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Nach 100 Jahren

möchte ich gelesen werden …

Annette von Droste-Hülshoff in Briefen

Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin. Erfahren Sie mehr über ihren Alltag, über Droste als Dichterin und Briefschreiberin, ihr Privatleben, ihre Familie und Freund:innen und über den Briefverkehr im 19. Jahrhundert. Lernen Sie ihre Wohnorte wie die Burg Hülshoff, das Rüschhaus oder Meersburg in Multimedia-Storys kennen. Oder chatten Sie doch mal mit Annette! Viel Spaß!

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Ich habe viel Angst um sie ausgestanden 

Du siehst aus diesem langen Bogen, liebste, beste, alte Mama, daß ich wenigstens den Willen habe, recht viel zu schreiben. Ob ich dazu komme, das weiß Gott; obgleich ich nichts, gar nichts zu tun habe und auch nirgends hingehe. Aber ich habe mein Nichtstun so künstlich eingeteilt, daß mir keine Minute übrigbleibt und ich den ganzen Tag wie auf der Flucht bin. Du kannst meine höchst einfache und pünktliche Lebensordnung schon aus meinen früheren Briefen beurtheilen. Eben in derselben Form besteht sie noch immer. Ich lebe so sehr nach der Uhr, daß ich mich ganz desorientiert fühle, sobald ich mal etwas anderes vorgenommen habe. (…) Wir sind hier Gottlob Alle wohl, nur Pauline kann noch immer nicht wieder zu ihremWeiterlesenIch habe viel Angst um sie ausgestanden 

Diese fast fieberhafte Unruhe  

(…) Es geht jetzt in Münster ein, wie man sagt, sehr hübsches Gedicht auf den westfälischen Frauenverein herum, wovon man mich mit aller Gewalt zur Verfasserin machen will; ich muß mich überall mit Händen und Füßen gegen dies ungerechte Gut verteidigen und werde es zu bekommen suchen, weil doch meine Eitelkeit ein wenig dabey interessiert ist zu sehen, wessen Geistes Kind es sei. Einige legen es auch der Madame Schücking, Ihrer Cousine, zu; sollte dies so sein, so interessiert es mich doppelt, sowie alles, was von diesem herrlichen und seltenen Weibe kömmt, zu der ich eine so eigne und innige Hinneigung fühle, daß ich sie bey unsrer geringen Bekanntschaft durch ihre mannigfaltigen schönen und anziehenden Eigenschaften kaum erklären kann. VielleichtWeiterlesenDiese fast fieberhafte Unruhe  

Mir stehen jetzt hoffentlich viele Buchhandlungen Deutschlands offen

(…) Sie schreiben mir, Hauff habe behauptet, die „Judenbuche“ sei von Ihnen; folglich ist die Rede von mir und ohne Zweifel auch von meinen Gedichten und meiner Absicht, sie Cotta anzubieten, gewesen. Warum schreiben Sie mir nichts Näheres darüber? Ich begreife dieses nicht; günstige Äußerungen würden Sie sich gewiß eine Freude gemacht haben mir mitzuteilen, und ungünstige mir eben so wenig vorenthalten haben, da Sie mich doch gewiß nicht der Demütigung einer abschlägigen Antwort oder eben so demütigender schlechter Bedingungen aussetzen wollen, während mir doch jetzt, Gottlob, hoffentlich viele Buchhandlungen Deutschlands offen stehn. Hüffer und Velhagen sind mir gewiß, und ich glaube auch auf die Verleger der Cölner Zeitung und des Abendblatts rechnen zu können; wer sich so eifrig umWeiterlesenMir stehen jetzt hoffentlich viele Buchhandlungen Deutschlands offen

