Mehr über Annette von Droste-Hülshoff (hier auf einem Gemälde von Sprick)

Sie möchten Annette von Droste-Hülshoff kennenlernen? Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin, erfahren Sie mehr über ihren Alltag, ihre Arbeit, ihr Privatleben und den Briefverkehr zu ihrer Zeit. Lernen Sie ihre Wohnorte kennen, verfolgen Sie ihre Korrespondenz mit Zeitgenossen, und gehen Sie mit Annette von Droste-Hülshoff auf Reisen.

300 Briefauszüge der Dichterin sind hier verfügbar, kategorisiert und verschlagwortet. Auch alle Kommentare sind authentisch und stammen von Zeitgenossen.

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!


An: Luise Schücking, aus: Meersburg
1844 15.September

Meine Schwester, die Ihnen selbst schreiben wollte, aber sich seit einigen Tagen durch Einfluß des Äquinoktiums zu unwohl dazu befindet, läßt sie bitten, ihr doch zu sagen, was es für eine Bewandtnis mit den zehn oder zwölf Gedichten hat, die Sie Ihnen für das „Morgenblatt“ mitgegeben, da jetzt, nach drei Monaten, noch nicht ein einziges davon erschienen ist. Sie glaubt daraus schließen zu müssen, dass Cotta ihnen entweder die Aufnahme verweigert hat oder Sie aus irgendeinem Grunde es sonst nicht passend gefunden haben ihm dieselben fürs „Morgenblatt“ zu geben. In diesem Falle wünscht sie sie dann einem der andern Blätter zu geben, und läßt Sie deshalb um Nachricht hierüber bitten, aber womöglich mit umgehender… Weiterlesen »

Hintergrund: Bei dem Gedicht, das die Droste nun doch lieber nicht veröffentlicht sehen möchte, handelt es sich um Lebt wohl!, das sie aus Anlass des Abschieds des Ehepaars Schücking von der Meersburg am 30. Mai 1844 geschrieben hat. Der Wunsch kommt jedoch zu spät; das Gedicht ist bereits am 28. August 1844 in Cottas Morgenblatt erschienen. Bei der Abreise aus Meersburg hat Schücking neben diesem noch weitere Gedichte mitgenommen, von denen die meisten nach und nach im Morgenblatt zum Abdruck kommen.
An: Jenny von Laßberg, aus: Hülshoff
1826 18.September

Die Spiegel und Mamas schönes Bild erhältst Du durch Überbringer dieses, und heute nachmittag kömmt noch zweimal Gelegenheit, erstlich Klemens, der einen Hasen und ein Huhn bringt und der zugleich Deine kleine Uhr trägt, und endlich ein Wagen, der alles übrige bringt, was noch hier ist. Nur mit einigen Punkten steht es schlimm. Erstlich die Stangen vom Wilkingheger Bett. Davon wußte wenigstens gestern noch niemand recht Bescheid, was aus ihnen geworden. Wenn sie also um das Fremdenbett vielleicht gehören, so rat‘ ich Dir, vorläufig Deine oder meine zu nehmen, denn ich kann Dir nicht dafür stehn, ob sie sich gegen dieses Nachmittag oder überhaupt finden. Ferner will Jennchen durchaus keine Gemüsekörbe abgeben; sie… Weiterlesen »

Hintergrund: Am 25. Juli 1826 stirbt unerwartet der Vater Clemens-August von Droste-Hülshoff. Der älteste Sohn Werner, der mit seiner Frau auf Gut Wilkinghege lebt, übernimmt als Alleinerbe Burg Hülshoff. Therese von Droste siedelt mit ihren beiden Töchtern Annette und Jenny in den wenige Kilometer entfernten Witwensitz Rüschhaus über. Der Umzug scheint nicht ohne Auseinandersetzungen um den Hausrat abgelaufen zu sein.
An: Therese von Droste, aus: Rüschhaus
1838 9.Februar

