Mehr über Annette von Droste-Hülshoff (hier auf einem Gemälde von Sprick)

Sie möchten Annette von Droste-Hülshoff kennenlernen? Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin, erfahren Sie mehr über ihren Alltag, ihre Arbeit, ihr Privatleben und den Briefverkehr zu ihrer Zeit. Lernen Sie ihre Wohnorte kennen, verfolgen Sie ihre Korrespondenz mit Zeitgenossen, und gehen Sie mit Annette von Droste-Hülshoff auf Reisen.

300 Briefauszüge der Dichterin sind hier verfügbar, kategorisiert und verschlagwortet. Auch alle Kommentare sind authentisch und stammen von Zeitgenossen.

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!


An: Luise Schücking, aus: Meersburg
1844 17.Januar

Zürnen Sie mir nicht, meine liebe junge Freundin, wenn ich Ihre mir so herzlich lieben Briefe diesmal nur sehr kurz beantworte. Diese Zeilen sollen keinen Brief weder bedeuten noch dafür gelten. Sie sind nur ein flüchtiges Zeichen, dass ich Sie liebe und Ihrer gedenke. Ein Gruß, ohne den ich das Paket, mit dem es, wie Levin behauptet, große Eile hat, dennoch nicht mag abgehen lassen, und vor allem eine Warnung, die Pantoffeln doch ja nicht zu schonen. Ich bin eine Person, die gern zu guten Zwecken beiträgt, und werde mit Vergnügen fortwährend den nötigen Bedarf liefern. Deshalb brauchen Sie sie, liebe Luise, brauchen Sie sie mutig und wachsam! Es werden schon neue heranwachsen. Striegeln und streicheln Sie das kleine Pferd… Weiterlesen »

Hintergrund: Der zunächst für Ostern geplante Besuch des Ehepaars Schücking in Meersburg findet im Mai 1844 statt.
Als Geschenk für Luise schickt die Droste ein Paar selbstgemachte Pantoffeln. Levin greift diesen Wink in einem Brief selbstironisch auf.
An: Anton M. Sprickmann, aus: Hülshoff
1814 20.Dezember

An meinem Trauerspiele habe ich bis vor zwei Wochen noch immer fortgeschrieben und werde auch jetzt wieder dabei anfangen; es geht etwas langsam, aber doch hoffe ich, es gegen den Frühling fertig zu bekommen. Ich wollte, es stände sogleich auf dem Papiere, wie ich es denke, denn hell und glänzend steht es vor mir in seinem ganzen Leben, und oft fallen mir die Strophen in großer Menge bei; aber bis ich sie alle geordnet und aufgeschrieben habe, ist ein großer Teil meiner Begeisterung verraucht, und das Aufschreiben ist bei weitem das mühsamste bei der Sache. Doch kömmt es mir vor, als ob sich meine Schreibart besserte, dies sagen mir auch alle, denen ich es auf Verlangen meiner Mutter vorlas; aber ich fürchte immer, dass diese… Weiterlesen »

Unter der Feder: "Bertha"
Hintergrund: Anton Matthias Sprickmann, Freund und Förderer aus Münster, ist 1814 nach Breslau gezogen. Vor seinem Weggang hat er Annettes Arbeit an ihrem Trauerspiel "Bertha" literarisch betreut.
An: Sophie von Haxthausen, aus: Rüschhaus
1830 7.Juli

Wenn Du mich für einen schändlichen Windbeutel und Faulenzer hältst, meine alte Sophie, so tust Du mir aber dieses Mal denn doch Unrecht, obgleich ich durch meine frühren Schreibsünden allen möglichen Argwohn verdient habe und also über nichts klagen darf. Aber dieses Mal müssen doch die Wäscherin und Bönninghausen die Schuld tragen — die Erstere hat den Schal erst gestern geschickt, und Doktor Büninghusen ist fortwährend verreist gewesen, und ich habe ihn erst vorgestern auf einige Minuten, durch die Bückersche, können arrettieren, und zur Durchlesung des dritten Briefs, den ich seitdem geschrieben, zwingen lassen. Er war erst seit zwei Tagen zurück, hatte diese Zeit über gar nicht zu Bette gehn können, so waren die… Weiterlesen »

