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Nach 100 Jahren

möchte ich gelesen werden …

Annette von Droste-Hülshoff in Briefen

Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin. Erfahren Sie mehr über ihren Alltag, über Droste als Dichterin und Briefschreiberin, ihr Privatleben, ihre Familie und Freund:innen und über den Briefverkehr im 19. Jahrhundert. Lernen Sie ihre Wohnorte wie die Burg Hülshoff, das Rüschhaus oder Meersburg in Multimedia-Storys kennen. Oder chatten Sie doch mal mit Annette! Viel Spaß!

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Die Höllenehe der Mertens

(…) Adelen habe ich noch nicht schreiben können, und muß erst ihre Adresse durch die Mertens abwarten, da sie grade nach Karlsbad reiste, als ich in Bonn war, und der Mertens diese dann zu schicken versprochen. Ich werde dieser doch in den nächsten Tagen schreiben, da ich einen in Betracht der Umstände sehr langen Brief von ihr erhalten, wenige Tage, nachdem man ihren Mann, der mir in Bonn schon sehr bedenklich vorkam, auf einer kleinen Geschäftsreise morgens tot im Bette gefunden. Sie ist doch sehr erschüttert, und mit Recht, denn sie haben eine wahre Höllenehe geführt, und die Schuld stand ganz zu gleichen Teilen. Vielleicht wird sie jetzt wieder liebenswürdiger, da der wenigstens angebliche Grund zu dem ewigen innern GrimmkochenWeiterlesenDie Höllenehe der Mertens

O Scheiden! Scheiden!

(…) Ich bin wieder zwei Tage recht unwohl gewesen, lieb Herz, jetzt zwar besser, doch will Werner von meiner morgigen Rückkehr nach Rüschhaus nichts hören, er behauptet ich würde mich todkrank machen, und es wird somit teils von meinem morgigen Befinden, teils vom Wetter abhängen, ob ich! meinen Kopf durchsetze oder nicht. (…) Meine Mutter hat Nachricht von den Ihrigen, der Onkel Fritz ist gottlob keineswegs krank, dringt aber sehr auf unsre Herüberkunft (…) Ich bin ganz gern dort, mag aber auch nicht fort. Mir fehlt die Illusion der Jugend, alles wieder auf dem alten Flecke zu finden. Nur Monate Trennung, und es ist so vieles anders geworden, wie einer, der sich so allmählich mit hinein gelebt hat, uns garWeiterlesenO Scheiden! Scheiden!

Keine Kunde aus Wien

(… ) von Werner (dem Onkel nämlich) habt? Hier hören und sehen wir nichts von ihm, der junge Brenken, heißt es, würde bald zurückkommen, ich glaube sogar, er hat geschrieben, aber Onkel Werner meldet nichts davon, ob er gleich, wie mir erst in diesem Augenblick einfällt, nach Bökendorf geschrieben hat, wir haben schon gedacht, er würde den jungen B[renken] allein zurückkehren lassen, und, Gott weiß wie lange noch in Wien bleiben, das wäre doch ein rechter Strich durch unsre Rechnung, wir hatten uns so auf seine Ankunft gefreut, denn man muß froh sein, wenn man ihn hat, weil man nie weiß, ob man ihn so bald wieder zu sehen bekömmt, oder ob er sich nicht gar in ein Schiff setztWeiterlesenKeine Kunde aus Wien

Schücking wird seiner Stelle keine Schande machen

(…) Ich schreibe Dir in einer höchst gedrückten Stimmung, Male, denn ich soll etwas tun und will es nun endlich auch, was mir in sich selbst überaus zuwider ist. Ich soll jemanden empfehlen, und zwar bey Deinem Bruder, nicht zu einem Amte, dazu hätten mich keine zehn Pferde gezogen, sondern zu einer Stelle als Privatsekretär, wenn (was der Himmel gebe!) noch eine solche vakant ist. Ich bin gewiß, daß Dein Bruder jetzt von allen Seiten angegangen wird, ich bin auch gewiß, daß ihm dieses ein Gefühl von Ungeduld, ja selbst Mißachtung geben muß, und Du fühlst, wie schwer es mir wird, mich einem Manne gegenüber, den ich achte, selber so zu stellen. Doch – ich kann nicht anders. Abschlagen wäreWeiterlesenSchücking wird seiner Stelle keine Schande machen

Bönninghausen wird Apotheken und Ärzten gefährlich

Wenn Du mich für einen schändlichen Windbeutel und Faulenzer hältst, meine alte Sophie, so tust Du mir aber dieses Mal denn doch Unrecht, obgleich ich durch meine frühren Schreibsünden allen möglichen Argwohn verdient habe und also über nichts klagen darf. Aber dieses Mal müssen doch die Wäscherin und Bönninghausen die Schuld tragen — die Erstere hat den Schal erst gestern geschickt, und Doktor Büninghusen ist fortwährend verreist gewesen, und ich habe ihn erst vorgestern auf einige Minuten, durch die Bückersche, können arrettieren, und zur Durchlesung des dritten Briefs, den ich seitdem geschrieben, zwingen lassen. Er war erst seit zwei Tagen zurück, hatte diese Zeit über gar nicht zu Bette gehn können, so waren die Patienten über ihn hergefallen, und schonWeiterlesenBönninghausen wird Apotheken und Ärzten gefährlich

Ich brauche das Geld gar nicht

Meine liebe liebe Räthin Mit der größten Angst schreibe ich diese Zeilen, und doch ist das arme Herz nicht eher ruhig, bis sie geschrieben sind, Einige Äußerungen, die ihnen gestern unwillkührlich entfuhren bestärkten mich in der Meinung, o Gott werden sie doch nicht böse, daß es ihnen wohl zuweilen an manchen fehlen möchte, und da ward mir so bange, und ich hatte keine Ruh, bis ich mich es zu wagen entschloß, ihnen das wenige, was in meinen Kräften steht, anzubieten, sie können es mir ja immer gelegent­lich wiedergeben, wenn sie die Angst sähen, womit ich dies schreibe, so hätten sie Mitleid mit mir und wären gar nicht böse, sie werden auch gewiß nicht böse, denn sie wissen wohl, daß ichWeiterlesenIch brauche das Geld gar nicht

Meine Sprachkenntnisse: schlecht! schlecht!

