leben; bewahren Sie mir dieselbe so getreulich, wie ich Ihnen die meinige bewahren werde, so kann es nicht fehlen, dass ein fester Wille von beiden Seiten uns auch wieder zusammenführt. … Wie ist Ihnen alles so sehr gelungen, Handzeichnungen, Gedicht und Komposition! Ach, Sie wissen selbst noch nicht, welche Grundlage zukünftigen… Weiterlesen »

Hintergrund: Die Pearsalls - Vater Robert und Tochter Philippa - hat Annette von Droste im Februar 1844 kennengelernt. Sie leben auf Schloss Wartensee, auf der Schweizer Seite des Bodensees, nachdem sich der ursprünglich geplante Kauf des Neuen Schlosses in Meersburg zerschlagen hat. Die Pearsalls und das Ehepaar Laßberg haben sich angefreundet und besuchen sich gegenseitig mehrfach. Zwischen Annette und der 27 Jahre jüngeren Philippa entwickelt sich eine enge Beziehung, die auch auf dem gemeinsamen Interesse für Literatur gründet. So liest die Droste ihrer Freundin aus ihren Werken vor und gibt ihr einen Teil des Manuskripts von Bei uns zulande zum Lesen mit nach Wartensee.