Mehr über Annette von Droste-Hülshoff (hier auf einem Gemälde von Sprick)

Sie möchten Annette von Droste-Hülshoff kennenlernen? Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin, erfahren Sie mehr über ihren Alltag, ihre Arbeit, ihr Privatleben und den Briefverkehr zu ihrer Zeit. Lernen Sie ihre Wohnorte kennen, verfolgen Sie ihre Korrespondenz mit Zeitgenossen, und gehen Sie mit Annette von Droste-Hülshoff auf Reisen.

300 Briefauszüge der Dichterin sind hier verfügbar, kategorisiert und verschlagwortet. Auch alle Kommentare sind authentisch und stammen von Zeitgenossen.

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!


An: Jenny von Laßberg, aus: Rüschhaus
1842 10.September

Für Dich allein zu lesen Wegen der Präbenden von meinem und Mamas Vermögen habe ich mit Wernern gesprochen. Er ist mit allem zufrieden, sagt, wegen der meinigen Wünsche und könne er ja auch keine Schwierigkeiten machen, da ich ja völlig Herr darüber sei; Mama aber scheine kein Testament machen zu wollen, sondern habe ihm ihre Dispositionen gesagt und er ihr sein Wort gegeben, alles so auszuführen, wenn wir es zufrieden wären, was sie für ausgemacht annahm. Diese Dispositionen sind aber ganz anders, wie ich sie erwartet, und so, dass Werner und Du jeder 1000 Taler erhalten sollten, von dem übrigen aber, was etwas mehr ist, so dass es statt 40 50 Taler Zinsen bringt (zu 4 Prozent berechnet), sollte ich die Nutznießung haben;… Weiterlesen »

Hintergrund: Die Präbende meint hier eine Art Leibrente. Annettes Schwester Jenny hat zwei Töchter (die Zwillinge Hildegarde und Hildegunde, geboren 1836), ihr Bruder Werner wird insgesamt zwölfmal Vater, drei Kinder sterben bereits früh. Während Jennys Töchter unverheiratet bleiben, leben von der Nachkommenschaft der sieben Söhne und zwei Töchter Werners (geboren zwischen 1827 und 1845) heute noch drei Großnichten sowie 25 Ur-Ur-Großneffen und -nichten der Droste.
An: Elise Rüdiger, aus: Meersburg
1844 2.Januar

Viel Glück zum neuen Jahre, mein altes Lies! Das vergangene ist nicht eben zu loben, Ihnen hat es viele äußere und innere Stürme gebracht, mir eine lange Krankheit und doch auch manche Erschütterung, und so steht’s mit fast allen, die uns nahe sind. Möge das begonnene friedlicher sein! Und um ihm den möglichst vorteilhaften Anstoß zu geben, fange ich es mit einem Briefe an diejenige an, von deren Liebe ich seine besten und innigsten Momente erwarte. Nicht wahr, mein Lies? Treu bei Sonnenschein und Schnee, in guten und bösen Tagen? In Leiden uns auf den andern gestützt, die Freuden doppelt genossen, und wenn’s uns beiden schlecht gehn sollte, doch wenigstens noch einander gehabt! So wär‘ es doch ein Wunder, wenn zwei so zähe… Weiterlesen »

Hintergrund: Die Lorgnette, die Sehhilfe der Droste, ist erhalten und heute in Privatbesitz. Mit gebundnem und ungebundnem Stil sind Lyrik und Prosa gemeint. Bei der erwähnten Rezension handelt es sich um eine Besprechung, die Elise Rüdiger über „Urania. Taschenbuch auf das Jahr 1844“ in der Kölnischen Zeitung veröffentlicht hat. Der Wunsch danach war vom Verleger Friedrich Brockhaus über Schücking an Rüdiger herangetragen worden.
Mit dem Plan an ein Westfalen-Werk Bei uns zu Lande auf dem Lande trägt sich die Droste schon seit 1838, tut sich aber mit der Umsetzung schwer.
Der Brauch des Neujahrs-Abgewinnens lässt jenen gewinnen, der bei einer Begegnung dem anderen zuerst ein gutes neues Jahr wünscht.
Scilla und Charibdis bezieht sich auf die griechische Mythologie und steht für eine fast unmöglich zu bewältigende Aufgabe – wie jene, den Weg zwischen dem Ungeheuer Scilla und dem Strudel Charibdis zu finden.
An: Christoph B. Schlüter, aus: Eppishausen
1835 9.November

