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Nach 100 Jahren

möchte ich gelesen werden …

Die lieben Stunden in Ihrem Hause

Was denken Sie? liebe Lotte, daß ich mich wie ein Dieb in der Nacht aus Cassel gemacht habe, ohne Ihnen zuvor Ihr Eigenthum wieder zuzustellen? Es war mir bey dem Tumult der Abreise ganz aus dem Gedächtniß gekommen, und erst, wie ich schon weit vor dem Thore hinaus war, und mich noch einmahl zum Abschiede nach dem hellen schönen Cassel umsah, worüber aber jetzt die Morgennebel wie ein Wittwenschleyer lagen, vermuthlich zur Trauer über unsre Abreise, fielen mir meine Sünden aufs Herz, und hätte ich nicht ein festes Vertrauen auf Ihre Güte, so hätte ich mich wohl leicht vor den nachsetzenden Häschern fürchten können, zum Glück entsann ich mich, daß Sie ja noch ein ähnliches Kleinod von mir zum UnterpfandWeiterlesenDie lieben Stunden in Ihrem Hause

Sie denken wohl, der Gedanke sei von mir ausgegangen, aber keineswegs …

(…) Vorerst die neueste Neuigkeit (wenn sie Ihnen nicht vielleicht schon alt ist): Schücking ist hier und wird einige Zeit bleiben, um meines Schwagers Bibliothek zu ordnen. Sie denken wohl, der Gedanke sei von mir ausgegangen, aber keineswegs, obschon ich wollte, ich hätte ihn gehabt. Denn es ist ein guter Gedanke, der Schücking in ein Klima bringt, dessen seine Brust sehr benötigt war, ihm für einige Zeit Unterkommen gibt, ihn wieder an regelmäßige Beschäftigung gewöhnt und endlich ihn mit vielen nützlichen Büchern und noch nützlicheren Personen in Berührung bringt. Jetzt muß ich Sie bitten, wenn Sie Junkmann sehn sollten, ihm einzuknüpfen, daß er der Mama ja nicht sagt, daß dieser Plan bereits im Reifen war, als wir Rüschhaus verließen. DieWeiterlesenSie denken wohl, der Gedanke sei von mir ausgegangen, aber keineswegs …

„Nenn sie Hexe und Kokette, aber niemals kleine Nette!“

Was kommen Sie mir denn mit meiner steinalten, seit 25 Jahren begrabenen Koketterie? Ich habe Ihnen ja schon früher erzählt, wie wir sämtlichen Cousinen haxthausischer Branche durch die bittere Not gezwungen wurden, uns um den Beifall der Löwen zu bemühn, die die Onkels von Zeit zu Zeit mitbrachten, um ihr Urteil danach zu regulieren, wo wir dann nachher einen Himmel oder eine Hölle im Hause hatten, nachdem diese uns hoch oder niedrig gestellt. Glauben Sie mir, wir waren arme Tiere, die ums liebe Leben kämpften, und namentlich Wilhelm Grimm hat mir durch sein Mißfallen jahrelang den bittersten Hohn und jede Art von Zurücksetzung bereitet, so daß ich mir tausendmal den Tod gewünscht habe. Ich war damals sehr jung, sehr trotzigWeiterlesen„Nenn sie Hexe und Kokette, aber niemals kleine Nette!“

Jedenfalls sind wir sie los

Allein zu lesenVon der Bornstedt kann ich Dir eine lange Cantelaine erzählen, sie schreibt zuweilen ihrer letzten Hauswirtin, Madame Glaß, und vor 6—8 Wochen kamen lamentable Briefe, „sie sei in Luzern jetzt ebenso melancholisch wie in Münster, die Schweizer seien geldgierige Leute, und die Verwandten ihres Nikolaus türmten Hindernisse auf, er selbst aber halte fest in treuer Liebe“ – gleich darauf ein zweiter Brief – „Es sei ein Familienrat gehalten, und da man heraus gebracht, daß sie kein bestimmtes Einkommen besitze, werde wohl aus der Heurat nichts werden können, und sie nach Münster zurückkommen“ – Du kannst dir den allgemeinen Schrecken nicht denken! Es war wirklich lächerlich! Wo man nur einem Bekannten begegnete, da hieß es gleich „Um Gotteswillen! habenWeiterlesenJedenfalls sind wir sie los

Ich hab ja meine Pillen

Ich habe zwar sehr lange nicht geschrieben, liebste Mama, aber ich hoffe doch, daß du mir nicht böse bist, ich habe es wirklich nicht gekonnt, angefangene Briefe liegen genug in meinem Schreibtisch, aber ich habe sie nie in einem Stück fertig schreiben können, und wenn sie dann so‘n paar Tage alt waren, so wurden sie mir zuwider, und ich fing wieder Neue an, die auch nicht weiter kamen, du mußt nur nicht denken, liebste Mama, als ob ich besonders krank wäre, die Leute wollen behaupten, ich sähe besser aus, als da ich hieher kam, und es kömmt mir bisweilen selbst so vor, auf jeden Fall befinde ich mich seit dem Driburger Bade viel besser, was Leib- und Magenschmerzen und Uebligkeiten,WeiterlesenIch hab ja meine Pillen

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