Ich verstehe nichts von Interpunction

(…) Ich lege erst in diesem Moment das beykommende Paket aus der Hand, und die Finger zittern mir noch vom angestrengten Schreiben. Zudem erwarten wir jeden Augenblick unseren weiblichen Spitzbuben, die Madame Bücker, welche dieses zur Post bringen soll. O Himmel, ich habe keinen Gedanken mehr im Kopfe, so habe ich mich zuschanden geschrieben. Laßberg wird sagen, die Hälfte oder das Drittel sei genug gewesen, aber ich wollte meinem unbekannten Gönner in spe, dem Herrn Doktor Schwab, eine Auswahl lassen. Bitte Deinen guten Laßberg doch, daß er sich der Sache annimmt, ich bin noch nicht im reinen mit mir, wegen der alten und neuen Orthographie, und habe sie hier schändlich durcheinandergeworfen, in vielen Worten das h bald ausgelassen, bald gebraucht,WeiterlesenIch verstehe nichts von Interpunction

Betreffs der Moneten …

(…) Was Du mir in Betreff der Moneten schreibst, liebste Mama, ist mir sehr erfreulich gewesen, ich habe noch etwas und hoffe damit auszukommen, aber ich dachte, ich müsste noch viel wieder mitbringen, von wegen des vielen Geldes, was Ihr mir geschickt habt, was aber großenteils die gelbgelockte Nymphe zu Driburg unters Wasser gezogen hat. Was meinst Du, Mama, da kriegt man mal wenig fürs Geld und muß noch obendrein für Sachen bezahlen, die man nicht kriegt, und für Dienste, die einem nicht geleistet werden, z.B. den Tafeldecker, wenn man, wie ich, auf seinem Zimmer isst, den Brunnenmeister, wenn man, wie ich, keinen Brunnen trinkt, die Badefrau, wenn man, wie ich, eine eigne Bedienung bey sich hat. Ich wollte auchWeiterlesenBetreffs der Moneten …

Die geistlichen Lieder dürfen erst nach meinen Tode öffentlich erscheinen

(…) Schücking ist auch noch unversorgt und strengt sich übermäßig an, um zugleich seinen Erwerbszweigen (Sprachunterricht und literarische Arbeiten) und den nötigen Studien für sein ferneres Fortkommen genugzutun. Er sieht elend aus, klagt aber nicht. Sein Verhältnis zur Bornstedt hat übrigens nicht die von Ihnen befürchtete Richtung genommen, vielmehr ist die Rosenfarbe daran immer mehr verblichen und jetzt ein so trocknes freundschaftliches Verhältnis daraus geworden, als man es zu beider Besten nur wünschen kann. (…) Von meinem hiesigen Leben kann ich Ihnen wenig sagen, Sie sehen einen Tag, damit haben Sie alle gesehn. Ich schreibe, lese, was mir die Güte meiner Freunde zukommen läßt, stricke ein klein, klein wenig (abends) und bin zur Abwechslung mitunter unwohl. Geschrieben habe ich eineWeiterlesenDie geistlichen Lieder dürfen erst nach meinen Tode öffentlich erscheinen

Dass die Bornstedt lieber erfriert und verhungert …

(…) Zu meinem Gedichten ist noch manches recht Gelungene hinzugekommen, und die Pastete bald gar. Dann habe ich aber einen Plan damit, den ich Dir nur im Vertrauen mitteile, und über den ich voraussehe, sehr ausgeschumpfen zu werden. Liebes Herz, die arme – freylich nicht besonders schätzbare – Bornstedt ist sehr, sehr unglücklich, von jedermann verlassen, in eine Melancholie versunken, daß man allgemein für ihren Verstand fürchtet, von ihrem Liebhaber fortwährend schändlich betrogen und geplündert – während man in ihrem jetzigen Zustande es nicht wagen darf, eine Aufklärung herbeyzuführen – und gewiß in großer Geldnot, vielleicht hungernd, obwohl sie alle dergleichen Andeutungen mit stolzer Empörung zurückweist; aber sie hat keine einzige Stunde mehr. Nähern werde ich mich ihr nie wieder,WeiterlesenDass die Bornstedt lieber erfriert und verhungert …

Die Schweiz – öd, trist und lebensgefährlich!

