Site Overlay

Nach 100 Jahren

möchte ich gelesen werden …

Annette von Droste-Hülshoff in Briefen

Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin. Erfahren Sie mehr über ihren Alltag, über Droste als Dichterin und Briefschreiberin, ihr Privatleben, ihre Familie und Freund:innen und über den Briefverkehr im 19. Jahrhundert. Lernen Sie ihre Wohnorte wie die Burg Hülshoff, das Rüschhaus oder Meersburg in Multimedia-Storys kennen. Oder chatten Sie doch mal mit Annette! Viel Spaß!

Erweiterte Suche in den Briefen


Es wird bald Zeit sein, unsre Koffer wegzuschicken

(…) Die Tante von Bonn und Marie sind noch hier, wollen aber in acht Tagen abreisen, — Tony hat ihnen einen gewaltigen Strich durch die Rechnung gemacht, — sie wollte mitreisen, und Mama, da sie klagte wie ein Bettler an der Straße, die Reise für sie bezahlen, — Tony ging indessen vorläufig auf einige Tage nach Loburg zu Beverförden, wo auch Tante Engel und, wahrscheinlich, mehrere der jungen Herrn waren, — aus den Tagen wurden Wochen, wir hörten und sahen nichts von ihr, — indessen setzte die Tante ihre Abreise auf den 6ten fest, — sie wollte über Wesel und dann .mit dem Dampfboot gehen, — ich mußte wegen Tony’s Weiterreise nach Aachen an die Mertens schreiben, die sich aufsWeiterlesenEs wird bald Zeit sein, unsre Koffer wegzuschicken

Ausgerechnet die Einlage flattert davon!

(…) Nun zur Beantwortung deines Briefes, liebe Mama, den eingeschlossenen Zeddel von der Amme habe ich nicht gelesen, und es freut mich, jetzt zu erfahren, daß nichts Wichtigeres darin gestanden hat, oder vielmehr nichts Geheimeres, denn sonst ist mir der Amme ihr Briefchen gewiß lieb und werth. Ich bekam den ganzen Brief von Tony eben wie ich in den Schlitten stieg, um nach Apenburg {Abbenburg} zu fahren, konnte aber nicht gut bis zu meiner Ankunft dort warten, und öffnete ihn deshalb unterwegs und ein Windstoß wirft mir in dem Augenblick, wie ich die Blätter aus dem Couvert ziehe, die kleine Einlage weit weg in den Schnee, ich ließ sogleich und späterhin suchen, und war, als sie sich gar nicht wiederWeiterlesenAusgerechnet die Einlage flattert davon!

Im Jammertal

(…) Niemals ist es einem Menschen so kläglich gegangen als mir, seit Ihr fort seid. Ich begreife in der Tat nicht, wie ich noch dabey auf den Beinen bleiben kann — keine vergnügte Stunde habe ich gehabt, außer den ersten 4 Tagen, wo ich schöne Versteinerungen fand. Deshalb wundere dich nur nicht, daß ich erst jetzt schreibe, aber nun will ich Dir auch alle meine Unglücker der Reihe nach klagen. Nachdem also die guten Steine gefunden worden waren, am 5ten Tage nach eurer Abreise, fand ich des Morgens meine Amme sehr krank, sie bekam die Grippe in sehr hohem Grade, und da sie sich ihr auf den Kopf warf, sie deshalb zuweilen wie besinnungslos war, nicht antwortete, wenn man sieWeiterlesenIm Jammertal

Die treuen Thielmanns

(…) Dass Werner krank gewesen ist, wußte ich schon ziemlich lange durch Briefe von Cöln, habe es jedoch nicht eher erfahren, bis er schon ganz wieder hergestellt war, es freut mich aber außerordentlich zu erfahren, daß der junge Thielemann so freund mit ihm ist. Wir haben doch wirklich überhaubt getreue und aufrichtige Freunde an Thielemanns, und ich will nicht leugnen, daß mir ihre Entfernung wahrhaft hart fällt, sie hat mir vor etwa vier Wochen geschrieben, und ich hätte ihr längst geantwortet, wenn sich nicht gleich nachher die fatale Äquinoktials[1]Tag- und Nachtgleiche-Krankheit eingestellt hätte, wo ich in starken drey Wochen durchaus nicht schreiben und lesen sollte.(…)  [+] [−] References ↑1 Tag- und Nachtgleiche

