Mehr über Annette von Droste-Hülshoff (hier auf einem Gemälde von Sprick)

Sie möchten Annette von Droste-Hülshoff kennenlernen? Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin, erfahren Sie mehr über ihren Alltag, ihre Arbeit, ihr Privatleben und den Briefverkehr zu ihrer Zeit. Lernen Sie ihre Wohnorte kennen, verfolgen Sie ihre Korrespondenz mit Zeitgenossen, und gehen Sie mit Annette von Droste-Hülshoff auf Reisen.

300 Briefauszüge der Dichterin sind hier verfügbar, kategorisiert und verschlagwortet. Auch alle Kommentare sind authentisch und stammen von Zeitgenossen.

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!


An: Christoph B. Schlüter, aus: Rüschhaus
1841 19.September

Nun hat mein bekannter Äquinoktalhusten, an dem ich leider einige Wochen sehr gelitten, und den meine Schwester noch nicht miterlebt hatte, diese so arg geängstigt, und sie hat der guten Mama einen so argen Floh darüber ins Ohr gesetzt, dass eine Luftveränderung als durchaus nötig für mich erklärt worden ist. Kurz, es ist mal so! Ich reise mit. Und bemühe mich, der Sache die angenehmste Seite abzugewinnen, da mir doch mal die Qual der Wahl nicht geworden ist. Auch soll der Aufenthalt in Meersburg um vieles angenehmer sein als der in Eppishausen, schon des einträchtigen, friedlichen Wohnens unter Glaubensgenossen und im Schutze geordneter Gesetze wegen, was man dort so drückend vermißte, und dann ist diesseits des Sees „das… Weiterlesen »

Hintergrund: Schwester Jenny ist im August 1841 mit ihren beiden Töchtern ins Rüschhaus gekommen, um Annette zu einer Reise nach Meersburg abzuholen. Beide organisieren ohne Wissen der Mutter einen gleichzeitigen Aufenthalt Schückings auf der Meersburg - er soll dort als Bibliothekar für Laßberg arbeiten. Am 21. September verlassen die Schwestern Rüschhaus, reisen über Köln, Bonn, Koblenz, Mainz und Mannheim nach Meersburg, wo sie am 30. September eintreffen.
An: Sibylle Mertens, aus: Rüschhaus
1843 24.Mai

Du wirst aus meinem langen Schweigen schon geschlossen haben, lieb Herz, dass es mit der Besserung sehr langsam zugegangen ist. Warum ich Dir nicht durch andre habe Nachricht geben lassen? Weil ich gern zu Dir wollte, lieb Kind, und dachte: „Habe ich erst durch eine fremde Hand aufschreiben lassen, so ist’s rein aus damit.“ Du weißt, wie es mit diesen Nervenübeln geht, zuweilen so gute Tage, dass man denkt: „Noch eine Woche crescendo, und ich kann Wind und Wetter ein Schnippchen schlagen“, und dann ist mit einem Male wieder alles nichts! Du begreifst, dass unter diesen Umständen, bei meiner großen Schwäche, die Meinigen (denen sonst, auf Ehre! die Sache ganz recht gewesen wäre) mich nicht fortlassen wollten, da mir ohnedies noch die… Weiterlesen »

Hintergrund: Im März 1843 hat sich die Droste aufgerafft und Sibylle Mertens nach langem Schweigen geschrieben, "wie elend ich sei, daß ich deshalb nicht geschrieben et cet." Die Bonner Freundin, einst selbst in schwerer Krankheit von Annette gepflegt, entschließt sich daraufhin - allen vorangegangenen Verstimmungen zum Trotz - zu einem Spontanbesuch. Vom 28. März bis 30. April 1843 hält sie sich in Münster auf, besucht Annette täglich im Rüschhaus.
Offenbar haben die beiden Freundinnen einen Gegenbesuch der Droste verabredet, den diese aus mit Hinweis auf bevorstehende Verwandtschaftsbesuche in Abbenburg und Meersburg absagt. Sibylle Mertens zieht etwa im August 1843 nach Italien, wo sie drei Jahre - bis Juli 1846 - bleiben wird.
An: Therese von Droste, aus: Hülshoff
1843 10.Mai

