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Nach 100 Jahren

möchte ich gelesen werden …

Annette von Droste-Hülshoff in Briefen

Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin. Erfahren Sie mehr über ihren Alltag, über Droste als Dichterin und Briefschreiberin, ihr Privatleben, ihre Familie und Freund:innen und über den Briefverkehr im 19. Jahrhundert. Lernen Sie ihre Wohnorte wie die Burg Hülshoff, das Rüschhaus oder Meersburg in Multimedia-Storys kennen. Oder chatten Sie doch mal mit Annette! Viel Spaß!

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Gott bewahre mich vor dem Heimweh

(…) Nun hat mein bekannter Äquinoktalhusten[1]Äquinoktium: Tag- und Nachtgleiche, an dem ich leider einige Wochen sehr gelitten, und den meine Schwester noch nicht miterlebt hatte, diese so arg geängstigt, und sie hat der guten Mama einen so argen Floh darüber ins Ohr gesetzt, daß eine Luftveränderung als durchaus nötig für mich erklärt worden ist. Kurz, es ist mal so! Ich reise mit. Und bemühe mich, der Sache die angenehmste Seite abzugewinnen, da mir doch mal die Qual der Wahl nicht geworden ist. Auch soll der Aufenthalt in Meersburg um vieles angenehmer sein als der in Eppishausen, schon des einträchtigen, friedlichen Wohnens unter Glaubensgenossen und im Schutze geordneter Gesetze wegen, was man dort so drückend vermißte, und dann ist diesseits desWeiterlesenGott bewahre mich vor dem Heimweh

Ich habe nur die halbe Freude an meinen Siebensachen, wenn ich sie Dir nicht zeigen kann

Du siehst, lieber Onkel, daß ich, wenn nicht allemahl, doch zuweilen, meine Versprechen halte, obgleich ich mich, dieses Mahl, meiner ungewohnten Pünktlichkeit beynahe schämen sollte, da ich der guten Sophie und dem Onkel Werner, von denen ich so schöne lange Briefe bekommen, besser schriebe, statt Deiner, von dem ich noch die erste Zeile sehen soll. — Die ehrwürdige NUMISMATIK, unsre beyderseitige regierende Frau, hat indessen hier ihre Macht bewährt, und wird, ohne Zweifel, auch Dich hinter’s Dintenfaß bringen, wie sie mich gethan hat, – es ist, nämlich, ein bemittelter Mann hier in der Gegend gestorben, der, ohne sonst Münzsammler zu seyn, doch die, selten vorkommenden, Kronthaler der verschiedenen Kantone, wenn sie ihm im Handel vorgekommen, zurückgelegt hat, — die ErbenWeiterlesenIch habe nur die halbe Freude an meinen Siebensachen, wenn ich sie Dir nicht zeigen kann

Malchen, die „Leib- und Magen-Ketzerin“

(…) Dass Hassenpflugs schon seit Monaten hier sind, Mann, Frau und drei Kinder, weißt Du wohl schon, und Tante Dine wird dir hierüber alles so genau sagen, daß ich nichts hinzu fügen könnte, — Malchen war auch bis vor einigen Tagen hier, zu unsrer großen Freude, ist aber vor drei Tagen abgereist, sie hat mich noch beym Abschiede gebeten, Dich aufs Herzlichste zu grüßen, ich sagte ihr, daß Du es nicht hättest leiden können, daß sie Dir immer einen Handkuss geschickt hätte, sie sagte: es sei ihr so zu Mute gewesen, daß sie Dir hätte die Hand küssen mögen, darum habe sie es geschrieben. (…) Galen habe ich nun auch öfter gesehn, er ist gutmüthig, und gewiß nicht ohne VerstandWeiterlesenMalchen, die „Leib- und Magen-Ketzerin“