Ich bin hier aufgewachsen bin und somit so sehr Herrin meines Stoffes wie keines andern

(…) Die vielfachen, ich möchte fast sagen ungestümen Bitten Malchen Hassenpflugs haben mich bestimmt, den Zustand unseres Vaterlandes, wie ich ihn noch in frühester Jugend gekannt, und die Sitten und Eigentümlichkeiten seiner Bewohner zum Stoff meiner nächsten Arbeit zu wählen. Ich gestehe, daß ich mich aus freien Stücken nicht dahin entschlossen hätte, denn für erst ist es immer schwer, Leuten vom Fach zu genügen, und in dieser Sache ist jeder Münsterländer Mann vom Fach. Ich erinnere mich, daß einst ein sehr natürlich geschriebenes Buch in einer Gesellschaft vorgelesen wurde, die einen Soldaten, einen Forstmann, einen Gelehrten und einen Diplomaten in sich schloß; jeder war entzückt über alles, mit Ausnahme der Stellen, die jedes Fach betrafen. Der Soldat fand Schnitzer inWeiterlesenIch bin hier aufgewachsen bin und somit so sehr Herrin meines Stoffes wie keines andern

Damit schlag ich die Mertens aus dem Felde!

Du hast gewiß schon diverse Male recht tüchtig auf mich geschimpft, mein Herzens-Onkelchen, d.h. innerlich raisonniert nun mal ganz sicher fortwährend, und ohne Zweifel ist auch mitunter etwas davon an den Tag gekommen – dennoch bin ich auch jetzt wieder, wie Herr Wilmsen sagt, schiere Unschuld und noch obendrein eine leidende Unschuld gewesen, d.h. leidend gewesen, verstehen mich Ew Gnaden nicht unrecht. Meine Augen, die ohnedem weder jung noch schön sind, hatten vor etwa 14 Tagen den Einfall, sich durch Nervenschwäche interessant zu machen, es ging ihnen aber wie allen alten Schachteln, die zu diesem desparaten Mittel greifen, sie gefielen womöglich noch weniger als vorher, obgleich sie blühten wie die Rosen, und immer in sanften Tränen schwammen. Der schlechte ErfolgWeiterlesenDamit schlag ich die Mertens aus dem Felde!

Der Brief aus Eppishausen

Eppishausen den 22ten OCTOBRE Hätte ich Ihnen früher schreiben können, theuerster meiner Freunde, ich hätte es gethan, — aber grade Ihnen kann ich nicht zu jeder Stunde schreiben, und Sie dürfen Sich Immerhin für Etwas halten, wenn ich sage, für Sie ist mir noch keine Stunde passend gewesen, — ich habe mich indessen mit allerley umher geschlagen, viel Ausflüge in die Gegend, viel Besuche aus dem Hause, und viele ins’s Haus, — abwechselnd den anmuthigen Gast und die erfreute dienstfertige Wirthin gemacht, aus dem Geräusch in Abspannung, aus der Abspannung wieder in die Zerstreuung, — glauben Sie mir, es gehört was dazu, bis man Jedem sein Recht widerfahren lassen, und alles PLAISIR ausgestanden hat, wozu man PRAEDESTINIRT worden, – aberWeiterlesenDer Brief aus Eppishausen

