21. Juli 1847

Im Namen der allerheiligsten Dreifaltigkeit!

Da niemand die Stunde seines Todes voraus weiß, und mich, Endesunterschriebene, Anna Elisabeth, Freiin von Droste zu Hülshoff, meine Gesundheitsverhältnisse veranlassen, ein vielleicht schleuniges Ende zu befürchten, so verordne ich hiermit, hinsichtlich meiner Nachlassenschaft, dass, falls sich kein späteres Testament vorfindet, meine beiden lieben einzigen Geschwister, nämlich: mein lieber Bruder, Werner Konstantin, Freiherr von Droste zu Hülshoff, und meine liebe Schwester, Maria Anna, Freifrau von Laßberg, geborene Freiin von Droste zu Hülshoff, als meine alleinigen Erben eintreten sollen, jedoch in folgender Weise, dass

§ I
alle Teile meines Vermögens, die sich innerhalb der preußischen Staaten befinden, mögen dieselben in Kapitalien, liegenden Gründen, Gebäuden, Pretiosen, Mobilien, Kleidungsstücken, Silbergerät, Kunstgegenständen oder anderweitigen Gegenständen oder Anforderungen bestehen; meinem lieben Bruder, Werner Konstantin, Freiherrn von Droste zu Hülshoff, zufallen sollen, wogegen derselbe die Kosten meines Leichenbegängnisses zu tragen hat, welches ich aber so einfach einzurichten bitte, als mein Stand es irgend erlaubt. Dagegen sollen

§ II
alle Teile meines Eigentums, welche sich außerhalb der preußischen Staaten vorfinden, mögen dieselben nun in Kapitalien, vorrätigem Gelde, Anforderungen, liegenden Gründen, Gebäuden, Pretiosen, Silbergerät, Kunstgegenständen, Mobilien, Kleidungsstücken, oder unter welchem Namen sie sonst zu begreifen sind, bestehen, meiner lieben Schwester Maria Anna, Freifrau von Laßberg, geborene Freiin von Droste zu Hülshoff, zufallen.

§ III
Was der (sic) Ertrag etwaiger nach meinem Ableben erfolgender Ausgaben meiner Schriften betrifft, eine Einnahme, deren vielleicht sehr geringen, vielleicht auch sehr bedeutenden Betrag ich gegenwärtig noch durchaus nicht anzuschlagen vermag, so wie dieser Artikel auch keiner der beiden oben bestimmten Abteilungen zufällt, indem ich mit keinem Verleger dahin bezügliche Verträge geschlossen habe, noch auch zu schließen gedenke, so dass die Wahl des Ortes und Staates, in denen diese Herausgaben erfolgen würden, meinen Erben völlig frei stehen wird, so bitte ich meine lieben Geschwister diese etwaige Einnahme zu teilen.

§ IV
Schließlich bemerke ich: dass, da ich sowohl meine Sammlung geschnittener teils antiker, teils neuerer Steine, als auch mein Album, enthaltend Malereien und Handzeichnungen, auf Reisen mit mir zu führen pflege, von diesen beiden Artikeln, wo auch immer der Ort meines Ablebens sein möge, die geschnittenen Steine meinem lieben Bruder, das Album jedoch meiner lieben Schwester zufallen sollen.

Vorstehendes habe ich dreimal eigenhändig geschrieben, unterschrieben, und mit meinem Familienwappen versehen, und von diesen drei Exemplaren das eine beim Großherzoglich Badischen Amtsrevisorat Meersburg hinterlegt, die beiden andern aber meinen beiden lieben Geschwistern und Erben zustellen lassen.

Meersburg, 21. Juli 1847
Anna Elisabeth, Freiin von Droste zu Hülshoff