Sollte ich Ihnen wirklich eigenmündig Veranlassung gegeben haben zu glauben, ich könne den Leonidas in der Ursprache lesen? Oder trägt die große geistige Elle die Schuld, an der, wie der Fuchs beym Messen den Schwanz, so Sie den glänzenden Schweif Ihr[er] eignen Vielwissenschaft zugeben? Sed non cuivis contingit adire Corinthum![1]Sed non cuivis contingit adire Corinthum: Aber es kann nicht jeder nach Korinth gehen Ich kann elendiglich wenig Griechisch, in meinen besten Glanz- und Übungsjahren kaum über die Fibelschützerey hinaus und jetzt wieder schmählich dahin zurückgesunken. Kurz, ohne den großen Trost der lateinischen Erläuterungen würde ich kaum begriffen haben, wo die Glocken hängen, und bin auch jetzt noch bey Manchen nicht ganz sicher darüber. Von einem eigentlichem Urheile kann also nichtWeiterlesenMeine Sprachkenntnisse: schlecht! schlecht!

Müde wie ein Postpferd

Was Du von mir denkst, meine liebe alte Mama, das weiß der liebe Gott, aber das weiß ich wohl, daß ich ganz unschuldig bin und in den letzten vier Wochen oft nicht wusste, wo mir der Kopf stand. Ich bin jetzt schon in der 5. Woche bey der Mertens, die sehr gefährlich krank gewesen ist. Ich habe viel Last gehabt, so viel wie in meinem Leben noch nicht. Ich habe die arme Mertens Tag und Nacht verpflegt, fast ganz allein; denn ihrer Kammerjungfer hatte sie grade zuvor aufgesagt, weil sie trinkt, und konnte sie nun gar nicht mehr um sich leiden, (…) ihre beiden ältesten Mädchen sind in der Pension. Adele Schopenhauer immer krank. So war ich die Nächte zuWeiterlesenMüde wie ein Postpferd

Ein Angebot von Velhagen & Klasing

(…) Der Buchhändlerbrief ist nämlich angekommen und war wirklich ein solcher, von der Kompanie Velhagen & Klasing, und bereits vom 5ten April datiert. Da er kurz ist, schreibe ich ihn ab, damit Du den Grad ihres guten Willens, in literarischer und pekuniärer Hinsicht, selbst abmessen kannst. Ew. Hochwohlg. vor einigen Jahren erschienene Gedichtsammlung erregte schon damals unsre höchste Aufmerksamkeit, und zwar nicht bloß als Produkt eines vaterländischen, sondern überhaubt sehr bedeutenden dichterischen Talentes; die Absicht, welche beym Lesen des Bändchens in uns aufstieg, der Verfasserin die Gefühle der Freude und des Danks für so viel Genuß auszusprechen, kam im Drange der Geschäfte nicht zur Ausführung, wurde aber jetzt beym Lesen Ihres Gedichts „An die Weltverbesserer“, welches im „Morgenblatt“ so wieWeiterlesenEin Angebot von Velhagen & Klasing

Nicht wahr, er ist ein guter Junge?

Zürnen Sie mir nicht, meine liebe junge Freundin, wenn ich Ihre mir so herzlich lieben Briefe diesmal nur sehr kurz beantworte. Diese Zeilen sollen keinen Brief weder bedeuten noch dafür gelten. Sie sind nur ein flüchtiges Zeichen, daß ich Sie liebe und Ihrer gedenke. Ein Gruß, ohne den ich das Paket, mit dem es, wie Levin behauptet, große Eile hat, dennoch nicht mag abgehen lassen, und vor allem eine Warnung, die Pantoffeln doch ja nicht zu schonen. Ich bin eine Person, die gern zu guten Zwecken beyträgt, und werde mit Vergnügen fortwährend den nötigen Bedarf liefern. Deshalb brauchen Sie sie, liebe Luise, brauchen Sie sie mutig und wachsam! Es werden schon neue heranwachsen. Striegeln und streicheln Sie das kleine PferdWeiterlesenNicht wahr, er ist ein guter Junge?

Liebe Grosmama!

Ich hoffe dich bey dem Schreiben, und der Ankunft dieses Briefes in eben der Gesundheit zu treffen, die wir jetzt genießen, wir haben dieses Jahr recht was schönes auf Nikolaus bekommen, Jenny hat einen Ring, einen seidenen Geldbeutel, ein Paar Handschuh, und viel Eßwerck bekommen. Ich habe dasselbe erhalten. Werner, und Fente haben Jacke und Hose, auch viel Eßwerk bekommen, lebe wohl, wir alle küssen dir in Gedanken die Hände. Ich verbleibe deine dich liebende Enkelinn, Nette. bald hätte ich den guten Grospapa vergessen, küsse ihn für mich.

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