Mehr über Annette von Droste-Hülshoff (hier auf einem Gemälde von Sprick)

Sie möchten Annette von Droste-Hülshoff kennenlernen? Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin, erfahren Sie mehr über ihren Alltag, ihre Arbeit, ihr Privatleben und den Briefverkehr zu ihrer Zeit. Lernen Sie ihre Wohnorte kennen, verfolgen Sie ihre Korrespondenz mit Zeitgenossen, und gehen Sie mit Annette von Droste-Hülshoff auf Reisen.

300 Briefauszüge der Dichterin sind hier verfügbar, kategorisiert und verschlagwortet. Auch alle Kommentare sind authentisch und stammen von Zeitgenossen.

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!


An: Anton M. Sprickmann, aus: Hülshoff
1814 20.Dezember

An meinem Trauerspiele habe ich bis vor zwei Wochen noch immer fortgeschrieben und werde auch jetzt wieder dabei anfangen; es geht etwas langsam, aber doch hoffe ich, es gegen den Frühling fertig zu bekommen. Ich wollte, es stände sogleich auf dem Papiere, wie ich es denke, denn hell und glänzend steht es vor mir in seinem ganzen Leben, und oft fallen mir die Strophen in großer Menge bei; aber bis ich sie alle geordnet und aufgeschrieben habe, ist ein großer Teil meiner Begeisterung verraucht, und das Aufschreiben ist bei weitem das mühsamste bei der Sache. Doch kömmt es mir vor, als ob sich meine Schreibart besserte, dies sagen mir auch alle, denen ich es auf Verlangen meiner Mutter vorlas; aber ich fürchte immer, dass diese… Weiterlesen »

Unter der Feder: "Bertha"
Hintergrund: Anton Matthias Sprickmann, Freund und Förderer aus Münster, ist 1814 nach Breslau gezogen. Vor seinem Weggang hat er Annettes Arbeit an ihrem Trauerspiel "Bertha" literarisch betreut.
An: Christoph B. Schlüter, aus: Rüschhaus
1835 2.Januar

Auch den Walter werde ich mitbringen! Erschrecken Sie nicht! Es sind nur einzelne Stellen, etwa in jedem Gesange drei oder vier Strophen, die ich Sie nochmals anzuhören bitte. Es kömmt mir fremd an, zu sagen, dass eine meiner Arbeiten von einem meiner Freunde zu scharf beurteilt ist; denn Freundes Urteil ist sonst nur allzu milde und hat manches gute Talent verdorben. Doch waren wir damals noch nicht bekannt miteinander, und ich wünschte, Sie könnten sich, sobald ich das Heft zur Hand nehme, denken, es sei von einem andern. Das Gedicht ist im ganzen sehr mißglückt und matt, im einzelnen aber nicht immer. Ich arbeite jetzt nichts, gar nichts, so gern ich dran möchte; die Tage sind zu kurz und die wenigen Stunden zu besetzt; wenn… Weiterlesen »

Hintergrund: Therese von Droste hatte den Münsteraner Philosophie-Dozenten Christoph Bernhard Schlüter bereits 1829 gebeten, das literarische Talent ihrer Tochter Annette zu fördern. Der hatte sich daraufhin den "Walter" zu Gemüte geführt - und negativ beurteilt. Das Epos war in seinem Augen "süßlich, leer, ja zum Teil affektiert". Schlüter lehnte damals ab, die Dichterin unter seine Fittiche zu nehmen. Zur ersten persönlichen Begegnung kommt es vermutlich erst Jahre später, bei einem literarischen Teekränzchen im Februar 1834 in Münster. Es entwickelt sich ein regelmäßiger Brief- und Besuchskontakt, die Droste liest dem fast erblindeten Schlüter aus ihren Werken vor. Der Professor wird zum Förderer - dabei hat er vor allem die katholisch-geistliche Dichtkunst der Droste im Blick.
An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
1842 11.September