… Reflexionen können Sie selber machen, die brauche ich nicht aus der Schweiz zu schicken; aber, liebster Freund, ich weiß Ihnen eben nichts Besseres zu geben; die Politik bekümmert uns beide gleich wenig, sonst könnte ich Ihnen sagen, dass die freien Schweizer, die keinen Rang anerkennen wollen, die ärgsten Sklaven des Geldes sind, dass reiche Bauern in den Dörfern uneingeschränktere Herren und schlimmere Tyrannen darstellen, als je der Unterschied des Ranges dergleichen hervorgebracht hat; anderwärts mögen Konnexionen manches bewirken, hier tun sie alles, Geld und Nepotismus sind die einzigen Hebel; wer beides nicht aufzuweisen hat, mag die Hände in den Schoß legen, er ist verdammt, sein Lebelang ein Quäler zu bleiben…. Weiterlesen »

Hintergrund: Eduard d'Alton erstellte eine wenig schmeichelhafte Kritik und übermittelte diese Sibylle Mertens-Schaffhausen zur Weiterleitung an die Droste. Diese hielt das Gutachten aber offenbar zurück, um die Dichterin zu schonen.
Bei der Zwischenstation in Bonn nach Eppishausen hat Joseph Braun Kontakt mit dem Verleger DuMont Schauberg vermittelt. Dieser sagt zu, das Buch bis Ostern 1836 herauszugeben, doch zunächst muss die Droste eine neue Abschrift ihrer Epen anfertigen. Damit beginnt sie Ende 1835; vor März 1836 schickt sie das Manuskript an Braun. Am 5. Juli 1836 antwortet dieser, dass der Herausgabe des Buches aus Sicht des Verlegers nichts im Wege stehe.
An: Sophie von Haxthausen, aus: Rüschhaus
1837 5.September

Aber nun sag mir, lieb Herz, wie lange denkst du denn in Bonn zu bleiben? Und überhaupt, wohin deinen Stab jetzt zu setzen? Nach Kassel kannst du jetzt schwerlich; die Brede ist zu nah bei Hinnenburg. Am Ende bleibst du den Winter in Bonn? Das wäre sehr vernünftig. Bonn ist höchst angenehm. Ich wette aber, du wirst dann noch gut mit Adele. Oder doch nicht, sie zieht ja ganz fort! Daran dachte ich nicht. Hör, Sophie, du hast ein Gedächtnis wie ein Sieb, sonst hättest du dich erinnert, was ich dir über Adele gesagt: dass jedermann die Mutter lieber hat, Adele vielmehr ganz widerlich gefunden wird, auch widerlich ist, und ich sie sehr lange nicht habe ausstehen können, dass aber, wenn man sie lange und genau beide kennt, der… Weiterlesen »

An: Sophie von Haxthausen, aus: Meersburg
1844 11.Januar

Schücking ist jetzt Mitredakteur der „Allgemeinen Augsburger Zeitung“, wohnt in Augsburg, ist seit drei Monaten verheuratet, gottlob sehr zufrieden, und schreibt mir oft; auch seine Frau hat mir wieder geschrieben, einen sehr natürlichen, herzlichen Brief. Sie scheint voll des besten Willens zu sein, ihn glücklich zu machen. Er schreibt, aus ihrer Schriftstellerei werde jetzt nicht viel mehr, sie habe meistens die Küchenschürze vor oder flicke ihm sein Weißzeug; das hat mir sehr tröstlich geklungen. Der Himmel hat den armen Schelm so lange und bitter geprüft, ich hoffe, jetzt läßt er’s ihm auch mal gut gehen. Er fängt jetzt an, ziemlich berühmt zu werden, sein neuster Roman, „Das Schloß am Meere“, findet großen Beifall,… Weiterlesen »

Hintergrund: Levin Schücking hat keine feste Stelle als Redakteur bei der Allgemeinen Zeitung in Augsburg, sondern arbeitet auf Honorarbasis.
An: Elise Rüdiger, aus: Rüschhaus
1845 9.April

