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Nach 100 Jahren

möchte ich gelesen werden …

Annette von Droste-Hülshoff in Briefen

Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin. Erfahren Sie mehr über ihren Alltag, über Droste als Dichterin und Briefschreiberin, ihr Privatleben, ihre Familie und Freund:innen und über den Briefverkehr im 19. Jahrhundert. Lernen Sie ihre Wohnorte wie die Burg Hülshoff, das Rüschhaus oder Meersburg in Multimedia-Storys kennen. Oder chatten Sie doch mal mit Annette! Viel Spaß!

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Silvesterbrief

Ich soll durchaus was schreiben, und bin doch von der übelsten Laune von der Welt, und habe einen entsetzlichen Husten, und obendrein muß ich Morgen beichten, – Jenny sagt mir noch dazu allerhand Unangenehmes, ich will auch aufhören.

Die lieben Stunden in Ihrem Hause

Was denken Sie? liebe Lotte, daß ich mich wie ein Dieb in der Nacht aus Cassel gemacht habe, ohne Ihnen zuvor Ihr Eigenthum wieder zuzustellen? Es war mir bey dem Tumult der Abreise ganz aus dem Gedächtniß gekommen, und erst, wie ich schon weit vor dem Thore hinaus war, und mich noch einmahl zum Abschiede nach dem hellen schönen Cassel umsah, worüber aber jetzt die Morgennebel wie ein Wittwenschleyer lagen, vermuthlich zur Trauer über unsre Abreise, fielen mir meine Sünden aufs Herz, und hätte ich nicht ein festes Vertrauen auf Ihre Güte, so hätte ich mich wohl leicht vor den nachsetzenden Häschern fürchten können, zum Glück entsann ich mich, daß Sie ja noch ein ähnliches Kleinod von mir zum UnterpfandWeiterlesenDie lieben Stunden in Ihrem Hause

Ich lerne den Generalbaß auswendig

(…) Ich habe jetzt sehr wenig Zeit, denn der Onkel Max hat mir ein selbstverfasstes Werk über den Generalbaß geschenkt. (Eine Abschrift, denn es ist nicht im Druck.) Was folgt daraus? Dass ich aus Dankbarkeit das ganze Werk von Anfang bis zu Ende durchstudiere und auswendig lerne! Ich kann nicht sagen, daß ich es ungern tät, oder daß es mir schwer würde, da ich schon manche andere Werke über den Generalbaß kenne, aber ich muß fast meine ganze Zeit daran setzen. Außerdem wird jetzt fleißig hier im Hause gearbeitet, Jenny spielt und singt mit großem Eifer, da sie glaubt, in ihrer Abwesenheit Manches verlernt zu haben. Tony und Elise malen den ganzen Tag auf Sammet, Tony weiße und gelbe NarzissenWeiterlesenIch lerne den Generalbaß auswendig

„Hübsche Sächelchen“? Das ist zu arg!

Schon seit anderthalb Monathen ist ihr liebereicher herzlicher Brief in meinen Händen, mein verehrter lieber lieber Freund, und erst heute antworte ich, da ich doch nichts anderes Wichtiges in der Zeit zu thun hatte, und mich gottlob, im Ganzen immer sehr wohl befunden habe, sollte man das nicht unter die Räthsel zählen? — Ach, mein Sprickmann, es ist mir sauer genug geworden, meine Grille mit dem Namenstage durchzusetzen, das heißt, bey mir selbst durchzusetzen, (die keinen Bogen unbeschriebenes Papier sehen konnte, ohne die peinlichste Ungeduld und Sehnsucht, und keine Feder ohne ein magnetisches Zucken in den Fingern zu fühlen) denn den Uebrigen, und besonders meiner lieben Abschreiberinn, der Jenny, war es eben recht, und diese ist auch eben schuld daran,Weiterlesen„Hübsche Sächelchen“? Das ist zu arg!

Die elendeste Geistergeschichte, die mir seit lange zu Augen gekommen

Ich schreibe dir, liebstes Thereschen, eigentlich bloß, weil ich es dir in meinem vorigen Briefe angesagt habe, damit du dich nicht beunruhigst, wenn nichts ankömmt, denn eigentlich hatte ich mich versehen in meiner Angabe und hätte dir erst am folgenden Sonntage schreiben müssen, jetzt aber wollen wir diese Ordnung fortsetzen, und du schreibst mir, Sonntag am Zweiten, und ich erst wieder am Neunten, den Sonntag drauf, – Wir leben hier so still fort, und es geht sehr wenig vor. — Phine Droste wird nicht kommen, weil ihre Mutter nach Bonn gereist ist, um für ihre Augen den Professor Walter zu gebrauchen, sie muß also ihrem Vater Gesellschaft leisten, und Haus halten, — was sagst du zu Letzterem? — ich glaubeWeiterlesenDie elendeste Geistergeschichte, die mir seit lange zu Augen gekommen

Ich brauche das Geld gar nicht

Meine liebe liebe Räthin Mit der größten Angst schreibe ich diese Zeilen, und doch ist das arme Herz nicht eher ruhig, bis sie geschrieben sind, Einige Äußerungen, die ihnen gestern unwillkührlich entfuhren bestärkten mich in der Meinung, o Gott werden sie doch nicht böse, daß es ihnen wohl zuweilen an manchen fehlen möchte, und da ward mir so bange, und ich hatte keine Ruh, bis ich mich es zu wagen entschloß, ihnen das wenige, was in meinen Kräften steht, anzubieten, sie können es mir ja immer gelegent­lich wiedergeben, wenn sie die Angst sähen, womit ich dies schreibe, so hätten sie Mitleid mit mir und wären gar nicht böse, sie werden auch gewiß nicht böse, denn sie wissen wohl, daß ichWeiterlesenIch brauche das Geld gar nicht

