Mehr über Annette von Droste-Hülshoff (hier auf einem Gemälde von Sprick)

Sie möchten Annette von Droste-Hülshoff kennenlernen? Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin, erfahren Sie mehr über ihren Alltag, ihre Arbeit, ihr Privatleben und den Briefverkehr zu ihrer Zeit. Lernen Sie ihre Wohnorte kennen, verfolgen Sie ihre Korrespondenz mit Zeitgenossen, und gehen Sie mit Annette von Droste-Hülshoff auf Reisen.

300 Briefauszüge der Dichterin sind hier verfügbar, kategorisiert und verschlagwortet. Auch alle Kommentare sind authentisch und stammen von Zeitgenossen.

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!


An: Anna von Haxthausen, aus: Wehrden
1820 1.Dezember

Ich habe lange gewankt, ob ich Deinen harten Brief beantworten sollte, liebe Anna, denn ich war entschlossen, Alles über mich ergehen zu lassen; was soll ich den anderen auch sagen, sie wissen ja eigentlich nichts, und zudem muss ich büßen für manches, was Du auch nicht weißt, und dazu ist ihre Übereilung recht gut, denn es ist schrecklich, sich so stillschweigend von allen Seiten verdammen zu lassen; aber Du kömmst mir zu tief ins Leben, denn Du weißt viel mehr wie die anderen, und doch tust Du ebenso unwissend hart und ebenso verwunderte Fragen, da Du doch die Antworten weißt. Hör, Anna, ich will Dir allerhand sagen, nicht, als ob ich nicht alles tausendmal verdient hätte, sondern weil du mich frägst und zuviel weißt, um… Weiterlesen »

An: Dorothea von Wolff-Metternich, aus: Hülshoff
1821 22.September

Ich habe jetzt sehr wenig Zeit, denn der Onkel Max hat mir ein selbstverfasstes Werk über den Generalbass geschenkt. (Eine Abschrift, denn es ist nicht im Druck.) Was folgt daraus? Dass ich aus Dankbarkeit das ganze Werk von Anfang bis zu Ende durchstudiere und auswendig lerne! Ich kann nicht sagen, daß ich es ungern tät, oder dass es mir schwer würde, da ich schon manche andere Werke über den Generalbass kenne, aber ich muss fast meine ganze Zeit daran setzen. Außerdem wird jetzt fleißig hier im Hause gearbeitet, Jenny spielt und singt mit großem Eifer, da sie glaubt, in ihrer Abwesenheit Manches verlernt zu haben. Tony und Elise malen den ganzen Tag auf Sammet, Tony weiße und gelbe Narzissen und Elise ein Rosenbouquett,… Weiterlesen »

Hintergrund: Annette bekommt das Werk "Eine Erklärung über den Generalbass und die Tonsetzkunst überhaupt" von ihrem Onkel Maximilian Friedrich von Droste-Hülshoff zum Geschenk.
Das andere Nettchen Droste ist vermutlich die Cousine Antoinette von Droste-Stapel.
An: Anton M. Sprickmann, aus: Hülshoff
1819 8.Februar

O mein Sprickmann, ich weiß nicht, wo ich anfangen soll, um Ihnen nicht lächerlich zu erscheinen, denn lächerlich ist das, was ich Ihnen sagen will, wirklich, darüber kann ich mich selber nicht täuschen. Ich muss mich einer dummen und seltsamen Schwäche vor Ihnen anklagen, die mir wirklich manche Stunde verbittert; aber lachen Sie nicht, ich bitte Sie noch einmal, mein Plagedämon hat einen romantischen und geckenhaften Namen, er heißt „Sehnsucht in die Ferne“; nein, nein, Sprickmann, es ist wahrhaftig kein Spaß. Sie wissen, dass ich eigentlich keine Törin bin; ich habe mein wunderliches, verrücktes Unglück nicht aus Büchern und Romanen geholt, wie ein jeder glauben würde. Aber niemand weiß es, Sie wissen es ganz allein,… Weiterlesen »

