Zeichnung: Annette von Droste in ihrem Zimmer im Rüschhaus

Entspannt im „Schneckenhäuschen“: Annette von Droste-Hülshoff auf ihrem Kanapee im Rüschhaus. Bildarchiv Foto Marburg

Augendienerei

Von Annette von Droste-Hülshoff
27. Dezember 1842

Ich wollte ein paar stille, gemütliche Stunden mit Elisen und Tante Ittchen zubringen, war im ordinärsten Kostüm, dabei noch verregnet und verpluddert – an der Treppe kömmt mir E. hastig entgegen, führt mich durch die Küche ins Kabinettchen, wo mir schon der französische Caquet vom Saale entgegen schallt, und bittet mich vom Himmel zur Erde nicht umzukehren, – Gott behüte! linksum kehrt Euch! – Tante Ittchen und Nanny Scheibler werden zur Hilfe gerufen, und ich fahre endlich in den… Weiterlesen »

Wozu hat man Freunde?

Von Annette von Droste-Hülshoff
5. Juli 1843

Mir ist wieder ganz miserabel gewesen, sonst hätte ich deinen lieben herzlichen Brief längst beantwortet, meine alte Billa. Jetzt hat sich mir der Krankheitsstoff wieder auf den Kopf geworfen, der mir den ganzen Tag summt und siedet wie eine Teemaschine – Ohr, Zahn, Gesichtsschmerz – ich möchte mich zuweilen, wie jener Halbgeköpfte (Kindermärchen von Grimm), bei den Haaren nehmen und mein weises Haupt in den Fischteich unter meinem Fenster werfen, wo es ihm wenigstens kühl werden würde…. Weiterlesen »

Sittenlosigkeit – und Levin mittendrin

Von Annette von Droste-Hülshoff
10. September 1842

In Schückings Briefe steht manches, was mich fürchten läßt, dass er endlich ehrenshalber nicht wird bleiben können. Der Fürst scheint ein Mensch von der schamlosesten Sittenlosigkeit. Z.B. die letzte Reise, wo Sch und die Kinder auch mit waren, haben sie in Gesellschaft der Mätresse und ihrer Schwester gemacht, während die Fürstin in Ellingen auf dem Todbette liegt. An einer andern Stelle schreibt er: „Die arme gute Fürstin hat nur noch wenige Wochen zu leben, der Fürst kann es kaum… Weiterlesen »

Das Eis ist gebrochen

Von Annette von Droste-Hülshoff
28. Februar 1844

Zum ersten Male, meine liebe junge Freundin, setze ich mich mal recht fest hin, um Ihnen in Ruhe zu schreiben; dieser Brief gilt natürlich für Levin mit, aber Sie sind es doch, an die ich meine Gedanken eigentlich richte, und Ihre Augen, groß, klar und freundlich, wie ich sie mir denke, sehen mich an, während ich zu Ihnen rede. Es ist etwas Seltsames um einen vertrauten Briefwechsel, ohne sich persönlich zu kennen, etwas höchst Reizendes und doch wieder Beklemmendes, da selbst die… Weiterlesen »

Kann ich Sibylle mitbringen?

Von Annette von Droste-Hülshoff
11. März 1831

Denk Dir Mama, mit Deinem letzten Briefe zugleich bekam ich einen von Johannes, der mir vorschlug, mit ihm auf dem Dampfboot bis Wesel, und dann mit einem Hauderer weiter zu Euch zu kehren — ich kriegte in dem Augenblick ein solches Verlangen nach Haus, dass ich es beinahe getan hätte, so wenig schicklich es mir auch selber vorkam, aber die armselige Mertens hatte kaum ein Wort davon gehört, als sie so erbärmlich anfing zu weinen, dass ich per compagnie mit daran kam und ihr versprach… Weiterlesen »

Lassen Sie sie nichts Schweres heben

Von Annette von Droste-Hülshoff
29. September 1844

Lieber Levin, Sie sehen also jetzt der allerwichtigsten Veränderung Ihres häuslichen Lebens entgegen; ich freue mich herzlich darüber und weiß, dass es grade für Sie ein unbeschreiblich festes Band an Frau und Haus sein wird. Jetzt geht erst das rechte Glück an und bringt freilich auch erst die rechten Sorgen mit, die aber noch niemand mit dem Glücke zugleich hätte los sein mögen. Es wäre ein Wunder, wenn die in Ihrer Familie ohnedies schon erbliche Poesie jetzt nicht doppelt… Weiterlesen »

Wie bald könnte Jenny Witwe sein

Von Annette von Droste-Hülshoff
26. Mai 1842

Ich schreibe Dir unter Kanonendonner, unter Pauken- und Trompetenschall. Die Bürgermiliz hat sich vor der Pfarrkirche aufgepflanzt und läßt ihr Geschütz, wirklich ordentliche Kanonen, seit vier Uhr Morgens, sechs Messen lang, so unbarmherzig zu Gottes Ehre knallen, dass fast in jedem Hause ein Kind schreit; und wir auf dieser Seite haben alle Fenster aufsperren müssen, damit sie nicht springen. In den Schwaben ist doch mehr Lust und Leben wie in unsern guten Pumpernickeln! Stiele hat sich… Weiterlesen »

Adeles kranke Hände

Von Annette von Droste-Hülshoff
29. Dezember 1842

Von der armen Adele habe ich einen recht trüben Brief; sie ist noch in Bonn; Wolff, der ihr Übel immer am günstigsten beurteilte und in einer Kur zu heben hoffte, hat jetzt leider diese Ansicht aufgegeben und schiebt sie von sich ab, wie die übrigen, dem Karlsbade zu. Ich fürchte mit ihr, dass an Heilung nicht zu denken ist, nur an Hinhalten, vielleicht Lindern, auf längere oder kürzere Zeit; es geht mir sehr nahe. Vielleicht kömmt sie auf einige Zeit nach Rüschhaus; Mama hat sie… Weiterlesen »