Mehr über Annette von Droste-Hülshoff (hier auf einem Gemälde von Sprick)

Sie möchten Annette von Droste-Hülshoff kennenlernen? Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin, erfahren Sie mehr über ihren Alltag, ihre Arbeit, ihr Privatleben und den Briefverkehr zu ihrer Zeit. Lernen Sie ihre Wohnorte kennen, verfolgen Sie ihre Korrespondenz mit Zeitgenossen, und gehen Sie mit Annette von Droste-Hülshoff auf Reisen.

300 Briefauszüge der Dichterin sind hier verfügbar, kategorisiert und verschlagwortet. Auch alle Kommentare sind authentisch und stammen von Zeitgenossen.

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!


An: Wilhelmine von Thielmann, aus: Rüschhaus
1828 2.November

Ich habe dir unser Rüschhaus schon öfters beschrieben. Du weißt, dass der Raum beschränkt, unsre ganze Lebensweise höchst einfach ist. Kennte ich mein Minchen nicht so genau, ich dürfte gar nicht sie einzuladen wagen. Aber nun weiß ich, dass ich es darf, und meine noch wohl gar, Du würdest Geschmack an unsrer Art zu sein finden. Meine Mutter und Schwester sind den ganzen Sommer hindurch abwesend gewesen, zu Bökendorf nämlich, und ich erwarte sie morgen zurück. Ich dachte in dieser Zeit recht viel zu arbeiten, vor allem zu schreiben, aber, wie man zu sagen pflegt, Gott und gute Leute haben mir drüber weggeholfen, d.h. Gott hat mir Augenschmerzen geschickt, und recht gute liebe Leute, nämlich die Schwester und Nièce der… Weiterlesen »

An: Therese von Droste, aus: Bonn
1830 14.Oktober

Mit Arno habe ich nicht geschrieben, weil ich gerade nach Plittersdorf geholt wurde, wo ich die Mertens sehr leidend antraf, es waren aber nur Krämpfe, und so konnte ich nach drei Tagen wieder hieher gehen. Sie brachte mich sogar selbst zurück, obgleich sie in den Tagen, die ich bei ihr war, mehrere Male vor Schmerzen ohnmächtig wurde; sie ist übrigens im ganzen ziemlich gesund jetzt; dies war nur so ein einzelner Anfall, sonst kann sie gewaltig viel vertragen und ist so gut zu Fuße, dass ich mich darüber wundern muss — sie läuft von Plittersdorf nach Bonn und wieder zurück in einem Tage, und dabei den ganzen Tag auf den Straßen umher. Mit Tony glaubt sie ganz prächtig fertig geworden zu sein, sie hat rechten Nutzen von… Weiterlesen »

An: Therese von Droste, aus: BonnPlittersdorf
1831 11.März

Was Du von mir denkst, meine liebe alte Mama, das weiß der liebe Gott, aber das weiß ich wohl, dass ich ganz unschuldig bin und in den letzten vier Wochen oft nicht wußte, wo mir der Kopf stand. Ich bin jetzt schon in der 5. Woche bei der Mertens, die sehr gefährlich krank gewesen ist. Ich habe viel Last gehabt, so viel wie in meinem Leben noch nicht. Ich habe die arme Mertens Tag und Nacht verpflegt, fast ganz allein; denn ihrer Kammerjungfer hatte sie grade zuvor aufgesagt, weil sie trinkt, und konnte sie nun gar nicht mehr um sich leiden, … ihre beiden ältesten Mädchen sind in der Pension. Adele Schopenhauer immer krank. So war ich die Nächte zu der Sache. Wie hab ich doch so manche Sommernacht, Du düstrer Saal, in… Weiterlesen »

An: Jenny von Laßberg, aus: Rüschhaus
1833 2.Oktober

Niemals ist es einem Menschen so kläglich gegangen als mir, seit Ihr fort seid. Ich begreife in der Tat nicht, wie ich noch dabei auf den Beinen bleiben kann — keine vergnügte Stunde habe ich gehabt, außer den ersten 4 Tagen, wo ich schöne Versteinerungen fand. Deshalb wundere dich nur nicht, dass ich erst jetzt schreibe, aber nun will ich Dir auch alle meine Unglücker der Reihe nach klagen. Nachdem also die guten Steine gefunden worden waren, am 5ten Tage nach eurer Abreise, fand ich des Morgens meine Amme sehr krank, sie bekam die Grippe in sehr hohem Grade, und da sie sich ihr auf den Kopf warf, sie deshalb zuweilen wie besinnungslos war, nicht antwortete, wenn man sie fragte, auch ihr der Hals ganz zuging, so dachte ich… Weiterlesen »

Hintergrund: Schwester Jenny und Mutter Therese halten sich bei den Verwandten in Bökendorf auf.
bongré malgré = wohl oder übel
antediluvianisch = vorsintflutlich
item = ebenfalls
echappieren = entkommen
Ick sog ihr do jüst gohn, da wull ick ehr doch guden Dag seggen = Ich sah Sie just da gehen, da will ich Ihnen doch guten Tag sagen
An: Dorothea von Wolff-Metternich, aus: Hülshoff
1821 22.September

