Zeichnung: Annette von Droste in ihrem Zimmer im Rüschhaus

Entspannt im „Schneckenhäuschen“: Annette von Droste-Hülshoff auf ihrem Kanapee im Rüschhaus. Bildarchiv Foto Marburg

Der Wind hat gedreht

Von Annette von Droste-Hülshoff
17. November 1842

Im „Morgenblatte“ sind noch zwei meiner Gedichte erschienen: „Die Taxuswand“ und „Junge Liebe“. Die „Judenbuche“ hat endlich auch hier das Eis gebrochen und meine sämtlichen Gegner zum Übertritt bewogen, so dass ich des Andrängens fast keinen Rat weiß und meine Mama anfängt, ganz stolz auf mich zu werden. O tempora, o mores! Bin ich denn wirklich jetzt besser oder klüger wie… Weiterlesen »

Sorgen um Sibylle

Von Annette von Droste-Hülshoff
21. Januar 1831

Du siehst aus diesem langen Bogen, liebste, beste, alte Mama, dass ich wenigstens den Willen habe, recht viel zu schreiben. Ob ich dazu komme, das weiß Gott; obgleich ich nichts, gar nichts zu tun habe und auch nirgends hingehe. Aber ich habe mein Nichtstun so künstlich eingeteilt, dass mir keine Minute übrigbleibt und ich den ganzen Tag wie auf der Flucht bin. Du kannst meine höchst einfache und pünktliche Lebensordnung schon aus meinen früheren Briefen beurteilen. Eben in derselben Form… Weiterlesen »

Unter die Nase gerieben

Von Annette von Droste-Hülshoff
20. Juni 1844

Wir werden jetzt, da wir allein reisen, vor der Mitte nächsten Monats nicht fortgehn. Gott gebe, dass wir jetzt nur nicht durchs Paderbörnische müssen, zu einer Rundtour bei allen Verwandten! Das würde bis zum Herbst hinhalten und ist ein fatales Hängen zwischen Himmel und Erde – überall in den allerengsten Beschlag genommen und doch nirgends heimisch und bequem, ein Reisesack die stehende Equipage und keine Minute für sich zum Arbeiten oder Ruhen … Lieber Levin, ich besuche jetzt… Weiterlesen »

„Nenn sie Hexe und Kokette, aber niemals kleine Nette!“

Von Annette von Droste-Hülshoff
4. Januar 1844

Was kommen Sie mir denn mit meiner steinalten, seit 25 Jahren begrabenen Koketterie? Ich habe Ihnen ja schon früher erzählt, wie wir sämtlichen Cousinen haxthausischer Branche durch die bittere Not gezwungen wurden, uns um den Beifall der Löwen zu bemühn, die die Onkels von Zeit zu Zeit mitbrachten, um ihr Urteil danach zu regulieren, wo wir dann nachher einen Himmel oder eine Hölle im Hause hatten, nachdem diese uns hoch oder niedrig gestellt. Glauben Sie mir, wir waren arme Tiere,… Weiterlesen »

Meine gegenwärtige Stellung ist sehr gut

Von Annette von Droste-Hülshoff
30. Juli 1845

Zu etwas anderem, hiervor graut mir. Was ich dem „Janus“ schicke? Wahrscheinlich nichts. Huber hat seit meiner Antwort durch Male H nichts von sich hören lassen, außer einer kurzen, aber glänzenden Rezension meiner Gedichte im „Janus“, die mein Onkel August, da sie spät nach Herausgabe derselben, gleichsam hors de saison kömmt, zwar als einen Beweis nimmt, dass auf meine Mitarbeiterschaft rechne; sowie auch der Professor Stahl in Berlin sich höchlich verwundert zeigte (in einem Briefe an… Weiterlesen »

Mein Mergel ist anders

Von Annette von Droste-Hülshoff
24. August 1839

Ich lebe hier wie in Rüschhaus und habe sogar auch mein altes schwarzes Kanapee, auf dem ich sitze oder liege (man kann es nennen wie man will) und schreibe, meine alten Lateiner, in denen ich vor dem Aufstehn lese, und mein Frühstück auf der Stube, wie ich es gewohnt bin. … Wären Sie hier oder schrieben fleißig, oder hörte ich auch nur oft von Ihnen wie in Rüschhaus, so würde ich dieses Mal weniger vom Heimweh leiden als gewöhnlich, aber wie es jetzt ist, bin ich doch sehr froh,… Weiterlesen »

Wie ’ne alte Katze

Von Annette von Droste-Hülshoff
23. September 1842

Ich versichere Dich, ich war ganz herunter und so mutlos wie Anno 1830, bei dem miserabeln Aufenthalt in Münster. Man sollte einem halb Genesenen nie sagen, wie bedenklich es mit ihm gestanden hat, denn Rückfälle kommen immer, und dieser war ein arger Rückfall, so dass ich schon halb und halb darauf gefaßt war, den Winter nicht hier bleiben zu können. Davon glaubst Du nun kein Wort, und es ist doch wahr. Zum Glücke war es schon viel besser, als Mama zurückkam, und jetzt habe ich mich… Weiterlesen »

Die treuen Thielmanns

Von Annette von Droste-Hülshoff
11. März 1820

Dass Werner krank gewesen ist, wusste ich schon ziemlich lange durch Briefe von Köln, habe es jedoch nicht eher erfahren, bis er schon ganz wieder hergestellt war, es freut mich aber außerordentlich zu erfahren, dass der junge Thielemann so freund mit ihm ist. Wir haben doch wirklich überhaupt getreue und aufrichtige Freunde an Thielemanns, und ich will nicht leugnen, dass mir ihre Entfernung wahrhaft hart fällt, sie hat mir vor etwa vier Wochen geschrieben, und ich hätte ihr längst… Weiterlesen »