Sie werden von Elisen einen Brief erhalten haben, worin sie ihre Briefe und Portrait, so wie auch beides von mir, zurück wünscht. Sie können sich auf mein Wort verlassen, dass diesem Wunsch Elisens keine Bitterkeit zum Grunde liegt, sondern nur eine natürliche Furcht vor dem Schwerte des Damokles, das ihr durch die Klatscherei der Bornstedt erst recht sichtbar geworden ist. Daß diese Klatscherei, die übrigens nur wenigen bekannt war, fast in der Geburt erstickt ist, haben wir teils Schlüters zu verdanken, teils dem Umstande, dass die Bornstedt mich ganz auf dieselbe Weise angegriffen und dadurch ihrem boshaften Plane zwei Köpfe gegeben hat, die sich einander auffraßen…. Weiterlesen »

An: Wilhelmine von Thielmann, aus: Rüschhaus
1828 2.November

… meines Onkels Werner kleines Töchterchen soll ein wahrer kleiner Engel sein, ich kenne es noch nicht, da ich seit sechs Jahren nicht in Bökendorf gewesen bin, um das Zusammensein mit meinem Onkel August Haxthausen zu vermeiden, dem ich, aus hinlänglichen Gründen, nicht eben gar zu hold bin, und dem es zu sehr an Takt gebricht, um, bei einem gespannten Verhältnisse, sich einigermaßen anständig zu benehmen. Ich habe Proben davon! Indessen kann mir all mein Hüten zu nichts helfen, denn Jenny hat mir die angenehme Nachricht gegeben, dass der August einen Teil dieses Winters in Münster zuzubringen gedenkt — ich möchte lieber auf der Stelle hundert Taler bezahlen! Rüschhaus, 2. November… Weiterlesen »

Hintergrund: Annette verrechnet sich - sie ist zu diesem Zeitpunkt nicht sechs, sondern bereits acht Jahre lang nicht in Bökendorf gewesen. Hintergrund ist die Straube-Arnswaldt-Affäre und die damit verbundenden Spannungen vor allem mit ihrem Stiefonkel August von Haxthausen.
An: Elise Rüdiger, aus: Rüschhaus
1842 10.September

Lev Lage macht mich übrigens trostlos, obwohl er gesteht „meist heiter und körperlich sehr wohl“ zu sein. Seine Traurigkeit ist auch gewiss nur momentan, sonst würde er sie in diesem Augenblicke, wo ihm alles Vergangene so recht vor Augen treten musste, schärfer herausgehoben haben. Aber das übrige! Gottlob scheint sein moralisches Gefühl noch völlig unabgestumpft, aber es ist traurig genug, täglich sich innerlich empören zu müssen. Wäre es nur nicht so unmöglich, dass er auf andre Weise leben, nur schlichtweg leben — sich nähren und kleiden — könnte, so würde ich ihn tausendmal weg wünschen; aber er kann es nicht. Er ist körperlich unfähig zu jeder anhaltenden Anstrengung, und ohne diese gibt es nirgends Brot mehr in… Weiterlesen »

Hintergrund: Mit dem "schlimmen kleinen Wörtchen" ist das vertraute "Du" gemeint. An anderer Stelle bittet die Droste Schücking, sie in seinen Briefen fortan wieder zu sietzen - aus Sorge vor Tratsch und mütterlicher Ermahnung.
Die "andere Sache" ist das Verhältnis, das Schücking in Münster zeitweise mit der verheirateten Elise Rüdiger hatte. Nach der Rückkehr der Droste aus Meersburg besprechen die beiden Freundinnen, wie mit den Hinweisen auf eine vertraute Beziehung beider zu Schücking (Briefe, Bilder) umzugehen ist. Sowohl Annette von Droste als auch Elise Rüdiger wollen vermeiden, dass diese Zeugnisse in falsche Hände geraten - etwa in die der Lusie von Bornstedt, die bereits den gemeinsamen Meersburger Aufenthalt zum Anlass für öffentliche Spekulationen genommen hatte. Von dem Vorschlag der Droste, ihre Briefe an Schücking zu vernichten, will dieser nichts wissen.
An: August von Haxthausen, aus: Rüschhaus
1841 11.November