Es wird bald Zeit sein, unsre Koffer wegzuschicken

(…) Die Tante von Bonn und Marie sind noch hier, wollen aber in acht Tagen abreisen, — Tony hat ihnen einen gewaltigen Strich durch die Rechnung gemacht, — sie wollte mitreisen, und Mama, da sie klagte wie ein Bettler an der Straße, die Reise für sie bezahlen, — Tony ging indessen vorläufig auf einige Tage nach Loburg zu Beverförden, wo auch Tante Engel und, wahrscheinlich, mehrere der jungen Herrn waren, — aus den Tagen wurden Wochen, wir hörten und sahen nichts von ihr, — indessen setzte die Tante ihre Abreise auf den 6ten fest, — sie wollte über Wesel und dann .mit dem Dampfboot gehen, — ich mußte wegen Tony’s Weiterreise nach Aachen an die Mertens schreiben, die sich aufsWeiterlesenEs wird bald Zeit sein, unsre Koffer wegzuschicken

Ach, Grillen habe ich viele

(…) Auch den Walter werde ich mitbringen! Erschrecken Sie nicht! Es sind nur einzelne Stellen, etwa in jedem Gesange drei oder vier Strophen, die ich Sie nochmals anzuhören bitte. Es kömmt mir fremd an, zu sagen, daß eine meiner Arbeiten von einem meiner Freunde zu scharf beurtheilt ist; denn Freundes Urteil ist sonst nur allzu milde und hat manches gute Talent verdorben. Doch waren wir damals noch nicht bekannt miteinander, und ich wünschte, Sie könnten sich, sobald ich das Heft zur Hand nehme, denken, es sei von einem andern. Das Gedicht ist im ganzen sehr mißglückt und matt, im einzelnen aber nicht immer. Ich arbeite jetzt nichts, gar nichts, so gern ich dran möchte; die Tage sind zu kurz undWeiterlesenAch, Grillen habe ich viele

Man lebt hier recht angenehm und überaus ungeniert

(…) Meine Mutter hatte bey unserer Abreise ein Unwohlsein, Schwindel, plötzliche Übelkeiten, die mich doch sehr besorgt machten, so daß ich nur sehr ungern und halb gezwungen ging. Seitdem war die letzte Nachricht von Haus der plötzliche Tod unrer Anna (meines Bruders Töchterchen), und auf diesen Schrecken nun seit anderthalb Monaten keine Zeile! Sie können sich meine Angst nicht denken. Ich stand morgens im Finstern auf und wartete stundenlang an der Treppe auf den Postboten, damit man mir keinen Brief mit übeln Nachrichten unterschlagen könne, und ich glaube, wenn es länger gewährt hätte, wäre ich krank oder verrückt geworden. Gottlob! Der Brief ist da und alles gut. (…) Übrigens geht es Sch[ücking] sehr gut. Er ißt, was ihm schmeckt ohneWeiterlesenMan lebt hier recht angenehm und überaus ungeniert

Einen Versuch im Komischen? Die größte Lust zum Gähnen, wenn ich nur daran denke

(…) Warum ist man wohl so ungeneigt zu poetischen Arbeiten in so höchst poetischen Momenten? Ich denke wohl, weil der Genuß den regelrechten Gedanken nicht aufkommen läßt. Ich tue gar nichts; seit Beendigung des geistlichen Jahres, also seit drei Monaten, sind zwei Balladen das einzige, was ich geschrieben; doch liegt dies wohl zum Teil daran, daß ich, des seit zwanzig Jahren bis zum Ekel widerholten Redens über Mißkennung des eignen Talents müde, mich zu etwas entschlossen habe, was mir im Grunde widersteht, nämlich einen Versuch im Komischen zu unternehmen. So dränge ich dann jeden Trieb zu anderm gewaltsam zurück und scheue mich doch vor jener gleichsam bestellten Arbeit wie das Kind vor der Rute. Nicht daß ich meine, sie werdeWeiterlesenEinen Versuch im Komischen? Die größte Lust zum Gähnen, wenn ich nur daran denke