1. Daß Ihr mich nicht haben wollt, ist freilich schimpferlich, aber nicht zu ändern. Ich bleibe also bis Sonntag … 2. Werner ist mit Markus‘ Herüberkunft ganz zufrieden und ladet ihn hiermit herzlich ein. 3. Ich selbst aber bin etwas zweifelhaft, und kömmt es darauf an, ob Markus noch Ferien hat und sein Hiersein als einen Besuch rechnet oder ob ich ihn Tag für Tag bezahlen muss. Mein Kranksein hat mich nämlich gehindert, die Korrektur der Gedichte zu vollenden, und jetzt habe ich seit zwei Tagen etwas Husten und ziemliches Halsweh, so dass ich nicht sehr lange in einem Stück diktieren darf; kömmt Markus nur zum Besuch, so werden wir wahrscheinlich doch noch vieles zustande bringen, was mir nachher von großer Erleichterung… Weiterlesen »

Hintergrund: Die Droste beauftragt den Studenten Heinrich Markus mit der Abschrift für die zweite Gedichtausgabe. Er hat Schwierigkeiten mit ihrer Schrift. Am Ende wird sie das Manuskript doch mühsam von eigener Hand abschreiben.
An: Levin Schücking, aus: Meersburg
1844 24.März

Warum lassen Sie mich so ganz ohne Nachricht? Sollte mein Brief an Ihre liebe Frau vom Ende Februar oder Anfange März – ich notiere leider dergleichen nie – der doch so vieles der Antwort Benötigte enthielt, verloren gegangen sein? Ihr Schweigen beunruhigt mich ungemein; es ist mir wahrhaftig, als wären Sie tot oder doch nicht mehr in Augsburg oder mindestens ganz aus allen Geschäften mit Cotta geschieden. Ihre Chiffre ist seit lange aus den Beilagen zur Allgemeinen verschwunden, die Ihres Vaters ebenfalls, die Erzählung Ihrer Frau läßt sich auch vergebens im „Morgenblatt“ erwarten, sowie eine Annonce oder Probegedichte, die das Fortrücken meiner eignen Angelegenheit zeigten: Alles gleich tot und stumm, während die… Weiterlesen »

Hintergrund: Das Ehepaar Schücking ist nach München verreist und erhält die Briefe der Droste deshalb mit Verspätung.
An: Elise Rüdiger, aus: Rüschhaus
1843 5.September

Meine Hausgenossen sind gestern ausgeblieben, ob sie noch in Hülshoff stecken oder in Münster – vielleicht bei Ihnen – weiß Gott. Sie hatten beide Touren vor, wollten aber gestern abend damit fertig sein. Die Hanne macht hier bonne mine au mauvais jeu. Ich glaube, sie findet Rüschhaus schauderhaft einsam, und hat sich wohl unter einem Landleben so nahe bei Münster ganz was anderes gedacht, eine Art Gartenhausparade, wo man die ganze Stadt vorüber- und die halbe hineinziehen sieht. Zudem hat sie sich mich wie mit einem Lichterkranz gelehrter Freunde umsteckt gedacht, wo sie ihre Lampe nicht übel leuchten zu lassen hoffte, und so oft ich in Abbenburg eines Bekannten erwähnte, war gleich die Antwort da: „Mich soll wundern, wie ich… Weiterlesen »

Hintergrund: Johanna Hassenpflug, die Schwester von Amalie, kommt Ende August 1843 zu einem Besuch ins Rüschhaus.
Annette von Droste und Elise Rüdiger planen eine gemeinsame Reise nach Meersburg. Am 20. oder 21. September 1843 brechen sie zusammen mit Annettes Mutter vom Rüschhaus auf, reisen über Bonn, wo sie den Germanisten Karl Simrock besuchen, und treffen am 3. Oktober in Meersburg ein.
Mit Wilhelmine von Thielmann verbindet die Droste eine langjährige Freundschaft, die im Jahr 1817 begann. Die 25 Jahre ältere Wilhelmine nahm Annette damals unter ihre Fittiche und führte sie in elitäre Münsteraner Kreise ein. Später zog Thielmann nach Koblenz, wo die Droste sie mehrfach besuchte.
An: Jenny von Laßberg, aus: Rüschhaus
1843 17.Februar