Du weißt, dass der Landtag alle Hände so voll gehabt hat, dass die Schulangelegenheiten gar nicht haben zur Sprache kommen können. Manche sagen, nicht mit Unrecht, sie hätten dafür einige Privatsachen, z.B. Jagdsachen et cet., hinter Weges lassen sollen. Es ist traurig dass so sehr viel Verstand und Geistesunabhängigkeit dazu gehört das Allgemeine aufzufassen, und die ehrlichsten Leute, die sich nicht mit Millionen bestechen ließen, doch ihr zerbrochenes Töpfchen immer für den Hauptschaden halten. – Gutsbesitzer – Kaufmann – Städter – Jeder stimmt für sein Interesse, so mache sie sich einander kaputt, und das Resultat ist, dass alle mit gleicher langer Nase anziehn… Perdu!: mein Lustspiel, worin höchstens einer… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
1842 16.November

Wissen Sie schon, dass der bewusste Saumaige ganz anders heißt und ein ziemlich genauer Bekannter der Rüdiger ist? Ein uninteressanter, höchst roher Mensch, der zwei Frauen geprügelt, aber nicht die geringste Lust zur dritten hat. Die Rüdiger hatte diesen Argwohn schon ein paarmal gegen die Bornstedt ausgesprochen, die dann aber immer schnell geantwortet: Nein, nein, der Meinige heißt Saumaige! Jetzt, bei der Auktion, hat seine Karte auf dem Boden gelegen, und, um jeden Zweifel zu heben, auf der Rückseite mit Bleistift jene fatale Aufkündigung: „Il m’est de toute impossibilité“ et cet – was sagen Sie zu dieser Charlatanerie? Rüschhaus, 16. November… Weiterlesen »

An: Sophie von Haxthausen, aus: Hülshoff
1837 30.Dezember

Ich bitte, nimm Dich doch in acht und laß dich auf keine Gespräche ein, die Dich aufregen und ärgern, denn ich meine immer, die Geschichte mit dem Erzbischof ist Dir so in den Magen gefahren. Glaub nur, wir ärgern uns auch genug darüber, aber jetzt, wo das Recht auf unsrer Seite immer offner hervortritt und selbst protestantische Zeitungen dies anerkennen, können wir schon ruhiger erwarten, was der liebe Gott verhängt. Die bösen Mäuler sind wenigstens überall gestopft. Ich wünschte sehnlich, jetzt bei Dir zu sein, aber schreiben geht nicht, die Spionerie hat einen Grad erreicht, worüber ich als Märchen lachen würde, wenn nicht bereits die auffallendsten Beispiele vorgekommen wären. Wenn die Regierung wüßte, wie sehr der… Weiterlesen »

An: Therese von Droste, aus: BonnPlittersdorf
1831 11.März

Was Du von mir denkst, meine liebe alte Mama, das weiß der liebe Gott, aber das weiß ich wohl, dass ich ganz unschuldig bin und in den letzten vier Wochen oft nicht wußte, wo mir der Kopf stand. Ich bin jetzt schon in der 5. Woche bei der Mertens, die sehr gefährlich krank gewesen ist. Ich habe viel Last gehabt, so viel wie in meinem Leben noch nicht. Ich habe die arme Mertens Tag und Nacht verpflegt, fast ganz allein; denn ihrer Kammerjungfer hatte sie grade zuvor aufgesagt, weil sie trinkt, und konnte sie nun gar nicht mehr um sich leiden, … ihre beiden ältesten Mädchen sind in der Pension. Adele Schopenhauer immer krank. So war ich die Nächte zu der Sache. Wie hab ich doch so manche Sommernacht, Du düstrer Saal, in… Weiterlesen »

Seite 1 von 3412345...102030...Letzte »