Kategorie: 1842

Augendienerei

Von Annette von Droste-Hülshoff
27. Dezember 1842

Ich wollte ein paar stille, gemütliche Stunden mit Elisen und Tante Ittchen zubringen, war im ordinärsten Kostüm, dabei noch verregnet und verpluddert – an der Treppe kömmt mir E. hastig entgegen, führt mich durch die Küche ins Kabinettchen, wo mir schon der französische Caquet vom Saale entgegen schallt, und bittet mich vom Himmel zur Erde nicht umzukehren, – Gott behüte! linksum kehrt Euch! – Tante Ittchen und Nanny Scheibler werden zur Hilfe gerufen, und ich fahre endlich in den… Weiterlesen »

Sie könnte Levin gefährlich werden

Von Annette von Droste-Hülshoff
6. Dezember 1842

Nun aber, mein klein Herz, Sie sind mir böse gewesen? Das hat mich hintennach recht erschreckt. Lieber Gott! Ich bin so ungeschickt, so wenig gemacht, mit einem so zarten Wesen wie Sie zu verkehren, dass ich mich selbst prügeln möchte, wenn ich mich nur klüger damit schlüg. Mein lieb Tierchen, wenn ich dergleichen wie neulich sage, dann ist’s, aufrichtig gestanden, auch nur Eifersucht. Meine Liebe ist eben so empfindlich und viel tyrannischer als die Ihrige, ich möchte Sie gern sehr… Weiterlesen »

Ich wollte, wir wohnten zusammen

Von Annette von Droste-Hülshoff
20. November 1842

Wie haben mich die Zeichen Ihrer Liebe gerührt, mein gutes treues Herz. Wahrlich, wenn die Liebe nicht existierte, Sie würden sie erfinden. Dank, Dank für den Frühling, den Sie mir in meine Wintereinsamkeit schicken. Ich meine nicht nur die Blumen, auch Ihre Worte sind immer wie ein Mairegen, der mein schroffes Gemüt erweicht und tausend Keime weckt. Ich wollte, wir wohnten zusammen, mein Elischen, dass Sie mich täglich mit Ihrer Milde und Begeisterung ein wenig anspritzten, es würden… Weiterlesen »

Der Wind hat gedreht

Von Annette von Droste-Hülshoff
17. November 1842

Im „Morgenblatte“ sind noch zwei meiner Gedichte erschienen: „Die Taxuswand“ und „Junge Liebe“. Die „Judenbuche“ hat endlich auch hier das Eis gebrochen und meine sämtlichen Gegner zum Übertritt bewogen, so dass ich des Andrängens fast keinen Rat weiß und meine Mama anfängt, ganz stolz auf mich zu werden. O tempora, o mores! Bin ich denn wirklich jetzt besser oder klüger wie… Weiterlesen »