Streichen Sie, z.B. bei Erwähnung des Hegel, nur das einzige Wort „studiert“ und setzen dafür „gelesen“, – Eine Dame, die auftritt als „Hegelstudirende“, macht auf der Stelle den Eindruck von Pretention – und dies liegt weit weniger im Hegel als im Studieren … Derselbe Fall ist mit der „Emanzipation der Frauen“, ihre Mutter legt zwar dem Worte einen ganz anderen Sinn unter, aber es wäre besser sie hätte sich zur Deutlichmachung ihrer Wünsche eines anderen Ausdrucks bedient, als des einmal verhaßten, der dem Bilde der Tante Traut gleich einen unangenehm männlichen Zug gibt (besonders mit dem Hegelstudieren vereint), den ihre vortrefflichen Eigenschaften späterhin kaum verwischen. Rüschhaus, 9. April… Weiterlesen »

Hintergrund: Die Droste kritisiert hier eine Erzählung von Elise von Hohenhausen, der Mutter Elise Rüdigers: Die Gattin. Eine Alltagsgeschichte. Durch Vermittlung der Droste erschien der Text in der "Kölnischen Zeitung"; Annette stellte dem Blatt im Gegenzug eigene Gedichte zur Veröffentlichung zur Verfügung.
An: Henriette von Hohenhausen, aus: Rüschhaus
1840 14.Januar

Schücking ist auch noch unversorgt und strengt sich übermäßig an, um zugleich seinen Erwerbszweigen (Sprachunterricht und literarische Arbeiten) und den nötigen Studien für sein ferneres Fortkommen genugzutun. Er sieht elend aus, klagt aber nicht. Sein Verhältnis zur Bornstedt hat übrigens nicht die von Ihnen befürchtete Richtung genommen, vielmehr ist die Rosenfarbe daran immer mehr verblichen und jetzt ein so trocknes freundschaftliches Verhältnis daraus geworden, als man es zu beider Besten nur wünschen kann. … Von meinem hiesigen Leben kann ich Ihnen wenig sagen, Sie sehen einen Tag, damit haben Sie alle gesehn. Ich schreibe, lese, was mir die Güte meiner Freunde zukommen läßt, stricke ein klein, klein wenig (abends)… Weiterlesen »

An: Therese von Droste, aus: Bonn
1830 14.Oktober

Mit Arno habe ich nicht geschrieben, weil ich gerade nach Plittersdorf geholt wurde, wo ich die Mertens sehr leidend antraf, es waren aber nur Krämpfe, und so konnte ich nach drei Tagen wieder hieher gehen. Sie brachte mich sogar selbst zurück, obgleich sie in den Tagen, die ich bei ihr war, mehrere Male vor Schmerzen ohnmächtig wurde; sie ist übrigens im ganzen ziemlich gesund jetzt; dies war nur so ein einzelner Anfall, sonst kann sie gewaltig viel vertragen und ist so gut zu Fuße, dass ich mich darüber wundern muss — sie läuft von Plittersdorf nach Bonn und wieder zurück in einem Tage, und dabei den ganzen Tag auf den Straßen umher. Mit Tony glaubt sie ganz prächtig fertig geworden zu sein, sie hat rechten Nutzen von… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
1842 12.September

Nun komme ich zu etwas, was mir eigentlich am meisten auf dem Herzen liegt, weshalb grade ich es bis zuletzt verschoben habe, Deine Lage nämlich. Wüßtest Du es, wieviel ich an Dich denke, wie manche Stunde ich wach in meinem Bette liege und mich über Deine Zukunft zergrübele und zersorge! Levin, mein einziges geliebtes Kind, Du bist in sehr schlimmer Umgebung. Das Herz ist mir so voll, ich möchte dir so alles auf einmal sagen, und doch ist’s am besten, ich warte ab, wie sich die Dinge gestalten; was nutzt’s Fälle zu erörtern, die vielleicht nicht eintreten! Aber ich fürchte, mit dem Tode der guten, wahrscheinlich totgequälten Fürstin weicht das letzte sittlich edle Bild, an dem sich eine ehrliche Seele noch aufrichten kann,… Weiterlesen »