Schücking wird seiner Stelle keine Schande machen

(…) Ich schreibe Dir in einer höchst gedrückten Stimmung, Male, denn ich soll etwas tun und will es nun endlich auch, was mir in sich selbst überaus zuwider ist. Ich soll jemanden empfehlen, und zwar bey Deinem Bruder, nicht zu einem Amte, dazu hätten mich keine zehn Pferde gezogen, sondern zu einer Stelle als Privatsekretär, wenn (was der Himmel gebe!) noch eine solche vakant ist. Ich bin gewiß, daß Dein Bruder jetzt von allen Seiten angegangen wird, ich bin auch gewiß, daß ihm dieses ein Gefühl von Ungeduld, ja selbst Mißachtung geben muß, und Du fühlst, wie schwer es mir wird, mich einem Manne gegenüber, den ich achte, selber so zu stellen. Doch – ich kann nicht anders. Abschlagen wäreWeiterlesenSchücking wird seiner Stelle keine Schande machen

Peinliche Lage

(…) Ich erhielt gestern einen mir peinlichen Brief von Gottfried Kinkel aus Bonn, er beabsichtigt den so oft fehlgeschlagenen Versuch eines „rheinischen Jahrbuchs“ wieder aufzunehmen, und bittet mich, Westphalen darin vertreten zu helfen, beruft sich auf unser beiderseitiges nahes Freundschaftsverhältnis zu Junkmann, übergeht gänzlich, daß ich seine protestantisch gewordene Frau (die Johanna Mockel) früher sehr genau gekannt habe, und zeigt eben hierdurch, für wie aufgebracht er mich (mit Recht) über diesen Schritt hält. Kurz, sein ganzer Brief ist der Art, daß er einerseits durch dringende Bitte, sehr bescheidene Anforderungen und kräftiges Fürwort mir das Abschlagen fast unmöglich macht, und anderseits den Verdacht katholischer Crassheit, die den Zorn über die Verfehmte auf ihren unschuldigen Mann, der doch rein als litterarischer UnternehmerWeiterlesenPeinliche Lage

Luise mag es töricht finden

Nun zu Euern Geschenken. Ihr gutes Volk, ich habe mich recht tüchtig darüber gefreut; kindisch, würde Luise vielleicht sagen, aber das schadet nicht, die Freude bleibt mir doch. Luise hat übrigens Recht, die Lorgnette ist mir zu lieb, als daß ich sie nicht immer bey mir haben sollte, wenn auch nicht immer an mir. Beim Schreiben und Zeichnen liegt sie neben mir auf dem Tische, weil ich sie an der Kante zu verbiegen fürchte; aber sowie ich aus meinem Turm tauche, wird sie umgehängt und verläßt mich selbst des Nachts nicht, wo sie wie ein treues Hündchen auf einem Seidenpapier-Kissen neben meinem Bette schläft. Es ist aber auch ein gar niedliches Ding mit seinem Blumenkränzchen wie ein Bräutchen, und ichWeiterlesenLuise mag es töricht finden

Mit bekannter Gesinnung

(…) Ach Gott! ich käme gar nicht zu Ende, wollte ich Ihnen alles aufführen, was mich in den letzten zwei Monaten betrübt und geängstigt hat, und so will ich denn auch weiter kein Wort über mein spätes Antworten verlieren. Der Rätin Rüdiger habe ich Ihre Grüße und Entschuldigungen ausgerichtet. Sie war anfangs sehr mißvergnügt in Minden, hat sich aber jetzt ihren kleinen Salon ausgesondert und scheint sich darin zu gefallen. (…) Von Schlüters höre und sehe ich nichts, weiß aber, daß alle gesund sind und daß vor einigen Wochen ein Besuch nach Rüschhaus von ihnen in Überlegung gezogen worden, aber Wetters und Wege halber nicht zur Reise gediehen ist. (…) Sie schreiben mir, ich solle nicht vergessen, Simrock grüßen zuWeiterlesenMit bekannter Gesinnung

Copyright © 2026 Nach 100 Jahren. All Rights Reserved. |  by John Doe
Grimme Online Award
Nach 100 Jahren
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.