Mehr über Annette von Droste-Hülshoff (hier auf einem Gemälde von Sprick)

Sie möchten Annette von Droste-Hülshoff kennenlernen? Stöbern Sie hier in den Briefen der Dichterin, erfahren Sie mehr über ihren Alltag, ihre Arbeit, ihr Privatleben und den Briefverkehr zu ihrer Zeit. Lernen Sie ihre Wohnorte kennen, verfolgen Sie ihre Korrespondenz mit Zeitgenossen, und gehen Sie mit Annette von Droste-Hülshoff auf Reisen.

300 Briefauszüge der Dichterin sind hier verfügbar, kategorisiert und verschlagwortet. Auch alle Kommentare sind authentisch und stammen von Zeitgenossen.

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!


An: Clemens von Bönninghausen, aus: Rüschhaus
1829 6.November

5a. Zuweilen Stiche im Kopfe. 7. öftere Röte und Hitze einer Wange, gewöhnlich der Rechten. 8. Schielen. 13. Knacken der Kinnladen beim Essen. 14. Empfindlichkeit der Zähne gegen Wärme. 16. Wundheit des Gaumens. 17. Zuweilen Kitzel in der Kehle, wobei sich die Beklemmung und der Reiz zum Aufstoßen vermindert. 21. Ein unaufhörlicher Drang zum leeren Aufstoßen, welches aber, wenn ich ihm nachgebe, das Übel verschlimmert, so dass es nun unaufhörlich vor dem Halse liegt und den Atem benimmt. 21. Zuweilen Aufschwulken der genossenen Speisen, bald sauer, bald süßlich, bald geschmacklos. 23. Etwas Druck auf der Herzgrube, und überall das unangenehme überladene Gefühl, wie von verdorbenem Magen. 23. Wiederum einen… Weiterlesen »

Hintergrund: Clemens Maria von Bönninghausen ist einer der ersten Homöopathen, und obgleich er nie Medizin studiert hat, gibt Annette sich als eine der ersten Patientinnen in seine Hände. Jahrelang konnte die Schulmedizin der von Kindheit an kränkelnden Annette nicht durchgreifend helfen. Als sich ihr Gesundheitszustand im Sommer 1829 dramatisch zugespitzt hat, wird sie an Bönninghausen überwiesen, der sie ab September 1829 behandelt. Der Erfolg überzeugt Annette so sehr, dass sie seine Dienste zeitlebens in Anspruch nehmen wird. Erst 1846 muss sie sich in Meersburg von einem Schulmediziner behandeln lassen, weil Bönninghausen nicht greifbar ist.
An: Anton M. Sprickmann, aus: Hülshoff
1819 8.Februar

O mein Sprickmann, ich weiß nicht, wo ich anfangen soll, um Ihnen nicht lächerlich zu erscheinen, denn lächerlich ist das, was ich Ihnen sagen will, wirklich, darüber kann ich mich selber nicht täuschen. Ich muss mich einer dummen und seltsamen Schwäche vor Ihnen anklagen, die mir wirklich manche Stunde verbittert; aber lachen Sie nicht, ich bitte Sie noch einmal, mein Plagedämon hat einen romantischen und geckenhaften Namen, er heißt „Sehnsucht in die Ferne“; nein, nein, Sprickmann, es ist wahrhaftig kein Spaß. Sie wissen, dass ich eigentlich keine Törin bin; ich habe mein wunderliches, verrücktes Unglück nicht aus Büchern und Romanen geholt, wie ein jeder glauben würde. Aber niemand weiß es, Sie wissen es ganz allein,… Weiterlesen »

Hintergrund: Otaheite lautet der ursprüngliche Name von Tahiti.
An: Marie Antoinette Sprickmann, aus: Hülshoff
1813 14.April

Meine liebe liebe Rätin, mit der größten Angst schreibe ich diese Zeilen, und doch ist das arme Herz nicht eher ruhig, bis sie geschrieben sind. Einige Äußerungen, die ihnen gestern unwillkürlich entfuhren, bestärken mich in der Meinung, o Gott, werden Sie doch nicht böse, dass es Ihnen wohl zuweilen an manchen fehlen möchte, und da ward mir so bange, und ich hatte keine Ruh, bis ich mich zu wagen entschloss, Ihnen das wenige, was in meinen Kräften steht, anzubieten, Sie können es mir ja gelegentlich wiedergeben, wenn Sie die Angst sähen, womit ich dies schreibe, so hätten Sie Mitleid mit mir und wären gar nicht böse, Sie werden auch gewiss nicht böse, denn Sie wissen wohl, dass ich es nicht übel meine, und das es alles… Weiterlesen »

Hintergrund: Die Sprickmanns sind Freunde der Familie, sie wohnen in Münster der Stadtwohnung der Droste-Hülshoffs gegenüber. Anton Matthias Sprickmann arbeitet, um über die Runden zu kommen, neben seiner Tätigkeit als Dozent an der juristischen Fakultät auch als Tribunalrichter. Diesen Job verliert Sprickmann jedoch im Februar 1813. Bereits seit 1811 hat er das Angebot für einen Lehrstuhl an der Uni Breslau, dem er gerne folgen würde - die französische Regierung (Westfalen steht bis 1813 unter napoleonischer Herrschaft) stellte sich jedoch bislang quer.
An: Anna von Haxthausen, aus: Hülshoff
1821 30.März

