Mehr über Annette von Droste-Hülshoff (hier auf einem Gemälde von Sprick)

Sie möchten Annette von Droste-Hülshoff kennenlernen? Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin, erfahren Sie mehr über ihren Alltag, ihre Arbeit, ihr Privatleben und den Briefverkehr zu ihrer Zeit. Lernen Sie ihre Wohnorte kennen, verfolgen Sie ihre Korrespondenz mit Zeitgenossen, und gehen Sie mit Annette von Droste-Hülshoff auf Reisen.

300 Briefauszüge der Dichterin sind hier verfügbar, kategorisiert und verschlagwortet. Auch alle Kommentare sind authentisch und stammen von Zeitgenossen.

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!


An: Marie Antoinette Sprickmann, aus: Hülshoff
1813 14.April

Meine liebe liebe Rätin, mit der größten Angst schreibe ich diese Zeilen, und doch ist das arme Herz nicht eher ruhig, bis sie geschrieben sind. Einige Äußerungen, die ihnen gestern unwillkürlich entfuhren, bestärken mich in der Meinung, o Gott, werden Sie doch nicht böse, dass es Ihnen wohl zuweilen an manchen fehlen möchte, und da ward mir so bange, und ich hatte keine Ruh, bis ich mich zu wagen entschloss, Ihnen das wenige, was in meinen Kräften steht, anzubieten, Sie können es mir ja gelegentlich wiedergeben, wenn Sie die Angst sähen, womit ich dies schreibe, so hätten Sie Mitleid mit mir und wären gar nicht böse, Sie werden auch gewiss nicht böse, denn Sie wissen wohl, dass ich es nicht übel meine, und das es alles… Weiterlesen »

Hintergrund: Die Sprickmanns sind Freunde der Familie, sie wohnen in Münster der Stadtwohnung der Droste-Hülshoffs gegenüber. Anton Matthias Sprickmann arbeitet, um über die Runden zu kommen, neben seiner Tätigkeit als Dozent an der juristischen Fakultät auch als Tribunalrichter. Diesen Job verliert Sprickmann jedoch im Februar 1813. Bereits seit 1811 hat er das Angebot für einen Lehrstuhl an der Uni Breslau, dem er gerne folgen würde - die französische Regierung (Westfalen steht bis 1813 unter napoleonischer Herrschaft) stellte sich jedoch bislang quer.
An: Maria Anna von Haxthausen, aus: Hülshoff
1805 31.Dezember

Liebe Großmama! Ich hoffe, dich bei dem Schreiben und der Ankunft dieses Briefes in eben der Gesundheit zu treffen, die wir jetzt genießen. Wir haben dieses Jahr recht was Schönes auf Nikolaus bekommen, Jenny hat einen Ring, einen seidenen Geldbeutel, ein paar Handschuh und viel Esswerk bekommen. Ich habe dasselbe erhalten. Werner und Fente haben Jacke und Hose, auch viel Esswerk bekommen. Lebe wohl. Wir alle küssen dir in Gedanken die Hände. Ich verbleibe deine dich liebende Enkelin Nette Bald hätte ich den guten Großpapa vergessen, küsse ihn für… Weiterlesen »

Hintergrund: Der Brief richtet sich an die (Stief-)großeltern mütterlicherseits. die im ostwestfälischen Bökendorf leben.
Annette von Droste hat drei Geschwister: die zwei Jahre ältere Schwester Maria Anna, genannt Jenny, den anderthalb Jahre jüngeren Bruder Werner Constantin und den drei Jahre jüngeren Bruder Ferdinand, genannt Fente.
An: Anton M. Sprickmann, aus: Hülshoff
1814 20.Dezember

An meinem Trauerspiele habe ich bis vor zwei Wochen noch immer fortgeschrieben und werde auch jetzt wieder dabei anfangen; es geht etwas langsam, aber doch hoffe ich, es gegen den Frühling fertig zu bekommen. Ich wollte, es stände sogleich auf dem Papiere, wie ich es denke, denn hell und glänzend steht es vor mir in seinem ganzen Leben, und oft fallen mir die Strophen in großer Menge bei; aber bis ich sie alle geordnet und aufgeschrieben habe, ist ein großer Teil meiner Begeisterung verraucht, und das Aufschreiben ist bei weitem das mühsamste bei der Sache. Doch kömmt es mir vor, als ob sich meine Schreibart besserte, dies sagen mir auch alle, denen ich es auf Verlangen meiner Mutter vorlas; aber ich fürchte immer, dass diese… Weiterlesen »

Unter der Feder: "Bertha"
Hintergrund: Anton Matthias Sprickmann, Freund und Förderer aus Münster, ist 1814 nach Breslau gezogen. Vor seinem Weggang hat er Annettes Arbeit an ihrem Trauerspiel "Bertha" literarisch betreut.
An: Anton M. Sprickmann, aus: Hülshoff
1816 27.Februar

Es geht jetzt in Münster ein, wie man sagt, sehr hübsches Gedicht auf den westfälischen Frauenverein herum, wovon man mich mit aller Gewalt zur Verfasserin machen will; ich muss mich überall mit Händen und Füßen gegen dies ungerechte Gut verteidigen und werde es zu bekommen suchen, weil doch meine Eitelkeit ein wenig dabei interessiert ist zu sehen, wessen Geistes Kind es sei. Einige legen es auch der Madame Schücking, Ihrer Cousine, zu; sollte dies so sein, so interessiert es mich doppelt, sowie alles, was von diesem herrlichen und seltenen Weibe kömmt, zu der ich eine so eigne und innige Hinneigung fühle, dass ich sie bei unsrer geringen Bekanntschaft durch ihre mannigfaltigen schönen und anziehenden Eigenschaften kaum… Weiterlesen »