Hintergrund: Die Droste übermittelt hier Dosierungs- und Ernährungsempfehlungen ihres inzwischen sehr gefragten - Homöopathen Bönninghausen an ihre Stieftanten Ludowine und Sophie von Haxthausen.
Die Bückersche ist eine Verwandte von Annettes Amme Katharina Plettendorf und arbeitet im Rüschhaus. Sie ist u.a. für die Botengänge nach Münster zuständig.
An: Wilhelm Junkmann, aus: Rüschhaus
1839 17.November

Ein Schriftsteller ums liebe Brot ist nicht nur Sklave der öffentlichen Meinung, sondern sogar der Mode, die ihn nach Belieben reich macht oder hungern läßt, und wer nicht gelegentlich sein Bestes und am tiefsten Gefühltes, Überzeugung, Erkenntnis, Geschmack, verleugnen kann, der mag sich nur hinlegen und sterben, und der Lorbeer über seinem Grabe wird ihn nicht wieder lebendig machen. … Ich bin in diesem Sommer sehr fleißig gewesen und habe an dem „Geistlichen Jahr“ dermaßen nachgearbeitet, dass ich bei meiner Abreise mit der laufenden Zeit gleich war und dem Jahresschluß bedeutend vorzueilen hoffte. Seitdem bin ich in Rückstand gekommen, teils war ich krank, teils anderweitig verhindert, hatte allmählich auch einen… Weiterlesen »

An: Elise Rüdiger, aus: Rüschhaus
1844 12.Dezember

Aber, lieb Herz, was schreiben Sie mir von der Möglichkeit einer Trennung! Glaubte ich es, so würde mir todangst; indessen haben Sie dies so oft, gottlob umsonst, gefürchtet, dass der Gedanke gar nicht bei mir haften will. Warum sollte R vom neuen Oberpräsidenten (den wir noch nicht mal erraten können) zurückgesetzt werden? Von einer Spannung zwischen R und Devigneau haben Sie mir freilich schon früher gesagt, aber übrigens ist die allgemeine Stimme so für R. Ich habe seiner, sowohl was Charakter als Kenntnisse und Fleiß anbelangt, nie anders als mit ausgezeichneter Achtung erwähnen hören (und ich bin oft in diese Gelegenheit gekommen), so dass ich meine, Devigneau kann es nicht wagen, einen so allgemein geschätzten und… Weiterlesen »

Hintergrund: Elises Mann, Regierungsrat Karl Ferdinand Rüdiger, wird 1845 nach Minden versetzt.
An: Pauline von Droste, aus: Rüschhaus
1845 27.Oktober

Ich werde diesen Winter sehr einsam verleben. In meinem Alter nimmt die Lust, neue Bekanntschaften zu machen (und Du weißt, diese war bei mir nie groß), gewaltig ab, und mein früherer Zirkel ist gänzlich aufgelöst, auseinander gestäubt wie ein Haufen Flaumfedern. Die gute Rüdiger war mir noch zuletzt geblieben, ist aber seit vierzehn Tagen auch fort, nach Minden, wohin ihr Mann mit gleichem Range, aber einer Gehaltsverbesserung versetzt ist. Die Einsamkeit wird mich nun zwar eben nicht genieren (Du weißt, sie ist eigentlich meine Liebhaberei), aber doch vermisse ich einige der alten Bekannten sehr ungern, namentlich eben die Rüdiger, eine Frau, auf die ich mich in jeder Beziehung verlassen, und immer ihrer wärmsten Teilnahme… Weiterlesen »