Ich habe jetzt sehr wenig Zeit, denn der Onkel Max hat mir ein selbstverfasstes Werk über den Generalbass geschenkt. (Eine Abschrift, denn es ist nicht im Druck.) Was folgt daraus? Dass ich aus Dankbarkeit das ganze Werk von Anfang bis zu Ende durchstudiere und auswendig lerne! Ich kann nicht sagen, daß ich es ungern tät, oder dass es mir schwer würde, da ich schon manche andere Werke über den Generalbass kenne, aber ich muss fast meine ganze Zeit daran setzen. Außerdem wird jetzt fleißig hier im Hause gearbeitet, Jenny spielt und singt mit großem Eifer, da sie glaubt, in ihrer Abwesenheit Manches verlernt zu haben. Tony und Elise malen den ganzen Tag auf Sammet, Tony weiße und gelbe Narzissen und Elise ein Rosenbouquett,… Weiterlesen »

Hintergrund: Annette bekommt das Werk "Eine Erklärung über den Generalbass und die Tonsetzkunst überhaupt" von ihrem Onkel Maximilian Friedrich von Droste-Hülshoff zum Geschenk.
Das andere Nettchen Droste ist vermutlich die Cousine Antoinette von Droste-Stapel.
An: Maria Anna von Haxthausen, aus: Hülshoff
1805 31.Dezember

Liebe Großmama! Ich hoffe, dich bei dem Schreiben und der Ankunft dieses Briefes in eben der Gesundheit zu treffen, die wir jetzt genießen. Wir haben dieses Jahr recht was Schönes auf Nikolaus bekommen, Jenny hat einen Ring, einen seidenen Geldbeutel, ein paar Handschuh und viel Esswerk bekommen. Ich habe dasselbe erhalten. Werner und Fente haben Jacke und Hose, auch viel Esswerk bekommen. Lebe wohl. Wir alle küssen dir in Gedanken die Hände. Ich verbleibe deine dich liebende Enkelin Nette Bald hätte ich den guten Großpapa vergessen, küsse ihn für… Weiterlesen »

Hintergrund: Der Brief richtet sich an die (Stief-)großeltern mütterlicherseits. die im ostwestfälischen Bökendorf leben.
Annette von Droste hat drei Geschwister: die zwei Jahre ältere Schwester Maria Anna, genannt Jenny, den anderthalb Jahre jüngeren Bruder Werner Constantin und den drei Jahre jüngeren Bruder Ferdinand, genannt Fente.
An: Jenny von Laßberg, aus: Bonn
1831 20.März

Ich habe an Mama und Werner geschrieben, und so sollst Du, alter lieber Hans, auch nicht so ganz leer ausgehn. Wenn mir auch nur noch Zeit für ein paar Zeilen bleibt; manches, was eigentlich für Dich gehört, z. B. über Blumen, die ich gern für die Mertens hätte, steht schon in dem langen Briefe an Mama … Übrigens habe ich hier schöne Sachen geschenkt bekommen; habe deshalb auch manches zurückschenken müssen, was meinem Geldbeutel nicht besonders gut bekommen ist. Es geht hier wie in Münster, alle Leute schenken mir etwas. Vorgestern hat mir ein geistlicher Herr eine Vase von Amethyst geschenkt – ist das nicht schön? Aber es ist kein klarer Amethyst, und die Vase ist überhaupt nicht schön von Form, es ist aber doch… Weiterlesen »

An: Anna von Haxthausen, aus: Hülshoff
1821 7.Oktober

O Gott, ich kann nicht bergen Wie angst mir vor den Schergen Die du vielleicht gesandt In Krankheit oder Grämen Die Sinne mir zu nehmen Zu töten den Verstand. Es ist mir oft zu Sinnen Als wolle schon beginnen Dein schweres Strafgericht Als dämmre eine Wolke Doch unbewusst dem Volke Um meines Geistes Licht. Aus: „Am Gründonnerstage“ Teil des Gedichtzyklus „Das Geistliche Jahr“ Ich schreibe jetzt zuweilen an der Ledwina, die gut werden wird, aber so düster, dass mich zuweilen das Abschreiben daran jedesmal sehr angreift; starkes Arbeiten ist mir überhaupt sonst sehr erleichternd. Nach der Stimmung der geistlichen Lieder darfst Du meine jetzige nicht beurteilen, die gottlob viel anders und heller ist; vorzüglich… Weiterlesen »

Hintergrund: Die Erzählung "Ledwina" ist Fragment geblieben.
An: Jenny von Laßberg, aus: Rüschhaus
1834 22.Oktober

Ich hoffe, es geht dir gut, ich bin gewiss davon, denn Laßberg ist sehr gut; sage ihm doch auch, wie sehr ich das anerkenne und dass, wenn Du einmal weit fort musst, ich Dich mit niemandem lieber gehn lasse wie mit ihm. Uns hier ist es noch was einsam, das kannst Du denken, aber das viele Reden und Schreiben drüber nützt zu nichts. Ich sehe gottlob, dass Mama ganz fest entschlossen ist, im nächsten Frühling nach Eppishausen zu gehn, d.h. zum Besuch. So werden die paar Monate ja wohl herumgehn; ich muss mir vorstellen, Du wärst so lange bei Malchen oder in Bökendorf; sonst warst Du den Sommer über fort, jetzt den Winter. Ich habe diese Tage über Deine zurückgelassenen Sachen zusammengesucht und gut weggelegt. Ich denke, den… Weiterlesen »

Hintergrund: Der frischgebackene Schwager, Jennys Ehemann Joseph von Laßberg, bietet der Droste seine Hilfe bei der Suche nach einem Verleger an.