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Nach 100 Jahren

möchte ich gelesen werden …

Meines Schwagers Ehrenwort darfst Du nicht in Schande bringen

(…) Vorgestern habe ich Deinen Brief erhalten, mein gutes Herz, und heute sitze ich schon wieder hinter der Feder, und zwar auch einmahl „in flüchtigster Hingeschmissenheit“, damit mein Brief womöglich noch vor oder mindestens zugleich mit demjenigen anlangt, den Dir Laßberg schreiben wird. Dieser hat nämlich soeben einen Brief vom alten Hug aus Freiburg erhalten des Inhalts, daß ihm eine Anfrage vom Regierungsdirektor von Recke (in Freiburg) geschehn hinsichtlich der moralischen und politischen Richtung des Levin Schücking, dem man, im Falle man hierüber gleich sichre und günstige Zeugnisse zu erhalten vermöge, als man bereits über andre erwünschte Eigenschaften eingeholt, die Redaktion der „Freiburger Zeitung“ anzubieten gedenke. Laßberg, der natürlich eine gelehrte Beschäftigung jeder andern vorzieht, auch nach seinem Charakter SelbstständigkeitWeiterlesenMeines Schwagers Ehrenwort darfst Du nicht in Schande bringen

Mein Plagedämon heißt „Sehnsucht in die Ferne“

(…) Aber genug und zuviel hiervon, mein verehrter Freund, ich unterhalte sie beständig mit dem Verstande und doch liegt so manches auf meinem Herzen, was sich hinaus und an das Ihrige sehnt. O, mein Sprickmann, ich weiß nicht, wo ich anfangen soll, um Ihnen nicht lächerlich zu erscheinen, denn lächerlich ist das, was ich Ihnen sagen will, wirklich, darüber kann ich mich selber nicht täuschen, ich muß mich einer dummen und seltsamen Schwäche vor Ihnen anklagen, die mir wirklich manche Stunde verbittert, aber lachen Sie nicht, ich bitte Sie noch einmahl, mein Plagedämon hat einen romantischen und geckenhaften Namen er heißt »Sehnsucht in die Ferne«. Nein nein, Sprickmann, es ist wahrhaftig kein Spaß, Sie wissen, daß ich eigentlich keine ThörinWeiterlesenMein Plagedämon heißt „Sehnsucht in die Ferne“

Ich darf nicht sehr lange in einem Stück diktieren

(…) 1. Daß Ihr mich nicht haben wollt, ist freylich schimpferlich, aber nicht zu ändern. Ich bleibe also bis Sonntag (…) 2. Werner ist mit Markus‘ Herüberkunft ganz zufrieden und ladet ihn hiermit herzlich ein.3. Ich selbst aber bin etwas zweifelhaft, und kömmt es darauf an, ob Markus noch Ferien hat und sein Hiersein als einen Besuch rechnet oder ob ich ihn Tag für Tag bezahlen muß. Mein Kranksein hat mich nämlich gehindert, die Korrektur der Gedichte zu vollenden, und jetzt habe ich seit zwei Tagen etwas Husten und ziemliches Halsweh, so daß ich nicht sehr lange in einem Stück diktieren darf; kömmt Markus nur zum Besuch, so werden wir wahrscheinlich doch noch vieles zustande bringen, was mir nachher vonWeiterlesenIch darf nicht sehr lange in einem Stück diktieren

Hand an keine Silbe!

Ernstlich, Levin, ich erkenne Ihre Güte herzlich an, und sie ist mir gottlob nichts Neues, bin auch jetzt selbst der Ansicht, daß es für alle Parteien am Besten sein möchte, wenn meine Unterhandlungen mit Cotta durch Sie gehen. Laßberg ist hierin mit mir einverstanden; er hat sich anfangs sehr freudig angeboten, und nun kömmt’s ihm wie ein Riesenwerk vor – Sie kennen seine Umständlichkeit, er liest schon seit acht Tagen an dem Manuskripte, und mir kömmt’s vor, als blieb sein Zeichen, eine fladdrige „Karlsruher Zeitung“, die fast mit dem Hefte fortfliegt, immer auf derselben Stelle; und doch sagt er: „Ich beeile mich bestens, aber nachher wollen wir das Ganze etwas umständlicher durchgehn.“ Sie sehn, es wird mir gehn wie denWeiterlesenHand an keine Silbe!

Warum haben Sie ihm die kleine Freude nicht gemacht?

Mein lieber Levin! Ich habe soeben einen Brief zerrissen, weil er sich gar zu kläglich ausnahm, einen bereits fertigen Brief an Sie, mein gutes Kind, worin ich zur Entschuldigung meines Stillschweigens das ganze Heer von Troublen und wirklichen Unfällen, das uns seit vier Monaten verstört hat, aufmarschiren ließ. Wozu das? Es ist ja jetzt vorüber, Manches am Ende nur leere Angst gewesen, und Anderes bereits halb verschmerzt. Lassen Sie mich lieber Ihnen danken für Ihr liebes Geschenk. Wie es mich gefreut hat, mögen Sie daraus abnehmen, daß ich es unter Umständen, die wohl geeignet waren, mich allen Interessen, außer den allernächsten, zu entrücken, bereits dreymahl durchgelesen habe. Es ist ein schönes Buch, kein einziges schlechtes oder auch nur mittelmäßiges GedichtWeiterlesenWarum haben Sie ihm die kleine Freude nicht gemacht?

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