Das Klübchen rezensiert sich untereinander

(…) Junkmann hat nicht für gut gefunden, Notiz von meinem Geschenke und Briefe zu nehmen, oder vielmehr zu geben; artig ist das nicht, aber mir recht lieb; J[unkmann] ist ein so seltsamer Mensch, daß man aus seinen Briefen eigentlich auf gar nichts schließen kann; oft meint man, sie ganz klar zu verstehn, und er behauptet hintennach grade das Gegenteil gemeint zu haben. Wie? weiß Gott und er allein. Ironisch? das will nicht immer passen. Ich denke hieroglyphisch. So will ich ihn nicht voreilig richten, aber bis ich ihn selbst gesehn und mich vielleicht eines Erfreulicheren überzeugt habe, bleiben er und sein Briefwechsel mir unheimlich. Schücking hat mir dagegen einen wirklich herzlichen Brief geschrieben; er konnte mir Geld und einen sehrWeiterlesenDas Klübchen rezensiert sich untereinander

Sie könnten nirgends besser sitzen!

(…) Sie wissen, Lies, ein bißchen miserabel bin ich immer, sticht’s mich hier nicht, so kneipt’s mich dort, z. B. jetzt seit drey Wochen im Ohr, macht einen Lärm wie drei Pulke Kosaken und mich nebenbey so dumm, daß man Mauern mit mir einrennen könnte. Wahrhaftig, Lies, Sie würden mich nicht wiederkennen – ein completer Wechselbalg! Stocktaub auf Einem Ohre, und hat man mir endlich das Nöthigste eingeschrieen, so begreife ich es noch nicht mahl, weil mir immer wie unter dem Schaffhauser Wasserfalle ist. Man sagt, die Geschwulst werde nun bald durchgehn – proficiat – mag sie’s tun – heimlich oder öffentlich – ich werde ihr keinen Steckbrief nachschicken! (…) Ich war aber auch übel daran. Krank und voll Herzensangst,WeiterlesenSie könnten nirgends besser sitzen!

Buch und Pantoffeln gehen vor

(…) in meinem Koffer (der noch immer nicht da ist) liegt, was von dem „Westfalen“ („Bei uns zu Lande auf dem Lande“ heißt’s eigentlich) fertig ist, nebst dem Material, den geistlichen Liedern, um sie hier durchzuarbeiten und ins Reine zu schreiben. Auch das Lustspiel habe ich zur Feilung mitgenommen. Wenn ich hinzufüge, daß Therese so gut wie gar keine Zeit hat und ich meine Strümpfe selber stopfe, ferner ein Paar Pantoffeln für Laßberg zu Weihnachten sticke und noch der Therese Heisdorf versprochen habe, ihr etwas auszuschneiden, so siehst Du, daß ich einen guten Berg Arbeit vor mir habe. Das Buch und die Pantoffeln müssen aber vorgehn; vom übrigen was möglich ist. Da Schücking so wenig Zeit hat, werde ich JennyWeiterlesenBuch und Pantoffeln gehen vor

Der Hausspuk in Rüschhaus

(…) Du wirst selbst wohl denken, liebe alte Sophie, weshalb ich erst jetzt antworte. Wir haben euch täglich, seit das Wetter so schön ist, stündlich erwartet, und je länger es währte, je sicherer dachten wir euch schon auf den Rädern. Nun ist vorgestern Dein Brief gekommen, und unsre schönen Luftschlösser sind kaputt. Es ist recht betrübt, daß ihr nicht kommt, aber uns doch lange nicht so betrübt, als wenn wir es vor sechs Wochen erfahren hätten, denn jetzt liegt unsre eigene Reise schon näher, und Ende Mai sind wir, so Gott will, alle zusammen. Wir würden schon eher kommen, wenn der lange Winter nicht alles so weit hinausgeschoben hätte. Wäsche, Arbeit in Feld und Garten, und nun findet sich zumWeiterlesenDer Hausspuk in Rüschhaus

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