An: Christoph B. Schlüter, aus: Rüschhaus
1835 27.März

… meine gute Schwester schreibt oft und sehr zufrieden. Ihr Mann trägt sie auf den Händen und überhäuft sie mit solchen Geschenken, die ihr Freude machen, z. B. mittelalterlichen Seltenheiten und Treibhauspflanzen. Die Gegend ist unvergleichlich, die Nachbarn zuvorkommend. Dabei hat sie Schwäne, die aus der Hand fressen, Pfauen, die weiß, und Vögel, die gar zu zahm und lieb sind; und dennoch, o Himmel! wie jammert sie nach uns! Ich habe wohl gedacht, dass es nachkommen würde; warum ist sie mit dem fremden Patron fortgegangen? Nun müssen wir aufpacken und durch gute und böse Wege hinrumpeln, damit die armen Seelen Ruh bekommen, d. h. die ihrige und die unsrige dazu. Doch seit einigen Wochen sind Umstände eingetreten, die… Weiterlesen »

Hintergrund: Äquinoktium: Tag- und Nachtgleiche; ausführliche Erläuterung bei Wikipedia.
An: Elise Rüdiger, aus: Meersburg
1843 20.November

Den 19ten. Guten Morgen, altes Lies, es ist Sonntag, und ganz heimlich unser beider Namenstag dazu. Ich glaube nicht, dass im Schlosse jemand daran denkt, aber ich habe schon im Bette daran gedacht, d. h. an Sie, mein Lies, und Ihnen, bien ou mal, ein Stück Novembermorgen-Poesie zum Frühstück gebraten. Da haben Sie die Schüssel, wie sie ist! Noch mit unabgewischtem Rande, aber gut gemeint, und jedes Wort wahr darin. Ach, ich habe mich wieder so arg nach Ihnen gesehnt, dass es ganz unausstehlich war und ich mir fast einbildete, ich sei krank und könne nicht in die Kirche gehn, förmlich bei den Ohren habe ich mich dazu nehmen müssen, und merke doch nun, dass mir eigentlich nichts fehlt als Sie. An Elise. Am 19. November… Weiterlesen »

Hintergrund: Annette von Droste heißt eigentlich Anna Elisabeth, genauer: Anna Elisabeth Franzisca Adolphine Wilhelmine Louise Maria von Droste-Hülshoff. Von kleinauf wird sie - man kann es verstehen - Annette gerufen.
An: Luise Schücking, aus: Meersburg
1844 15.September

Meine Schwester, die Ihnen selbst schreiben wollte, aber sich seit einigen Tagen durch Einfluß des Äquinoktiums zu unwohl dazu befindet, läßt sie bitten, ihr doch zu sagen, was es für eine Bewandtnis mit den zehn oder zwölf Gedichten hat, die Sie Ihnen für das „Morgenblatt“ mitgegeben, da jetzt, nach drei Monaten, noch nicht ein einziges davon erschienen ist. Sie glaubt daraus schließen zu müssen, dass Cotta ihnen entweder die Aufnahme verweigert hat oder Sie aus irgendeinem Grunde es sonst nicht passend gefunden haben ihm dieselben fürs „Morgenblatt“ zu geben. In diesem Falle wünscht sie sie dann einem der andern Blätter zu geben, und läßt Sie deshalb um Nachricht hierüber bitten, aber womöglich mit umgehender… Weiterlesen »

Hintergrund: Bei dem Gedicht, das die Droste nun doch lieber nicht veröffentlicht sehen möchte, handelt es sich um Lebt wohl!, das sie aus Anlass des Abschieds des Ehepaars Schücking von der Meersburg am 30. Mai 1844 geschrieben hat. Der Wunsch kommt jedoch zu spät; das Gedicht ist bereits am 28. August 1844 in Cottas Morgenblatt erschienen. Bei der Abreise aus Meersburg hat Schücking neben diesem noch weitere Gedichte mitgenommen, von denen die meisten nach und nach im Morgenblatt zum Abdruck kommen.