Site Overlay
Levin Schücking auf einem Stahlstich von H. Weger; Quelle: Wikipedia

Levin Schücking (1814-1883) gilt als einer der engsten Freunde der Dichterin. Die Bekanntschaft wurzelt in der Verbindung zwischen seiner Mutter, Katharine Schücking, und Annette von Droste. Die Freundschaft gründet auf gemeinsamem Interesse für die Literatur und beruht auf Gegenseitigkeit: Schücking nutzt seine Kontakte für die Dichterin und wird wiederum von ihr protegiert. Mehr über Levin Schücking


Warum haben Sie ihm die kleine Freude nicht gemacht?

Mein lieber Levin! Ich habe soeben einen Brief zerrissen, weil er sich gar zu kläglich ausnahm, einen bereits fertigen Brief an Sie, mein gutes Kind, worin ich zur Entschuldigung meines Stillschweigens das ganze Heer von Troublen und wirklichen Unfällen, das uns seit vier Monaten verstört hat, aufmarschiren ließ. Wozu das? Es ist ja jetzt vorüber, Manches am Ende nur leere Angst gewesen, und Anderes bereits halb verschmerzt. Lassen Sie mich lieber Ihnen danken für Ihr liebes Geschenk…. Weiterlesen »

Die Folgen einer Verwechslung

(…) Wir haben binnen wenigen Monaten viel Angst ausgestanden, doch ist gottlob nur ein Schlag niedergefallen: wir haben den guten Onkel Fritz Haxthausen verloren, ein recht betrübender Verlust, jedoch einer, wie viele im Leben vorkommen und womit man sich abfinden muß. Aber daß Mama und ich, seine einzigen Pfleger – denn er war zuletzt hier in Münster – zwey Monate voraus wußten, er sterbe an Magenkrebs und werde wahrscheinlich zuletzt verhungern, das war sehr hart und überstieg… Weiterlesen »

Gott segne Mutter und Kind

(…) Wie gehts Luisen? Wann sieht sie denn ihren neuen Mutterfreuden entgegen? Ich denke sehr viel an Euch und habe immer zwischendurch an Euch gedacht, wenn mir auswärtiges Denken sonst wohl vergehen mußte. (…) Den 11ten. Soeben erhalte ich Ihren Brief. Also ein Mädchen! Nun, Gott segne Mutter und Kind. Ich bin herzlich froh, daß alles so weit ist. Aber mein Lotharchen kömmt nun ganz drunter, der ist nun fortan „der große Junge“ und soll viel verständiger und artiger sein,… Weiterlesen »

Ärgern Sie sich nicht über meinen Papiergeiz

(…) Im Frühling gehn wir wieder nach Meersburg; ich freue mich recht darauf, dort bin ich immer viel gesünder und kann auch viel mehr und leichter arbeiten; Ruhe, poetische Umgebung und besseres Befinden wirken dann zusammen. Auch in Ihrer Nähe bin ich dann, höre oft von Ihnen und kann es vielleicht möglich machen, Sie zu besuchen und mein lieb Patenjüngelchen zu sehn – lauter Dinge, wonach ich mich herzlich sehne, aber in diesem Augenblicke lange nicht Kraft und Mut genug habe, es… Weiterlesen »

Kaum Zeit zum Dichten

(…) Machen Sie damit, was Sie wollen, d. h. drucken Sie es oder nicht; ich mache gar keine Prätensionen mit diesen Gedichten, die in einem Wirrwarr gemacht sind, wie ich desgleichen nie erlebt und nie wieder zu erleben hoffe. Seit zwei Monaten, wo der Onkel so weit hergestellt ist, daß er täglich einige Stunden Besuch ertragen kann, ist’s hier zum Schwindligwerden. Alle Tage 3–4 Besuche und jeder 3–4 Mann stark: neun verwandte Familien, vier benachbarte, nebst diversen Pastoren, die… Weiterlesen »

Ich kann mich noch nicht daran gewöhnen, daß meine Alte fort ist

(…) Hier ist alles wohl, nur ich habe viel Trübsal gehabt: schon vom Dampfboot einen Husten mitgebracht, meine liebe alte Amme sehr kümmerlich gefunden; nach einigen Wochen brach die Brustwassersucht völlig bey ihr aus, und seitdem habe ich ein Leben gehabt, wie ich es keinem Türken gönnen möchte, Tag und Nacht das Jammern gehört, und das Elend vor Augen. Mama wollte mich umquartieren, aber die Köchin, die neben der Alten schlief, hatte einen gar zu festen Schlaf und konnte es auch… Weiterlesen »

Mein Patenjunge!

(…) Ich habe eine lange recht schwere Zeit verlebt, krank, sehr betrübt und gänzlich unfähig zum Schreiben, was mir auf der Stelle Erbrechen zu Wege brachte. Wie oft habe ich an Euch Lieben gedacht und mich abgesorgt um Luise und das Kindchen, von denen mir auch niemand etwas sagen konnte. Ihr Brief an Hutterus gab mir die erste und einzige indirekte Beruhigung, da doch wohl alles gut stehn mußte, wenn Sie an die Herausgabe Ihrer Gedichte denken konnten. Gott segne Mutter und Kind und… Weiterlesen »

Ich werde gelesen – aber auch gekauft?

(…) Hierbey fällt mir Hüffer ein; hören Sie, wie es mir mit dem gegangen ist! Er antwortete sehr höflich, daß er keineswegs den Ladenpreis verlange, sondern sich als meinen Kommissionär ansehe und neben Druck- und sonstigen Kosten nur gewiße Prozente – ich weiß nicht mehr wieviel – nehmen werde. Die Bücher kamen an – es waren statt 300 nur 172 – dabey die Rechnung, und diese machte, trotz der minutiösesten Berechnung, nur 63 Taler; im Laden kostete das Buch 25… Weiterlesen »