Kategorie: 1842



An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
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1842 15.November

Bei Schlüters fand ich auch alles im herrschenden Stile; Thereschen, mit einer dicken Halsbinde, sah aus wie ein artiges Fahnenjünkerchen; mein lieber Professor, den ich übrigens sehr wohlaussehend und fast schön fand, klagte, dass seine Körperdürre sich auf den Geist geworfen habe und alle Welt ihn langweile, er selbst sich am Allermeisten…. Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
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1842 15.November

Ich habe die ganze Zeit bei Elisen logiert … Wir haben eine sehr liebe Zeit zusammen verlebt; Tante Ittchen war noch nicht da, und ich kroch derweil in ihr Bette, vor das sich Elise dann jeden Abend setzte, wo uns unter Ernst und Lachen oft die Mitternacht über den Hals kam, ehe wir es dachten; ich denke recht bald wieder hin zu gehen; es sollte mich wundern, wenn einem gewissen kleinen Pferdchen die Ohren nicht fleißig geklungen hätten, besonders, obwohl wider Verdienst, das rechte. … Jawohl ist sie seelengut; ich weiß sonst niemanden, der so durch und durch gut und mild wäre, außer etwa Schlüter, und ich glaube auch nie eine Freundin so, ohne Schwärmerei, herzlich und wie mein eignes Blut geliebt zu haben; und von ihr… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
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1842 10.Oktober

Ich war, um das bewußte Paket zu holen, in Münster bei Ihrer Tante, die ich noch immer hübsch und sehr angenehm finde. Ich hoffte, bei dieser Gelegenheit manches von Ihren Sachen, woran mir liebe Erinnerungen hängen, mal wieder vor Augen zu bekommen, Ihr Schreibzeug, Ihre Bücher, alle die kleinen Andenken von Ihrem Nippestische: aber wahrscheinlich war alles in einer Plunderkammer aufgestapelt, denn die Tante setzte mich in den Kanapee und holte das Bezeichnete herbei. Ich tat natürlich, als sei mir der Inhalt unbekannt, und als wünschten Sie nur Ihre wichtigsten Papiere an einem Ort, wo sie binnen den acht Jahren nicht durch Umziehn dem möglichen Verlust ausgesetzt wären; doch schien die Tante etwas pikiert und meinte, auf… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
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1842 10.Oktober

Wie es mir geht? Jetzt schon gut; ich habe mich wieder ins Klima eingeübt, qualifiziere mich täglich mehr zur Schnelläuferin, gehe ganz bequem in einem Tage nach Hülshoff oder Münster und zurück und setze alle außer Atem, die Schritt mit mir halten müssen. Qu’en dites-vous? Ich denke, die achtundachtzig Jahre, die Sie mir angewünscht haben, werden mir wirklich nach und nach auf den Rücken steigen. Was soll ich Ihnen von meiner Lebensweise sagen? Sie ist so einförmig, wie Sie sie kennen und sie mir grade zusagt: Rüschhaus in seiner bekannten melancholischen Freundlichkeit, im Garten die letzten Rosen, die mich immer rühren, wenn ich denke, wie ich sie Ihnen vor nun schon zwei Jahren beim Abschiede gab, als Sie Ihr… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
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1842 10.Oktober

Sie haben doch wohl bei Beendigung des Halbjahrs nicht versäumt, sich bündig fest zu stellen? Ich bitte, antworten Sie mir hierauf, denn ich bin in großer Unruhe deshalb; ohne dieses könnten Sie um alles kommen, und selbst ein schriftlicher Kontrakt kann unter Umständen trügen, wie ich Ihnen früher ein Beispiel vom alten Steinmann angeführt. Sind Sie aber noch nicht gebunden und fürchten Veränderungen, die Ihre ohnedies delikate Lage bis zum Bedenklichen, ich wage es zu sagen: bis zum fast Unehrenhaften steigern könnten, so bitte ich Sie, um alle der treuen Sorge und Liebe willen, die ich Ihnen immer bewiesen, sprechen Sie es ehrlich gegen mich aus, und ich will dann mein möglichstes tun, Ihnen durch August, der ja jetzt alle… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
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1842 10.Oktober

Meine Gedichte werden denn doch gegen Ostern erscheinen können. Bis vor kurzem habe ich wenig daran getan, aber seit es draußen kalt und kotig geworden ist, habe ich mich in meine Winterpoesie gehüllt; es ist doch sonderbar, dass zum Dichten eigentlich schlechtes Wetter gehört, ein neuer Beweis, dass nur die Sehnsucht poetisch ist und nicht der Besitz. Säß mein liebstes Kind mir noch gegenüber, ich würde wieder zwei Gedichte täglich machen; jetzt lasse ich es langsamer angehn, aber es giebt doch was, und ich bin neugierig auf Ihr Urteil über das Spätere. N B. Velhagen scheint doch an dem Verlage meiner Gedichte etwas gelegen; die Rüdiger sagt, dass er Nanny Scheibler angegangen, ihm denselben zu verschaffen; dies zur… Weiterlesen »

An: Sibylle Mertens, aus: Rüschhaus
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1842 29.September