Obwohl ich alle Tage renne wie ein Postbote …

(…) Guten Morgen, Levin, es regnet draußen, in mir aber ist heller Sonnenschein, weil ich bey Dir bin und Dein gutes Affengesicht mir so recht vor Augen tritt. NB. Dein Porträt ist mir doch jetzt von großem Werte, und ich gäbe es um vieles nicht hin, obwohl Du mich ansturst wie ein grimmiger Leu, daß ich immer sagen möchte: friß mich nicht, kleines Pferd! Um jetzt auch mal auf mich selbst zu kommen: es geht mir denn so leidlich; von meinen Gesichtsschmerzen bin ich gottlob total geheilt, durch eine wahrhaft wunderbar wirkende Salbe, die mir ein altes Laienschwesterchen in Meersburg gegeben. Aber übrigens ist mir doch zuweilen hundsschlecht, und ich kann des Klimas noch ganz und gar nicht gewöhnen, obwohlWeiterlesenObwohl ich alle Tage renne wie ein Postbote …

Die Glorien ziehen an meinem Thurme vorüber

(…) Ich wohne hier sehr angenehm, nach meinem Wunsche wiederum in einem der Thürme, aber dieses mal durch einen gedeckten Säulengang mit dem Schlosse verbunden, mein Quartier ist ungemein hell und freundlich, und hat die Aussicht über den ganzen See. Ich komme auch selten heraus, außer zum Mittag- und Abendessen, Jenny und die Kinder aber oft zu mir. Auf meine Gesundheit wirkt das Clima bereits sehr gut, meine Kopf- und Magenschmerzen sind verschwunden, nur mit dem Gehen sieht es noch pauvre aus, und dann habe ich seit meiner Ankunft einen argen Husten, wohl durch eigne Schuld, von wegen der Cabriölchen[1]Kabriolett: einspännige Kutsche mit nur zwei Rädern-Fahrt, im Staubregen und ohne Verdeck. So soll ich denn doch durchaus beym Apotheker in dieWeiterlesenDie Glorien ziehen an meinem Thurme vorüber

Das Klübchen rezensiert sich untereinander

(…) Junkmann hat nicht für gut gefunden, Notiz von meinem Geschenke und Briefe zu nehmen, oder vielmehr zu geben; artig ist das nicht, aber mir recht lieb; J[unkmann] ist ein so seltsamer Mensch, daß man aus seinen Briefen eigentlich auf gar nichts schließen kann; oft meint man, sie ganz klar zu verstehn, und er behauptet hintennach grade das Gegenteil gemeint zu haben. Wie? weiß Gott und er allein. Ironisch? das will nicht immer passen. Ich denke hieroglyphisch. So will ich ihn nicht voreilig richten, aber bis ich ihn selbst gesehn und mich vielleicht eines Erfreulicheren überzeugt habe, bleiben er und sein Briefwechsel mir unheimlich. Schücking hat mir dagegen einen wirklich herzlichen Brief geschrieben; er konnte mir Geld und einen sehrWeiterlesenDas Klübchen rezensiert sich untereinander

Not und Wucher

(…) Du taugst zwar ganz und gar nichts, Paulus, und hast mir auf meinen ellenlangen Brief von Meersburg auch nicht eine Silbe geantwortet. Dennoch schicke ich Dir meine Gedichte, weil Du sonst doch immer ein braver Paulus gewesen bist und ich nicht denken kann, daß Du Dich solltest in einen Saulus verkehrt haben, obwohl ich denn doch nicht begreife, weshalb Du mich so ganz und gar ohne Antwort gelassen hast. Ich denke mir, Du warst verdrießlich darüber, daß ich Dir das Leben in Meersburg als so wohlfeil geschildert hatte und es nun, nach meinen Preisangaben, ganz anders heraus kam. Aber wie konnte ich auch vorausahnen, daß im Badenschen sollte ein vollkommenes Mißjahr gewesen sein, während bey uns zulande alles ganzWeiterlesenNot und Wucher

Laßberg erbot sich, meinetwegen mit Cotta zu unterhandeln

(…) Nun noch ein Wort von meinen Gedichten. Die Abschrift ist fast fertig, aber Sie, mein armes gutes Kind, sollen sich damit nicht plagen; Sie haben jetzt eine immer wachsende Haushaltung in Aussicht, müssen zu diesem Zweck Ihre eignen und Ihrer lieben Frau Schriften zu poussieren suchen, ohne sich Ihrem Verleger durch Protektion Fremder, deren Erfolg noch sehr zweifelhaft ist, unangenehm zu machen. Ich habe dies längst gedacht und muß mich schämen, daß Laßberg es mir zuerst hat deutlich aussprechen müssen, der sich dann auch erboten hat, sobald alles fix und fertig, meinetwegen mit Cotta zu unterhandeln. So ist’s am besten, und ich bitte Sie nur, mir zu sagen, was ich nach Hauffs Äußerungen etwa von Cotta zu erwarten hätte.WeiterlesenLaßberg erbot sich, meinetwegen mit Cotta zu unterhandeln

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