Ich habe jetzt ein neues Gedicht geschrieben, von der Größe wie das „Hospiz auf dem St. Bernhard“. Es heißt „die Schlacht im Loener Bruch“ und besingt die Schlacht bei Stadtlon, wo Christian von Braunschweig die Jacke voll kriegt. Man findet es besser als meine übrigen Schreibereien, und ich habe einen sehr artigen Brief von Hüffer bekommen, der um den Verlag bittet, ich habe ihm denselben auch zugesagt, falls ich es herausgebe. Ich schrieb dies an Adele Schopenhauer und bekam gleich die Antwort, ich möge das ja nicht tun und keinen obsuren Verleger nehmen, das falle auf das ganze Werk zurück; sie habe einen Verleger für mich in Jena, es war aber zu spät. Wenn es herauskömmt, muss es bei Hüffer sein, und ich habe noch einen… Weiterlesen »

Hintergrund: Die Erstausgabe der Gedichte erscheint Anfang August 1838 halbanonym unter dem Namen Annette Elisabeth von D. ... H. ... in Hüffers Aschendorffscher Buchhandlung in Münster. Das Buch wird in einer Auflage von 400 Stück gedruckt, hat 220 Seiten und soll 25 Silbergroschen kosten. Die Droste erhält kein Honorar, aber 30 Freiexemplare, die sie ihrem Mentor Schlüter überlässt. Verkauft werden 74 Exemplare zum Preis von jeweils 16,5 Groschen.
An: Levin Schücking, aus: Münster
1843 24.April

Marggraf hat eine Sammlung politischer Lieder herausgegeben und meine „Warnung an die Weltverbesserer“ darin aufgenommen; so muss ich armes loyales Aristokratenblut da zwischen Herwegh, Hoffmann von Fallersleben et cet. paradieren. Freiligrath und Geibel sind aber auch darin, so gibt’s doch noch gute Gesellschaft. Der Redakteur des Feuilletons der Kölner Zeitung, Püttmann, trägt Elisen bei Gelegenheit der Übersendung einiges Honorars die Bitte vor, dass, da sie mich vielleicht persönlich kenne, sie doch suchen möge, mich zu seinen Gunsten dem „Morgenblatt“ abwendig zu machen, und zählt, um mich zu reizen, seine neuen berühmten Mitarbeiter her: Freiligrath, Geibel, Gutzkow, König, Marggraf etcet. Ich kann jetzt wohl daran denken,… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Meersburg
1843 14.Dezember

Nun noch ein Wort von meinen Gedichten. Die Abschrift ist fast fertig, aber Sie, mein armes gutes Kind, sollen sich damit nicht plagen; Sie haben jetzt eine immer wachsende Haushaltung in Aussicht, müssen zu diesem Zweck Ihre eignen und Ihrer lieben Frau Schriften zu poussieren suchen, ohne sich Ihrem Verleger durch Protektion Fremder, deren Erfolg noch sehr zweifelhaft ist, unangenehm zu machen. Ich habe dies längst gedacht und muss mich schämen, dass Laßberg es mir zuerst hat deutlich aussprechen müssen, der sich dann auch erboten hat, sobald alles fix und fertig, meinetwegen mit Cotta zu unterhandeln. So ist’s am besten, und ich bitte Sie nur, mir zu sagen, was ich nach Hauffs Äußerungen etwa von Cotta zu erwarten hätte. Sie… Weiterlesen »

An: Anton M. Sprickmann, aus: Hülshoff
1818 27.Oktober

… ich habe in diesem Jahre ein Gedicht in sechs Gesängen geschrieben, dem eine nicht zu wohl ausgesonnene Rittergeschichte zum Grunde liegt, das mir aber in der Ausführung ziemlich gelungen scheint. Dies wollt ich Ihnen nun schicken, sobald es fertig wär, konnte aber nicht so bald damit zu Stande kommen, weil ich im vorigen Jahre sehr an einem Kopfschmerz gelitten habe, der äußerst nachteilig auf die Augen wirkte; und habe ich mich hiebei, wie die Ärzte behaupten, sehr vor Rückfällen zu hüten. Ich habe auch wirklich nie einen halben Gesang ununterbrochen schreiben können, ohne einen kleinen Anfall zu spüren. Obschon die Gesänge nicht sehr lang sind und ich im Ganzen auch nicht so sehr langsam arbeite, so hat dies kleine… Weiterlesen »