Hintergrund: Otaheite lautet der ursprüngliche Name von Tahiti.
An: Therese von Droste, aus: Hülshoff
1820 9.Oktober

Du weißt, liebste Mutter, wie lange die Idee dieses Buchs in meinem Kopfe gelebt hat, bevor ich sie außer mir darzustellen vermochte. Der betrübte Grund liegt sehr nahe, in dem Unsinne, dem ich mich recht wissentlich hingab, da ich es unternahm, eine der reinsten Seelen, die noch unter uns sind, zu allen Stunden in Freud und Leid vor Gott zu führen, da ich doch deutlich fühlte, wie ich nur von sehr wenigen Augenblicken ihres frommen Lebens eine Ahnung haben könne, und wohl eben nur von jenen, wo sie selbst nachher nicht recht weiß, ob sie zu den guten oder bösen zu zählen. Es würde somit fast freventlich gewesen sein, bei so heiligen Dingen mich in vergeblichen Versuchen, ich möchte sagen herumzutummeln, wenn nicht der Gedanke,… Weiterlesen »

Unter der Feder: Geistliches Jahr
An: Maria Anna von Haxthausen, aus: Hülshoff
1821 2.Dezember

Unser lieber Werner, der Ihnen, liebste Großmutter, diesen Brief überbringt, wird Ihnen sagen, wie sehr wohl wir uns gottlob jetzt hier alle befinden; ich kann sagen, dass mir jetzt gottlob körperlich nichts fehlt, und ich habe die Aussicht, noch wohl gar eine recht feste Gesundheit zu bekommen, was ich nie mehr gehofft. Auch Ferdinand hat jetzt schon lange über nichts mehr geklagt; und unsre lieben Eltern, die ich zuerst hätte nennen sollen, wie auch Jenny und überhaupt alles hier im Hause genießt der besten Gesundheit, so dass ich glaube, dass dieses schlechte Wetterjahr vielleicht desto besser für die Gesundheit gewesen ist, selbst der alte Gärtner Franz, von dem wir im vorigen Winter glaubten, er werde den Frühling nicht… Weiterlesen »

Hintergrund: Der jüngere, stets schwächliche Bruder Ferdinand (Fente) ist an einer Lungentuberkulose erkankt. Er wird am 15. Juni 1829 sterben.
Die ältere Freundin in Koblenz, Generalin Thielmann, leidet an Demenz.
An: Clemens-August von Droste, aus: Bökendorf
1819 18.September

Du schreibst mir, ich soll im Oktober herüberkommen; da ich mich aber so durchaus wohl befinde und die hiesigen Ärzte behaupten, dass gerade die Bergluft dasjenige wäre, wovon ich auf Dauer meine völlige Genesung erwarten müsste, so wollen die Großeltern noch nichts von Abreisen hören. Was mich anbelangt, so tue ich das, was Ihr über mich beschließt, auf jeden Fall mit Freuden. Ich will nicht leugnen, dass ich sehr gern mal wieder bei Euch wäre, aber doch kann ich versichern, dass ich, sooft ich an Euch denke, doch nicht eigentlich das Heimweh habe, wie die Frau von Korff meinte; freilich bleibt einem das väterliche Haus natürlich immer das liebste, und es ist eine außerordentliche Freude, wenn man in einer fremden Gegend… Weiterlesen »

Hintergrund: Die Droste ist am 10. April 1819 zu den Großeltern nach Bökendorf abgereist und unterzieht sich von dort aus von Ende Juni bis Anfang September in Bad Driburg einer Kur wegen Leib- und Magenschmerzen, Übelkeiten, Kopfweh. Nach ihrer Rückkehr nach Bökendorf trifft sie dort auf den ihr zugetanen Heinrich Straube. Die Heimkehr nach Hülshoff wird auf das Frühjahr 1820 verschoben.
Für bestimmte Tageszeiten - die bewussten Stunden - hat Annette offenbar mit ihrer Familie verabredet, aneinander zu denken.
An: Marie Antoinette Sprickmann, aus: Hülshoff
1813 14.April