Geschrieben hast Du nun zwar nicht, jedoch denke ich mir Dich wieder zu Hause und in einer Stimmung, wo das Andenken Deiner Freunde anfängt in Dir wieder aufzuleben; Du hast jetzt allerdings eine schwere Stellung, die alle Deine Zeit und Kräfte in Anspruch nimmt, aber doch mindestens eine unbehinderte, was weniger für Dich als für diejenigen, denen jetzt alle Deine Pflichten gehören, so viel wert ist, dass man kaum wagen darf über das Schicksal zu murren, auf welchem ergreifenden und traurigen Wege es dieses auch herbeigeführt hat. Dennoch traust Du mir wohl zu, dass mein erstes Gefühl aufrichtiger Kummer um einen Mann war, den ich so voll Lebenshoffnung verlassen hatte, und der sich mir immer geneigt und nach seiner Weise… Weiterlesen »

An: Sophie von Haxthausen, aus: Rüschhaus
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1842 24.September

In Stuttgart gibt nämlich der Professor Bauer ein Werk heraus „Deutschland im neunzehnten Jahrhundert“, dessen Ausarbeitung viele Gelehrte unter sich verteilt haben. Hierbei hat Schücking nun, noch in Meersburg, Westfalen übernommen, weil er dorthin zurückzukehren und dann alle Quellen zur Hand zu haben glaubte; nun sitzt er in Bayern beim Fürsten Wrede, wird auf’s äußerste um seinen Beitrag gedrängt und stößt, obwohl er sein Land sowohl durch Beobachtung als Lesen gründlich studiert hat, doch überall auf Schwierigkeiten und Lücken, wie es so ganz ohne Hülfsmittel nicht anders möglich ist. Er schreibt mir den lamentabelsten Brief von der Welt, dass er sich schon an mehrere in Münster um Auskunft in den verschiedenen Zweigen… Weiterlesen »

An: Sophie von Haxthausen, aus: Rüschhaus
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1842 23.September

Ich versichere Dich, ich war ganz herunter und so mutlos wie Anno 1830, bei dem miserabeln Aufenthalt in Münster. Man sollte einem halb Genesenen nie sagen, wie bedenklich es mit ihm gestanden hat, denn Rückfälle kommen immer, und dieser war ein arger Rückfall, so dass ich schon halb und halb darauf gefaßt war, den Winter nicht hier bleiben zu können. Davon glaubst Du nun kein Wort, und es ist doch wahr. Zum Glücke war es schon viel besser, als Mama zurückkam, und jetzt habe ich mich wieder an’s Klima gewöhnt und bin, unbeschrieen, flink auf den Strümpfen. Mama ist gottlob auch wohl, sehr heiter, denkt nicht an ihr Übel, sondern hat so viel zu sehen, zu fragen und zu erzählen, dass sie nicht zum Schreiben kommen kann und,… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
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1842 12.September

Nun komme ich zu etwas, was mir eigentlich am meisten auf dem Herzen liegt, weshalb grade ich es bis zuletzt verschoben habe, Deine Lage nämlich. Wüßtest Du es, wieviel ich an Dich denke, wie manche Stunde ich wach in meinem Bette liege und mich über Deine Zukunft zergrübele und zersorge! Levin, mein einziges geliebtes Kind, Du bist in sehr schlimmer Umgebung. Das Herz ist mir so voll, ich möchte dir so alles auf einmal sagen, und doch ist’s am besten, ich warte ab, wie sich die Dinge gestalten; was nutzt’s Fälle zu erörtern, die vielleicht nicht eintreten! Aber ich fürchte, mit dem Tode der guten, wahrscheinlich totgequälten Fürstin weicht das letzte sittlich edle Bild, an dem sich eine ehrliche Seele noch aufrichten kann,… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
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1842 12.September

Adelen habe ich noch nicht schreiben können, und muss erst ihre Adresse durch die Mertens abwarten, da sie grade nach Karlsbad reiste, als ich in Bonn war, und der Mertens diese dann zu schicken versprochen. Ich werde dieser doch in den nächsten Tagen schreiben, da ich einen in Betracht der Umstände sehr langen Brief von ihr erhalten, wenige Tage, nachdem man ihren Mann, der mir in Bonn schon sehr bedenklich vorkam, auf einer kleinen Geschäftsreise morgens tot im Bette gefunden. Sie ist doch sehr erschüttert, und mit Recht, denn sie haben eine wahre Höllenehe geführt, und die Schuld stand ganz zu gleichen Teilen. Vielleicht wird sie jetzt wieder liebenswürdiger, da der wenigstens angebliche Grund zu dem ewigen innern Grimmkochen… Weiterlesen »

An: Levin Schücking, aus: Rüschhaus
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1842 12.September

Zu meinem Gedichten ist noch manches recht Gelungene hinzugekommen, und die Pastete bald gar. Dann habe ich aber einen Plan damit, den ich Dir nur im Vertrauen mitteile, und über den ich voraussehe, sehr ausgeschumpfen zu werden. Liebes Herz, die arme – freilich nicht besonders schätzbare – Bornstedt ist sehr, sehr unglücklich, von jedermann verlassen, in eine Melancholie versunken, dass man allgemein für ihren Verstand fürchtet, von ihrem Liebhaber fortwährend schändlich betrogen und geplündert – während man in ihrem jetzigen Zustande es nicht wagen darf, eine Aufklärung herbeizuführen – und gewiss in großer Geldnot, vielleicht hungernd, obwohl sie alle dergleichen Andeutungen mit stolzer Empörung zurückweist; aber… Weiterlesen »