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Nach 100 Jahren

möchte ich gelesen werden …

Annette von Droste-Hülshoff in Briefen

Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin. Erfahren Sie mehr über ihren Alltag, über Droste als Dichterin und Briefschreiberin, ihr Privatleben, ihre Familie und Freund:innen und über den Briefverkehr im 19. Jahrhundert. Lernen Sie ihre Wohnorte wie die Burg Hülshoff, das Rüschhaus oder Meersburg in Multimedia-Storys kennen. Oder chatten Sie doch mal mit Annette! Viel Spaß!

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„Man muß sie morden …“

Welches Plaisir! da Mama und die Geschwister wiederkamen, aber keineswegs eine gewiße Sophie, ich hätte in selbigem Falle auch gewiß das bißchen Fett, was ich mir seit kurzem zugelegt, binnen drei Tagen wieder verloren, und noch einiges Mehreres von meinem geringen Vermögen dazu. — Nette Stoffel ist noch denselben Abend in dem fürchterlichsten Wetter nach Stapel gerannt, um dort ihren brennenden Durst nach Mitteilung zu befriedigen, denn ich will dir wohl sagen, daß sie alles Unweibliche was sie auf der Reise gesehn, deinen Vater nicht ausgenommen, zu ihren Eroberungen rechnet — vor allen aber August Haxthausen, weil er sie bisweilen wie eine Kuh bey der Kette herum geschleppt hat, und deinen Bruder Clemens, weil er ihr einmahl, da es kaltWeiterlesen„Man muß sie morden …“

Silvesterbrief

Du lieber Gott, ich soll schreiben und liege schon im Bette und muß noch obendrein nachher einen Teil der Nacht wachen. So soll es mich denn wundern, wie sich Engelbert und Fanny als junges Ehepaar machen werden, obn dieses neue Verhältnis für uns so sehr angenehm ausfallen wird, als wir uns es jetzt wohl denken, und ob, übers Jahr, die kerkeringsche Familie sich wohl um ein Mitglied wird vermehrt haben. Ferner, wie es Fritz Böselager gehen wird, von dem heute Abend bey Tische viel geredet worden, und was es mit Linchen Borg und Dolfs gibt; das sind lauter Dinge, worauf ich neugierig bin. Gott gebe, daß die gute Engel auch endlich einen einigermaßen sicheren Aufenthalt gefunden hat. Wenn dieses gelesenWeiterlesenSilvesterbrief

August weiß sich nicht zu benehmen

(…) meines Onkels Werner kleines Töchterchen soll ein wahrer kleiner Engel sein, ich kenne es noch nicht, da ich seit sechs Jahren nicht in Bökendorf gewesen bin, um das Zusammensein mit meinem Onkel August Haxthausen zu vermeiden, dem ich, aus hinlänglichen Gründen, nicht eben gar zu hold bin, und dem es zu sehr an Takt gebricht, um, bey einem gespannten Verhältnisse, sich einigermaßen anständig zu benehmen. Ich habe Proben davon! Indessen kann mir all mein Hüten zu nichts helfen, denn Jenny hat mir die angenehme Nachricht gegeben, daß der August einen Teil dieses Winters in Münster zuzubringen gedenkt — ich möchte lieber auf der Stelle hundert Taler bezahlen! (…)

Nun tun alle die Mäuler auf

(…) In Münster hat sich bey der Rätin Rüdiger (einer sehr netten und anspruchslosen Frau und Tochter der bekannten Elise von Hohenhausen) ein kleiner Klub von angehenden Schriftstellern gebildet, die jeden Sonntag abends dort zusammenkommen, um zu deliberieren und einander zu kritisieren. Er besteht aus einer Tante der Rüdiger, Henriette von Hohenhausen (die ein Bändchen sehr hübscher Erzählungen geschrieben hat), der Bornstedt, Levin Schücking, Junkmann und meiner Wenigkeit, wenn ich mal grade in Münster bin. Der Bornstedt ihre Schreiberei bedeutet nicht viel, doch verdirbt sie keinen Stoff ganz, ist in alle Sättel gerecht, und liefert, wie die Verleger es verlangen, bald eine Erzählung, bald einen Operntext, Gedichte, Heiligenlegenden, aber immer anonym, und hat schon viel Geld damit verdient. Du hastWeiterlesenNun tun alle die Mäuler auf

Nächtliche Lektüre

(…) Ich habe die Reisenovellen erst eben zu Ende gebracht, da ich sie erst gestern abends spät erhielt, mag aber doch nicht einschlafen, ohne Ihnen, liebste Freundin, ein herzliches und dankendes Wort gesagt zu haben für die Güte, mit der Sie mir den endlosen Schnee zu verzuckern suchen. Das Buch könnte man eher alles andre, auch schlimmere nennen als unbedeutend, und ich würde es nicht gelesen zu haben für einen Verlust halten. Es regt eine Masse von Gedanken an, wäre es auch mitunter nur als Gegensatz. (…)Rüschhaus, 2. Februar 1838, 12 Uhr nachts

Goethe – ein Schweinickel!