Allein zu lesen Von der Bornstedt kann ich Dir eine lange Cantelaine erzählen, sie schreibt zuweilen ihrer letzten Hauswirtin, Madame Glaß, und vor 6—8 Wochen kamen lamentable Briefe, „sie sei in Luzern jetzt ebenso melancholisch wie in Münster, die Schweizer seien geldgierige Leute, und die Verwandten ihres Nikolaus türmten Hindernisse auf, er selbst aber halte fest in treuer Liebe“ – gleich darauf ein zweiter Brief – „Es sei ein Familienrat gehalten, und da man heraus gebracht, dass sie kein bestimmtes Einkommen besitze, werde wohl aus der Heurat nichts werden können, und sie nach Münster zurückkommen“ – Du kannst dir den allgemeinen Schrecken nicht denken! Es war wirklich lächerlich! Wo man nur einem Bekannten… Weiterlesen »

Hintergrund: Die geplante Hochzeit zwischen Luise von Bornstedt und dem Luzerner Nikolaus Rüttimann platzt - wie die Bornstedt vermutlich in einem Brief an ihre frühere Zimmerwirtin Philippine Glass mitteilt. Von Luzern aus reist Luise 1843 nach Paris, von dort weiter nach Magdeburg und später nach Dresden, wo sie bei ihrer Tante Florentine Henriette von Bismarck wohnt. Nach Münster kehrt sie nicht zurück.
An: Pauline von Droste, aus: Meersburg
1843 22.Oktober

Schilt nicht zu arg, liebstes Päulchen, über meine scheinbare Fahrlässigkeit, Du kannst nicht denken, was alles dazwischen gekommen ist, um mich zuerst gänzlich am Schreiben und dann am gehörig schnellen Einziehn der nötigen Nachrichten zu verhindern. Wir haben unsre ganze Reise unter Regengüssen abmachen müssen, was für mich eine tüchtige Erkältung und fast vierzehn Tage Bettliegen zur Folge gehabt hat. Sobald ich aber wieder auf den Strümpfen war, bin ich auf Kundschaft ausgegangen, konnte aber bei der ersten der drei für Dich passenden Wohnungen wegen Abwesenheit, bei der zweiten wegen Unentschlossenheit des Eigentümers anfangs zu keinem Resultate kommen, und bei der dritten (dem neuen Schlosse) sollte gar erst die… Weiterlesen »

Hintergrund: Auf der Reise nach Meersburg hat die Droste Zwischenstation in Bonn gemacht, wo vermutlich der Plan für einen Aufenthalt von Pauline von Droste-Hülshoff und deren Tochter Elisabeth im Winter 1843 in Meersburg vereinbart wurde. Pauline lässt dieses Vorhaben jedoch fallen.
An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
1842 10.Oktober

Wie es mir geht? Jetzt schon gut; ich habe mich wieder ins Klima eingeübt, qualifiziere mich täglich mehr zur Schnelläuferin, gehe ganz bequem in einem Tage nach Hülshoff oder Münster und zurück und setze alle außer Atem, die Schritt mit mir halten müssen. Qu’en dites-vous? Ich denke, die achtundachtzig Jahre, die Sie mir angewünscht haben, werden mir wirklich nach und nach auf den Rücken steigen. Was soll ich Ihnen von meiner Lebensweise sagen? Sie ist so einförmig, wie Sie sie kennen und sie mir grade zusagt: Rüschhaus in seiner bekannten melancholischen Freundlichkeit, im Garten die letzten Rosen, die mich immer rühren, wenn ich denke, wie ich sie Ihnen vor nun schon zwei Jahren beim Abschiede gab, als Sie Ihr… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
1846 7.Februar

Wie gehts Luisen? Wann sieht sie denn ihren neuen Mutterfreuden entgegen? Ich denke sehr viel an Euch und habe immer zwischendurch an Euch gedacht, wenn mir auswärtiges Denken sonst wohl vergehen musste. … Den 11ten. Soeben erhalte ich Ihren Brief. Also ein Mädchen! Nun, Gott segne Mutter und Kind. Ich bin herzlich froh, dass alles so weit ist. Aber mein Lotharchen kömmt nun ganz drunter, der ist nun fortan „der große Junge“ und soll viel verständiger und artiger sein, als er kann. Das leide ich aber nicht. Sie erwähnen des armen Stümpchens gar nicht in Ihrem letzten Briefe; das geht nicht, ein Brief ohne meinen Patenjungen! Versucht er schon, sich auf seine Beinchen zu stellen? Wie geht’s mit dem Zahnen? Und wie mit dem… Weiterlesen »

Hintergrund: Das zweite Kind der Schückings, Geraldine, wird am 10. Januar 1846 geboren.