1829 22.November

(Schilderung der seit dem 7. November neu aufgetretenen Krankheitssymptome)

1. Kopfweh, vorzüglich im Hinterkopf, morgens gelind, nachmittags stärker, abends oft sehr heftig.
2. Knacken mitten im Kopfe, so oft ich ihn umdrehe.
3. Knacken der Kinnlade.
4. Etwas Neigung zu leerem Aufstoßen.
5. Einmal schmerzhaftes Stechen auf der Herzgrube.
6. Zuweilen ein kurzer Stiche in der Seite über der Hüfte, meistens links, selten rechts.
7. Kollern im Leibe.
8. Etwas Beschwerde beim Atmen.
9. Ein beständiger dumpfer Schmerz in der linken Brust, zuweilen in Stiche ausartend, wonach es besser zu werden pflegt.
10. Einmal ein Stich mitten in der Brust, wo der Brustknochen am höchsten ist, aber unter demselben.
11. Zuweilen etwas rascher Puls mit einigem Herzklopfen, etwas außer Atem sein, und innerem Zittern.
12. Häufiger Schmerz im Rücken sowie unter und im linken Schulterblatte.
13. kalter Schweiß der Füße.

Rüschhaus, 22. November 1829

Hintergrund: Clemens Maria von Bönninghausen ist einer der ersten Homöopathen, und obgleich er nie Medizin studiert hat, gibt Annette sich als eine der ersten Patientinnen in seine Hände. Jahrelang konnte die Schulmedizin der von Kindheit an kränkelnden Annette nicht durchgreifend helfen. Als sich ihr Gesundheitszustand im Sommer 1829 dramatisch zugespitzt hat, wird sie an Bönninghausen überwiesen, der sie ab September 1829 behandelt. Der Erfolg überzeugt Annette so sehr, dass sie seine Dienste zeitlebens in Anspruch nehmen wird. Erst 1846 muss sie sich in Meersburg von einem Schulmediziner behandeln lassen, weil Bönninghausen nicht greifbar ist.