Unter der Feder: "Walther"
Hintergrund: Das Stadthaus am Krummen Timpen in Münster gehört der Familie Droste nur bis Dezember 1818. Danach mieten sie für ihre Aufenthalte in der Stadt eine Wohnung.
An: Jenny von Laßberg, aus: Rüschhaus
1833 2.Oktober

Niemals ist es einem Menschen so kläglich gegangen als mir, seit Ihr fort seid. Ich begreife in der Tat nicht, wie ich noch dabei auf den Beinen bleiben kann — keine vergnügte Stunde habe ich gehabt, außer den ersten 4 Tagen, wo ich schöne Versteinerungen fand. Deshalb wundere dich nur nicht, dass ich erst jetzt schreibe, aber nun will ich Dir auch alle meine Unglücker der Reihe nach klagen. Nachdem also die guten Steine gefunden worden waren, am 5ten Tage nach eurer Abreise, fand ich des Morgens meine Amme sehr krank, sie bekam die Grippe in sehr hohem Grade, und da sie sich ihr auf den Kopf warf, sie deshalb zuweilen wie besinnungslos war, nicht antwortete, wenn man sie fragte, auch ihr der Hals ganz zuging, so dachte ich… Weiterlesen »

Hintergrund: Schwester Jenny und Mutter Therese halten sich bei den Verwandten in Bökendorf auf.
bongré malgré = wohl oder übel
antediluvianisch = vorsintflutlich
item = ebenfalls
echappieren = entkommen
Ick sog ihr do jüst gohn, da wull ick ehr doch guden Dag seggen = Ich sah Sie just da gehen, da will ich Ihnen doch guten Tag sagen
An: Levin Schücking, aus: Meersburg
1842 7.Juli

Schott ist übrigens dagegen, dass ich mich viel um den Cotta abmühe; die bei ihm erscheinenden Bücher hätten bei weitem nicht mehr den Kredit wie früher, und er sei gleich mißtrauisch und mache schlechte Bedingungen, sobald er sehe, dass man ihm nachgehe. Mache aber ja Schott keinen Verdruß dadurch, dass Du etwas hiervon gegen Hauff äußerst. … Liebes Herz, wundere Dich nicht, wenn ich Dich fortan Sie nenne und Dich um ein Gleiches bitte; die gefährliche Zeit unserer Korrespondenz fängt jetzt an, und es ist mir zu empfindlich, alle Deine lieben Briefe des Du’s wegen verbrennen zu müssen. Meersburg, 7. Juli… Weiterlesen »

An: Therese von Droste, aus: Meersburg
1842 26.Januar

Scheppe und ich sind auch dicke Freunde und haben uns wertvolle Geschenke an Versteinerungen und Schneckenhäusern gemacht, denn er kriecht ebenso wie ich am See und in den Weinbergen umher und ist lange vor mir gekrochen, so dass die Meersburger an diese neue Art von Vierfüßlern gewohnt sind, was mir jetzt gut zustatten kömmt, denn es fällt keinem ein, was Besonderes darin zu finden, die Höflichsten bleiben sogar stehn und geben mir die Stellen an, wo seltene Sorten zu finden sind und wo der Physikus und Herr Jung auch gesucht hätten. … Ich gehe zuweilen zu Kessels oder den guten Klosterfrauen, deren freundliche und verständige Unterhaltung mich sehr anspricht, sonst zu niemandem, denn ich habe keine Zeit, da der Nachmittag… Weiterlesen »

Hintergrund: Dass Levin Schücking sich zeitgleich auf der Meersburg aufhalten wird, kommt für die Droste keineswegs so überraschend, wie sie gegenüber ihrer Mutter und später auch gegenüber der Freundin Elise Rüdiger vorgibt. Den Plan, Schücking die umfangreiche Bibliothek des Schwagers Laßberg sortieren zu lassen, haben Annette und ihre Schwester noch im Rüschhaus zusammen ausgeheckt. In Münster sorgt vor allem Luise von Bornstedt wegen dieses Zusammentreffens in der Ferne für "fatalen Klatsch".
Die Bornstedt hat sich inzwischen nicht nur bei der Droste, sondern allgemein in Münster unbeliebt gemacht, was schließlich, während Annette in Meersburg weilt, auch die literarische "Heckenschriftsteller-Gesellschaft" im Hause Elise Rüdigers sprengt.