Übrigens bin ich innerlich – (o Anna, ich bitte, verstehe mich diesmal recht) sehr gefasst; man hält meine Zurückgezogenheit wahrscheinlich für Stolz unter meinen Bekannten, denn sie sind fast sämtlich schüchtern und demütig gegen mich geworden, aber mir desto ergebener. Ach Gott, wenn sie einmal in mein gepresstes Herz sehen könnten, sie würden mich nicht mehr lieben. Liebe Anna, ich will Dir eine böse Richtung meines Charakters nicht verderben – sieh, so wie ich strenger gegen mich werde, werde ich es auch gegen andere – ich komme mir unwillkürlich und unabänderlich vor, wie ein strenger, unglücklicher Richter, der die härteste, nagenste Strafe seiner eigenen Fehler in der unerbittlichen Bestrafung ähnlicher an anderen… Weiterlesen »

An: Dorothea von Wolff-Metternich, aus: Hülshoff
1819 27.März

… wir leben übrigens so still und angenehm für uns hin wie immer, Jenny malt recht viel und macht die übrige Zeit feine Handarbeiten, Ludowine ist uns ein sehr liebes und angenehmes Mitglied, sie ist, wenigstens hier, sehr nachgebend, und immer guter Laune, das letzte ist mir ungeheuer viel wert, denn ich bin wohl zuweilen traurig, aber wenigstens in zehn Jahren nicht mehr übler Laune gewesen (als Kind habe ich mich mehr damit abgegeben) und es gibt wohl keine fatalere Lage, als in der ein Gutlaunigter steckt, wenn er mit einem Übellaunigten in einem Zimmer ist, und weder hinaus gehn kann noch aus Furcht, den andern zu ärgern, wie sonst sprechen und lachen darf. Ich selbst habe diesen Winter nur sehr wenig tun dürfen und… Weiterlesen »

An: Therese von Droste, aus: Bökendorf
1820 11.März

Dass Werner krank gewesen ist, wusste ich schon ziemlich lange durch Briefe von Köln, habe es jedoch nicht eher erfahren, bis er schon ganz wieder hergestellt war, es freut mich aber außerordentlich zu erfahren, dass der junge Thielemann so freund mit ihm ist. Wir haben doch wirklich überhaupt getreue und aufrichtige Freunde an Thielemanns, und ich will nicht leugnen, dass mir ihre Entfernung wahrhaft hart fällt, sie hat mir vor etwa vier Wochen geschrieben, und ich hätte ihr längst geantwortet, wenn sich nicht gleich nachher die fatale Äquinoktials-Krankheit eingestellt hätte, wo ich in starken drei Wochen durchaus nicht schreiben und lesen sollte. Bökendorf, 11. März… Weiterlesen »

An: Anna von Haxthausen, aus: Hülshoff
1821 7.Oktober

O Gott, ich kann nicht bergen Wie angst mir vor den Schergen Die du vielleicht gesandt In Krankheit oder Grämen Die Sinne mir zu nehmen Zu töten den Verstand. Es ist mir oft zu Sinnen Als wolle schon beginnen Dein schweres Strafgericht Als dämmre eine Wolke Doch unbewusst dem Volke Um meines Geistes Licht. Aus: „Am Gründonnerstage“ Teil des Gedichtzyklus „Das Geistliche Jahr“ Ich schreibe jetzt zuweilen an der Ledwina, die gut werden wird, aber so düster, dass mich zuweilen das Abschreiben daran jedesmal sehr angreift; starkes Arbeiten ist mir überhaupt sonst sehr erleichternd. Nach der Stimmung der geistlichen Lieder darfst Du meine jetzige nicht beurteilen, die gottlob viel anders und heller ist; vorzüglich… Weiterlesen »

Hintergrund: Die Erzählung "Ledwina" ist Fragment geblieben.
An: Jenny von Laßberg, aus: Rüschhaus
1834 29.Oktober

Ich lege erst in diesem Moment das beikommende Paket aus der Hand, und die Finger zittern mir noch vom angestrengten Schreiben. Zudem erwarten wir jeden Augenblick unseren weiblichen Spitzbuben, die Madame Bücker, welche dieses zur Post bringen soll. O Himmel, ich habe keinen Gedanken mehr im Kopfe, so habe ich mich zuschanden geschrieben. Laßberg wird sagen, die Hälfte oder das Dritteil sei genug gewesen, aber ich wollte meinem unbekannten Gönner in spe, dem Herrn Doktor Schwab, eine Auswahl lassen. Bitte Deinen guten Laßberg doch, dass er sich der Sache annimmt, ich bin noch nicht im reinen mit mir, wegen der alten und neuen Orthographie, und habe sie hier schändlich durcheinandergeworfen, in vielen Worten das h bald ausgelassen,… Weiterlesen »

Hintergrund: Der erwähnte Gustav Schwab ist Redakteur beim "Morgenblatt für gebildete Leser" und ein guter Bekannter Laßbergs.
An: Jenny von Laßberg, aus: Bonn
1831 20.März

Ich habe an Mama und Werner geschrieben, und so sollst Du, alter lieber Hans, auch nicht so ganz leer ausgehn. Wenn mir auch nur noch Zeit für ein paar Zeilen bleibt; manches, was eigentlich für Dich gehört, z. B. über Blumen, die ich gern für die Mertens hätte, steht schon in dem langen Briefe an Mama … Übrigens habe ich hier schöne Sachen geschenkt bekommen; habe deshalb auch manches zurückschenken müssen, was meinem Geldbeutel nicht besonders gut bekommen ist. Es geht hier wie in Münster, alle Leute schenken mir etwas. Vorgestern hat mir ein geistlicher Herr eine Vase von Amethyst geschenkt – ist das nicht schön? Aber es ist kein klarer Amethyst, und die Vase ist überhaupt nicht schön von Form, es ist aber doch… Weiterlesen »