1819 20.Dezember

Du musst nur nicht denken, liebste Mama, als ob ich besonders krank wäre. Die Leute wollen behaupten, ich sähe besser aus, als da ich hieher kam, und es kömmt mir bisweilen selbst so vor. Auf jeden Fall befinde ich mich seit dem Driburger Bade viel besser; was Leib- und Magenschmerzen und Übelkeiten, womit ich sonst so oft geplagt war, anbelangt, so weiß ich fast nicht mehr, wie sie tun. Auch das Kopfweh hat sich sehr gelegt, nur habe ich schon, solange der Winter dauert, immer eine Trockne in den Augen, doch ganz ohne Verdunklung. Wahrscheinlich ist die ewige Schnee- oder Regenluft schuld daran, wir haben hier noch nicht einen klaren Tag gehabt. Ich brauche jetzt meine alten Pillen, und es bessert sich merklich.

Die Pulver will mir der Doktor Menne ohne eine besondere Aufklärung von Forkenbeck nicht erlauben. Denk mal, er behauptet, sie wären sehr gefährlich, und es könnten mir auch die Zähne davon ausfallen. Sollte vielleicht viel Merkurius drin sein? Ich soll ihm einen Brief von Forkenbeck verschaffen, worin dieser bezeugt, dass ich die Pulver ohne Schaden genommen und ferner nehmen kann, und ihm dies zugleich beweist, durch einen Aufsatz über meine frühere Krankheit und überhauptige Konstitution. Ich habe ihm gesagt, ich wollte darüber nach Münster schreiben, aber bloß, damit er es nicht selbst tut. Denn ich bin überzeugt, der alten Forkenbeck wird wütend, wenn er einem Landphysicus aus Brakel von seiner Kur Rechenschaft ablegen soll. Da ich zudem hier gar auf keine Kur einlassen will, so denke ich, wir lassen die Sache einschlafen, ich habe ja meine Pillen und die helfen mir gut.

Bökendorf, 20. Dezember (?) 1819

Hintergrund: Merkurius: Quecksilber
Der alte Forkenbeck ist ein Arzt in Münster.