(…) Wir haben viel ausgestanden in diesem Jahr! Obgleich niemand schuld daran ist, denn Laßberg und Jenny haben zu unsrer Erheiterung getan, was sie konnten, und unter anderen Umständen würden wir uns vielleicht hier sehr wohl befunden haben. Aber vorerst hast Du kaum einen Begriff von der Öde eines hiesigen Winters, wenigstens wie wir ihn erlebt haben – fast sechs Monate lang Schnee, schon im Oktober lag er einigemal so tief, daß man nicht wußte, wie man die Weinlese bewerkstelligen solle. Von der Mitte November an blieb er liegen, ohne einen Tag Tauwetter bis hoch im März, und noch fast durch den ganzen April war es den einen Tag grün und den andern weiß. Das schlimmste aber war ein Nebel,WeiterlesenDie Schweiz – öd, trist und lebensgefährlich!

Die Zyklen des Geschmacks

Ihre Erzählung im „Morgenblatte“ habe ich gelesen, von so weit an es mir möglich war; die Blätter liegen nämlich nur bis zum Schluß des Monats im Museum vor, wo sie dann geheftet werden und fortan nur im Lesezirkel zu erhalten sind, in dem die schlechte Gewohnheit herrscht, daß man die neuesten Hefte, statt sie wieder einzuliefern, einander leiht, so daß sie oft Monate lang nicht zu haben sind: so stehn Ihre ersten Nummern im Maiheft, und ich habe sie noch nicht erwischen können. Doch enthalten, denke ich mir, die Juniblätter wohl den größeren Teil, und hiernach zu urtheilen, muß ich diesem Ihrem neuesten Produkt unbedingt den Vorzug vor allen früheren, auch der „Maske“, geben; es liegt eine tiefe Herzlichkeit, eineWeiterlesenDie Zyklen des Geschmacks

Zuarbeit zum Westfalen-Buch

(…) und NB. was stellt das für, daß Du behauptest, gar kein Material zu haben? Wo sind denn diejenigen glänzenden, poetischen, gediegenen, mit (Gesichts-)Schmerzen gebornen „jüngsten Kinder meiner Laune“, die ich dir in meinem letzten Briefe von Meersburg gesendet? Heißt es hier wirklich: parturiunt montes, nascetur ridiculus mus[1]lat. die Berge kreisen und gebären eine Maus? Zu deutsch: Kannst Du wirklich ganz und gar nichts davon brauchen? Mich dünkt, es kamen doch eine Masse schöner Gebräuche darin vor, die es nicht verdienten, so ganz für die Hunde zu gehn. Wirklich, konntest Du nicht wenigstens einiges umarbeiten? Sag‘ es mir nur frei heraus, du weißt, ich hülle mich dann in meine Größe, und tröste mich mit deinem schlechten Geschmacke. (…) Ferner: RüdigerWeiterlesenZuarbeit zum Westfalen-Buch

Nur unter meinen Bedingungen!

(…) Auch einen sehr dringenden Antrag von Berlin habe ich bekommen; vom Huber (Verfasser der „Skizzen von Spanien“), um seinem Blatte (den Titel habe ich vergessen), dessen Tendenz allerdings der meinigen gleichlaufend scheint, beyzutreten. Onkel August meint, Huber sei geneigt, mir ausnahmsweise acht Louisdor p. Bogen zu geben. Das wäre freylich Geld! Ich glaube aber noch nicht daran und habe August auch nicht gefragt, worauf er seine Meinung eigentlich basiert. Dieser August sagt, Hubern sei sehr an meinem Beitritt gelegen. Die Male auch, mit welchen beiden er darüber geredet hat. So habe ich auch die letztere schreiben lassen, Huber möge mir selbst schreiben und genau seine Bedingungen angeben. Jedenfalls würde ich mir aber drei Punkte vorbehalten: 1stens zu keinen BeiträgenWeiterlesenNur unter meinen Bedingungen!

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