Zeichnung: Annette von Droste in ihrem Zimmer im Rüschhaus

Entspannt im „Schneckenhäuschen“: Annette von Droste-Hülshoff auf ihrem Kanapee im Rüschhaus. Bildarchiv Foto Marburg

Gegensätze

Von Annette von Droste-Hülshoff
6. Juli 1845

In Bökendorf ist es krimmelvoll bis unters Dach ein halbes Dutzend Tanten und Nichten mit ihren Familien dort – wenn ich, so etwa um den dritten Tag, auf eine Stunde hingehe, um meine Aufwartung zu machen, komme ich halb taub und ganz duselig zurück. Hierhin kommen sie nicht oft, weil es den Onkel angreift, so sehe ich Malchen auch selten, und wir haben gar wenig von unserm Widersehn nach sechs Jahren – das arme Herz ist noch sehr herunter von ihrem Schrecken und Kummer, aber ihr tut das… Weiterlesen »

Sammlerglück und -list

Von Annette von Droste-Hülshoff
22. November 1845

Welch große Freude hast du mir gemacht, Du guter lieber Onkel! Was für Biester! Kreaturen darunter, die mir mein Lebtage noch nicht vor Augen gekommen sind! Und alle so wohl erhalten! Ich habe ein paar Tage nichts getan, als begucken; dann kriegte ich die Angst, dass sie mir staubig werden möchten und habe sie in meinen neuen Glasschrank gelegt und meinen Tisch daran gerückt, damit ich doch zwischendurch immer am Besehen bleiben kann. Und wo hast du die kleine Pharaonsmuschel hergekriegt?… Weiterlesen »

Alles nur Wind vor der Hoftür!

Von Annette von Droste-Hülshoff
30. November 1844

Nun in Eil zwei Zeilen Antwort auf Ihren Brief, der mich natürlich aufs unangenehmste überraschen musste. Ich habe ihn gestern abend erhalten, heute früh meinen Bruder herüber bitten lassen und schicke Ihnen jetzt statt aller Auseinandersetzung die Kopie des Briefs, den derselbe soeben beendet und an Herrn Hüffer geschickt hat; wollen Sie dieselbe gefälligst vorläufig der Cottaischen Buchhandlung mitteilen, so wird die Sache dadurch ohne weitere Weitläufigkeiten erklärt und zugleich… Weiterlesen »

Bitte Butter und Käse in die Kur schicken!

Von Annette von Droste-Hülshoff
29. August 1819

Ach liebe Großmutter und Tanten, wenn Ihr mir doch wolltet ein bisschen Butter schicken, hierzulande ist sie sehr teuer und schlecht, Frenzchen hat mir von Hinnenburg welche geschickt, aber die ist grade auf, wenn Ihr mir wolltet etwas süßes Brot und einen Käse dazu schicken, dann würde ich Euch sehr dankbar sein, nicht wahr? Ich mache es wie der schlaue Pilgrim in Hebels Schatzkästlein, aber in diesem fatalen Neste ist ist auch nichts zu haben als für ungeheures Geld, und dann oft… Weiterlesen »

Zwei zähe Planken wie wir

Von Annette von Droste-Hülshoff
2. Januar 1844

Viel Glück zum neuen Jahre, mein altes Lies! Das vergangene ist nicht eben zu loben, Ihnen hat es viele äußere und innere Stürme gebracht, mir eine lange Krankheit und doch auch manche Erschütterung, und so steht’s mit fast allen, die uns nahe sind. Möge das begonnene friedlicher sein! Und um ihm den möglichst vorteilhaften Anstoß zu geben, fange ich es mit einem Briefe an diejenige an, von deren Liebe ich seine besten und innigsten Momente erwarte. Nicht wahr, mein Lies? Treu bei… Weiterlesen »

Mein lederner Reiseroman

Von Annette von Droste-Hülshoff
16. Februar 1847

Ich machte mich in der letzten Zeit stärker als ich war, um Paulinens Widerstand zu besiegen, die mich nicht begleiten konnte (weil ihr ein junges Mädchen in den Ferien anvertraut war) und mich mit großer Liebe und Sorge entließ; sie hatte alles getan, mir die Reise zu erleichtern, mir alle Karten für Dampfboote und Eisenbahnen, sogar für den Omnibus bis Freiburg verschafft (diese Anstalten stehn miteinander in Berechnung) und zugleich ein Empfehlungsschreiben vom Direktor der Kölnischen… Weiterlesen »

Jenny verlässt Rüschhaus

Von Annette von Droste-Hülshoff
22. Oktober 1834

Ich hoffe, es geht dir gut, ich bin gewiss davon, denn Laßberg ist sehr gut; sage ihm doch auch, wie sehr ich das anerkenne und dass, wenn Du einmal weit fort musst, ich Dich mit niemandem lieber gehn lasse wie mit ihm. Uns hier ist es noch was einsam, das kannst Du denken, aber das viele Reden und Schreiben drüber nützt zu nichts. Ich sehe gottlob, dass Mama ganz fest entschlossen ist, im nächsten Frühling nach Eppishausen zu gehn, d.h. zum Besuch. So werden die paar Monate ja wohl… Weiterlesen »

Ein Großpapa aller Stürme

Von Annette von Droste-Hülshoff
18. November 1843

Sie sind jetzt wohl ganz gewiss wieder in Münster, lieb Herzchen, und so gehe ich denn an meine liebste Beschäftigung, die, Ihnen zu schreiben. Ich bin indessen noch keinen Tag von Ihnen getrennt gewesen, alle Nachmittage um drei (außer vorgestern, wo es hart regnete) habe ich an unserem Strande gesessen, der mir durch Sie so lieb geworden ist, dass keine andere Erinnerung neben Ihrem lieben Gesichtchen dort ein Haarbreit Raum findet. Es hat mich ein paarmal selbst überrascht, wenn beim… Weiterlesen »