Meine liebe liebe Rätin, mit der größten Angst schreibe ich diese Zeilen, und doch ist das arme Herz nicht eher ruhig, bis sie geschrieben sind. Einige Äußerungen, die ihnen gestern unwillkürlich entfuhren, bestärken mich in der Meinung, o Gott, werden Sie doch nicht böse, dass es Ihnen wohl zuweilen an manchen fehlen möchte, und da ward mir so bange, und ich hatte keine Ruh, bis ich mich zu wagen entschloss, Ihnen das wenige, was in meinen Kräften steht, anzubieten, Sie können es mir ja gelegentlich wiedergeben, wenn Sie die Angst sähen, womit ich dies schreibe, so hätten Sie Mitleid mit mir und wären gar nicht böse, Sie werden auch gewiss nicht böse, denn Sie wissen wohl, dass ich es nicht übel meine, und das es alles… Weiterlesen »

Hintergrund: Die Sprickmanns sind Freunde der Familie, sie wohnen in Münster der Stadtwohnung der Droste-Hülshoffs gegenüber. Anton Matthias Sprickmann arbeitet, um über die Runden zu kommen, neben seiner Tätigkeit als Dozent an der juristischen Fakultät auch als Tribunalrichter. Diesen Job verliert Sprickmann jedoch im Februar 1813. Bereits seit 1811 hat er das Angebot für einen Lehrstuhl an der Uni Breslau, dem er gerne folgen würde - die französische Regierung (Westfalen steht bis 1813 unter napoleonischer Herrschaft) stellte sich jedoch bislang quer.
An: Anna von Haxthausen, aus: Hülshoff
1821 7.Oktober

O Gott, ich kann nicht bergen Wie angst mir vor den Schergen Die du vielleicht gesandt In Krankheit oder Grämen Die Sinne mir zu nehmen Zu töten den Verstand. Es ist mir oft zu Sinnen Als wolle schon beginnen Dein schweres Strafgericht Als dämmre eine Wolke Doch unbewusst dem Volke Um meines Geistes Licht. Aus: „Am Gründonnerstage“ Teil des Gedichtzyklus „Das Geistliche Jahr“ Ich schreibe jetzt zuweilen an der Ledwina, die gut werden wird, aber so düster, dass mich zuweilen das Abschreiben daran jedesmal sehr angreift; starkes Arbeiten ist mir überhaupt sonst sehr erleichternd. Nach der Stimmung der geistlichen Lieder darfst Du meine jetzige nicht beurteilen, die gottlob viel anders und heller ist; vorzüglich… Weiterlesen »

Hintergrund: Die Erzählung "Ledwina" ist Fragment geblieben.
An: Anton M. Sprickmann, aus: Hülshoff
1819 8.Februar

Was mein damals angefangenes Trauerspiel anbelangt, so habe ich es noch fortgesetzt bis zum dritten Akt, dann blieb es liegen, und jetzt wird es auch wohl ferner liegen bleiben. Es enthält zwar mitunter ganz gute Stellen, aber der Stoff ist übel gewählt, hätte ich es in damaliger Zeit fertig gemacht, wo ich dieses noch nicht einsah, sondern mir im Gegenteil diese Idee sehr lieb und begeisternd war, so war es wohl so übel nicht geworden, aber es ist ein entsetzlicher Gedanke einen Stoff zu bearbeiten, für den ich nicht die mindeste Liebe mehr habe, es ist mir leid, ich wollte, dass ich es damahls fertiggemacht hätte. Außerdem habe ich in dieser Zeit nichts Bedeutendes aufzuweisen außer einer Anzahl Gedichte, wovon verschiedene… Weiterlesen »