(…) Johannes Stapel war auch hier … übrigens verbauert er immer mehr, und nahm sich, aufrichtig gesagt, mitunter etwas kläglich aus, einmahl war in Abbenburg ein Disput über Goethe, zwischen Onkel Fritz, unserm Werner, Galen, und Hassenpflug, Johannes hatte immer schweigend zugehört, auf einmahl sagt er ganz laut „Mit Erlaubnis! ist der Goethe nicht ein Schweinickel?“ Alle sperrten Nase und Mund auf, und ich sagte „er hat freylich Manches geschrieben, was für ganz junge Leute nicht passt“. Er stand auf, sagte „nun weiß ich genug, wenn er ein Schweinickel ist!“, und ging triumphierend den Laubgang hinauf. Keiner machte Bemerkung hierüber, aber es wurde Allen schwer das Lachen zu lassen. (…)

Peinliche Lage

(…) Ich erhielt gestern einen mir peinlichen Brief von Gottfried Kinkel aus Bonn, er beabsichtigt den so oft fehlgeschlagenen Versuch eines „rheinischen Jahrbuchs“ wieder aufzunehmen, und bittet mich, Westphalen darin vertreten zu helfen, beruft sich auf unser beiderseitiges nahes Freundschaftsverhältnis zu Junkmann, übergeht gänzlich, daß ich seine protestantisch gewordene Frau (die Johanna Mockel) früher sehr genau gekannt habe, und zeigt eben hierdurch, für wie aufgebracht er mich (mit Recht) über diesen Schritt hält. Kurz, sein ganzer Brief ist der Art, daß er einerseits durch dringende Bitte, sehr bescheidene Anforderungen und kräftiges Fürwort mir das Abschlagen fast unmöglich macht, und anderseits den Verdacht katholischer Crassheit, die den Zorn über die Verfehmte auf ihren unschuldigen Mann, der doch rein als litterarischer UnternehmerWeiterlesenPeinliche Lage

Herumwalzen auf den Cölner Bällen

(…) Es geht mir hier übrigens sehr gut. Cöln ist im Winter äußerst angenehm. Ich habe einige Bälle besucht, wo ich aber den Leuten den Aberglauben, daß ich von wegen meiner subtilen Figur gut tanzen müsste, gelassen habe, nämlich dadurch, daß ich gar nicht getanzt habe, als allenfalls einmahl herumgewalzt. Die Bälle sind hier äußerst brillant, selbst das gewöhnliche Lokal ist sehr groß, und am Karneval-Montag wurde auf dem Kaufhause, genannt der Gürzenich, getanzt, wo mehrere tausend Menschen auf der Redoute waren. Es war wieder ein großer Aufzug wie in den vorigen Jahren. Der König Karneval hatte sich eine Braut aus dem Monde geholt. Ich werde Dir die ganze Sache einmahl mündlich erklären, schriftlich ist es nicht gut möglich. AberWeiterlesenHerumwalzen auf den Cölner Bällen

Ärger mit den Handwerkern

Es bedürfte eigentlich wohl vieler Entschuldigungen, daß ich Dir beste Mama, noch nicht früher geschrieben, und doch kann ich Dich versichern, daß es mir, in allem Ernst, scheint als ob ich keine Zeit gehabt, – du weißt, es gehört Deren bey mir nicht wenig zu einem Briefe – die beiden Lotten sind wohl, – sonderlich die Nichte, die so ungeheuer stark wird, daß sie wohl kaum je stärker gewesen ist – alle ihre Kleider sind ihr zu eng geworden – sie trägt daher fast immer einen Ueberrock, und wenn sie mahl durchaus gezwungen ist, etwas anderes anzuziehn, so kostet es nicht wenig Schweiß und Mühe das weiteste der Kleider die sie hier hat glücklich an zu bringen, – sie bekömmtWeiterlesenÄrger mit den Handwerkern

Mein Versuch, vor’s Publikum zu treten

(…) Ich habe schon gesagt, daß mir Schlüter zuweilen schreibt. Er schickt mir dann die Druckbogen, wie sie nach und nach herauskommen, aber leider doch zu spät, um die Druckfehler zu verbessern, deren einige recht schlimme eingeschlichen sind. Einer der schlimmsten ist im ersten Gesange des St. Bernhard, wo es heißt: „Der Bruder nun in seiner Not – beginnt aufs neu das Kreuz zu reiben – als solle nicht ein Stäubchen bleiben.“ Es muß nämlich heißen „das Kleid zu reiben“. Nun lautet es stattdessen, als ob der Bruder sich den Buckel jucke. So etwas ist sehr fatal; man muß es aber jetzt mit Geduld tragen bis zur etwaigen zweiten Auflage. Jedermann sagt, es sei so schwer, Druckfehler aufzufinden, daher kommeWeiterlesenMein Versuch, vor’s Publikum zu treten

Betreffs der Moneten …

(…) Was Du mir in Betreff der Moneten schreibst, liebste Mama, ist mir sehr erfreulich gewesen, ich habe noch etwas und hoffe damit auszukommen, aber ich dachte, ich müsste noch viel wieder mitbringen, von wegen des vielen Geldes, was Ihr mir geschickt habt, was aber großenteils die gelbgelockte Nymphe zu Driburg unters Wasser gezogen hat. Was meinst Du, Mama, da kriegt man mal wenig fürs Geld und muß noch obendrein für Sachen bezahlen, die man nicht kriegt, und für Dienste, die einem nicht geleistet werden, z.B. den Tafeldecker, wenn man, wie ich, auf seinem Zimmer isst, den Brunnenmeister, wenn man, wie ich, keinen Brunnen trinkt, die Badefrau, wenn man, wie ich, eine eigne Bedienung bey sich hat. Ich wollte auchWeiterlesenBetreffs der Moneten …

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