Hintergrund: Kurz nach der ersten Begegnung der Droste mit Katharina Busch heiratet diese am 17. Oktober 1813 Paulus Modestus Schücking und zieht nach Meppen. Der Kontakt bricht ab. Erst 16 Jahren später sehen sich Annette und Katharine wieder.
An: August von Haxthausen, aus: Hülshoff
1816 29.Januar

Ausnehmend gut ist bei der Auswahl der Bücher unser Geschmack getroffen, denn wir lassen uns beiderseits darauf totschlagen, dass wir das Schönste bekommen haben (nämlich jede von uns will das Schönere bekommen haben), und wirklich finde ich „Die Schuld“ so vortrefflich, habe sie so oft gelesen und daran gedacht, dass ich sie zur Not wieder aufschreiben könnte, wenn alle Exemplare sollten verloren gehen. Unbegreiflich ist mir, wie ein so großes Talent wie das des Herrn Müllner, vierzig Jahre ruhen konnte, (wie er in seiner Vorrede selbst sagt) bei allen äußeren Anlässen zum Erwachen, die sich im Leben einem so häufig darbieten. … Lebe wohl! Jenny steht am Fenster und ruft wie ein Zahnbrecher, dass ich kommen und mich… Weiterlesen »

An: Anton M. Sprickmann, aus: Hülshoff
1818 27.Oktober

… ich habe in diesem Jahre ein Gedicht in sechs Gesängen geschrieben, dem eine nicht zu wohl ausgesonnene Rittergeschichte zum Grunde liegt, das mir aber in der Ausführung ziemlich gelungen scheint. Dies wollt ich Ihnen nun schicken, sobald es fertig wär, konnte aber nicht so bald damit zu Stande kommen, weil ich im vorigen Jahre sehr an einem Kopfschmerz gelitten habe, der äußerst nachteilig auf die Augen wirkte; und habe ich mich hiebei, wie die Ärzte behaupten, sehr vor Rückfällen zu hüten. Ich habe auch wirklich nie einen halben Gesang ununterbrochen schreiben können, ohne einen kleinen Anfall zu spüren. Obschon die Gesänge nicht sehr lang sind und ich im Ganzen auch nicht so sehr langsam arbeite, so hat dies kleine… Weiterlesen »

Unter der Feder: "Walther"
Hintergrund: Das Stadthaus am Krummen Timpen in Münster gehört der Familie Droste nur bis Dezember 1818. Danach mieten sie für ihre Aufenthalte in der Stadt eine Wohnung.
An: Ludowine von Haxthausen, aus: Paderborn
1813 27.Juli

Dem guten August danke ich herzlich für das schöne Gedicht. Grimm sage, es täte mir herzlich leid, dass er seine Namensveränderung oder Verdrehung so übel genommen hätte, und da es ihm so sehr missfiele, so wollte ich ihn in Zukunft nicht mehr Unwill, sondern Unmut nennen. Übrigens werde ich die Märchen mit größter Freude sammeln, um ihn zu… Weiterlesen »

Hintergrund: Bei einem Aufenthalt bei den Großeltern in Bökendorf im Sommer 1813 hat Annette Wilhelm Grimm kennengelernt. Die Begegnung war offenbar nicht frei von Spannungen.
An: Charlotte Grimm, aus: Bökendorf
1818 30.August

Was denken Sie, liebe Lotte, dass ich mich wie ein Dieb in der Nacht aus Kassel gemacht habe, ohne Ihnen zuvor Ihr Eigentum wieder zuzustellen? Es war mir bei dem Tumult der Abreise ganz aus dem Gedächtnis gekommen, und erst wie ich schon weit vor dem Tore hinaus war und mich noch einmal zum Abschiede nach dem schönen Kassel umsah, worüber aber jetzt die Morgennebel wie ein Witwenschleier lagen, vermutlich zur Trauer über unsere Abreise, fielen mir meine Sünden aufs Herz; und hätte ich nicht ein festes Vertrauen auf Ihre Güte, so hätte ich mich wohl leicht vor den nachsetzenden Häschern fürchten können. Zum Glück entsann ich mich, dass Sie ja noch ein ähnliches Kleinod von mir in Unterpfand haben. Da wir aber morgen in… Weiterlesen »

An: Anna von Haxthausen, aus: Hülshoff
1815 5.Dezember

… von Werner (dem Onkel nämlich) habt? Hier hören und sehen wir nichts von ihm, der junge Brenken, heißt es, würde bald zurückkommen, ich glaube sogar, er hat geschrieben, aber Onkel Werner meldet nichts davon, ob er gleich, wie mir erst in diesem Augenblick einfällt, nach Bökendorf geschrieben hat, wir haben schon gedacht, er würde den jungen B allein zurückkehren lassen, und, Gott weiß wie lange noch in Wien bleiben, das wäre doch ein rechter Strich durch unsre Rechnung, wir hatten uns so auf seine Ankunft gefreut, denn man muss froh sein, wenn man ihn hat, weil man nie weiß, ob man ihn so bald wieder zu sehen bekömmt, oder ob er sich nicht gar in ein Schiff setzt und nach Konstantinopel fährt. Ich muss schließen, es… Weiterlesen »

Hintergrund: Annettes Onkel Werner hält sich zur Zeit des Wiener Kongresses in der österreichischen Hauptstadt auf. Auf dem Kongress kommen die europäischen Machthaber zusammen, um nach dem Sieg über Napoleon Europa politisch neu zu ordnen. Werner von Haxthausen kann vor Ort eine Stelle im preußischen Staatsdienst ergattern, er ist für die Neugestaltung der preußischen Rheinprovinzen zuständig. Er lebt ab März 1816 als Regierungsrat in Köln.